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28. Juni 2007, 15:57 Uhr

"Ich blicke nicht mit Groll zurück"

Sie weiß, was Marco W. gerade durchlebt: Andrea Rohloff - als 18-Jährige verbrachte sie ein Jahr und fünf Monate in türkischer Haft, weil Heroin in ihrer Tasche gefunden wurde. Marco rät sie vor allem zu starken Nerven.

Verbrachte ein Jahr und fünf Monate in türkischer Haft: Andrea Rohloff© Picture-Alliance

Im Fall Marco hat die 2001 als 18-Jährige in der Türkei inhaftierte Andrea Rohloff den Jugendlichen ermuntert, den Kopf nicht hängen zu lassen. "Es ist zwar verlorene Zeit, aber das Leben geht weiter", sagte Rohloff am Donnerstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Marco solle sich im Gefängnis so weit es geht ablenken, etwa mit Lesen oder Sport. Der 17-Jährige sitzt seit April in Antalya unter dem Vorwurf in Untersuchungshaft, eine 13-jährige Britin sexuell missbraucht zu haben.

Ihr drohten bis zu 30 Jahre Haft

Andrea Rohloff war 2001 zur Feier ihres 18. Geburtstags mit einer Freundin in die Türkei gereist. Diese hatte vor dem Rückflug Heroin in Rohloffs Tasche versteckt, was bei der Abreise auffiel. Die junge Berlinerin wurde als Drogenkurierin zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt und verbrachte ein Jahr und fünf Monate in türkischer Haft. "Ich war zunächst ziemlich geschockt und es hat eine Weile gedauert um zu kapieren, was passiert war", sagt Rohloff zu der Lage nach ihrer Verhaftung. Ihr drohten bis zu 30 Jahre Haft, hätten Polizisten ihr auf der Wache erklärt. "Da habe ich 18 und 30 zusammengerechnet, das macht 48 - mir fehlten die Worte."

Die Ausstattung der Gefängnisse in der Türkei sei teils sehr einfach gewesen, sie sei aber korrekt behandelt worden. "Geschlagen haben die uns nicht", meinte Rohloff. In der Untersuchungshaft in Izmir habe sie sich mit 40 bis 70 Frauen und Kindern in einer großen Zelle befunden, für alle habe es zwei primitive Toiletten und eine Dusche gegeben. "Die einzigen türkischen Worte die ich kannte, waren 'Feuerzeug' und 'wunderschön' ". Auf Englisch und mit Hilfe von Gefangenen, die ein paar Brocken Deutsch konnten, habe sie sich verständlich machen können.

Nach einem Jahr nach Deutschland

Nach ihrer Verurteilung habe sie sich im Ausländergefängnis in Bilecik mit 7 bis 14 Personen eine Zelle geteilt. Dort sei es ruhiger gewesen, die Wärter hätten mit den Gefangenen Tee oder Kaffee getrunken und schon mal ferngesehen. Gut ein Jahr nach ihrer Verurteilung kam sie in ein Gefängnis in Deutschland, aus dem sie nach weiteren neun Monaten Haft entlassen wurde.

"Ich blicke nicht mit Groll zurück auf die Türkei", sagt Rohloff. "Die enttäuschte Freundschaft war viel schlimmer." Nach ihrer Haft beendete sie ihre Ausbildung zur kaufmännischen Assistentin. Heute lebt sie mit Mann und Kind bei Nürnberg.

Michael Evers/DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
caretta (28.06.2007, 22:44 Uhr)
wenn Deutschland will...........................
Wenn es unsere Deutschen Freunde wollen,können wir ja Heroinhandel und kindesmissbrauch freigeben.
sorry,das die gefängnisse in der Türkei keinem luxushotel am Strand entsprechen.
es soll sich keiner mehr in die justiz einmischen.was bilden einige sich hier ueberhaupt ein ????
Wenn der junge etwas verbrochen hat,so wird er seine strafe bekommen.wenn nicht ist er eh frei.
in diesem Lande leben menschen mit gefühlen und erbarmen.
H.Heine (28.06.2007, 18:05 Uhr)
@roy
Wenn Dummheit dichten könnte, wärst du der bedeutendste Poet der Menschheit. Aber beides ist nicht der Fall...
Roy05441 (28.06.2007, 17:51 Uhr)
Kennst du Türkei.......,
so mitten in der Nacht?
Deine eigene Tochter zur Zwangsheirat gebracht?Jetzt will sie den von den Alten ausgesuchten Tollen, dem Altersheim zuordnen wollen!Sie macht sich ab, das ist ihr Grab, weil einen erschießenden Bruder ich hab!Dann mach doch oh Herr du blödes Ei, in die EU die allgegenwärtige Türkei!
sachsenwini (28.06.2007, 17:39 Uhr)
Marco und Andrea, zwei völlig verschiedene Fälle und doch so ähnlich

Beiden kann man den dummen Satz vorhalten: „Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.“
Marco wusste nicht, dass ihn seine Urlaubsliebe belogen und sich zwei Jahre älter gemacht hatte.
Andrea wusste nichts vom Heroin in ihrer Tasche.
Beide wurden von einem Menschen reingelegt, den sie liebten und vertrauten. Nur bei Marco geschah aus Naivität eines Kindes, bei Andrea aus Geldsucht und Berechnung einer Freundin.
Beides tut weh. Ich hoffe Marco wird glimpflicher davon kommen, aber auch er wird etwas aus der Geschichte gelernt haben.
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