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6. Juni 2007, 21:10 Uhr

"Die Armut ist ein Skandal"

Mit vielen gut gemeinten Appellen an die G8-Staaten hat der Evangelische Kirchentag in Köln begonnen. Doch auch unter den Gläubigen ist nicht alles im Lot: Kardinal Meisner torpedierte mit seinem Abendmal-Verbot die Ökumene.

104.000 Besucher haben sich zum Kirchentag angemeldet - zumeist junge Menschen© Thomas Lohnes/ddp

Zu Beginn des Evangelischen Kirchentages in Köln haben die Organisatoren am Mittwoch vom G8-Gipfel gefordert, die weltweite Armut zu bekämpfen. «Das Ausmaß extremer Armut in unserer Welt ist ein Skandal», hieß es in einem "Ruf aus Köln", der von den Religionsvertretern an den G8-Gipfel in Heiligendamm übermittelt wurde. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief in einem Grußwort beim Eröffnungsgottesdienst vor rund 65 000 Menschen zu einer "gemeinsamen Welt-Innenpolitik" auf. "Wir sitzen alle in einem Boot, egal ob Reich oder Arm."

"Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche erfüllt uns mit Unbehagen und mit Sorge", sagte Steinmeier. Ein "Leben nach der Stoppuhr" mache vielen Menschen Angst: "Ich wünsche uns für Deutschland ein neues Bündnis für sozialen Zusammenhalt." Mit Blick auf die Proteste beim G8-Gipfel sagte Steinmeier, beim Kirchentag könnten Argumente auch "ohne großes Polizeiaufgebot, ohne Gewalt, Zäune und Stacheldraht" ausgetauscht werden.

Metropolit gegen Raketenschirm

Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sagte, das Protestantentreffen wolle mit Blick auf den G8-Gipfel "Brücken bauen" und "Fronten auflockern". Die Themen des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentags seien geprägt durch den Gipfel: Es gehe um gerechte Weltwirtschaft, Afrika, Klimaschutz und die Konflikte im Nahen Osten.

"Sehr klar" wenden sich die Religionsführer gegen den Waffenexport und die "intensiven Militärausgaben" der G8-Staaten, betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber. Zudem beobachte man mit Besorgnis Tendenzen zu einem neuen Wettrüsten in Europa. Der russisch-orthodoxe Metropolit Kyrill verurteilte das geplante US-Raketensystem in Osteuropa, das sein Land zur Entwicklung neuer Raketen herausfordere.

Gegen gemeinsames Abendmahl mit Evangelischen: Kardinal Joachim Meisner© Thomas Lohnes/ddp

Meisner gegen Ökumene

Höppner zeigte sich enttäuscht darüber, dass es kein gemeinsames Abendmahl mit den Katholiken geben wird. Kurz vor Beginn des Kirchentags hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner bekräftigt, dass Katholiken dort nicht am protestantischen Abendmahl teilnehmen dürften. Dies entspricht der Position der katholischen Kirche, während nach protestantischem Verständnis alle Getauften zum Abendmahl eingeladen sind.

Zu dem Kirchentag unter dem Motto "lebendig und kräftig und schärfer" haben sich bis zum Sonntag mehr als 104.000 Dauerbesucher angemeldet, davon eine Rekordzahl von gut 5000 Teilnehmern aus dem Ausland. Rund 40 Prozent der Dauerbesucher sind unter 30 Jahre alt. Schüler bilden mit knapp 26 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von Angestellten und Rentnern (je 18 Prozent).

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
testsieger2006 (07.06.2007, 10:40 Uhr)
@ Prometheus
Wollen nicht, aber das gehört zu der Entwicklungsstufe auf der sich Afrika befindet noch dazu.(in Europa ist es nicht mal 10 Jahre her, dass es Krieg gab.) Afrika ist ein Fass ohne Boden und nicht fähig sich selbst zu ernähren. Und wir können mit unserer schon zu viel geschundenen Umwelt nicht die Kornkammer für Afrika oder sonstwen sein. Es leben da einfach zuviele Menschen und diese vermehren sich auch noch zu stark. Wir Gutmenschen mit schlechtem Gewissen haben aber nichts besseres zu tun, als die komplette Katastrophe mit 100en Millionen von Toten nur noch künstlich herauszuzögern. Jeder halbwegs ideologiefrei denkende Biologe kann ihnen vorraussagen, was in einem Kunst-Ökosystem letztendlich passiert.
Der Skandal ist, das wir immer noch so tun als sei der Mensch nicht das Hauptökoproblem dieser Erde und weiter mit dem "seid fruchtbar und mehret Euch" und betroffenem Gesicht in einen neuen Fauenschnitt reinmarschieren.
Prometheus90 (07.06.2007, 07:47 Uhr)
An Garnet
Was soll der liebe Buschmann denn gegen die Despoten in Afrika machen?, sie wollen doch nicht den naechsten Bürgerkrieg haben oder?
Garnet (07.06.2007, 07:23 Uhr)
In guter Gesellschaft
Bono,Gelldorf und jetzt noch die Kirche. Geld muss nach Afrika und zwar schnell. Anstatt den total korrupten Regierungen in Afrika die Konten in Europa und sonstwo zu sperren und das Geld zurueck zu ueberweisen und anstelle Hilfe an Bedingungen zu knuepfen, redet jeder daher als haette er eine Ahnung davon was denn in Afrika abgeht. Ich habe 12 Jahre dort gelebt und gearbeitet und glaube nicht das das Gelabere eines Bonos, Geldorfs oder eines Bischoffs die Situation dort aendern kann. Aendern koennen dies die Afrikaner selbst, wenn die je begreifen das sie dafuer auch sich selbst aendern muessen.
EspritCritique (07.06.2007, 03:55 Uhr)
Aufgaben für G 8 und Kirchentage
Ich finde es einen Skandal, dass
1. Leute krank werden;
2. Menschen nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa sterben;
3. ich gelegentlich schlechte Laune habe;
4. in Grönland soviel Eis herumliegt;
5. nicht jeder zum Mond fahren darf.
Darüber sollten G 8 und Kirchentag doch bitte einmal ernsthaft nachdenken.
Skarrin (07.06.2007, 01:33 Uhr)
N'Abend, mal!
AbendmaHl kommt von Mahlzeit und wird deswegen mit h geschrieben, wenns geht bitte auch an der richtigen Stelle!
Dav32 (07.06.2007, 01:26 Uhr)
Oh Gott
Wie viele Jahrhunderte hat unsere Gesellschaft gebraucht, sich von dem Glauben ans Fegefeuer zu befreien...
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