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Eine Sause für Ulla Schmidt

Nicht nur Wulff ließ sich von Partymacher Schmidt einladen: Ex-Gesundheitsministerin Schmidt feierte ihren 60. Geburtstag in Schmidts "Residenz" - bei "Heinecken for free".

Von Laura Himmelreich und Hans-Martin Tillack

  Lecker Buletten zum 60. Geburtstag: Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, SPD

Lecker Buletten zum 60. Geburtstag: Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, SPD

Rund 220 Quadratmeter groß ist das Penthouse mit dem Namen "Residenz". Die Fenster reichen bis zum Boden, die Gäste blicken zum Brandenburger Tor. In der Luxussuite feierte Christian Wulff mit Freunden und Sponsoren die umstrittene Party am Abend seiner Wahl zum Bundespräsidenten. Jetzt steht fest: Er war nicht der einzige Spitzenpolitiker, der sich in der "Residenz" des Eventmanagers Manfred Schmidt feiern ließ - und wohl nicht dafür bezahlte. Wie der stern in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, zelebrierte auch die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ihren 60. Geburtstag am 13. Juni 2009 zumindest teilweise auf Kosten des Eventmanagers.

Sonys Karaoke-Anlage

70 Gäste, darunter fast die komplette SPD-Spitze, tummelten sich auf ihrer Party. Kulinarisch servierten Schmidt und Schmidt Bodenständiges: Buletten, Fassbutter und Kartoffelsalat. Die SPD-Politikerin sagte dem stern, Manfred Schmidt habe ihr lediglich "einen Teil seiner 'Residenz' kostenlos zur Verfügung gestellt", Getränke und Essen habe sie selbst bezahlt. Andere Gäste müssen Manfred Schmidt 7500 Euro Miete bezahlen, um sein Penthouse einen Abend lang nutzen zu dürfen. Dokumente aus Manfred Schmidts Firma lassen ferner vermuten, dass die damalige Gesundheitsministerin auch bei der Partyverpflegung ein Schnäppchen gemacht hat. Ihr Geburtstag sei "mit Freiware abgedeckt", schrieb ein Mitarbeiter des Partyorganisators per Mail an seinen Chef. In anderen Mails heißt es: "Wein ist noch vorhanden. Wasser wird von Pellergrinio gesponsert", es gebe: "140 Liter Heinecken for free" und Sony stelle eine Karaokeanlage zur Verfügung.

Die Talente des Neffen

Ulla Schmidt verbrachte auch drei Mal Silvester bei dem Partyveranstalter. Sie feierte mit ihm in die Jahre 2007, 2008 und 2009. Die Verbindung zwischen der Gesundheitsministerin und dem Partykönig stellte Boris Radke her, knapp zwei Jahre lang enger Mitarbeiter Manfred Schmidts und Ulla Schmidts Neffe. In einem Interview sagte Radkte einmal, er wäre bei Schmidt verantwortlich gewesen für "Eventkonzepte für die oberste Liga der deutschen Entscheider". Offensichtlich nutzte er den Umstand, dass seine Tante einer dieser "Entscheider" war. Radkes Job war es, die Gesundheitsministerin dazu zu bringen, Manfred Schmidts Veranstaltungen zu besuchen. Als sie es wagte, 2008 ihre Teilnahme am Nord-Süd-Dialog abzusagen, schrieb Manfred Schmidt an Ulla Schmidts Neffen: "heute kam absage von ulla fuer nord-sued. Dass geht nicht!!!!!!!!!!!!!!!" Boris Radke versuchte offenbar, seine Tante dazu zu bringen, dass auch andere Spitzengenossen die Partys des Eventmanagers besuchen. Am 16. September 2009 schrieb er an Manfred Schmidt: "Heute Abend treffe ich auch Ulla. Gabriel ist am Wahlabend in Hannover aber er scheint noch beeinflussbar zu sein. Ich versuche mit Ulla hier noch einen aktiveren Ansatz zu finden." Ulla Schmidt sagte dem stern, sie habe nicht versucht, Parteifreunde zu überzeugen, die Feste Manfred Schmidts zu besuchen. Sie sei "ziemlich sicher", dass sie mit Sigmar Gabriel nicht darüber gesprochen habe.

Lobby-Gespräche am Brandenburger Tor

Ebenfalls im Herbst 2009 organisierte Manfred Schmidt die "Gesundheitsgespräche am Brandenburger Tor". Geplant war die Veranstaltung als "grosse Lobbyaufgabe", wie es in einer Mail an den Eventmanager heißt. Er übersandte Einladungen "Mit persönlicher Empfehlung von Bundesministerin Ulla Schmidt". Die ehemalige Gesundheitsministerin sagt, sie habe zu dem Lobbyistenfest weder eingeladen, noch eine Empfehlung ausgesprochen. "Ich habe keine Ahnung, warum für diese Veranstaltung die 'Residenz' ausgewählt wurde und wer deren Kosten getragen hat", sagte sie dem stern.

Sie sagt, sie habe auch nie den Partyveranstalter bei der Kontaktaufnahme mit Lobbyisten beraten. Doch im Februar 2009 schrieb ihr Neffe per Mail an Manfred Schmidt: "laut Ulla plant Johnson&Johnson in den kommenden Monaten eine stärkere Repräsentanz in Berlin aufzubauen." Johnson & Johnson ist eines der weltweit größten Pharmaunternehmen.

Ein Tipp für Partykönig Schmidt

Und dann hat so ein Kontakt zur Ministerin noch einen weiteren angenehmen Nebeneffekt: Manfred Schmidt hatte eine persönliche Gesundheitsberaterin. "Ulla sagt, Impfen ist der beste Schutz", schriebt ihr Neffe im Herbst 2009 an seinen Boss, als der sich sorgte, er könne Grippe bekommen.

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