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15. Mai 2008, 09:41 Uhr

Dalai Lama spaltet deutsche Politik

Der Dalai Lama ist zu seinem mehrtägigen Besuch in Deutschland eingetroffen, der bereits im Vorfeld für Ärger gesorgt hatte. Sein geplantes Treffen mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul stößt in der SPD, ihrer eigenen Partei, auf Kritik.

Der Besuch des Dalai Lama sorgt für Streit in der deutschen Politik© Lucas Dolega/DPA

Der Dalai Lama ist zu einem mehrtägigen Besuch in Deutschland eingetroffen. Seine Maschine landete auf dem Frankfurter Flughafen. Es ist der erste Besuch des Friedensnobelpreisträgers in Deutschland seit Beginn der anti-chinesischen Proteste in Tibet. Der 72-Jährige hat den Besuch unter das Motto "Kein Friede ohne Menschenrechte" gestellt. Geplant sind dazu vier Vorträge in Bochum, Mönchengladbach, Nürnberg, Bamberg. Höhepunkt des Besuchs dürfte am kommenden Montag eine Ansprache des Friedensnobelpreisträgers auf einer "Großen Solidaritätskundgebung für Tibet" vor dem Brandenburger Tor sein. Verwicklungen schon vor Reiseantritt Bereits kurz nach seiner Landung auf dem Frankfurter Flughafen wollte der 72-Jährige mit dem hessische Ministerpräsidenten Roland Koch zusammentreffen. Auf dem Terminkalender des 72-Jährigen stehen außerdem Treffen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (beide CDU), sowie Grünen-Chefin Claudia Roth und der Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses, Herta Däubler-Gmelin (SPD). Schon vor Reiseantritt hatte der Besuch des Dalai Lama für politische Verwicklungen gesorgt. Sowohl Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier als auch Bundespräsident Horst Köhler lehnten ein Treffen mit dem Tibeter ab.

Das geplante Treffen von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) mit dem Dalai Lama stößt in ihrer eigenen Partei auf Kritik. "Wenn ich die Ministerin wäre, würde ich mich nicht mit dem Dalai Lama treffen", sagte SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Wir haben eine China-Politik des Außenministers, die sich an langen Linien orientiert und die Stabilität Chinas im Auge hat."

Deutschland und China wollten gemeinsam den Opfern des Wirbelsturms in Birma helfen. Auch deshalb könnte das Treffen mit dem religiösen Oberhaupt der Tibeter als "Affront" gegenüber China gesehen werden, sagte Kolbow, der sich derzeit zu politischen Gesprächen in Peking aufhält. Weder Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) noch die SPD-Fraktion im Bundestag seien über das Vorhaben der Ministerin informiert gewesen. Der SPD Verteidigungsexperte Jörn Thießen sagte der Zeitung, er halte das Treffen für "einen schweren Fehler der deutschen Außenpolitik".

"Dalai Lama muss Beitrag zum Spannungsabbau leisten"

