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31. Oktober 2007, 07:07 Uhr

Als der "Henker" weinte

Die beiden Schlimmsten nannte er "Psychopath" und "Sadist". Doch nach Wochen in Taliban-Gefangenschaft erlebte die deutsche Ex-Geisel Rudolf Blechschmidt, wie sich die Einstellung seiner Entführer zu ihm änderte. Am Ende retteten sie ihm sogar das Leben. Dem stern erzählte Blechschmidt von diesem faszinierenden Prozess. Von Christoph Reuter

Der deutsche Ingenieur Rudolf Blechschmidt in den Händen seiner Entführer© Stringer/Reuters

Was geschieht, wenn ein 62-jähriger Deutscher von Taliban verschleppt wird, die ihn bei jeder Gelegenheit mit Gewehrkolben traktieren und nach einem Tag seinen vor Erschöpfung zusammengebrochenen Kollegen erschießen? Die ihrer verbliebenen Geisel immer wieder lautmalerisch vorspielen, wie sie sie in die Luft sprengen werden. Was geschieht, wenn einer 84 Tage lang in der Gewalt solcher Männer ist, die bedenkenlos töten und behaupten, ebenso leichthändig sterben zu können?

Viel. Und Unerwartetes. In den ersten Tagen, nachdem die Taliban Rudolf Blechschmidt am 18. Juli in der zentralafghanischen Provinz Wardak entführt hatten, misshandelten sie ihn derart, dass er bis heute schlecht hört: "Aber danach haben sie mich nie wieder geschlagen." Nach und nach aber setzte ein faszinierender Prozess ein: Blechschmidt, der sich ruhig und ziemlich furchtlos verhielt, fand langsam den Respekt der Kidnapper. Selbst zwei unter ihnen, denen er die Spitznamen "Psychopath" und "Sadist" gegeben hatte, weil sie sich wie welche verhielten, ließen ihn in Ruhe. Sie verabschiedeten sich mit Handschlag, der Sadist sogar mit Tränen in den Augen, als sie nacheinander zu Selbstmordattentaten aufbrachen.

Respekt und Sympathie für ihr Opfer

Blechschmidt war wertvoll als Geisel - aber das war Rüdiger Diedrich, sein Kollege, auch gewesen. Trotzdem hatte der "Psychopath" ihn einfach erschossen, sobald er nicht mehr Laufen konnte. Als Rudolf Blechschmidt nach mehr als zwei Monaten tatsächlich schwer krank wurde, hielt der Vize des Talibankommandanten stundenlang seine Hand: "Der hat fast geweint, weil ich so apathisch dalag". Als ob ein umgekehrtes Stockholm-Syndrom eingesetzt hätte: Nicht die Geisel solidarisiert sich mit ihren Entführern. Sondern die beginnen, Respekt, ja sogar Sympathie für ihr Opfer zu entwickeln. Und retten es am Ende vor anderen Taliban, die Blechschmidt umbringen wollten.

Denn nachdem am 27. September die lang verhandelte Übergabe Blechschmidts gescheitert daran war, dass der afghanische Geheimdienst die beiden Vermittler in Kabul mit dem Lösegeld festnahm, dachte Rudolf Blechschmidt: "Jetzt ist es aus." Wütend in der Annahme, von "den Deutschen" verraten worden zu sein, schleppten die Taliban Blechschmidt und seine fünf afghanischen Mitgefangenen in ein entlegenes Gehöft: "Drinnen saßen bestimmt 30 Taliban und haben mich finster angeschaut. Einige meiner Afghanen hatten schon Tränen in den Augen. Was denn los sei? Da hat einer gesagt: Die unterhalten sich gerade, ob sie uns erschießen oder die Kehle durchschneiden werden."

Nur noch der "Henker" war da

Die beiden Kommandanten ihrer Entführergruppe verteidigten Blechschmidt, er könne doch nichts dafür. "Aber um drei Uhr morgens hieß es: Wieder los, in die Berge. Ohne Kochtöpfe, ohne Decken, nur die Taliban mit den Waffen. Kein gutes Zeichen, dachte ich mir." Doch statt seiner Hinrichtung begann die bizarrste Episode seiner Verschleppung: Die sechs wurden in eine Lehmhütte gebracht, die zuvor schon den koreanischen Geiseln als Quartier gedient hatte. Nur noch "der Henker", wie Blechschmidt den stets maskierten Zuständigen für Hinrichtungen nannte, saß bei ihnen. Die anderen Taliban waren im Morgengrauen zurückgelaufen.

