11. April 2012, 19:40 Uhr

Grass fühlt sich an DDR-Methoden erinnert

Günter Grass meldet sich erneut zu Wort. Der Literaturnobelpreisträger hat das gegen ihn von Israel verhängte Einreiseverbot scharf kritisiert. Die Maßnahme erinnere ihn an DDR-Methoden.

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Günter Grass fühlt sich wegen des von Israel gegen ihn verhängten Einreiseverbots an Stasimethoden erinnert©

Der Schriftsteller Günter Grass hat das gegen ihn verhängte Einreiseverbot nach Israel als "Zwangsmaßnahme" bezeichnet, die an DDR-Methoden erinnere. Zuvor sei ihm zweimal die Einreise in ein Land verboten worden - in die DDR und Ende der 1980er Jahre nach Birma, schreibt er in einem kurzen Text in der "Süddeutschen Zeitung" mit der Überschrift "Damals wie heute - meine Antwort auf jüngste Beschlüsse".

"In beiden Fällen wurde die in Diktaturen übliche Praxis vollzogen. Jetzt ist es der Innenminister einer Demokratie, des Staates Israel, der mich mit einem Einreiseverbot bestraft und dessen Begründung für die von ihm verhängte Zwangsmaßnahme - dem Tonfall nach - an das Verdikt des Ministers Mielke erinnert", schreibt der Autor. Erich Mielke war in der DDR Chef der Stasi.

Grass betont Verbindung zu Israel

"Die DDR gibt es nicht mehr", so der 84-jährige Literaturnobelpreisträger weiter. "Aber als Atommacht von unkontrolliertem Ausmaß begreift sich die israelische Regierung als eigenmächtig und ist bislang keiner Ermahnung zugänglich. - Allein Birma lässt kleine Hoffnung keimen." Das Einreiseverbot werde seine Erinnerungen an Aufenthalte in Israel nicht auslöschen können, schreibt Grass und betont: "Immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden."

Hintergrund des Einreiseverbotes für Grass ist sein israelkritisches Gedicht "Was gesagt werden muss". Der Literaturnobelpreisträger ("Die Blechtrommel") hatte darin geschrieben, die Atommacht Israel bedrohe den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Israels Innenminister Eli Jischai von der strengreligiösen Schas-Partei verhängte daraufhin ein Einreiseverbot gegen den Autor. Bislang hatte Grass sich nicht zu dem Verbot äußern wollen.

kng/DPA
 
 
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