Kolbow forderte in der in Würzburg erscheinenden "Main-Post" zugleich mehr Rücksicht auf die schwierige innenpolitische Situation in China. "Ich glaube, dass auch wir intensiver auf die Stabilität Chinas achten müssen. Wir sollten die Risiken von Fehlentwicklungen in China nicht unterschätzen." Bei den Unruhen im März sei die Gewaltbereitschaft teilweise auch von Tibetern ausgegangen. Die Vorgänge müssten jetzt aufgeklärt werden. Dazu müsse China aber auch ausländische Beobachter in die Region lassen. "Zunächst muss der Abbau von Spannungen im Vordergrund stehen. Dazu muss auch der Dalai Lama seinen Beitrag leisten", sagte Kolbow.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
albundy69 (15.05.2008, 16:36 Uhr)
Ich vertrete .....
die Gilde der friedliebenden Obstsammler mit einer querabstehenden linken Zehe am rechten Fuss. Ich ersuche hiermit um einen Gesprächstermin bei einem Vertreter der Bundesregierung. Wenn ich in 3 Monaten wieder i´n Berlin bin möchte ich nochmals empfangen werden. Ich erkläre ebenfalls, dass der Frieden überall ist und dass ich im Moment meines Todes in einer Tomate neu geboren werde. Ich kann grinsen, dass meinem Gesprächsüartner übel wird und rede mit freundlichster Stimme in jedes Mikrofon, das sich anbietet. Schwester Angela, Bruder Frank-Walter, Genosse Horst, ich komme !
tripex (15.05.2008, 14:11 Uhr)
so wie's paßt
Ja, damals wurde der Dalai Lama von Merkel noch medienwirksam empfangen, weil's halt was ganz besonderes war. Sobald es aber ans Geld geht, z.B. durch Boykott-Forderungen gegen China, ist er auf einmal überhaupt nicht mehr gefragt. Man sieht einmal mehr, wer Deutschland regiert, die Industrie.
AxelR. (15.05.2008, 14:08 Uhr)
wahrhafter Quatsch
Wer sich etwas mit dem Dalai Lama beschäftigt, der weiss, dass dieser bescheidene Mann alles andere als ein Gottkönig ist. So manche große Klappe könnte sich an ihm ein Beispiel nehmen. Dazu ist er noch ein Top-Diplomat, der weiß, wann man den Mund halten muss...
wahrhaft (15.05.2008, 13:58 Uhr)
Es lebe der Gottkönig
Der Dalai Lama ist für die Tibeter, zumindest für die gläubigen Tibeter ein Gott und ein König zugleich. Er hat damit das göttliche Recht auf absolute Macht. Wie man so jemanden unterstützen kann ist mir schleierhaft.
Aber unsere Politiker und wohl auch so einige Teile der Bevölkerung lieben wohl dieses Glückskeksgequatsche, das er in seinen "weisen" Sprüchen von sich gibt.
Wie wenig das Ganze mit Menschenrechten zu tun hat, sieht man daran, dass kein Aufschrei über die Todesurteile in China durch die Welt geht. Auch die Uiguren, die immer wieder bei ihren Aufständen blutig niedergeschlagen werden bekommen kein Wohlfühlpresseecho. Und die Wanderarbeiter, die unsere Billigstwaren herstellen und dabei behandelt werden wie Vieh, kommen nicht in unsere Nachrichten. Erst recht bekommen sie keine Politstütze.
Es muss wohl eine heimliche Sehnsucht nach einem "guten Führer" und der Abgabe der eigenen Verantwortlichkeit sein, die nun so viele Menschen dazu bringt den Gottkönig zu unterstützen.
Ach wie schön war es doch hier im Mittelalter, als die von Gott gesandten Könige über die Menschen regierten und mal die eine oder andere Hand abfiel, weil die Steuer nicht gezahlt wurde, oder die eine oder andere Hexe verbrannt wurde...
Tomrobert (15.05.2008, 12:43 Uhr)
Mangelnde Contenance
des Tibeitschen Oberhirten.Der Besuch erscheint mir schlicht geschmacklos, weil er automatisch politische Erwartungen in die eine oder andere Richtung weckt.Und das gearde zu einem Zeitpunkt,indem politische Solidarität in einer Krise gefragt ist.
sachsenwini (15.05.2008, 12:17 Uhr)
Der Dalai Lama wurde doch vor gar nicht langer Zeit von unserer Bundeskanzlerin empfangen.

