20. Dezember 2002, 11:25 Uhr

Die lautlose Jagd nach den Millionen

Für die Entführung von Jan Philipp Reemtsma hat Thomas Drach das höchste jemals in Deutschland gezahlte Lösegeld kassiert: 30 Millionen Mark. Gut sechs Jahre danach hat die Polizei eine heiße Spur zum größtenteils verschwundenen Lösegeld.

Der Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma©

Die Ermittler agierten in aller Stille. Monatelang fahndeten sie mit internationalem Haftbefehl nach Lutz Drach. Selbst als die spanische Polizei den Bruder des Reemtsma- Entführers Thomas Drach auf dem Madrider Flughafen festnahm, gab es keinen Jubel.

Die lautlose Jagd nach den rund 14 Millionen Euro Lösegeld aus der Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma im März 1996 lief weiter - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. «Wir wären nicht traurig gewesen, wenn das so geblieben wäre», sagte der Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller, nachdem am Donnerstag die Festnahme bekannt geworden war und der Medienrummel einsetzte.

Festnahme auf dem Flughafen
Die spanische Polizei hatte Lutz Drach am 25. November auf dem Madrider Flughafen festgenommen. Er wollte nach Brasilien ausreisen. Bei der Passkontrolle griffen die Beamten zu. Seitdem sitzt er hinter Gittern. Drach soll mindestens sechs Millionen Schweizer Franken (4,1 Millionen Euro) aus der Reemtsma-Entführung gewaschen haben. Die Staatsanwaltschaft hat seine Auslieferung beantragt.

Den entscheidenden Hinweis auf die Rolle Lutz Drachs bei den Geld- Transfers hatte im April ein ehemaliger Aachener Physiotherapeut gegeben. Er hatte für die Drach-Brüder als Geld-Kurier gearbeitet. Als der bis dahin unbescholtene Mann unter anderem wegen Geldwäsche vor Gericht stand, packte er aus. Aus Angst vor Rache hatte er seine Familie vorher in Sicherheit bringen lassen.

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