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Christopher Lauer - ein Kopf, kein Thema

Wer verbiegt eigentlich wen? Die Piraten das System oder das System die Piraten? Fraktionschef Christopher Lauer liefert eine Antwort. Er ist Profi geworden. Im politischen Showgeschäft.

Von Philipp Elsbrock

  Kein Flausch: Christopher Lauer, Fraktionschef der Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus

Kein Flausch: Christopher Lauer, Fraktionschef der Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus

  • Philipp Elsbrock

Jan Delay und Kurt Beck verbindet nicht vieles, aber auf eins können sie sich einigen: Sie mögen ihn nicht, diesen Christopher Lauer. Lauer, das ist der Pirat, der im Herbst 2011 vor Millionen Zuschauern in einer Anne-Will-Sendung bekannt wurde. Der mit dem fusseligen Vollbart und der Hornbrille und den dunklen Augen. Seit einem Jahr sitzt er für die Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus, seit drei Monaten ist er einer von zwei Fraktionschefs.

Dass Jan Delay ihn nicht mag, liegt am Programm der Piratenpartei. Die Piraten erwecken den Eindruck, das kostenlose Herunterladen von Musik und Filmen über Tauschbörsen sei ein Grundrecht in der digitalen Welt. Delay verdient sein Geld mit Musik, er lebt von den Platten, die er verkauft, und er wollte gern wissen, wo in diesem Ansatz der Piraten der Künstler bleibt. In einem Streitgespräch duellierte er sich mit Lauer. Das Urheberrecht gehört eigentlich zu Lauers Kernkompetenz, er ist kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Im Gespräch kam ziemlich schnell heraus: Er hat kaum Ahnung von dem Stoff, Delay steckte ihn locker in die Tasche.

Image des intelligenten Solisten

Bei Kurt Beck, dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, war die Sache ein bisschen anders. Er und Lauer waren zu Gast in einer Talkshow, und Beck erklärte mit vielen Worten, wie das Desaster am Nürburg-Ring zustande gekommen sei. Lauer saß aufreizend lässig daneben und kommentierte jeden Satz: "Ja, aha, ja. Irre." Irgendwann platzte Kurt Beck der Kragen und er rief: "Ihre Arroganz wird Ihnen auch noch vergehen!"

Arrogant und unwissend – Lauer, 28, gern in Dreiteilern von Drykorn unterwegs, kümmert sich nicht einen Deut darum, an diesem Eindruck etwas zu ändern. "Leute, die nett lächeln und winken, sind im Zweifelsfall austauschbar", sagt er. Seit einem Jahr sitzt er im Berliner Abgeordnetenhaus, als einer von 15 Abgeordneten. In dieser Zeit hat er sich rasend schnell medial vernetzt – und das, obwohl die Piraten Journalisten kritisch bis ablehnend gegenüber stehen. Lauers Fraktionskollege Oliver Höfinghoff sagt: "Er allein kommuniziert mehr mit Medienvertretern als die ganze Fraktion zusammen." Die Folge: Über keinen anderen Piraten wird so viel berichtet wie über ihn. Und kaum jemand macht es einem so leicht, ihn nicht zu mögen. Das, was seine Parteifreunde als "Flausch" zelebrieren, "Wir haben uns alle lieb" über Twitter? Gibt es bei ihm nicht. Lauer pflegt sein Image als intelligenter Einzelgänger – in den letzten Schuljahren wurde er als Hochbegabter gefördert.

Zigtausend Piraten zahlen nicht

Am 17. September 2011, einen Tag vor der Wahl, kannte ihn außer interessierten Berlinern noch niemand. Dann holten die Piraten 8,9 Prozent. Drei Tage später saß Lauer bei Anne Will und führte vor, welches Verständnis das grüne Politikfossil Bärbel Höhn vom Internet hat – nämlich gar keins. Diverse Fernsehsender porträtieren ihn, er schreibt unregelmäßig Beiträge für die "Frankfurter Allgemeine" und die "Zeit". "Der Showpirat", so nannte ihn kürzlich der "Spiegel". Lauer selbst sagt: "Es ist ganz klar, ich bin bei vielen Themen nicht der Hammerexperte, der jeden Paragrafen auswendig kann, aber darum geht's auch gar nicht." Worum dann? "Es geht darum, zu argumentieren: Warum wäre die Welt mit einer Änderung, wie die Piraten sie vorschlagen, jetzt besser?"

Das ist eine gute Frage, allerdings gibt es nur selten eine Antwort darauf. Das liegt vor allem an den Piraten selbst. Sie bringen kaum etwas zustande.

Eine Alternative zu den etablierten Parteien wollen sie sein, den Politikbetrieb aufmischen, dabei haben die Piraten noch nicht mal den eigenen Laden im Griff. Von den 34.000 Mitgliedern zahlt mehr als ein Drittel seine Beiträge nicht. "Ich hoffe sehr, dass wir unsere Beitragsquote bis Ende des Jahres so auf drei Viertel hochschrauben können", sagt dazu ganz behutsam der Bundesvorsitzende der Piraten, Bernd Schlömer. Bei Christopher Lauer klingt das so: "Die müsste man doch mal alle rausschmeißen. Das verstehe ich auch nicht, warum das nicht geschieht."

Lesen Sie auf der folgenden Seite, warum man Lauer nicht unterschätzen sollte - aber auch nicht ernst nehmen kann

Lauer macht und informiert niemanden

In einer Partei, in der niemand voran gehen will, geht Lauer an der Spitze. Er widersetzt sich allen Regeln, die die Piraten ausmachen. Konsequent verbindet er sein Gesicht mit politischen Vorhaben und karikiert damit den Slogan "Themen statt Köpfe". Er plädiert für das Machbare, Träumereien lehnt er ab.

