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1. März 2009, 15:35 Uhr

Die Linke will Politikwechsel in Europa

Die Linke forderte auf dem Bundeskongress in Essen einen Politikwechsel in Europa. Die Partei zieht mit ihrem Spitzenkandidaten Lothar Bisky in den Europawahlkampf. Der Politiker betonte, dass die Linke die Europäische Union nicht abschaffen wolle.

Die Linke, Linke, Bisky, Lothar Bisky

Die beiden Parteivorsitzenden der Partei Die Linke, Oskar Lafontaine (li.) und Lothar Bisky bereiten sich auf den Europawahlkampf vor© Volker Wiciok/AP

Die Linke zieht mit der Forderung nach einem radikalen Politikwechsel und ihrem Vorsitzenden Lothar Bisky als Spitzenkandidat in die Europawahl. Die in der Europapolitik zuvor zerstrittene Partei fällte bei ihrem Bundeskongress am Wochenende in Essen beide Beschlüsse einhellig. Die Linke forderte einen neuen, durch zeitgleiche Volksabstimmungen in allen EU-Staaten legitimierten EU-Vertrag, die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsregierung und die Auflösung der NATO. Mit diesem Profil strebt sie bei der Wahl am 7. Juni ein Ergebnis von mehr als zehn Prozent an (2004: 6,1). Der Vorsitzende Oskar Lafontaine wies den Vorwurf der Europafeindlichkeit seiner Partei zurück. Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise forderte er mehr Geld für die bisher "enteigneten" Arbeitnehmer und Rentner.

Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi sagte: "Wir sind proeuropäisch, die anderen Parteien sind antieuropäisch, weil sie ein Europa der Regierungen wollen und wir ein Europa der Bevölkerungen." Die Linke habe in Essen gezeigt, dass sie geschlossen, programmatisch und diszipliniert Politik mache. Das Zusammenwachsen von Ost- und West-Mitgliedern der Partei sei zwar noch nicht abgeschlossen. Es gebe aber einen "Reifeprozess".

Parteitag folgte den Vorschlägen

Der 67-jährige Bisky wurde mit 93,4 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Der Parteitag folgte den Vorschlägen des Bundesausschusses für die Liste bis Platz neun. 13 Plätze gelten in der Partei als aussichtsreich. Auf Platz zehn setzte sich überraschend der EU-Abgeordnete Tobias Pflüger durch, der vom Bundesausschuss wie die profilierten Linke-Politiker Sylvia-Yvonne Kaufmann und André Brie nicht nominiert worden war. Kaufmann verlor drei Kampfabstimmungen.

Die 54-Jährige ist in der Partei umstritten, weil sie für den EU-Reformvertrag von Lissabon gestimmt hat, während ihre Partei dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht klagt. Als einzige derzeitige Europaabgeordnete hatte der Bundesausschuss die frühere PDS-Chefin Gabi Zimmer wieder nominiert. Sie wurde vom Parteitag auf dem dritten Listenplatz bestätigt. Brie unterlag in einer Stichwahl um Platz zwölf. Insgesamt bewarben sich 81 Bewerber auf 30 Plätze.

Lafontaine sagte, Ursache der Wirtschaftskrise sei nicht nur fehlende Regulierung und Kontrolle von Banken und Unternehmen, sondern auch eine falsche Einkommens- und Vermögensverteilung. Über Beteiligungen der Belegschaften an ihren Betrieben müsse eine "demokratische Wirtschaft" aufgebaut werden. Banken und Unternehmen hätten für Milliardenverluste zu haften. "Wenn wir die ganze Scheiße in Bayern angerichtet hätten - die ganze Presse wäre doch nicht mehr zu halten gewesen. Aber die dürfen Milliarden verschleudern!", rief er den rund 500 Delegierten zu. Den anderen Parteien warf er vor, von der Finanzindustrie gekauft worden zu sein. Parteispenden müssten deshalb verboten werden. Die SPD bezichtigte er der "Lüge", weil sie Maßnahmen wie die Begrenzung von Managergehältern anspreche, aber nicht umsetze.

Dem Kongress war eine heftige Debatte vorausgegangen, ob die Linke eher die ihrer Ansicht nach bestehenden Bedrohungen und Nachteile der EU oder ihre Chancen und Vorteile herausstellen soll. Mit dem Wahlprogramm, in dem die Linke nun zahlreiche Vorschläge für eine veränderte Europapolitik macht, will sie dem Vorwurf anderer Parteien entgegentreten, sie sei europafeindlich.

