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20. September 2007, 06:39 Uhr

Paulis Idee ist geklaut

Gabriele Paulis Idee, die Ehe auf sieben Jahre zu begrenzen, stößt weiterhin auf Empörung in der CSU. Ministerpräsident Beckstein sagte, man könne den Vorstoß nicht ernst nehmen. Pauli bekräftigt unterdessen ihre Spitzenkandidatur. Doch nun gibt es einen ganz neuen Vorwurf: Ideen-Recycling.

CSU-Politikerin Gabriele Pauli sorgt für große Aufregung in ihrer Partei© REUTERS/Michaela Rehle

Rund eine Woche vor dem CSU- Parteitag wird der Kampf um den Parteivorsitz mit härteren Bandagen geführt. Außenseiterkandidatin Gabriele Pauli erntete mit ihrer Forderung nach Ehen auf Zeit scharfen Widerspruch führender CSU-Politiker. Der Ende September aus seinen Ämtern scheidende Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber legte ihr einen Partei- Austritt nahe. Die Partei-Rebellin wies dies zurück. "Ich bin genau richtig in der CSU. Herr Stoiber muss weiter mit mir leben", sagte Pauli der Tageszeitung "Augsburger Allgemeine".

Seehofer für Rückzug

Sie hatte zuvor eine Befristung von Ehen auf etwa sieben Jahre gefordert. Danach sollten die Partner sich trennen können oder aktiv für eine Verlängerung der Ehe aussprechen. Der auch von der katholischen Kirche heftig kritisierte Vorstoß Paulis überlagerte die Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz. Wer eine zeitlich befristete Ehe fordere, stelle sich "geradezu aggressiv konträr" gegen die Position der CSU, sagte Stoiber in Kloster Banz. Paulis Position sei bisher nicht einmal von den Grünen "oder bei exotischeren Parteien" vertreten worden. Pauli bewirbt sich wie Bundesagrarminister Horst Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber um Stoibers Nachfolge an der Spitze der CSU. Pauli werden keine Chancen eingeräumt.

Der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat Pauli jede Ernsthaftigkeit abgesprochen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in der CSU diese wirren Thesen unterstützt", sagte Beckstein am Rande der CSU- Herbstklausur im fränkischen Bad Staffelstein dem Nachrichtensender N24. "Wo ich hinkomme, ist nur allgemeines Kopfschütteln, übrigens nicht nur über die Sieben-Jahres-Frist, die sie vorschlägt, sondern über ihr Statement insgesamt... Ernstnehmen kann man sie beim besten Willen nicht mehr." Paulis Programm zeichne sich durch eine "entsetzliche Oberflächlichkeit" auch in religiösen Fragen aus.

Seehofer legte der Fürther Landrätin gar einen Rückzug von ihrer Kandidatur für den Parteivorsitz nahe. "Das ist ein absurder Vorschlag und völlig konträr zum Programm der CSU", sagte der Bundesagrarminister am Abend in Mainz zu Paulis Ehe-Vorstoß. "Wir sind ja nicht im Zirkus", kritisierte Seehofer.

"Es geht mir darum, Vorsitzende zu werden"

Trotz der massiven Empörung in der CSU über den Vorschlag hält die Politikerin an ihrer Kandidatur für den CSU-Vorsitz fest. "Es geht mir darum, Vorsitzende zu werden", sagte Pauli am Donnerstag im Nachrichtensender N24. Sie sehe für ihren Vorstoß einer befristeten Ehe Unterstützung bei Parteianhängern und Bürgern. Wenn der Parteitag sie kommende Woche nicht unterstütze, brauche es vielleicht "noch ein bisschen Zeit", sagte Pauli.

Ihre Forderung sei "nicht abwegig". Viele Ehen würden nur noch "nach außen geführt" und seien "innen kaputt". Die automatische Auflösung der Ehe nach einer gewissen Zeit erspare Streitereien und Prozesskosten. Pauli sagte, ein Politiker müsse auch "Dinge spüren, die als Gedanken bei anderen auch schon vorhanden sind". Als Beispiel führte Pauli ihre Kritik an Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) im vergangenen Dezember an. Pauli hatte die Führungskrise um Stoiber ausgelöst, die in seiner Rücktrittserklärung gipfelte.

Huber ist Stoibers Favorit

Trotz ihrer den CSU-Grundsätzen widersprechenden Forderungen sieht sie sich in der richtigen Partei. "Das Programm der CSU ist im Wesentlichen meines, es gibt nur wenige Dinge, die ich anders sehe." Sie warf der CSU Entfremdung von den Bürgern vor. Die Politik "von oben herab" müsse sich ändern. Mit ihrer Kandidatur wolle sie ein Signal dafür geben, Politik wieder "wahrhafter und glaubwürdiger" zu machen. Pauli sprach sich bei der Vorstellung ihres Wahlprogramms auch gegen das von einem Großteil der CSU geforderte Betreuungsgeld für Eltern aus, die ihre kleinen Kinder zu Hause erziehen. Außerdem ist Pauli gegen das von der CSU verfochtene Ehegattensplitting. Sie forderte stattdessen ein Familiensplitting.

Stoiber äußerte sich in Bad Staffelstein nach Angaben mehrerer CSU-Abgeordneter lobend über Huber. Stoiber habe Hubers jahrelange Arbeit an seiner Seite als Staatskanzleichef hervorgehoben und ihn als glänzende Besetzung bezeichnet. Stoiber habe auch die Vorzüge von Parteivize Horst Seehofer hervorgehoben, doch sei eine Präferenz für Huber zu erkennen gewesen. Nach den häufigen Spannungen der vergangenen Monate nahmen die Abgeordneten Stoibers versöhnliche Rede mit großem Beifall auf. Stoiber wünschte seinen Nachfolgern ausdrücklich alles Gute. Die Fraktion sei für ihn "mehr als eine politische Heimat". Wenn sein Rat gefragt bleibe, stehe er selbstverständlich zur Verfügung.

Kein Ausschlussantrag

Landtagspräsident Alois Glück (CSU) sagte in N24, Paulis Positionen zur Ehe seien "schädlich für die Menschen und für die Gemeinschaft". Es werde deswegen zwar "sicher keinen Ausschlussantrag" geben. "Aber das Ärgerliche ist für uns, dass das immer in Verbindung steht mit CSU." Der Nürnberger CSU- Landtagsabgeordnete und frühere Verbündete Paulis, Hermann Imhof, sagte: "Das hat tragische Züge. Die Glaubwürdigkeit, die sie einklagt, hat sie selbst längst verloren." CSU-Parteivize Ingo Friedrich forderte Pauli indirekt zum Austritt aus der Partei auf. "Wer solche Vorstellungen äußert, gehört nicht mehr in die CSU."

Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, hält die Debatte um Pauli für völlig überbewertet. Im RBB-Inforadio kritisierte er, dass sich die Medien vor allem für diese Personalie interessierten und nicht für die politischen Fragen, um die sich die CSU kümmere. Das Thema Pauli spiele eine geringe Rolle - weniger als "der Dreck unter den Fingernägeln".

Paulis Idee ist geklaut

Unterdessen hat der Bayerische Rundfunk (BR) den Vorschlag der Fürther Landrätin als geklaut bezeichnet: Über eine Ehe auf Zeit habe bereits der Kabarettist Frank-Markus Barwasser vor rund zwei Jahren nachgedacht, teilte der BR am Donnerstag mit. "Vielleicht sollte man überhaupt die Ehe immer zeitlich begrenzen - dass die Ehelaufzeit fünf Jahre dauert - und dann wird neu verhandelt", sinnierte Barwasser damals als fränkischer Grübler Erwin Pelzig im Rundfunksender Bayern 3, wo er einmal pro Woche zu hören ist. "Weil, wenn dann die Ehe wirklich tot ist, dann gibt’s auch keine Verlängerung", sagte er damals.

