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5. August 2008, 12:39 Uhr

Gabriel keilt gegen Glos' Atompläne

Neuer Zoff in der Großen Koalition: Wirtschaftsminister Michael Glos will die Laufzeiten der deutschen Atommeiler offenbar um acht Jahre verlängern. Umweltminister Sigmar Gabriel passt das gar nicht. Er findet, Glos habe den falschen Beruf gewählt, seine Pläne seien unverantwortlicher Lobbyismus.

Kämpfer gegen die Atomkraft: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel© Markus Schreiber/AP

Obwohl die Große Koalition uneins ist, treibt Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Abkehr vom Atomausstieg bereits in konkreten Planungen voran. Eine von ihm eingesetzte Arbeitsgruppe hat Eckpunkte für ein "Kernenergie-Nutzungsgesetz" vorgelegt, bestätigte sein Ministerium.

In dem Eckpunktepapier aus dem Glos-Ministerium wird die Verlängerung der Laufzeiten für die 17 Atommeiler von 32 auf mindestens 40 Jahre vorgeschlagen. "Zu prüfen wäre, ob die Betreiber im Rahmen einer freiwilligen Vereinbarung Gewinne aus der Restlaufzeitverlängerung anteilig abführen", heißt es in dem Papier weiter. Die Endlagerung soll demnach "ergebnisorientiert" angegangen werden; dazu soll das bis 2010 angesetzte Erkundungsmoratorium für den Salzstock Gorleben aufgehoben werden.

Für nötig hält die Arbeitsgruppe die Abkehr vom Atomausstieg vor allem wegen der Energiepreisentwicklung. Bliebe es bei den Beschlüssen des Jahres 2000, müsste bis 2020 doppelt so viel Strom aus teurem Erdgas erzeugt werden. Dies würde Verbraucher mit "mehreren Milliarden Euro zusätzlich" belasten, hieß es. Kurzfristige Entlastung der Verbraucher versprechen sich die Experten von einem günstigeren Atomstrom-Tarif, der "politisch flankiert" werden könnte. Zum Zeitplan schreibt die Arbeitsgruppe, die Abkehr vom Atomausstieg solle "möglichst schnell - spätestens zu Beginn der nächsten Legislaturperiode" 2009 beschlossen werden. Das Papier sei noch nicht mit Glos abgestimmt, hieß es.

"Erhard würde sich im Grabe umdrehen"

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) reagierte mit scharfer Kritik. "Der Koalitionsvertrag ist eindeutig: Es bleibt beim Ausstieg aus der Hochrisiko-Technologie Atomkraft", betonte der Minister. Nur Energieeffizienz und erneuerbare Energien könnten langfristig Preissteigerungen dämpfen sowie die Versorgung und die Klimaschutzziele sichern. Inzwischen arbeiteten 250.000 Menschen in der Erneuerbaren-Energien-Branche, bis 2020 würden es 500.000, betonte Gabriel. "Ein Wirtschaftsminister, der diesen Boom abwürgen will, hat den falschen Beruf", erklärte der SPD-Politiker.

Er verwies erneut darauf, dass es weltweit kein sicheres Endlager gebe. Zudem würden längere Atomlaufzeiten weder Benzin- noch Strompreise senken, sondern nur zu höheren Gewinnen der Energieversorger führen. "Ludwig Erhard würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass sein Amtsnachfolger Ordnungspolitik mit Lobbyismus verwechselt", erklärte Gabriel.

"Ökonomisch unsinnig"

