Startseite

Letzte Hoffnung für den Fisch

Überfischung, Beifang, Lebensraumvernichtung: Erstmals seit Jahrzehnten bietet sich in der EU die Chance, das Massaker auf den Meeren zu stoppen. Doch einige Länder versuchen, die Reform auszubremsen.

Von Lutz Meier

  Kabeljau auf dem Markt - so große Fische gibt es immer seltener: Durch die Überfischung werden die Tiere kleiner und kleiner. Falls die Reform gelingt, könnte es auch wieder mehr üppige Kabeljaue geben

Kabeljau auf dem Markt - so große Fische gibt es immer seltener: Durch die Überfischung werden die Tiere kleiner und kleiner. Falls die Reform gelingt, könnte es auch wieder mehr üppige Kabeljaue geben

  • Lutz Meier

Wie dramatisch die Sitzung ist, merkt man schon an den Appellen vorab. Selbst die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner sprach von einer "historischen Chance", bevor sie nach Brüssel abreiste. Vielleicht reden Minister öfter so, aber Aigner ist nicht die einzige, die das sagt und in diesem Fall hat sie nicht übertrieben: Auf der Sitzung, auf der Aigner wahrscheinlich noch bis Mittwoch früh mit ihren EU-Ministerkollegen um eine Einigung ringt, geht es um die Frage, ob eine Rettung der Meere noch möglich ist. Und es geht darum, ob in einigen Jahren noch in nennenswertem Umfang Speisefisch in europäischen Gewässern lebt.

Das EU-Parlament hat einen weitreichenden Reformplan für die EU-Fischerei fixiert, die Minister einen sehr zaghaften. Nun müssen beide Seiten einen Kompromiss schließen. Aber erst einmal müssen die 27 Minister sich überhaupt auf Kompromisslinie begeben und darüber, ob sie das tun, müssen sie sich zunächst verständigen - Länder wie Frankreich und Spanien würden nämlich die ganze Reform am liebsten ausbremsen, wie Beteiligte urteilen. "Wenn das jetzt scheitert, wäre das ein Riesenskandal", sagt die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Ulrike Rodust, die Verhandlungsführerin des Parlaments, die bang in ihrem Büro den Fortgang der Ministerkonferenz abwartet. "Und wenn die es so kommen lassen, dann werden wir es der Öffentlichkeit sehr deutlich sagen". Es klingt wie das übliche komplizierte EU-Politik-Hin und Her - aber es geht tatsächlich um eine Jahrhundertreform, um die Frage, ob die Politik trotz der ganzen vertrackten Strukturen gerade in Brüssel überhaupt noch in der Lage ist, ein Übel abzustellen.

Bestände sind überfischt, tonnenweise Fische verenden

Und das Übel, um das es geht, ist riesig: Ein naturzerstörerisches Drama, das sich jeden Tag in den europäischen Meeren abspielt und in der Regel der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Mehr als 80 Prozent der Fischgründe im Mittelmeer und 62 Prozent in den EU-Revieren des Atlantik sind überfischt.Überfischt bedeutet: wenn wie bisher dort Fische gefangen werden, sind die Bestände in wenigen Jahren vernichtet. Gleichzeitig hat die bisherige EU-Politik mit ihren starren Quoten dazu geführt, dass tonnenweise Fisch getötet wird, der nicht einmal als Nahrung gebraucht wird. Der so genannte Beifang, Fische die wieder ins Meer zurückgeworfen werden und da meist verenden und das Ökosystem stören, macht rund ein Viertel des gesamten EU-Fischfangs aus, 1,7 Millionen Tonnen Fisch im Jahr.

Diesen Irrsinn wollen die Reformer im EU-Parlament jetzt abstellen. Ihre Reform hat zwei Elemente: Erstens wollen sie die Masse der gefangenen Fische in den belasteten Gebieten begrenzen. Damit sich der Bestand erholen kann, sollen nur noch so viele Fische gefangen werden, wie dieser verträgt, ohne dass er sich selbst nicht mehr reproduzieren kann. Gleichzeitig wollen die Parlamentarier das tonnenweise Zurückwerfen von halbverendeten Fischen ins Meer verbieten. Im Gegenzug würden Fischer Unterstützung von der EU erhalten, um bessere Fangmethoden einzuführen, bei denen keine unerwünschten Fische mehr in den Netzen landen.

Wenn man den Rechnungen folgt, die die Parlamentarier anstellen, dann hat ihr Plan nur Vorteile. Nicht nur, dass er die Naturzerstörung stoppen würde. Es gäbe auf mittelfristige Sicht wieder mehr Fisch in den Meeren, weniger Existenznot und mehr Einkünfte für die Fischer, die gleichzeitig weniger Energie und Kosten hätten und der Steuerzahler würde bei den Subventionen auch noch sparen. "Wenn das konsequent so umgesetzt wird, dann gibt es tatsächlich eine Chance, dass sich die Fischbestände langfristig wieder aufbauen können", sagt Sakia Richartz, die im Brüsseler Büro der Umweltorganisation Greenpeace den Fortgang der Verhandlungen verfolgt.

Regierungen beugen sich kurzfristigen Interessen

Trotz der wunderbaren Perspektiven, die die Reformer ausmalen, wollen die Minister lieber etwas langsamer und vorsichtiger vorgehen. Sie wollen später anfangen, die Fischerei in den belasteten Beständen zu begrenzen und beim Rückwurfverbot wollen sie Ausnahmen zulassen. Grund ist die Sorge der Regierungen vor allem um Spanien und Frankreich um ihre Hochseefischerei, die sich kurzfristig möglicherweise beschränken müssten, um langfristig noch fischen zu können. "Diese Regierungen lassen sich einseitig von kurzfristigen Interessen ihres großen industriellen Fischfangsektors beeindrucken", sagt Richartz - obwohl die kleinen und mittelgroßen Fischer auch in Frankreich und Spanien auf die Reform hoffen. Am Montag protestierten etwa in Galizien spanische Küstenfischer zum Auftakt der EU-Konferenz gegen die Blockadehaltung ihrer Regierung.

Vielleicht hat sie sich davon bewegen lassen Konferenzteilnehmer berichteten, dass die bisher bremsenden Länder sich zumindest kompromissbereit gezeigt hätten. Deutschland übrigens setzte sich sehr dafür ein, die Reform nicht scheitern zu lassen. Auch wenn Ministerin Aigner sich zunächst vertreten lassen musste, weil ihr Flug nach Brüssel ausfiel. Ulrike Rodust, die Verhandlungsführerin des Parlaments hat vergangene Woche noch einen Brandbrief an die Minister geschrieben "Ich kann Ihnen versichern, dass das Parlament große Opfer bringen würde, um einen Kompromiss zu erreichen", heißt es in dem Schreiben, dass stern.de vorliegt. Vielleicht muss Rodust Ausnahmen vom Rückwurfverbot in Kauf nehmen, aber sie will zumindest verhindern, dass diese zu allgemein gehalten werden. Und vielleicht muss sie schlucken, dass die Fangbegrenzungen erst 2018 statt 2015 beginnen. Und wenn die Minister drohen, die Reform scheitern zu lassen? "Dann kämpfe ich eben weiter", sagt sie. Dafür sei sie schon zu lange in der Politik, um sich von Erpressungen der anderen Seite aufhalten zu lassen.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
Klar
Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

Partner-Tools