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Terroristen planten Anschlag mit Kofferbomben

Deutschland ist Ende Juli nur knapp einem Terroranschlag entgangen. Mit Bildern der Videoüberwachung wird nun nach zwei Verdächtigen gefahndet. Sie sollen mit Kofferbomben verheerende Anschläge auf zwei Züge geplant haben.

Nach dem Fund zweier Kofferbomben in Nahverkehrszügen gehen die Ermittler von einem terroristischen Hintergrund aus. Die Zünder der am 31. Juli in Zügen nach Hamm und Mönchengladbach gefundenen Kofferbomben hätten zeitgleich um 14.30 Uhr nachmittags ausgelöst, sagte der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Freitag in Wiesbaden. Nur ein handwerklicher Fehler habe verhindert, dass die Hauptladungen explodiert seien. Nähere Informationen wollte er dazu nicht geben.

50 000 Euro Belohnung

Der BKA-Chef und Bundesanwalt Rainer Griesbaum präsentierten bei der Wiesbadener Pressekonferenz Aufnahmen von Überwachungskameras des Kölner Hauptbahnhofs. Darauf sind zwei 20 bis 30 Jahre alte Männer mit südländischem Aussehen zur Tatzeit mit den Koffern zu sehen. Die Männer würden wegen versuchten Mordes und der Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung gesucht, sagte Griesbaum. "Die Höhe der Belohnung von 50 000 Euro zeigt, dass wir sehr besorgt sind", sagte Ziercke. Die Bahn hatte das Geld als Belohnung für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt. Die Videos sind auf der Internetseite des BKA abrufbar.

Wären die rund 25 Kilogramm schweren Kofferbomben mit je einer elf Liter Gasflasche und Benzin in je drei Plastikflaschen explodiert, wären die betroffenen Waggons ausgebrannt und möglicherweise der Zug entgleist. "Das wäre ein Fanal gewesen", sagte der BKA-Chef. "Wir halten es für möglich, dass Täter Signale mit Blick auf den Nahen Osten setzen wollten", sagte Ziercke.

Ein arabisch beschriebener Zettel und Speisestärketüten eines libanesischen Herstellers in den Koffern deuteten auf Verbindungen der Täter in den Libanon. Auf dem Zettel stehen laut Ziercke eine Telefonnummer im Libanon und - wie auf einem Einkaufszettel - der Produktname eines libanesischen Joghurts, der auch in Deutschland erhältlich ist. Das BKA hält die im Koffer zurückgelassenen Gegenstände nicht für bewusst gelegte falsche Spuren, weil sie im Fall der Explosion spurlos verbrannt wären.

Innenminister ruft Bürger zu Mitarbeit auf

Anders als bei den Anschlägen in London und Madrid 2005 und 2004 hätten die Täter offenbar kein massenhaftes Blutvergießen gewollt, betonte Ziercke. Die Zünder seien so eingestellt gewesen, dass die Bomben auf freier Strecke zehn Minuten vor den Zielbahnhöfen explodieren sollten. Außerdem wurde eine relativ verkehrsarme Zeit gewählt, zu der die Züge schwach besetzt waren. Offenbar seien die Täter auch wieder aus den Zügen ausgestiegen. Es seien also keine Selbstmordattentäter, sagte Ziercke.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble schließt weitere Anschlagsversuche nicht aus. Er rief die Bürger am Freitag dazu auf, die Öffentlichkeitsfahndung nach den zwei auf Video aufgenommenen Verdächtigen zu unterstützen, und gab verstärkte Sicherheitsmaßnahmen bekannt. Gleichzeitig bat er um einen "ruhigen Umgang" mit der Situation und versicherte, es bestehe kein Anlass, die Bahn und die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden. "Die beiden Sprengsätze waren sehr gefährlich. Sie sollten zünden. Tote und Verletzte wären die Folge gewesen", erklärte Schäuble. "Wir müssen dieses Ereignis sehr ernst nehmen. Und wir müssen leider davon ausgehen, dass die Gefahr einer Wiederholung dieser Anschlagsversuche weiterhin besteht."

Bahn will Videoüberwachung ausweiten

Der CDU-Politiker bat die Bevölkerung, sich mit möglichen Angaben zu den beiden Verdächtigen in jedem Fall schnell bei der Polizei zu melden. Es gelte, wachsam zu sein und Auffälligkeiten der Polizei zu melden. Die Sicherheitsmaßnahmen in der Bahn seien der aktuellen Lage angepasst worden, sagte Schäuble. So würden bestimmte Bereiche von der Bundespolizei noch intensiver überprüft. Er bat um Verständnis dafür, dass sie in einigen Fällen auch Reisende ansprechen und ihr Gepäck kontrollieren werde. Die versuchten Bombenanschläge hätten schlimme Folgen gehabt, gab Schäuble zu bedenken. Daher müssten auch einige Sicherheitsaspekte überdacht und neu ausgerichtet werden.

Der Minister erwähnte vor allem die Videoüberwachung, die in diesem Fall wertvolle Erkenntnisse über die mutmaßlichen Täter geliefert habe. Sie sei nicht nur bei der Bahn, sondern auch in anderen gefährdeten öffentlichen Bereichen wie dem öffentlichen Nahverkehr erforderlich.

Die Bahn will nun die Videoüberwachung ausweiten. Daneben soll es künftig auch erstmals stichprobenartige Kontrollen von Gepäckstücken geben, wie der bundeseigene Konzern am Freitag mitteilte. Dies sei bei gemeinsamen Sicherheitseinsätzen Aufgabe der Bundespolizei. Zur Ausweitung der Videoüberwachung würden Geräte beschafft, Termine und Standorte würden mit der Bundespolizei besprochen.

DPA/Reuters/DPA/Reuters

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