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6. Juli 2008, 17:52 Uhr

Ölpreis heizt Atom-Debatte neu an

Der Ölpreis sorgt für das Wiederaufleben einer Debatte, die eigentlich schon beendet schien: die um den deutschen Atomausstieg. Und während die Union mit Energiekosten und der Klimaveränderung argumentieren, spricht die SPD von Terrorgefahr und einem ungelösten Problem.

Wie lange Atomkraftwerke noch in Deutschland Energie liefern, ist politisch trotz des Atomausstiegs umstritten© Philipp Guelland/DDP

Die schnell steigenden Öl- und Gaspreise haben den Streit zwischen Union und SPD über die Atomenergie neu angeheizt. Die SPD-Spitze warnte die Union, am vereinbarten Ausstieg zu rütteln. "Das ist doch unverantwortlich, solange die Frage nach der Entsorgung hoch radioaktiven Abfalls nicht gelöst ist", sagte SPD-Fraktionschef Peter Struck dem "Tagesspiegel am Sonntag". Der SPD-Politiker Erhard Eppler schlug allerdings einen Kompromiss vor, mit dem einige Atommeiler länger laufen könnten. Die Union dringt wegen steigender Energiepreise und für den Klimaschutz auf eine Laufzeitverlängerung. Sie schließt auch den Bau neuer Kernkraftwerke nicht aus.

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kündigte einen drastischen Ausbau der Windenergie an. "Wir setzen auf regenerative Energien und nicht auf Atomkraft", sagte er der "Welt am Sonntag". In der Nord- und Ostsee seien bis zu 30 Windparks geplant. Bis 2030 sollten 25.000 Megawatt aus der Windenergie kommen. Das Ziel sei, Deutschland damit unabhängiger von Energielieferungen aus dem Ausland zu machen. Die Bundesregierung hatte mit ihrem Klimapaket die Weichen für einen Ausbau der Windenergie und der Stromnetze gestellt.

Atomenergie weltweit auslaufen lassen

Der frühere Bundesminister Eppler schlug der Union im Magazin "Der Spiegel" vor, der SPD im Atomstreit ein Angebot zu machen: "Wenn die SPD bereit ist, einige Meiler länger laufen zu lassen, dann schreiben wir gemeinsam in die Verfassung, Atomkraftwerke werden nicht mehr gebaut." Es komme darauf an, die Atomenergie weltweit auslaufen zu lassen. Der konservative SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs warnte davor, den Atomausstieg infrage zustellen. Die Gefahren durch Terrorismus und Langzeitfolgen seien zu groß, sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

Union und SPD hatten den Ausstieg im Koalitionsvertrag bekräftigt. "Daran muss sich auch Frau Merkel halten", sagte Struck. Die Grünen warfen Eppler Naivität vor. "Die Atomindustrie selbst hat die Befristung der Laufzeiten auf 32 Jahre mit ihrer Unterschrift unter den Atomkompromiss zugesagt", sagte Ex-Umweltminister Jürgen Trittin. Noch immer gebe es aber keine Lösung für den Atommüll.

"Partei der Strompreiserhöhung"

Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) warf der SPD vor, zur "Partei der Strompreiserhöhung" zu werden, wenn sie sich längeren Laufzeiten widersetze. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte im Südwestrundfunk, der Energiekonzern RWE habe angeboten, hieraus entstehende Zusatzgewinne zu großen Teilen an Kunden zurückzugeben. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast rechnet aber nicht mit einer Preissenkung durch die Stromkonzerne. Sie hätten Milliardengewinne abgeschöpft, ohne dass Strom billiger geworden sei, sagte sie der "Berliner Zeitung".

RWE-Chef Jürgen Großmann warnte, Deutschland verschenke mit dem Atomausstieg Milliarden. Er sprach sich in der "Bild"-Zeitung indirekt für neue Meiler aus. "Deshalb müssen wir schleunigst umkehren und mit neuen Generationen von Kernkraft vorweg gehen." Bundesforschungsministerin Annette Schavan hält dies für denkbar. "Es geht heute in Deutschland nicht darum, neue Kernkraftwerke zu bauen, aber wer kann sagen, ob das auch noch in zehn Jahren gilt?", sagte die CDU-Vize der "Bild am Sonntag".

Rund 700 Menschen demonstrierten vor dem Atommülllager Asse in Niedersachsen gegen eine geplante Flutung bei Stilllegung. Anwohner und Umweltschützer befürchten, dass radioaktive Stoffe an die Oberfläche gelangen könnten. Im Juni war bekanntgeworden, dass in dem Forschungsbergwerk bei Wolfenbüttel radioaktive Salzlauge lagert, die die zulässigen Grenzwerte deutlich übersteigt.