Auch von Linken und Grünen kam heftige Kritik. Die "sogenannten Experten von Herrn Glos" empfählen die Produktion Tausender Tonnen zusätzlichen Atommülls, kritisierte der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne). "Das ist ökonomisch unsinnig und ökologisch verantwortungslos." Atomkraft mache Strom für Verbraucher nicht spürbar billiger. Links-Energieexperte Hans-Kurt Hill warf Glos eine Salamitaktik vor, die scheibchenweise zum Ausstieg aus dem Ausstieg führen solle.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
-GAST- (06.08.2008, 18:11 Uhr)
Die Kosten für jeden Stromzahler
Nachtrag zum meinem Beitrag unten:
Die 100 Milliarden nur für Solarstrom auf 82 Millionen Deutsche ergibt rund 1200 EURO, die jeder Bundesbürger bis 2030 für eine vernachlässigbare Menge an Solarstrom zahlt. Hätte man dieses Geld in Wärmedämmung und bessere Heiztechnik investiert, hätte man mehr heimische Arbeitsplätze geschaffen und wesentlich mehr für die Umwelt getan. Bei den asiatischen Herstellern von Solarzellen knallen auch die Korken über die Freude an dem Erfolg der deutschen Lobby.
P.S. Die Subventionen zahlt man nicht nur mit der Stromrechnung, sondern auch mit dem täglichen Einkauf, da auch die Unternehmen die EEG-Abgabe zahlen müssen. Der Ofen des Bäckers und die Kühlaggregate bei Aldi brauchen auch Strom und das nicht zu knapp. Nach einem Bericht der Zeitschrift Photon haben nur wenige Unternehmen wie die Bahn eine reduzierte EEG-Abgabe.
-GAST- (06.08.2008, 18:00 Uhr)
Neues von der Solarzellenlobby
Im Zusammenhang mit dem Gesetz zur Laufzeitverlängerung für Solarzellensubventionen (EEG) hat die Lobby Erfolg gehabt. Anbei ohne Kommentar Zitate aus dem Vorwort der Solarzeitschrift PHOTON 7/08:
„Denn Deutschland gibt als größter und immer noch einziger Markt mit unbegrenztem Fördervolumen auch das Niveau der Preise international vor.“
„… die Solarindustrie hat allen Grund die Korken knallen zu lassen. Da keine Begrenzung der jährlichen Zubaumenge vorgesehen ist, kann jeder Hersteller weltweit sicher sein, seine Produkte im Zweifelsfall in Deutschland absetzen zu können.“
„Ein solch starker Zubau ist allerdings nicht umsonst zu haben. Das wurde im Vorfeld der Novelle ausgiebig diskutiert. Weit mehr als 100 Milliarden Euro wird die Solarförderung den deutschen Stromverbraucher kosten, wenn tatsächlich die erwarteten Modulmengen ihren Weg nach Deutschland finden.“
nicknoris (05.08.2008, 19:53 Uhr)
Mit deutschem Mut und deutscher Tatkraft
Mit deutschem Mut und deutscher Tatkraft und brennendem Herzen für Atomkraft.
Windräder und Solarzellen, diese lächerlichen Technologien zu subventionieren, kann nur grünen Ökofuzzis in den Sinn kommen.
Um Wind und Sonne beten, das sollen die Schwachen. Wir Starken bändigen die Höllenglut.
Weil ein ÖKO-GAU im schlimmsten Falle nur eine Kuh verstört oder einen Hering tötet, jubeln die Memmen.
Wir Mutigen aber rufen voller Stolz und Tapferkeit: „Erst hat uns die Natur herausgefordert und jetzt wo wir sie besiegen, soll sie sich doch aus dem Staub machen.“
mutti1 (05.08.2008, 19:13 Uhr)
ABLENKUNGSMANÖVER
der verbrauch geht an strom u. anderem systematisch nach unten, endlich begreifen die letzten, das alles nicht so wahnsinnig wichtig ist, wenn dann noch die systematisch mit billigfliegern in die abzocke geschickten juppis aufwachen, wird sich vieles einpendeln, besonders, wenn cdu-csu, spd ihre datscher abgekriegt haben , billig wird es nicht, aber teuer für die , die unsere allgemeingüter an turbo-kapitalisten verramscht haben. und wenn die ersten akw,s marode lecken, dann wird,s hart, dann ist doch das größus-pack das erste, was ausreisst. aus die maus, baut lehmhäuser u. schützt unsere resourcen , wir sind nicht die letzten, es soll in 300 jahren auch noch hier lebenswert sein.
panzertom (05.08.2008, 17:51 Uhr)
Am besten: Torf-Kraftwerke
Ich habe für den Genossen Gabriel einen Tipp: Sein dämliches Arbeitsplatz-Argument (bald 500 000 Menschen, die für regeneratirve Energien arbeiten), wäre noch viel wirkungsvoller, wenn er Kraftwerke mit Torf heizt. Das gab es hier in Norddeutschland zu Kaisers Zeiten schon mal. Millionen Menschen müssten den dann erforderlichen Torf stechen...
terrax (05.08.2008, 17:41 Uhr)
@all
Glaubt Ihr alle ernsthaft, daß der Strom billiger wird wenn es mehr Atomstrom gibt? Wie ich in einem anderen Forenbeitrag zum Wirtschaftsabschwung bereits erwähnt hatte müssen die Firmen ihr Gewinnmargen halten. Wenn Ihr son Blödsinn glaubt, dann könnt ihr auch an den Weihnachtsmann glauben. Strom wird eh immer teurer auch bei Atomkraft!
felice4711 (05.08.2008, 16:36 Uhr)
Auch haben will!
Wer hat denn an vegefranz diese absolut abgefahrenen Drogen verteilt?
guzziman (05.08.2008, 15:58 Uhr)
Ge
schissen auf Gabriel.
vegefranz (05.08.2008, 15:38 Uhr)
ode an udospatz
oh christlich udospatz, oder nur ein hosen christlicher hosen Matz. morgen gegen wieder laufen gegen Wand oder udo laufen christlich gegen schrank!
bmpost (05.08.2008, 14:51 Uhr)
vegefranz heisst für mich denn auch...
frei übersetzt: Franz, das menschliche Gemüse!
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