27. August 2012, 11:24 Uhr

Dümmliches Gerede mit fatalen Folgen

Es sind vor allem die Kleingeister aus CSU und FDP, die in populistischen Reden Griechenland aus dem Euro werfen wollen. Die möglichen Folgen ihrer Gedankenspiele lassen sie dabei außer Acht. Ein Kommentar von Andreas Petzold

Bedauerlich, dass die politische Bühne immer wieder von Kleingeistern aus der CSU und FDP am lautesten bespielt wird. Jenen Dobrindts, Seehofers und Söders und Dörings und Röslers, die fortwährend Griechenland aus dem Euro reden und am liebsten auch noch die anderen "Schlendriane" Spanien und Italien ihrem Schuldenschicksal überlassen möchten. Sie glauben vermutlich, den vermeintlichen Hang der Bürger zu einfachen Losungen bedienen zu müssen: Wer nicht spart, fliegt raus.

Dümmliches Gerede - und die Folgen

Aber woher wissen die oben genannten Schlauberger, dass beispielsweise nach einem Griechenland-Exit die Menschen im Süden Europas nicht doch ihre Konten plündern und dadurch das gesamte Euro-System ins Wanken gerät? Und kann es nicht sein, dass die EZB dann erst recht Staatsanleihen kaufen muss, weil sich außerhalb Europas keine Gläubiger mehr finden! Es sind auch die oben genannten Schlauberger, die dafür mitverantwortlich sind, dass der Gigant Shell mal eben 15 Milliarden Cash aus dem Euroraum abzieht. Geld, das Europas Finanzadern fehlt. Nicht einmal seriöse Wirtschaftswissenschaftler trauen sich zu, die Konsequenzen eines Griechenland-Austritts vorherzusagen. Sicher dagegen ist, dass all die deutschen Hilfsmilliarden unwiderruflich verloren wären. Und dass weitere Milliarden benötigt werden, um Griechenland nicht auf Dritte-Welt-Status absacken zu lassen.

Das dümmliche Gerede der politischen Vertrauens-Vernichter kann auch dazu führen, dass nicht nur die Griechen unter mangelnden Auslandsinvestitionen leiden. Konzernlenker werden möglicherweise auch bald einen Bogen um Italien und Spanien machen, weil sie nicht sicher sein können, dass dort künftig mit dem Euro abgerechnet wird.

Die Haftungsunion ist längst Realität

Vollends lächerlich sind die Ankündigungen der Griechenland-Apokalyptiker, man werde eine europäische Haftungsunion verhindern. Wir haben sie längst – was allgemein bekannt ist: über die deutsche Beteiligung an der EZB, an den Rettungsschirmen EFSF und ESM. Deutschland muss gemeinsam mit den übrigen Eurostaaten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch für die Zinszahlungen gerade stehen, die für jene Anleihen fällig werden, die vom EFSF und dessen Vorläufer EFSM begeben wurden. Sobald der ESM arbeitsfähig ist, kommen weitere Verpflichtungen hinzu.

Geben wir dem Süden Europas eine Chance, sich zu strukturieren. Es wird viele Jahre und viele Milliarden kosten. Die Alternative dürfte noch teurer werden. Und es wäre eine Rechnung mit vielen Unbekannten.

Ein Kommentar von Andreas Petzold
 
 
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