Nach dem Atomausstieg, der unter der rot-grünen Regierung vereinbart war, soll der letzte Meiler etwa 2022 vom Netz gehen. Die Atomkraft wird zur Stromproduktion verwendet. Das Atomgesetz lässt schon jetzt die Übertragung der Restlaufzeiten von älteren auf neuere Kernkraftwerke zu. Umgekehrt ist eine Genehmigung notwendig.

DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Skarrin (07.07.2008, 09:58 Uhr)
Bildung aus der BILD?
Ist das deutsche BILDungssystem inzwischen so weit runtergekommen, dass Leute glauben Atomkraftwerke würden Öl produzieren? Sieht fast so aus...
Preussin (07.07.2008, 06:37 Uhr)
Atomkraft
Wind-und Wasserkraft und Ökodiesel und Biosprit allen schaffen es wohl nicht , sie sind im Gegenteil aus verschiedenen Gründen begrenzt. Atomkraft würde saubere Energie liefern. Es müßte eben Geld in die Forschung für bessere Entsorgung gesteckt werden und nicht im Ausland auf den Konten zinseln.Auch die ausgetragenen Konflikte müßten einem Ende zugeführt werden und das würde einigen Parteien leichter fallen wenn die Energiequellen gesichert wären. Das könnte die Atomenergie leisten und bezahlbaren Strom für alle.
bluaMauritius (06.07.2008, 22:31 Uhr)
Aerodynamisches Heberwerk für Talsperrenwiederauffüllung
Langsam wird es Zeit, grohstechn. alternative Energieanlagen zu bauen, und zwar nicht nur Vorküstenwindkraft, sondern auch Vorküsten-Gezeitenkraftwerke und Meeresströmungs-Sogturbinen, unter Nutzung der Unterwasserbetonhärtung- Und immanente Solarenergie(Brownsche Bewegung), die auch in Strömungen von Wasser oder Luft steckt (diese beschleunigend) muss genutzt werden nach Viktor Schauberger. - Auch ein Aero-Hebewerke mit überblasenen rillenbesetzten gewölbten Flächen liefert auf diese Weise Auftrieb mit Überschuss, da Hebung mehr leistet, als an Gebläsekraft eingesetzt werden musste. Wiederauffüllung von hohen Speicherseen auf diese Weise grohsstechnisch in riesigem Maassstab ohne weiteres SOFORT möglich. - Und ausserdem sparsames Wassernutzen für Neue Hydraulik (G. Sallusto) durch Impulswasserdruck-Kolbenzylindermaschine, zu Letzterem ein britisches Patent schon seit vielen Jahrzehnten vorhanden. Aber die CDU lümmelt sich verschlafen rekelnd in Länderregierungen herum, und die SPD bedauert, warum sie nicht doch Atomkraft will: Alles Leute ohne Rückgrat u.ohne Entscheidungskraft, verplempern ihre u.unsere Zeit.
---hdito ~*~
Ginnungagap (06.07.2008, 20:44 Uhr)
Der geht denen doch nicht auf den Leim.
Bezahlt wird er! HaHa :)
vegefranz (06.07.2008, 20:04 Uhr)
nur Ewiggestrige lehnen die Atomkraft ab
langsam wird jedem klar, daß die Abhängigkeit von Putin und den Scheichs langsam unsere Wirtschafts- und Sozialordnung auflöst. Nur Ewiggestrige und unbelehrbare Spinner wollen das. Dabei ignorieren sie, daß alle Nachbarstaaten klüger sind und selbst das ältestes deutsche AKW 50x sicherer ist als das neueste slovakische AKW.
animas (06.07.2008, 19:45 Uhr)
Windkraft? Gibt es da nichts besseres?
Wenn der Wind weht, dann ist auch das Meer in Bewegung.
Strom aus der Bewegung des Wassers ist langfristig billiger herzustellen. Ein Beispiel aus Großbritannien:
http://news.mongabay.com/2005/0521-hydro.html
Hier noch eine Möglichkeit aus Baden Würtemberg: http://de.youtube.com/watch?v=Z4joQSkQ1_M&feature=related
Herr Minister Wolfgang Tiefensee bitte informieren Sie sich bevor sie den Lobbyisten auf dem Leim gehen.
Natürlich gibt es noch viele Lösungen, die alle sicherer sind als wie Atomkraftwerke. Leider aber nicht so interessant für die Konzerne wie Siemenz und Co.
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