Fand die Entführung des Deutschen Khaled el Masri in Mazedonien unter den Augen von EU-Polizisten statt? Europäische Beamte beaufsichtigten damals die mazedonischen Behörden - wollen aber nichts mitbekommen haben.

el Masri wurde von den USA entführt, verhört und eingesperrt© Carsten Coall/Getty Images
Der mazedonische Geheimdienstmann redet nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit - in einem Restaurant in der Hauptstadt Skopje. Was er sagt, widerspricht deutlich der Linie der mazedonischen Regierung. Ja, er habe gehört, dass der Deutsch-Libanese Khaled el Masri auf Wunsch der CIA von den Mazedoniern festgehalten wurde. Ja, verantwortlich sei wohl die mazedonische Staatssicherheitsdienst DBK unter dem US-freundlichen Geheimdienstmann Siljan Avramovski gewesen.
Aber man müsse das schon verstehen: Wie solle das kleine Land den mächtigen Amerikanern einen Wunsch abschlagen? Und überhaupt: "Warum ist dieser el Masri so wichtig? Er ist doch kein Minister oder sonst wie bedeutend."
Über drei Wochen lang sollen die Mazedonier den in Neu-Ulm lebenden el Masri im Januar 2004 illegal festgehalten haben - bis er von der CIA nach Afghanistan ausgeflogen wurde. Davon geht zumindest die Staatsanwaltschaft in München aus, die den Fall seit zwei Jahren untersucht. Auch ein Sonderermittler des Europarats beschuldigte den in Mazedonien als berüchtigt geltenden DBK. Avramovski ist bis heute Vize-Chef der Behörde, deren Mitarbeiterzahl auf 800 geschätzt wird. Seit 1995 arbeite Avramovski eng mit der CIA zusammen, sagt ein mazedonischer Ex-Geheimdienstler.
Selbst der Untersuchungsausschuss des Bundestages hat den DBK bereits im Visier: Sein heutiger Präsident, Mille Cecevic, steht auf der Zeugenliste. Das mazedonische Innenministerium, dem die Geheimpolizei untersteht, bestreitet zwar bis heute jedes Fehlverhalten. Doch Avramovski selbst räumte gegenüber dem Europarat immerhin ein, dass die DBK kurzzeitig el Masri an der Grenze festgehalten habe - bevor man ihn angeblich nach wenigen Stunden wieder freigelassen habe.
Doch die mazedonischen Sicherheitsbehörden kooperieren nicht nur mit den Amerikanern - sondern auch mit der EU. Was wussten die europäischen Behörden in Brüssel von el Masris Schicksal? Dass die Frage noch offen ist, muss als erstaunlich gelten, denn das Land ist schon seit Jahren eine Art europäisches Protektorat und inzwischen auch Kandidat für die Mitgliedschaft in der EU.