Die afghanischen Gefangenen "fingen bitterlich an zu weinen", erinnert sich der Deutsche: "Dann kam der Henker rein, fragte: Was ist denn hier los? Er hat sich dazugesetzt und auch angefangen zu weinen, die Tränen sind dem unter der Gesichtsmaske rausgelaufen. Ich denk', das ist ja ganz sonderbar. Auf einmal zieht der seine Tokarev-Pistole, schmeißt sie dem nächsten Afghanen hin und sagt: "Erschieß du mich!" Der Afghane wirft sie wieder zurück, schmeißt der Henker sie mir hin. Ich soll ihn erschießen. Ne, habe ich mir gesagt, du erschießt den auch nicht, und hab' ihm seine Tokarev wieder zurückgeworfen. Da war klar, wir werden nicht erschossen."

Am Nachmittag geht es zurück ins Tal, zwei Wochen später sind sie frei.

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Lesen Sie mehr ... ...über Rudolf Blechschmidt im neuen stern.

Von Christoph Reuter
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
CeeTo (31.10.2007, 20:23 Uhr)
-.-
Schrecklich, einem die Kehler durchschneiden?
Ich kann nicht sagen ob ich den Typen nicht erschossen hätte. Ganz schwierig. Aber genau deshlab bin ich nicht der der nach afghanistan reist.
mistpilz (31.10.2007, 18:05 Uhr)
Typisch deutsch...
...die meisten Kommentare hier! Hauptsache mal hirnlos rumgeblökt!
Wenn alle Talkshows geguckt sind und die BILD durchgelesen ist, wird fleissig dämlicher Gehirnschiss verfasst! Immerhin sowas ähnliches wie kreativ...
Ich gebe Isno und Ford.Prefect völlig Recht!
Ford.Prefect (31.10.2007, 17:58 Uhr)
Schämt Euch
Schämt Euch, Ihr, die Ihr gemütlich mit Heißgetränk bräsig vor dem Computermonitor sitzt und so dermaßen überheblich einen Menschen aburteilt. Pfui. Das ist wirklich schäbig.
Isno (31.10.2007, 17:25 Uhr)
Seine Sache
Ich fande den Artikel an sich interessant, wenn auch zu sehr gekürzt und mit zu wenig Hintergrund Informationen.
Aber was ist daran schlimm, dass er seine Geschichte erzählt?
Er bekommt Geld, schön nach 3 Monaten Geiselhaft sei es ihn vergönnt und ich glaub er wird es auch brauchen. Sonst wäre er wohl kaum nach Afganistan gegeangen.
Er vermittelt Einblick in einer Gruppe über die viele Sprechen aber die keiner kennt.
Also ich kann daran nixverwerfliches oder schlechtes finden und wie eventuelle Lösegelder abgegolten werden kann ich nicht beurteilen.
mfG Isno
ganzbaf (31.10.2007, 16:08 Uhr)
@Pofeiler
Hauptsache die Kampfbomber sind alle bezahlt.
Die sollten schon Priorität haben... ;-Pp
Profiler (31.10.2007, 15:55 Uhr)
Opa erzählt vom Krieg...
Es ist doch wirklich schön, daß alle Honorare für diese Entführungs-Geschichtchen auf ein Sonderkonto des Finanzministeriums eingezahlt werden, um wenigstens einen Teil des Lösegeldes sowie die Kosten für die moralische Begleitung unseres Handelsreisenden durch das Auswärtige Amt wieder hereinzubekommen.
Oder etwa nicht?
ganzbaf (31.10.2007, 15:50 Uhr)
Was Dumpfbackenkommentare
Wir haben Meinungsfreiheit.
Und wegen der paar Kröten wird der gute Mann diesen "Abenteuerurlaub" sicher kein zweites Mal buchen... ;-Pp
.
Die deutschen Offiziellen haben erwartungsgemäß über weite Strecken versagt.
Was soll man sich darüber aufregen?.... 8-;
guenti2477 (31.10.2007, 15:32 Uhr)
Tolles Erlebnis
Hört sich an wie ein Abenteuerurlaub mit geführter Bergwanderung. Oder die Geschichte von jemandem, dem es zu sehr ins Blechdach geregnet hat.
schmock (31.10.2007, 15:23 Uhr)
Blech
Reden ist Blech, Schweigen waere besser !
provocateur (31.10.2007, 15:21 Uhr)
@Roy05441
Bei Asterix und Obelix hätte man Dich geknebelt an einen Baum gebunden...
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