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20. Mai 2010, 18:40 Uhr

NRW-Linke schrecken Rot-Grün ab

Aus Rot-Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen wird nichts: SPD und Grünen sind die NRW-Linken zu radikal. Nun will SPD-Landeschefin Kraft eine große Koalition. CDU-Mann Rüttgers scheint nicht abgeneigt.

Nordrhein-Westfalen, NRW, Hannelore Kraft, rot-rot-grün, Absage

Nichts wie raus - SPD-Chefin Kraft und Grünen-Fraktionsvorsitzende Löhrmann (r.) beenden die Gespräche mit der Linken schon nach wenigen Stunden© Federico Gambarini/DPA

In Nordrhein-Westfalen sind die Sondierungsgespräche von SPD und Grünen mit der Linkspartei bereits am ersten Tag gescheitert. SPD-Landeschefin Hannelore Kraft lud daraufhin die CDU zu Sondierungsgesprächen in der kommenden Woche ein. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sagte am Donnerstagabend, es gebe die Chance, eine stabile Regierung zu bilden. Sowohl Kraft als auch ihr CDU-Kollege betonten, dass bei den Gesprächen zunächst über Inhalte gesprochen werden solle. Doch Streit ist bereits programmiert: Beide Parteien dürften die Führung der Regierung für sich beanspruchen.

Nach fünfstündigen Beratungen mit der Linkspartei in Düsseldorf hatten SPD und Grüne ihre Gespräche über ein rot-rot-grünes Bündnis für beendet erklärt. Es mache keinen Sinn, mit der Linkspartei weitere Sondierungsgespräche oder gar Koalitionsverhandlungen zu führen, sagte Kraft. Es habe von den Linken viele relativierende Äußerungen zu ihrem Demokratieverständnis und zur DDR gegeben. "Wir konnten kein Vertrauen aufbauen." Die Partei sei in NRW weder koalitions- noch regierungsfähig.

Grüne haben Verständnis für SPD

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Sylvia Löhrmann, stimmte Kraft zu: "Wir haben nicht den Eindruck gewonnen, dass es eine tragfähige Grundlage gibt."Ihr Fazit: "Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende." Löhrmann hat Verständnis dafür, dass die SPD nun ein Bündnis mit der CDU ausloten wolle. Eine erneute Aufforderung an die FDP zu Gesprächen über eine mögliche Ampelkoalition werde es nicht geben. Die Liberalen hatten die Einladung zu Gesprächen ausgeschlagen, weil Rot-Grün auch die Linke zur Sondierung eingeladen hatte.

Rüttgers sagte in einer kurzen Erklärung vor der Staatskanzlei: "Wir stehen für Gespräche zur Verfügung...Ich glaube, dass es auch eine sehr, sehr gute Chance gibt, stabile Verhältnisse zu schaffen", sagte Rüttgers. Fragen von Journalisten, etwa ob er Ministerpräsident bleiben wolle, beantwortete er nicht. CDU und SPD verfügen im neugewählten Landtag jeweils über 67 Sitze. Die CDU erhielt bei der Wahl am 9. Mai trotz großer Verluste einige tausend Stimmen mehr als die SPD.

Umstrittener Landesverband

Die Linke warf SPD und Grünen vor, keine ernsthaften Gespräche geführt zu haben. Es sei gar nicht um Inhalte gegangen, sagte der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Zimmermann. "Es waren offensichtlich Scheingespräche, die den Weg zu einer großen Koalition ebnen sollen." Es sei etwa gefordert worden, dass die Linke dem Etat des Verfassungsschutzes zustimmt, als ob dies eine große Frage für die Bevölkerung sei. Die Linke will den Verfassungsschutz auflösen, der sie in NRW beobachtet, und Energieriesen wie Eon und RWE verstaatlichen.

Die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen ist mit rund 8500 Mitgliedern der größte Landesverband in Westdeutschland - und gilt als radikaler als die meisten anderen. Es gebe Zweifel, ob die Partei sich ideologisch, programmatisch und personell innerhalb der freiheitlich demokratischen Grundordnung bewege, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht. Extremistische Zusammenschlüsse seien ein wichtiger Bestandteil der Partei. Teile der Linken arbeiteten auch mit gewaltbereiten Autonomen zusammen. Die Linke wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Man sei eine pluralistische Partei, zu der die Kommunistische Plattform ebenso gehöre wie ein Zusammenschluss von Christen, sagt Landeschef Zimmermann.

Mit ihrem Wahlprogramm zog sich die NRW-Linke viel Kritik zu. Neben der Vergesellschaftung der Energiekonzerne sorgte auch die Forderung nach Abschaffung des Religionsunterrichts als regulärem Schulfach sowie nach einer Legalisierung von Cannabis für heftigen Widerspruch. Die im Entwurf des Wahlprogramms noch enthaltene Forderung nach einem "Recht auf Rausch" hatte die Partei allerdings fallengelassen.

P.S. Ist die Entscheidung der SPD, die Verhandlungen mit der Linken abzubrechen, richtig? Soll jetzt eine Große Koalition kommen? Wie denken Sie darüber? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
tomtomgo57 (20.05.2010, 20:06 Uhr)
tschüss SPD FÜR IMMER !!!!
Wenn ich CDU gewollt hätte, hätte ich keine SPD gewählt!! Ich bin jetzt 52 und ich habe die SPD mehrfach angeschrieben das ich das was jetzt kommt nicht will!!!

tschüss SPD FÜR IMMER !!!!