Bisky, der auch Vorsitzender der Europäischen Linken (EL) ist, betonte: "Die Linke will die Europäische Union weder abschaffen noch zurück zur ausschließlichen Nationalstaatlichkeit. Für uns ist entscheidend, europäisch zu handeln." Zimmer sagte: "Es reicht nicht, allein auf Widerstand zu setzen." Die Linke solle sich gestaltend in die EU einbringen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
n8g8 (03.03.2009, 22:28 Uhr)
@dirk
Ihren Größenwahn - den Sie mit dem Guido gemeinsam haben? - tragen Sie so offenlesbar in die Öffentlichkeit, so wie Sie Ihren geifernden Neid auf die populistischen Fähigkeiten eines Lafontaines öffentlich zur Schau stellen?
Ich habe Ihnen bislang mehr rhetorisch verheucheltes Feingefühl zugetraut als Ihrem Guido-Mi(ni)ster 4-Prozent plus X. Was solls!
Schließlich macht die FDP - im Gegensatz zu Lafo und Die.Linke - nach wie vor der Krise alles, bloß keine Politik für die Bevölkerung.
Dass Ihre Partei nur für die Klientelinteressen einer ausbeuterischen Minderheiten der bislang NOCH maximal oberen acht Prozent eintritt, dafür kann schließlich Die.Linke nichts. Suchen Sie die Schuld am kommenden Scheitern der FDP besser an den neoliberalen Herrschaftsverhältnissen, die jetzt kollabieren. Schließlich hat Ihre FDP einen erheblichen Beitrag zum Scheitern dieser Gesellschaft geleistet!!!
Dirk_37 (02.03.2009, 20:42 Uhr)
Wahnsinn:-)
Ich bekomme ja langsam den Status eines vegefranz, so groß ist meine Fangemeinde schon:-)
@sethus: Ich meinte damit daß die Frau Pauli sympatisch auf mich wirkt, ihre politischen Ansichten teile ich nur bedingt. Mir gefiel aber ihr Auftreten gegenüber Stoiber, vielleicht liegts daran daß mir Stoiber zutiefst zuwider war...:-)
...
@ganzbaf: Ich stehe mit beiden Beinen im Leben, in meiner Welt sehe ich durchaus klar, übrigens die selbe Welt,die ich mir mit den allermeisten teile:-)
@gisella: habe bereits ein 5-Jahres-Visum, nur so nebenbei. Die USA wären nicht mein bevorzugtes Land,eher Neuseeland:-) Und wegen der Politik wandere ich erst aus, wenn es entweder zu gefährlich wird seine Meinung zu sagen oder der Staat einen schlicht erdrückt mit einem Wust an Verordnungen oder Forderungen.
@all:
man kann mit mir trefflich über Themen der Linken diskutieren, nur nicht über die Person Lafontaine, da bin ich zugegebenermaßen ziemlich uneinsichtig, aus gutem Grund:-)
Schönen Abend noch allerseits,mfG Dirk
SethusCalvisius (02.03.2009, 14:11 Uhr)
Ich weiß gar nicht,
warum ich hier ständig in die Rolle des "Linken"- Verteidigers gedrängt werde. Ich bin weder Wähler dieser Partei noch Fan des Saar-Napoleons, Ich finde es aber unerträglich, dass alles, was in dieser Partei geschieht, mit ganz anderen Maßstäben gemessen wird, als das, was sich in CDU und co abspielt. Wenn es nur die ewig gleichen Kommentatoren hier bei stern.de (vegefranz, manesse und co) wären, wäre das auch kein Problem, aber es betrifft eben auch einen großen Teil der Medien. Ich habe den Eindruck, dass die ständigen Beschimpfungen nur verhindern sollen, dass man sich mit den Inhalten auseinandersetzt, denn da gibt es ja unbestreitbar bei den Linken eine Menge mehrheitsfähiger Positionen. (Mindestlohn, Afghanistan, Rücknahme der Privatisierung von Bahn und co., Kritik an der EU-Politik.....)
P.S: @Dirk_37: Wollen Sie ernsthaft behaupten, dass Frau Pauli wegen ihrer politischen Positionen ihre Sympathie hat? Ich dachte, Sie wollten hier enstgenommen werden. :-)
Gisella (02.03.2009, 11:25 Uhr)
Mensch Dirk-
Deine Weisheiten sind überwältigend und niemand liest sie wirklich-außer uns natürlich. Lafo ist nicht schlechter oder besser als alle anderen . unsere Stimmen hat er für SICHERund wohin willste dann auswandern????USA nimmt dich nur, wenn Du mit nem riesigen Investment aufwarten kannst-und auch dann biste nicht sicher, ein Visum zu bekommen.ich spreche aus Erfahrung, glaube mir. Und was die normalos in den USA betreffen, die interessieren sich absolut für NICHTS was Politik angeht, die versuchen zu überleben-genau wie wir es tun werden -hier heute und in der nächsten Zukunft.Und-wie war das doch -Einigkeit und "Nächstenliebe" in der EU???? Nun-gerade das denke ich nicht-Taschen voll machen ist die Devise, nichts anderes.Und wir sind ein Land, das immer bezahlt-nicht wahr???
ganzbaf (02.03.2009, 11:22 Uhr)
Kein Wunder...

