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23. März 2007, 12:58 Uhr

Ich möcht' so gern ein Eisbär sein

Umweltminister Sigmar Gabriel konnte der Versuchung nicht widerstehen und hat bei der Präsentation des kleinen Eisbären Knut mitgerummelt. Das hätte er besser sein lassen sollen. Denn es war durchsichtig - und eindeutig daneben. Ein Kommentar von Andreas Hoidn-Borchers

Der Pfleger, der Bär und Minister Sigmar Gabriel. Beim Spielen.© Sean Gallup/Getty Images

Manchmal muss man einfach persönlich werden. Also: Ich habe nichts gegen Tiere und Tierparks, als Junge wollte ich sogar Zoodirektor werden. Mit meinem Sohn bin ich Dauergast im Berliner Zoo. Und natürlich werden wir auch Knut angucken, bei nächster Gelegenheit. Knut ist süß, keine Frage. Ich kann verstehen, warum ihn so viele Menschen mögen. Er hält wenigstens die Klappe, das unterscheidet ihn positiv von anderen Stars und Sternchen. Und noch hat er auch keinen erkennbaren Dachschaden - wie die älteren Eisbären, die hospitalisiert Stund' um Stund' kopfwackelnd immer wieder dieselben paar Meter in ihrer Anlage zurücklegen. Hin und her und hin und her. So stolze Tiere und so ein trauriger Anblick. Spätestens in ein paar Jahren wird auch der knuddelige Knut das machen, und dann wird er nicht mehr ganz so liebenswert sein.

Was Sigmar Gabriel dann machen wird - wer weiß das schon. In seiner Vorstellung ist er dann SPD-Vorsitzender oder Bundeskanzler oder beides. Das Zeug dazu hat er. Er besitzt allerdings auch die Gabe zum unglücksrabenhaften Agieren. Und so landet er beim verzweifelten Versuch, sich Liebkind machen zu wollen, gelegentlich mit Schmackes im Fettnapf. Als Umweltminister die Patenschaft für Knut zu übernehmen, ist erst einmal eine nette Geste. Dann aber wie bei der öffentlichen Präsentation von Knut mitzurummeln, ist dagegen sehr durchsichtig - und eindeutig daneben.

Er wolle mit seinem Auftritt für den Klimaschutz werben, sagte Gabriel, denn "ohne Eis kein Eisbär." Jau. Und ohne Knut keine Kameras - und ohne Kameras und Live-Sendung im Fernsehen kein Pate Sigmar. Fehlte eigentlich nur noch Kurt Beck, der momentan auch Eigenwerbung dringend nötig hätte, und die Mopsfledermaus. Ach, so ein stolzer Minister und so ein trauriger Anblick.

Es ist halt nur ein kleiner Schritt vom Populisten zum Anbiedermann. Neben einem Sympathieträger aufzutreten, macht einen nicht automatisch sympathisch. Wer als Politiker ganz hoch hinaus will, muss deshalb vor allem eines lernen: Einer Versuchung auch mal zu widerstehen. Vielleicht sollte sich Sigmar Gabriel im Laufe des notwendigen Lernprozesses einen anderen Patenbären zulegen: Winnie-der-Pu, der ist auch sehr populär und wird es anders als Knut auch noch lange bleiben. Man kann viel Spaß mit ihm haben und seinen Erkenntnissen: "Manche haben Verstand, und manche haben eben keinen", sagte Pu. "So ist das eben."

Aber vielleicht können seine Kollegen vom Paten auch noch was lernen. Vielleicht sollte Familienministerin Ursula von der Leyen die Patenschaft eines Waisenkindes übernehmen und es im Waisenhaus mit dem Direktor der Öffentlichkeit präsentieren, um für die Menschenwürde und die Nächstenliebe zu werben. Könnte ja einen Versuch wert sein. Mal sehen, wo dann die Weltpresse ist und der öffentlich-rechtlich live übertragende Rundfunk.

Man weiß es nicht, man ahnt es nur. Wahrlich, wir leben in unwürdigen Zeiten. Und da ist Sigmar Gabriel dann doch wieder nur ein kleines Übel.

Ihre Meinung

Autor Andreas Hoidn-Borchers schreibt, Sigmar Gabriels Auftritt bei Eisbär Knut sei daneben gewesen. Stimmen Sie dem zu?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (5)
Ein Kommentar von Andreas Hoidn-Borchers
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
heiner5362 (23.03.2007, 19:00 Uhr)
@starmax
plattes anschleimen geht meist nach hinten los.
aber schon mal gut dass sich hier einer vom stern so seine gedanken gemacht hat !
von solchen fuzzies regiert zu werden tut weh, und es ist ja kein einzelfall, da sind die spatenstiche und roter-knopf-drücker und scheren(besser beutel-)schneider.
dem kleinen tierchen alles gute und zur nächsten bundestagswahl halten alle kandidaten ein niedliches stofftierchen im arm als beweis für harmlosigkeit hehe.
es kann ja wohl nicht sein, sich dermassen zum clown zu machen.
Stimmen fängt man mit kompetenter Politik, die dem Volk gerecht wird.
buergercornelia (23.03.2007, 18:10 Uhr)
nee, tut mir leid ....
...also ich bin - ganz ehrlich - kein Fan von Herrn Gabriel, aber da tun Sie ihm Unrecht. Der Mann ist Umweltminister und da hat er natürlich die PFLICHT, auf Umweltprobleme hinzuweisen. Und der Eisbär ist nun mal irgendwie doch der Inbegriff für ein schützenswertes Tier und die Bedrohung der Umwelt.
Sorry - ich glaube, dass der Autor hier reflexhaft Politiker-Bashing betreibt. Oder soll der Wirtschaftsminister keine Messen mehr eröffnen, der Kulturstaatsminister sich nicht mit Oskar-Preisträger von Donnersmark treffen, die Gesundheitsministerin keine Krankenhäuser mehr besuchen - kurzum, das ganze Kabinett nichts mehr tun, was halbwegs symphatisch erscheinen könnte? Wer mit dem Finger auf andere Leute zeigt, sollte immer daran denken, dass vier Finger auf ihn zurückzeigen!!!
ramteid (23.03.2007, 15:47 Uhr)
Auf den Punkt gebracht!
Endlich mal ein Mutiger und kein Nachplapperer. Dieser Beitrag ist gut und trifft die höchstwahrscheinlich die Charakter eigenschaften dieses Ministers. Der unter Schröder trittin weichen mußte und nun ganz groß rauskommen will. Ein Selbstdarsteller seinesgleichen. Öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken oder Öffentliche Verkehrsmittel nutzen und Dienstwagen leer hinterher fahren lassen. Das ist kein kleines Übel, nur Zeitgemäß.
Avantgard (23.03.2007, 14:57 Uhr)
GROSSARTIG!!!°
Herzlichen Dank für diesen großartigen Beitrag!!!!
1 mit STERN!!
Armin Kessler - München
starmax (23.03.2007, 14:11 Uhr)
Kompetent nur in der Inkompetenz
- das zeigt sich leider bei unseren Politikern immer deutlicher.
Und eine gute Kinderstube bzw. ein Gespür für die wahren Anliegen des Volkes: fast immer Fehlanzeige !
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