Verheugen weist Pädophilie-Vorwurf zurück

12. August 2013, 16:36 Uhr

Bei der Aufarbeitung der Pädophilie-Vorwürfe gegen die Grünen tauchen immer neue Namen auf. Auch die FDP gerät ins Visier. Der frühere Generalsekretär Verheugen weist Vorwürfe gegen sich zurück.

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"Pädophilie war kein Thema und ich kann ausschließen, dass ich mich dazu jemals geäußert hätte": Günther Verheugen, Ende der 70er Jahre FDP-Generalsekretär, wehrt sich gegen Vorwürfe.©

Der frühere FDP- und spätere SPD-Politiker Günter Verheugen hat den Vorwurf zurückgewiesen, sich in seiner Zeit als FDP-Generalsekretär für eine Legalisierung von Pädophilie eingesetzt zu haben. "Pädophilie war kein Thema und ich kann ausschließen, dass ich mich dazu jemals geäußert hätte", sagte Verheugen der "Welt". Es habe nach seiner Erinnerung in der fraglichen Zeit überhaupt keine innerdeutsche Parteiendiskussion um sexuellen Kindesmissbrauch gegeben - "weder bei der FDP, noch bei SPD noch bei der Union", sagte Verheugen weiter.

Der Politikwissenschaftler Franz Walter hatte in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" geschrieben, der von 1978 bis 1982 als FDP-Generalsekretär amtierende Verheugen habe "persönlich auch eine Revision der Paragrafen 174 und 176 für möglich" gehalten. Diese Normen des Strafgesetzbuches (StGB) stellen den sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen unter Strafe. Am Wochenende hatte die hessische FDP-Politikerin Dagmar Döring nach Vorwürfen wegen eines Pädophilen-freundlichen Artikels aus den 80er Jahren ihre Bundestags-Kandidatur zurückgezogen.

Verheugen sagte zu den Vorwürfen gegen ihn, er erinnere sich "vage, dass es damals in der deutschen Öffentlichkeit eine Diskussion über die unterschiedlichen Schutzalterbestimmungen für männliche und weibliche Jugendliche im damaligen StGB gab". Aber auch an dieser Debatte habe er sich nach seiner Erinnerung nicht aktiv beteiligt. "Worauf Herr Walter sich bezieht, ist mir unbekannt, zumal er auch keinen Kontakt zu mir gesucht hat", unterstrich Verheugen.

Das von Walter geleitete Institut für Demokratieforschung soll sich mit dem Einfluss von Pädophilen-Gruppen bei den Grünen beschäftigen und war dabei auch auf die FDP-Politikerin Döring gestoßen. Laut "FAZ" sollen die zuvor nur im Zusammenhang mit den Grünen diskutierten Pädophilie-Vorwürfe die FDP auch über Döring hinaus betreffen. So hätten wie die Grünen die damals noch zur FDP gehörenden Deutschen Jungdemokraten im Jahr 1980 für eine Änderung des Sexualstrafrechts zugunsten Pädophiler votiert.

Steinbach fordert personelle Konsequenzen bei Grünen

Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der Unionsfraktion, Erika Steinbach (CDU), forderte im Zusammenhang mit den Pädophilie-Vorwürfen Konsequenzen auch bei den Grünen. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Verbrechen", erklärte Steinbach in Berlin. "Diejenigen in den Reihen der Grünen, die sexuellen Kindesmissbrauch eine selbsterfundene Entkriminalisierung angedeihen lassen (...) müssen ebenfalls endlich Verantwortung übernehmen - so wie es Dagmar Döring von der FDP jetzt tat."

Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, distanzierte sich von pädophilen Bestrebungen bei den früheren Jungdemokraten. Die Jungen Liberalen hätten "Pädophilie damals abgelehnt und lehnen Pädophilie heute ab", sagte Becker "Handelsblatt Online". Es habe seinen Grund, warum die FDP die Jungdemokraten in den 80er Jahren durch die Jungen Liberalen abgelöst habe. "Die Jungen Liberalen haben damals bewusst eine Alternative zum Kurs der nach links abdriftenden Jungdemokraten, die später Jugendorganisation der Grünen und der Linken waren, entworfen", sagte Becker.

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