Nie nie wieder werde ich meine Stimme für solche Ver... hergeben!!!
rheinelbe (20.05.2010, 20:04 Uhr)
ABSURD
Die "Linke" in NRW relativiert die DDR-Diktatur und rettet damit die wahlverlierende Landes-CDU.
Das ist politischer Nihilismus. Dabei kommt heraus, was keiner wollte: Wählerwille ade!
Medienbeobachter (20.05.2010, 20:02 Uhr)
Kalter Krieg in NRW
Ist doch nur noch lächerlich! Koalitionsverhandlungen in NRW scheitern an Interpretation der Ablehnung des DDR-Regimes?
Wenn man das den Deutschen verkaufen kann, müssen die Menschen hier wirklich vollkommen verblödet sein. Das heutzutage noch die DDR-Keule wirkt, ist kaum zu glauben. Mehr Geld für Bildung tut wirklich Not.
Fraktionschef Wolfgang Zimmermann bezeichnete die Sondierungsrunde abschließend als Scheingespräche. Das zeige sich allein daran, dass die SPD bereits eine Einladung an die CDU rausgeschickt habe.

Es ist auch nicht anzunehmen, dass der rechte Flügel der SPD ein Linksbündnis mitgemacht hätte, also alles nur Theater.
schichtarbeiter (20.05.2010, 20:00 Uhr)
Nasowas
Ist denn eine GroKO überhaupt machbar?
War es denn nicht die Schwesterpartei der CDU die 1949 gegen das GG gestimmt hatte?Ist die CSU denn jetzt nicht auch extremistisch? ich glaube das die Linke unser GG ( Verfassung ) angenommen hatte. wenn nicht, klärt mich bitte auf!
alice_42 (20.05.2010, 20:00 Uhr)
Wie dämlich ...
... kann man sein, liebe SPD?

Der Linken kann man schon jetzt gratulieren - die nächsten Wahlen kommen bestimmt, und die SPD hat gerade eine erhebliche Anzahl an Wählern verloren.

Ich bin mal gespannt, ob die CDU-Vertreter auch vor Aufnahme von Koalitionsgesprächen zum Gesinnungstest müssen. Das kann dann schwierig werden für Rechtsausleger wie Rüttgers.
rockyciano (20.05.2010, 19:59 Uhr)
@tannebaum
Ich habe eine ganz andere Befürchtung - jetzt schliessen sich schwarz/rot zusammen,um weitere Interessen(Gebührenerhöhungen etc.)gegen den Bürger durchzusetzen.Bei Nichtdurchsetzung von Wahlversprechen bzw. Vorhaben,kann man jetzt immer den anderen vorschieben.Bin mal gespannt bei Mindestlohn und Leiharbeit.
Nemesis666 (20.05.2010, 19:59 Uhr)
Der Wähler hat entschieden.
Der Wählerwille ist Schwarz-Rot in NRW.
Da die CDU mehr Simmen hat, stellt sie natürlich auch den MP!!!
Rot-Grün-Rot will keiner!

Wie sagte schon Gaz-Gerd:
Mehrheit ist Mehrheit; Basta!
AttaTroll (20.05.2010, 19:56 Uhr)
NRW
War vorhersehbar. Die SPD will keine andere Politik, sondern nur ihre Pfründe sichern
SethusCalvisius (20.05.2010, 19:53 Uhr)
@tannebaum
"also bitte akzeptieren sie die stimmen der anderen, so wie die anderen ihre meinung respektieren... "

Dieser Satz aus Ihrem Mund (bzw Computzer) hat schon was absurdes. Sie haben doch noch nie irgendeine Meinung akzeptiert, die Ihrer widerspricht.

Zm Thema:
Ganz schwache Vorstellung von Frau Kraft. Was da jetzt angeblich zur Absage von RRG geführt hat, war doch lange bekannt. Da konnte man sich doch fragen: Nehme ich ein paar schräge Vögel in Kauf dafür, dass ich einen Großteil meiner politischen Vorstellungen umsetzen kann oder schließe ich das grundsätzlich aus. Also die Entscheidung zwischen Prinziopueientreue und Pragmatismus.

Diese Entscheidung hätte aber längst gefällt werden jkönnen, dazu braucht man kein stundenlanges "Sondierungsgespräch".

Aber es passt in die Taktik von Frau Kraft: Sie hat RRG nie offiziell ausgeschlossen, um den linken Flügel nicht zu verprellen. Jetzt kann sie sagen: Ich hab's ja versucht.

Aufgrund der engen Verquickungen der SPD gerade mit der Energiewirtschaft war eigentlich von vorneherein klar, dass eine Koalition mit Links nicht zustande kommt. Schließlich will man weder die Plätze im Aufsichtsrat noch die Parteispenden riskieren.

Jetzt also GroKo. Davon profitieren im Normalfall die kleinen Parteien. Insofern sind die Linken am Ende irgendwie doch Sieger.
Prologo (20.05.2010, 19:53 Uhr)
Die Kraft wird wird auf der Oppositionsbank mit der Linken aufwachen,...

.....denn die Grünen werden mit der FDP den Rüttgers wieder wählen !!

So dämlich sind die Grünen wirklich nicht, dass sie sich von der Kraft auf die Oppositionsbank drücken lassen.

Das zeigt wieder einmal, die SPD ist einfach zu dämlich und hat seit Yppsilanti nichts dazu gelernt.

MfG,
T.
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