Die Partei wehrt sich auf ihre Weise: Ein Shitstorm nach dem nächsten geht über Lauer nieder, in seiner gut dreijährigen Parteikarriere hat er etliche erlebt. Zuletzt, als er Anfang September unterstützt von Juristen einen Entwurf zur Reform des Urheberrechts vorstellte. Die Medien waren informiert, die Basis war es nicht, der Parteivorstand auch nicht. Lauer kann sich das erlauben, weil er eine starke Machtbasis hat: sein Fraktionsmandat und die Öffentlichkeit.

Politik ist eben zu einem großen Teil auch Show. Kein Pirat hat das so schnell gelernt wie der strebsame Lauer. Youtube-Videos seiner unterhaltsamen Reden im Berliner Parlament kommen auf 200.000 Abrufe und mehr – ein wahnsinniger Wert für einen Politiker. Angela Merkels dröge Einlassungen erreichen bestenfalls ein Zehntel davon. Lange her, dass Lauer im vergangenen Herbst darüber staunte, wie dick ein Gesetzesentwurf ist. Ein Dreivierteljahr später sagt er im Gespräch: "Dieses Abgeordnetenhaus ist der provinziellste Saustall, den es gibt, und da findet nur Quatsch statt. Die ganze Zeit." Das knallt, das wird ein Echo geben, und Lauer weiß das.

Lang nicht mehr im Kinksi gesehen

Dass er viel arbeitet, bestreiten auch seine Kritiker nicht. Er bereitet Anträge für die Ausschüsse vor, er fährt zu Podiumsdiskussionen, macht Podcasts und schreibt in seinem Blog. "Seit der Wahl habe ich weniger als zehnmal im Supermarkt eingekauft", sagt er bei einem Treffen im Juli. Nur der Kontakt zur Basis kommt bei alldem schon mal zu kurz.

An einem Abend im Juli schaukelt ein Ausflugsdampfer über die Spree, die Berliner Piraten haben eingeladen. Sie wollen über das Transparenzgesetz diskutieren, das Hamburg schon durchgesetzt hat – ohne Beteiligung der Piraten. Lauer hat am Anfang ein paar Worte zur Begrüßung gesagt, als die Veranstaltung vorbei ist, ruft er "Schnittchen! Schnittchen!" und freut sich auf Kanapees und Cola. Er spricht mit Abgesandten der US-amerikanischen Botschaft, wieder einmal begleitet ihn ein Kamerateam. Und dann steht da ein Basispirat, der Kritik loswerden möchte. "Eure Arbeit kommt manchmal nicht bei der Basis an", sagt er. Warum Lauer nicht häufiger in Ortsvereine komme? Und im Kinski, der Stammkneipe der Berliner Piraten, da lasse er sich ja auch nur selten blicken.

Lauer kennt diese Vorwürfe, und er versteht sie nicht. "Was sind eigentlich eure Ansprüche?", fragt er patzig. "Nur weil manche so gut performen, können andere programmatisch arbeiten." Er selbst, so klingt es, macht beides ziemlich gut. Ist das für die Basis denn so schwer zu verstehen?

Bislang keine Medien-Patzer

Es gibt zaghafte Ansätze, mit denen Lauer versucht, das Herz seiner Parteifreunde zu gewinnen. Im Januar liest er eine halbe Stunde lang die wörtliche Fassung des Interviews ab, das der angeschlagene Bundespräsident Christian Wulff der ARD gegeben hat. Das wirkt ziemlich gaga, bekommt im Internet aber viel Applaus. Täglich schreibt er im Durchschnitt 44 Tweets – von zusammenhangslos bis banal.

Einmal sagt er im Gespräch: "Politik ist halt so wie sie ist, weil sich eben genau die Leute, die sich mit Politik beschäftigen, mit Politik beschäftigen." Man kann lange grübeln, was dieser Satz heißen soll. Es kommt nur nichts dabei heraus. Er bedeutet nichts, es ist eine Leerformel. Mit solchen Aussagen erweist sich Lauer als echter Pirat: Man sollte ihn nicht unterschätzen, aber ernst nehmen kann man ihn nicht.

Immerhin leistet sich Lauer als einer der wenigen prominenten Vertreter seiner Partei kaum Patzer in der Öffentlichkeit. Darauf weist er übrigens ganz unbescheiden selbst hin. Und er hat Recht. Viele seiner Fraktionskollegen fielen allein durch Skandälchen auf: Gerwald Claus-Brunner nannte die Frauenquote einen "Tittenbonus", Simon Weiß hielt seine Nase vor eine Linie aus weißem Pulver und ließ sich dabei fotografieren. Fabio Reinhardt kam mit kurzen Hosen ins Parlament, Susanne Graf verschaffte ihrem Freund einen Job in der Fraktion. Selbst Martin Delius, eigentlich ähnlich medienerfahren wie Lauer, äußerte in einem unbedachten Moment einen kruden Nazivergleich.

Fast ein Etablierter

Lauer gibt sich professionell – fast so wie einer der Etablierten. Die Basis mag diese Art nicht, doch die Berufspolitiker seiner Partei respektieren ihn dafür. "Christopher hat früh erkannt, wie wichtig Pressearbeit ist", sagt Fraktionskollege Oliver Höfinghoff. Und dann schiebt er einen Satz hinterher, der für Piraten wie ein Donnerschlag klingen muss: "Themen statt Köpfe, das ist doch nur eine Phrase."

Vielleicht hat Christopher Lauer das einfach nur früher erkannt als die anderen.

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