. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
2. Dezember 2009, 18:29 Uhr

Raus aus Afghanistan!

Barack Obama hat eine Strategie für einen Abzug aus Afghanistan vorgelegt. Jetzt ist die Bundesregierung gefragt. Sie riskiert das Leben deutscher Soldaten für illusionäre Ziele. Von Hans Peter Schütz

Afghanistan, Soldaten, bundeswehr, Merkel, Obama

Merkel muss beim Thema Afghanistan endlich eine klare Strategie vorlegen© Michael Kappeler/DDP

Es war allerhöchste Zeit, dass sich die USA in Sachen Afghanistan mit einer Ausstiegs-strategie beschäftigten. Leicht hat sich Präsident Barack Obama offensichtlich nicht damit getan, diesen Krieg und seinen Sinn, so er irgendeinen hat oder einmal hatte, zu hinterfragen. Seine Antwort klingt zunächst einmal eindeutig: Noch einmal 30.000 US- Soldaten mehr, aber 2011 beginnt der Abmarsch. Ob dieser strategische Ansatz am Ende trägt? Nur Hellseher könnten darauf antworten.

Ebenso allerhöchste Zeit ist es jetzt allerdings auch an der deutschen Politik, das Engagement in einem Krieg, den sie offiziell so nicht nennt, obwohl er unstrittig einer ist, ebenso nachhaltig zu überdenken. Aus erkennbar opportunistischen Gründen - der Afghanistan-Krieg wird bei einer eindeutigen Wähler-Mehrheit nicht akzeptiert - hat sich die Kanzlerin bisher vor einer ungeschönten Bestandsaufnahme der Situation gedrückt. Die Opposition von Grünen und Linkspartei wird ihr dies jetzt im Bundestag entsprechend servieren. Sie kann von Glück sagen, dass der SPD enge Fesseln für die parlamentarische Auseinandersetzung angelegt sind. Wer so brav alles mitgemacht, gut geheißen und verteidigt hat wie die Genossen unter ihrem früheren Fähnleinführer Peter Struck, sollte besser Selbstanklage betreiben.

Wir brauchen ein neues Gesamtkonzept

Es ist richtig, dass die Bundesregierung auch unter dem Druck des Neuansatzes von Obama jetzt nicht unverzüglich in Kopfnickerei in Richtung des amerikanischen Verbündeten ausbricht. Ende Januar steht die Diskussion über ein neues Nato-Gesamtkonzept an. Erst wenn die gesamten Rahmenbedingungen für den weiteren Einsatz in Afghanistan definiert sind, sollte über die Frage zusätzlicher Bundeswehrsoldaten entschieden werde. Und erst wenn dieses Konzept steht und akzeptabel erscheint, kann auch sinnvoll über einen Zeitpunkt diskutiert und entschieden werden, zu dem ein Ausstieg sinnvoll ist. Nachdem so lange taktiert und schwadroniert - "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt" - worden ist, kommt es auf einige Wochen sinnvoller zusätzlicher Diskussion nicht mehr an.

Für die Deutschen heißt das: Schluss mit der Aussitzerei, weg mit den Illusionen, die man sich jahrelang gemacht hat. Dem einstigen deutschen Versprechen, den Afghanen eine arbeitsfähige Struktur der inneren Sicherheit zu vermitteln, ist die Bundesrepublik nicht einmal annähernd gerecht geworden. Von wegen Polizeiausbildung! Die paar deutschen Polizisten vor Ort (wie letztlich auch die Soldaten) waren fast durchweg damit beschäftigt, sich selbst zu beschützen. Die Bundesländer haben sich massiv geweigert, entsprechendes Polizeipersonal vor Ort zu schicken. Entwicklungshilfe zum Aufbau einer innerstaatlichen vernünftigen Struktur in Afghanistan fand weithin nicht statt. Die nichtstaatlichen Organisationen wurden bei ihrer Arbeit unverantwortlichen Risiken ausgesetzt.

Die Wahrheit über das Afghanistan von heute nach jahrelangem Krieg: Die Taliban terrorisieren das Land. Die amtierende Regierung des Landes trägt das Kainsmal der Wahlbetrügerei. Die Korruption ist das Kennzeichen der staatlichen Infrastruktur. Die Drogenbarone und Warlords sind die Profiteure des Krieges. Sie würden sich freuen, wenn die Deutschen noch einmal 2500 Soldaten schicken würden, um ihren kriminell erworbenen Wohlstand und die künftige Heroinproduktion weiterhin abzusichern. Ihre Entsendung wäre allenfalls nur zu rechtfertigen, wenn sie dazu beitragen, Platz zu schaffen für die seit Jahren überfällige politische Lösung.

Ist diese in einem Jahr immer noch nicht erkennbar, bleibt nur der Rückzug. Würde weiter gemacht wie bisher, bliebe der Vorwurf berechtigt: Ihr riskiert das Leben deutscher Soldaten für illusionäre Ziele.

Von Hans Peter Schütz
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Afghanistan Obama setzt Berlin unter Druck

Die geplante Truppenaufstockung in Afghanistan treibt die europäischen Verbündeten der USA um. Besonders in Deutschland kommen Spekulationen über zusätzliche Bundeswehrsoldaten zur Unzeit. mehr...

Afghanistan-Strategie Obama setzt auf Risiko

Erst massive Truppenaufstockung, ab Juli 2011 der Abzug: US-Präsident Barack Obama will den Erfolg in Afghanistan erzwingen, doch seine Strategie fußt auf einem riskanten Fundament. mehr...

Afghanistan 30.000 neue Soldaten sollen Krieg beenden

Präsident Barack Obama will die US-Mission in Afghanistan erfolgreich beenden. Gelingen soll dies mit 30.000 zusätzlichen Soldaten, die die erstarkten Taliban in die Schranken weisen sollen. Die Verbündeten sollen dabei helfen. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch