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Eine Kämpferin für Schwarz-Grün

Von der Lehrerin zur gescheiterten Schulreformerin: Die Grünen-Frontfrau Christa Goetsch galt als leidenschaftliche Kämpferin für das Bündnis mit der CDU in Hamburg. Ist das Ende der schwarz-grünen Koalition jetzt auch ihr politisches Ende?

Die Enttäuschung stand Christa Goetsch am Sonntag deutlich ins Gesicht geschrieben. Wie kaum eine andere Grüne hatte die Hamburger Schulsenatorin in den vergangenen zweieinhalb Jahren für das erste schwarz-grüne Regierungsmodell auf Landesebene gekämpft, sich fast schon leidenschaftlich dafür eingesetzt. Doch mit dem Abschied des früheren Ersten Bürgermeisters der Hansestadt, Ole von Beust (CDU), im Sommer dieses Jahres begann auch Goetschs Traum zu verblassen. Das Ende von Schwarz-Grün in Hamburg ist auch ein ganz persönliches Scheitern für die 58-Jährige.

Die gebürtige Bonnerin absolvierte nach der Schulzeit in München und Essen zunächst eine Ausbildung zur Pharmazeutin und studierte schließlich Chemie und Biologie auf Lehramt in Frankfurt am Main. Während ihres Referendariats kam Goetsch nach Hamburg und legte ihr zweites Staatsexamen im Fach Physik ab. Sie blieb in der Hansestadt, unterrichtete an verschiedenen Schulen und trat 1995 bei Bündnis 90/Die Grünen ein. In der Partei wurde sie rasch Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft für Schule, Beruf- und Weiterbildung. 1997 wurde sie Abgeordnete der Grün-Alternativen Liste (GAL) in der Hamburgischen Bürgerschaft und Fraktionssprecherin für Schule, Berufs- und Weiterbildung - und bis 2001 zudem Sprecherin für Migrationspolitik. Von 2002 bis 2008 fungierte sie als GAL-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft.

In der Folge galt Goetsch als einer der Eckpfeiler bei der Bildung von Schwarz-Grün in Hamburg, übernahm sie am 7. Mai 2008 hinter Beust das Amt der Zweiten Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt und leitete ferner die Schulbehörde. Die Chemie zwischen Beust, dem liberalen Großstadtpolitiker, und Goetsch, der reformhungrigen Lehrerin, stimmte. Und so funktionierte das schwarz-grüne Bündnins zunächst auch, weil in erster Linie zwischen Beust und Goetsch das notwendige Vertrauen herrschte. Beide Politiker wollten Hamburg zu einer modernen grünen Stadt machen. Dabei war Goetsch eigenen Angaben zufolge lange "eine Verfechterin von Rot-Grün". Doch sie wagte den Schritt - auch, weil Beust seiner Partei wiederum die Entscheidung abverlangte, aus der vierjährigen Grundschulzeit eine sechsjährige Primarschule zu machen.

Und so hätte Goetsch bereits im Sommer beim Scheitern des Prestigeprojektes durch einen Volksentscheid ihren Rücktritt erklären können, vielleicht sogar müssen. Denn die verheiratete Mutter eines Sohnes war es, die mit einer Hingabe und einem Engagement für das Vorhaben kämpfte. Die Schulreform war untrennbar mit ihrem und Beusts Namen verbunden.

Doch statt wie Beust aus dem Amt zu scheiden, blieb Goetsch, teilte ihre tiefe Enttäuschung für das Ausscheiden des Bürgermeisters offen mit und biss die Zähne zusammen. Dass daraufhin auch der Rückhalt in der eigenen Partei zu bröckeln begann, machte ihr Dilemma nur noch größer - auch wenn sie seit dem Sommer stets betonte, dass es bei diesem Thema nicht um Personen gehe.

Der Rückzug ihrer Partei aus der schwarz-grünen Koalition dürfte für die 58-Jährige nun ein weiterer Rückschlag in ihrer politischen Karriere sein, daraus machte sie am Sonntag kein Geheimnis: "Es ist eine schwere Entscheidung, die wir getroffen haben." Das Bündnis sei von Personen geprägt worden, die einen Neustart, ein neues Modell für Hamburg wollten. Doch die einst innere Stabilität sei zuletzt sehr zerbrechlich geworden, sagte Goetsch. Sie stehe zu der Entscheidung der GAL, habe diese mitgetragen.

Ob Christa Goetsch nach 2008 nun noch einmal für ihre Partei in den Bürgerschaftswahlkampf zieht, blieb am Sonntag offen. Weder wollte sie sich dazu äußern, noch die GAL. Doch kaum ein Beobachter rechnet damit, dass sie noch einmal die Chance dazu erhält.

Jana Werner, APN/APN
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