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9. Juni 2008, 17:38 Uhr

Im Strudel der SPD

Der Absturz der SPD zieht auch die Union mit nach unten, urteilt Merkel-Biograf und Parteienforscher Gerd Langguth im Café Einstein, denn das Prinzip Volkspartei gerät in die Krise. Besonderen Schaden, findet der Professor, könnte dabei die CSU nehmen, denn die kämpft derzeit um ihr Überleben. Von Hans Peter Schütz

Die Vorsitzenden der beiden Volksparteien: Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU (l.) und der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, der SPD-Chef Kurt Beck© Tobias Schwarz/Reuters

Die Volkspartei SPD ist zweifellos in der Krise. Gibt es auch eine Krise der Volkspartei CDU/CSU? Ja, sagt der Bonner Politikwissenschaftler Professor Gerd Langguth, Autor der bisher gründlichsten Biografie über Angela Merkel. Kenner der CDU ist Langguth auch, denn er saß früher einmal für sie im Bundestag. Im Gespräch mit stern.de im Café "Einstein" in Berlin sagte er: "Es gibt eine Krise aller beiden Volksparteien. Auch ein Stück weit bei der CDU, aber die Krise ist schwächer ausgeprägt als bei der SPD." Überraschend sei das nicht, meinte der Professor. "Mit den dramatischen Werten der SPD (sie pendelt zurzeit zwischen 20 und 25 Prozent d.Red.) ist das kein Wunder, denn wenn die eine Volkspartei schlechte Werte hat, dann zieht sie die andere auch ein Stück weit gleichzeitig mit runter." In der Union laufe derzeit außerdem ein "Überlebenskampf" der CSU. Denn wenn diese unter 50 Prozent falle, "dann wäre das eine große Katastrophe."

CSU im Überlebenskampf

Die Union darf allerdings hoffen, so der Politikwissenschaftler. Angela Merkel erreiche anders als einst ihr Vorgänger Helmut Kohl glänzende persönliche Werte. "Und man kann natürlich davon ausgehen, dass Merkel bei den nächsten Wahlen dann ihre Partei auch ein Stück weit mit hoch zieht durch ihr Image."

Langguth räumte auf die Frage, ob die Kanzlerin denn nicht irgendwie heimatlos sei in der Union, ein Problem ein. "Sie ist nicht heimatlos, aber sie ist natürlich nicht ein typisches CDU-Gewächs, das mit langem Wurzelwerk ausgestattet ist, wie das die Eiche Helmut Kohl beispielsweise war." Insofern tue sich Merkel zuweilen schwer, den Erwartungen des klassischen CDU-Stammwählers zu entsprechen. Kritik jener Zielrichtung, dass die Kanzlerin zu wenig führe und zu viel moderiere, ließ der Professor nicht gelten. In einer Großen Koalition "muss eine Kanzlerin auch sehr stark moderieren. Ich glaube aber, dass sie in vielen Dingen viel mehr führt als sichtbar wird."

Mit Freude in die Jamaica-Koalition

Langguth hatte in seiner Merkel-Biografie die kühne These vertreten, sie habe alle Chancen, die Amtszeit von Kohl - 16 Jahre - zu erreichen. Unter der Voraussetzung, dass die Linkspartei weiterhin von der SPD nicht als ganz normale Partei akzeptiert werde, sagte er jetzt, sehe er keine Chance für eine Koalitionsmehrheit unter Führung der SPD.

Er fügte hinzu: "Angela Merkel ist für jede Koalition gut. Für eine Große Koalition, für eine kleine Koalition mit der FDP und sie ist auch für eine Jamaica-Koalition mit der FDP und den Grünen gut. Ich glaube, letzteres würde sie sogar ganz gerne machen. Trittin und Künast zu domestizieren, das wäre für sie eine große Freude.

Zur Person...

Zur Person... Gerd Langguth ist Professor für Politikwissenschaft und lehrt an der Universität Bonn. Langguth saß von 1976 bis 1980 für die CDU im Bundestag und gehörte mehrere Jahre dem Bundesvorstand der Partei an. Neben anderen Publikationen veröffentlichte Langguth im Jahr 2005 eine umfassende Biografie Angela Merkels

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
utospatz (12.06.2008, 11:29 Uhr)
Zum Thema Volksparteien ists
wie bei Trappatoni, habe fertig, Flasche leer!
Is2a3bella (11.06.2008, 10:55 Uhr)
"Die Krise der Volksparteien"
Laut ARD Deutschland Trend sind 50% der Bürger unzufrieden mit den "Volksparteien". 65% der Bürger wünschen sich laut dieser Umfrage trotzallem, daß die Koalition bestehen bleibt.
Frage.....
Sieht das Volk seinen Wert?
JePi (10.06.2008, 11:12 Uhr)
SPD zieht die UNION mit runter
Wie soll man denn zu dieser These kommen, dass die SPD die Union mit runterzieht? Das ist überhaupt nicht stichhaltig. Die Umfragewerte der Union sacken ebenfalls ab, weil sie das Wahlvolk genauso enttäuscht und getäuscht haben wie die SPD. So dumm ist kein Wähler, nicht zwischen SPD und CDU unterscheiden zu können. Auch hinsichtlich der Führungskompetenz unserer Kanzlerin kann ich zu keinem guten Schluß kommen. Sie führt nur dann stark, wenn es gegen Steuererleichterungen und für höhere Diäten geht. Die Umfragewerte beider sogn. Volksparteien sind zurecht schlecht und spiegeln den aktuellen Mißmut der Bevölkerung mit der Regierungsarbeit wider. Gute Umfragewerte von Merkel hin oder her - in Deutschland wird der Kanzler nicht direkt von der Bevölkerung gewählt. Frau Merkel kann sich von diesen Komplimenten also recht wenig kaufen. Wir leben nun mal in einem Parteienstaat - und das hat mit Demokratie im eigentlich Sinne nichts zu tun - das hat nun auch jeder gemerkt und hat es gehörig satt.
Is2a3bella (10.06.2008, 08:51 Uhr)
Und das ist auch gut so!!!!!
"Die Krise der Volksparteien"
"Es gibt ein Grummeln gegen die da oben"
Klaus_P (09.06.2008, 21:33 Uhr)
Ich hoffe
dass die CDU genauso absackt wie die SPD. Wer das Volk so vorführt wie es die ganzen Herren in Berlin machen, Volksfremd, Machtgeil und nur nach Ihren Diäten bedacht, hat nichts anderes verdient. Ich habe den Glauben an die Politik schon lange verloren. Große Versprechen und nichts, aber auch gar nichts dahinter. Wer das Volk versarscht - wird auch von einem dummen und faulen Volk - die Quittung bekommen.
oscarherz (09.06.2008, 21:23 Uhr)
richtige Analyse
Ich habe Herrn Schütz selten recht gegeben, aber in diesem Fall muß ich ihn beipflichten. Es ist ganz einfach, denn will die SPD nicht führen und den Kanzler stellen, wähle ich die Linken.Ich brauche keine SPD alsa Mehrheitsbeschaffer der CDU. In dieser Konstellation ist Jamaika die einzige Alternative. Mit der Zeit wird die SPD zur Splitterpartei. Keine Sorge, denn so weit kommt es nicht, da Wowereit und Nahles die Weichen stellen werden und die letzten Schröderianer wie die Stones und Platzeck nicht mehr mehrheitsfähig sind, es sei denn sie akzeptieren den linken Kurs.
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