Barwasser zeigte sich über Paulis Recycling seiner Idee hocherfreut. "Das amüsiert mich wirklich sehr", sagte er der DPA. "Hier ist doch mal wirklich was angekommen!" Übel nimmt der gebürtige Würzburger den Ideenklau nicht, im Gegenteil: "Ich finde es toll, wenn man mal was bewirkt. Sonst profitieren wir immer von dem, was die Politiker sagen, da sollen auch ruhig mal die Politiker von uns profitieren." Anders als Pelzig stehe Pauli der Ehe aber positiver gegenüber, meinte Barwasser. "Sie lässt die Leute noch ins verflixte siebente Jahr kommen, da ist sie noch optimistisch."

Ihre Meinung

Was halten Sie vom Vorschlag Gabriele Paulis, die Ehe zu befristen?

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KOMMENTARE (10 von 58)
 
Grebin (21.09.2007, 17:11 Uhr)
7 Jahre Ehe auf Probe
"Mein Gott", in welche Gesellschaft sind wir nur seit 17 Jahren geraten!
Livia008 (21.09.2007, 13:26 Uhr)
Rationalität ist nicht alles!
Mein zweites Kind habe ich aber nach 8 Jahren (glücklicher) Ehe, mein dritte nach 11 Jahren Ehe bekommen - da hilft ein evolutionsbiologisches Argument auch nicht weiter!
hiro42 (21.09.2007, 10:14 Uhr)
Stimmt trotzdem
Die Frau Pauli hat zwei Sachen bewiesen die ich sonst bei Politikern vermisse: Sinn fürs Reale und Humor. Evuolutionsbiologisch gesehen ist ein Ehe fürs Leben völliger Blödsinn. Nach 7 Jahren ist das Überleben des Nachwuchs gesichert, was Mann und Frau dann dazu treibt sich neue Gene zu suchen. Daher fallen die meisten Scheidungen auch ins sechste und siebte Jahr. Und wenn ich auf ewig zusammen bleiben will - ist ja auch kein Problem. Alles in allem - endlich mal ein vernünftiger Vorschlag.
Justus_Phelps (21.09.2007, 07:10 Uhr)
Wenn Unsinn dann bitte origineller Unsinn.
Die Frau fällt nur dann auf, wenn sie etwas peinliches in die Welt setzt.
Ein 50 jährige zwischen Paris Hilton und Kader Loth...
Schwaben-Giovanni (20.09.2007, 21:37 Uhr)
Frau Pauli ...
Bislang hatte ich eine hohe Meinung von Frau Pauli: aktiv,gewieft und attraktiv. Seit kurzem passt nur noch ein Attribut, schade ! Oder steckte hier Taktik dahinter ? Dann ging sie aber voll daneben !
Aquatouch (20.09.2007, 19:49 Uhr)
Gestopftes Sommerloch
Was auch immer, Frau Pauli mit ihrer Äußerung erreichen wollte, ernst gemeint hat sie diese wohl nicht. Selbst kommt sie ja von der Landkreisbehörde und weiß ganz sicher, welcher Schwanz von Ämtern und Institutionen an einer ehelichen Trennung hängt und was alles geregelt werden muss. Und wenn ich zu meinem Mann sage "War nett, aber jetzt gehe bitte" wird der nicht einfach so das Feld räumen. Nehmen wir es also als kleine Politposse zum Stopfen des Sommerloches.
Euridike (20.09.2007, 19:04 Uhr)
@Fesche_Lola
Nein, natürlich ändert eine befristete Vertragsdauer nichts an den Gefühlen - aber an der Einstellung zu allem. Ich finde, dieses Sich-Zueinander-Bekennen "bis in alle Ewigkeit" verändert einen, als wenn man sich für eine Vertragslaufzeit von 7 Jahren festlegt.
Es kann so was wie ein Fundament sein in schlechten wie in guten Zeiten.
Fesche_Lola (20.09.2007, 18:25 Uhr)
@Euridike
Glauben Sie im Ernst, dass eine befristete Ehe an vorhandenen oder nicht vorhandenen Gefühlen etwas ändert? Für Kinder, die Sie vorhin angesprochen haben, ist es egal, ob eine unbefristete Ehe oder eine befristete Ehe in die Brüche geht.
dirtyoldman (20.09.2007, 17:43 Uhr)
Pauli auf den Scheiterhaufen?
Ich dachte bisher, Frau Pauli hätte nur die vernagelten Bayerischen CSU-Deppen in Rage gebracht. Was ich hier lese, kann ich teilweise nicht glauben. Meine Frau und ich haben uns kürzlich zum 25. Mal das Jawort gegeben und glauben, dass wir ganz locker nicht nur das Jahr bis zur Silberhochzeit schaffen werden. Wir haben uns allerdings tatsächlich an jedem Hochzeitstag gefragt, ob wir unsere Ehe gerne weiter führen möchten. Selbst nach schwersten Jahren haben wir immer wieder gern Ja gesagt. Insofern wäre es für uns völlig egal gewesen, ob wir unsere Ehe in zwei-, fünf- oder Siebenjahreszyklen „verlängert“ bekommen hätten. Wir leben mit der „Unendlichkeit“ bisher ganz prima. Dennoch glaube ich, dass es völliger Unsinn ist, Qualität oder Beständigkeit einer Ehe durch Laufzeitregelungen beeinflussen zu können. Partnerschaften halten nur so lange halten, wie beide Partner hierzu willens und in der Lage sind. Deshalb hat der Gedanke, eine zerrüttete Ehe nach einer gewissen Zeit ohne Streit und finanziellen Aufwand „auslaufen“ lassen zu können, durchaus Charme. Dis natürlich nicht ohne klare, z.B. versorgungsrechtliche Regeln.
Einzig die katholische Kirche hat nachvollziehbare Gründe gegen die „Pauli-Doktrin“ zu wettern. Für sie die Ehe kein Verwaltungsakt sondern ein Sakrament auf gemeinsame Lebenszeit. Aber selbst deren Argumente sind nicht wirklich realitätsnah.
Lt. Kirchenrecht bleiben verheiratete Katholiken so lange mit dem/der ersten Partner(in) verheiratet bis einer stirb, auch wenn danach zwei, drei weitere weltliche Ehen geschlossen werden. Die sind nach katholischem Verständnis, letztlich nichts weiter als staatlich legitimierte Ehebrüche. Insofern kann es der Kirche eigentlich völlig egal sein, ob in der weltlichen Hochzeitskultur befristet oder auf dauerhafte Eheschließungen stattfinden.
Also liebe CSU-Marktschreier, Pauli hat Euch provoziert und Ihr habt ohne wirklich nachzudenken, nach der Inquisition gerufen. Mein alter Deutschlehrer hat immer gesagt, „Vor in Betriebnahme des Mundwerks das Gehirn einschalten". Denkt darüber mal in der nächsten Sitzungspause fünf Minuten nach.
naheblick (20.09.2007, 16:52 Uhr)
@euridike
Ich bin durchaus nicht pessimistisch
geworden, obwohl ich seinerzeit jede Begründung dazu hatte. Aber mit dem richtigen Partner an der Seite sieht man wieder klar. Und das bedeutet, dass ich realistisch beobachte, was wirklich abläuft. Von sämtlichen Paaren, die wir in den letzten zwölf Jahren als Freunde und Bekannte hatten, sind wir alleine noch wir zurückgeblieben. Und dies waren Menschen, wo man Stein und Bein geschworen hätte, dass die Beziehung
für die Ewigkeit ist. Sehen Sie sich die Statistiken an. die sprechen eine deutliche Sprache. Es hilft nichts,den Kopf in den Sand zu stecken und Wünsch Dir was zu spielen. Zwang, insbesondere in der Ehe, war schon immer ein schlechter
Ratgeber.
PS
Die erwähnten Beiträge entsprechen eher einer naiven Kindlichkeit, als Beiträge, in denen man merkt, dass man sich mit der Problematik wirklich auseinandergesetzt hat.
Und um das noch mal klar zu stellen :
Mit meiner Ehe bin ich sehr glücklich und nach Ablauf der Frist hätte ich eine sofortige Verlängerung beantragt. (Hoffentlich meine Frau auch)
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