du lebst ja auch in der Verkehrtherumwelt... ;-DD
Wie kommts. dass DU heute noch Müll erzählst?... ;-P
Dirk_37 (02.03.2009, 10:43 Uhr)
ganzbaf
Meine Meinung von Geissler ist auch nicht die allerbeste und nur eine Frage: wie kam es das die plötzliche Erleuchtung des Herrn Lafontaine erst dann zum Vorschein kam, als er die Brocken als Finanzminister hinwarf? Hat er also demzufolge jahrzehntelang seine saarländischen Wähler belogen? Ich halte von den wenigsten Politikern noch was, eine Pauli hat meine Sympathie z.B., aber der große Rest ist ein Haufen dilletantischer Schwätzer. Egal welche Partei, nur finde ich daß es legitim ist, die Thesen/Taten eines Lafo´s auch unter die Lupe zu nehmen. Wer schließlich den moralischen Zeigefinger so sehr hebt muss damit rechnen, daß er an den eigenen Ansprüchen gemessen wird,mfG Dirk
Dirk_37 (02.03.2009, 10:26 Uhr)
@westerle
Tut mir Leid Ihr Weltbild zerstört zu haben aber es sind Tatsachen, die Sie gerne mit Verweis lesen dürfen. Fragen Sie mich einfach, ich werde Ihnen die Quellen nennen (nach meiner Arbeit, also abends*grins*). Schlimmer noch finde ich den blinden Glauben bzw. die Ohnmacht des Intellekts, sich mit dieser Person zu beschäftigen. Ich mache das und habe eben diese Informationen, die sehr leicht zugänglich sind. Aber Sie dürfen gerne weiter glauben, das alle, die unschöne Wahrheiten des Herrn Lafontaine aufzeigen, lediglich dummdreiste Verleumder und Tatsachenverdreher sind.
...
Eigentlich sollten Programme im Vordergrund stehen, aber man wählt schließlich Menschen. Und mit Lafo an der Spitze ist die Linke unwählbar, der Vergleich ist etwas abstrakt aber: ich hätte auch Hitler nicht gewählt obwohl einige Punkte seines "Programms" zu damaliger Zeit( ich meine die frühen 30er) sicherlich positiv aufgenommen worden sind! Demagoge bleibt Demagoge, rechts wie links! MfG Dirk
Westerle.Merkwelle (02.03.2009, 10:11 Uhr)
@Dirk_37: Schlimm, schlimm, dieser Lafo...
... aber Ihre Aneinanderreihung absurder, unbewiesener bzw. irrelevanter Aussagen ist schlimmer. Diese lesen sich wie die Schriftzeilen eines Großinquisitors, der vor den Höllenqualen der Ketzerei warnt. Ich kann nur hoffe, dass die Leser diese plumpe Propaganda durchschauen.
ganzbaf (02.03.2009, 08:47 Uhr)
Der "Wendehals" Lafonti-Napoli...

war allerdings der einzige Politiker der letzten 30 Jahre, der in seinen Vorhersagen noch am Ehesten recht behalten hat. (Neben Geissler vielleicht noch.)
.
Alle anderen Penner haben/hatten NULL Ahnung!...;-Pp
ganzbaf (02.03.2009, 08:43 Uhr)
Wozu abschaffen? Gesundschrumpfen, sozialisieren oder austreten.
.
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