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"Bild" liebt Mr. Cool

Dufte Schlagzeilen! Hammer Bilder! Der neugeborene Nerd Diekmann und der neugeborene FDP-Held Rösler. Wie erklärt sich das öffentliche Techtelmechtel?

Von Laura Himmelreich

  Politisch-publizistische Win-Win-Situation: Vollkontakt zwischen Wirtschaftsminister Rösler (FDP) und "Bild"-Chef Kai Diekmann

Politisch-publizistische Win-Win-Situation: Vollkontakt zwischen Wirtschaftsminister Rösler (FDP) und "Bild"-Chef Kai Diekmann

Zwei Männer fallen sich stürmisch in die Arme, sie lachen, zeigen ihre Zähne, sie umschließen sich fest, sie sehen so aus, als ob sie sich mögen. Eigentlich ein schönes Bild. Wären die beiden Männer nicht Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann.

Das Foto, das bei Röslers Reise ins Silicon Valley entstanden ist, zeigt keine tiefe Freundschaft. Was man sieht, ist der Ausdruck einer politisch-publizistischen Win-Win-Situation. Kaum eine Zeitung berichtet so positiv über Rösler wie die "Bild". Und wenige andere Firmen werden so innig gepflegt vom Wirtschaftsminister wie der Axel-Springer-Verlag. Das Foto der beiden Männer ist so befremdlich, weil es belegt, dass die "Bild" jeden Anspruch aufgegeben hat, kritisch und distanziert über Politiker zu berichten und weil es zeigt, wie sich der Vize-Kanzler mit ein paar hübschen Schlagzeilen instrumentalisieren lässt.

Der Auftrag von "oben"

Philipp Rösler hat zahlreiche Gründe, Diekmann dankbar zu sein. Im Febraur dieses Jahres, lobpreiste die "Bild" den Wirtschaftsminister unter der Überschrift "Mr. Cool": "So souverän hat in der Politik schon lange keiner mehr auf fiese Attacken reagiert ... Cool, cooler, Rösler!" Flankiert wurde der Text mit einem fast ganzseitigen Foto von Rösler wie er dynamisch geht und sich lässig die Krawatte zurechtrückt. Nachdem Rösler im März wieder zum Parteichef gewählt wurde schrieb "Bild": "Mr. Cool ganz happy". Und auch in den letzten beiden Tagen ließ das Boulevardblatt keine Gelegenheit aus, um darauf hinzuweisen, dass Rösler der "Minister Cool" sei.

Philipp Rösler hört gerne Udo Jürgens* und mag Filme mit Meg Ryan. Auf die Idee, dass er für "Coolness" steht, kam bisher nur die "Bild"-Zeitung. Fragt man "Bild"-Mitarbeiter, geben die zu, dass der Auftrag für positive Rösler-Artikel "von oben" komme. Denn für die "Bild" ist Rösler immer dann besonders "cool", wenn er dem Axel Springer Verlag hilft.

Teil der crazy Start-Up-Welt

Einen Tag, nachdem die "Bild" im Februar ihn als "Mr. Cool" lobte, reiste Rösler zum ersten Mal ins Silicon Valley. Der Axel-Springer-Verlag rief zeitgleich mit einem amerikanischen Startup-Investor ein Förderprogramm für Jungunternehmer ins Leben. Rösler besuchte die Vertragsunterzeichnung. Der Axel-Springer-Verlag bekam schöne Bilder mit dem Minister, Rösler bekam schöne Schlagzeilen. Als Rösler nun wieder ins Silicon Valley reiste, traf er "Bild"-Chef Diekmann in einer Talentschmiede für junge Internetunternehmer, mit der – Überraschung! – der Axel-Springer-Verlag zusammenarbeitet.** Anschließend bummelten die beiden noch ein bisschen durch die Straßen von San Francisco. Diekmann demonstrierte mit neuem Look, Vollbart, Schlabber-Shirt, Lederarmband, den mitreisenden Journalisten, dass er jetzt Teil der crazy Start-up-Welt ist. Für den Springer-Konzern, der seine Zukunft im Digitalen sieht, ist das kostenfreie Werbung.

Springer-Chef Mathias Döpfner hat bereits vor Jahren gesagt, wer mit der "Bild" "im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten". Es wäre interessant zu wissen, ob Philipp Rösler diesen Satz kennt.

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*In der ursprünglichen Version stand hier: "Udo Lindenberg". Ein Tippfehler. Gemeint war natürlich Udo Jürgens. Dank an @WernerDoye für den zackigen Einspruch auf Twitter

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