Damit dürfte doch dem Kult um diesen predigenden Mönch genüge getan sein.
.
Wenn andere Politiker nichts Besseres zu tun haben, als mit ihm zu frühstücken, dann können sie es doch gern tun, ansonsten sehe ich dafür keinen Grund.
.
Ein recht sachlicher Artikel befindet sich in der SZ
unter:
:
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/207/174684/
Nursery (15.05.2008, 12:16 Uhr)
Unerträglich
Völlig Irre diese SPD.Der Brandt würde sich im Grabe umdrehen was diese Partei aus der Menschenrechtspolitik gemacht haben.Dabei überholen sie die CDU rechts außen.Nicht nur das Steinmeier völlig uneinsichtig ist, was das "Thema Tibet" angeht er ist auch arrogant in seiner Einschätzung der Merkel gegenüber diesem Thema.Die SPD hat das Heft des Handelns völlig aus der Hand gegeben und es nicht absehbar ob sich bestimmte Kräfte noch einmal hier durchsetzen könnten.Für mich ein Armutszeugniss der Partei und wünsche ihr einen schnellen Niedergang.Diese Partei kann man nicht mehr wählen,schade eigentlich.
undjetztnochder (15.05.2008, 11:34 Uhr)
Sollen wir uns
als Deutsche wirklich so klein machen, wie Steinmeier und Co das zur Zeit propagieren. Klar, China ist de facto sehr wichtig für uns, und eine gewisse Rücksichtnahme auf einen wichtigen Handelspartner ist per se richtig. Aber: wir sind auch wichtig für China. Und deutsche Politiker sollten klar und deutlich für die Menschenrechte überall auf der Welt eintreten - die Menschenrechte gelten universell und absolut, eine Relativierung ist nicht möglich. Und da muss man den Chinesen auch durch eine letztlich symbolische Geste schon mal zeigen, wo man steht, auch wenn das gewisse Nachteile für die deutsch-chinesischen Beziehungen auf kurze Sicht hätte. Auf lange Sicht macht es sich dann gerade in der Außenpolitik letztlich immer bezahlt, wenn man eine klare Linie hat und diese auch in schwierigen Zeiten hält.Also: der Dalai Lama sollte auch von höchsten Würdenträgern unseres Landes empfangen werden - es muss aber nicht unbedingt der Außenminister sein. Der demontiert sich damit gerade übrigens selbst als möglicher Kanzlerkandidat - gewählt werden möchte der ja mal in Deutschland - oder lieber doch in China?
SamBabwe (15.05.2008, 11:28 Uhr)
Die laufen wohl nicht ganz rund in Berlin
Letzte Woche jammern alle rum, weil sich kein Politiker mit der Heiligkeit treffen will/kann. Und heute jammern alle rum, weil sich Politiker mit ihm treffen.
Denen hat das Sommerwetter die letzten Tage wohl nicht bekommen. Vielleicht sollten die mal zurück ins Haus und über Diätenerhöhungen abstimmen, damit sie ihren wöchentlichen Urlaub auch mal in kühleren Gefilden bezahlen können - hinterm Mond soll's ja ganz schön sein, um diese Zeit.
Reality (15.05.2008, 11:27 Uhr)
Sein Karma...
Nun ja. man könnte jetzt einfach Worte aus dem Buddhismus verwenden und sagen, es ist einfach sein Karma, daß er nun derzeit nicht von den gewünschten Politikern empfangen wird.
Und als guter Buddhist, müßte und würde er dies bestimmt auch so akzeptieren.
Auch diese Religion, wenn man sie mal als solche bezeichnen will oder doch besser nur eine Weltanschauung, hat ihre Vor und Nachteile.
Viele Menschen die dieser Religion/Weltanschauung angehören, werden mit dem Trost abgespeist, daß alles was ihnen widerfährt, ihr Karma sei.
Nun so kann man es natürlich auch sehen. Die Christlichen oder islamischen Glaubensgemeinschaften sagen in so einem Falle ja auch, alles ist vorher bestimmt.
Damit machen natürlich viele ihr Geschäft.
Ob es nun um die Ausbeutung von Arbeitskräften oder die Versklavung in die Prostitution junger Kindmädchen in die Bordelle geht.
Oder der Unterdrückung von Menschenrechten gegenüber den islamischen Frauen geht.
Auch hier müßten deutliche Worte von den Glaubensverantwortlichen dagegen kommen.
Das ist nun aber offensichtlich nicht das Problem unserer Regierung.
Es ist aber schon erstaunlich, wie schnell sich doch das Blatt wenden kann.
Gestern noch war der Dalai Lama bei Frau Merkel und diversen Politikern noch der Star dem man eine überproportionale Anerkennung zu teil werden ließ und heute - ja heute will ihn offensichtlich niemand mehr sehen.
So schnelllebig und ehrlich ist Politik und diejenigen die dieses Geschäft betreiben.
Aber wer weiß, morgen ist vielleicht schon alles wieder ganz anders.
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