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"Wir brauchen Frauen für gute Führungskultur"

Erst liefern sich Sophia Thomalla und die Grünen bei Plasbergs "Hart aber fair"-Sendung einen Schlagabtauch zur Frauenquote. Jetzt geht's beim stern in die zweite Runde.

Ein Gastbeitrag von Katrin Göring-Eckardt

  Die Diskussion zwischen Sophia Thomalla (l.) und den Grünen zur Frauenquote geht weiter: Katrin Göring-Eckardt (r.) antwortet im stern auf Thomallas Haltung zur Frauenquote.

Die Diskussion zwischen Sophia Thomalla (l.) und den Grünen zur Frauenquote geht weiter: Katrin Göring-Eckardt (r.) antwortet im stern auf Thomallas Haltung zur Frauenquote.

Liebe Frau Thomalla, auch mich freut es, wenn eine Frau selbstbewusst ist und ihre Meinung vertritt. Und wer wollte bestreiten, dass Selbstbewusstsein, Willensstärke und Intelligenz in allen Lagen helfen.

Hier endet aber auch schon unsere Übereinstimmung. Denn in einem zentralen Punkt irren Sie gewaltig: Wäre es richtig, dass in den höchsten Entscheidungsgremien der Wirtschaft, also in den Vorständen und Aufsichtsräten, allein nach Kompetenz und Qualifikation entschieden wird, dann sähe es ja schlecht aus um uns Frauen. Sie sagen, Frauen in Führungspositionen finden statt, weil sie gut sind. Aber nur 18 Prozent der Aufsichtsräte der deutschen Top-200-Unternehmen waren Ende 2014 mit Frauen besetzt. Sind wir Frauen also nicht gut, nicht gebildet und kompetent genug?

Die Ausbildung ist nicht das Problem. Zum Glück zeigen - wie sie selbst ja auch erwähnen - Studien etwas ganz anderes: Frauen sind durchaus sehr gut ausgebildet und kompetent, im Schnitt sogar besser als Männer. Das hilft Ihnen aber nicht, wenn in höchsten Chef-Etagen Männerbünde geschmiedet und Führungsstrukturen festbetoniert werden. Diese Undurchlässigkeit war und ist diskriminierend - nicht aber der Versuch, Platz zu schaffen für die Neue und Neues. Der frische Wind kommt nicht von selbst in die höchsten Etagen. Warum auch? Vielen gefallen ja die vertrauten Rituale, das vertraute Reden, die vertraulichen Witze.

Und das dürfte Ihnen aus anderen Situationen vertraut sein: Häufiger Grund für Widerstand gegen Veränderung ist und bleibt Machterhalt. Seit Jahren reden wir im Bundestag mit der Wirtschaft über Frauen in Führungsetagen. Aber die Appelle an Freiwilligkeit haben nichts bewegt. Es ändert sich dann etwas, wenn es endlich einen relevanten Anteil von Frauen in den Führungsetagen gibt. Und deshalb hat der Bundestag jetzt eine Quote auf den Weg gebracht.

Klar, mir wäre ein größerer Wurf lieber gewesen: Eine Quote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten der 3500 börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen. Aber immerhin: Der Bundestag hat endlich einen ersten wichtigen Schritt gemacht. Weitere stehen noch aus. Die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Tätigkeit haben Sie ja selber angesprochen.

Auch wenn Sie die Unterscheidung von männlichen und weiblichen Endungen von Worten nicht so mögen: Die Quote hat übrigens nicht nur Unterstützerinnen, sondern auch viele Unterstützer. Frauen bringen ja in der Tat auch andere Erfahrungen in ein Unternehmen ein, haben vielleicht einen anderen Blick auf Herausforderungen - wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern, egal ob für Mann oder Frau. Wir brauchen in unserer Wirtschaft das Potenzial von Frauen für gute Führungskultur, wir brauchen das Potenzial für neue Impulse. Das kommt uns allen zugute.

Apropos sprachliche Endungen, Frau Thomalla. Sind Sie Schauspielerin oder Schauspieler? Sind sie für starke Unternehmerinnen oder nur für starke Unternehmer? Es macht schon einen kleinen Unterschied, wie wir über unsere Umwelt reden. Worte erzeugen Bilder in unseren Köpfen. Und die Quote wird eine neue Wirklichkeit in den Aufsichtsräten der Dax-Konzerne erzeugen.

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