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2. März 2007, 16:51 Uhr

Kampagne von "Meinungsblockwarten"

Heftige Kritik prasselte auf ihn ein, nun reicht es Christian Klar. In einem Brief verteidigt sich das verurteilte Ex-RAF-Mitglied. Er wittert hinter dem Medienspektakel zu seiner Kapitalismuskritik ein abgekartetes Spiel. Das Ziel: Seine Entlassung zu verhindern.

Christian Klar beschuldigt Medien und Politik© Norbert Försterling/DPA

Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar hat Medien und Politikern vorgeworfen, seine scharfe Kapitalismuskritik gezielt gegen ihn zu verwenden. Über sein Grußwort an die Rosa-Luxemburg- Konferenz Mitte Januar sei ausgerechnet kurz vor der Entscheidung über Haftlockerungen berichtet worden, klagt Klar nach einem Bericht der Zeitung "Junge Welt". Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) warf in der Debatte über die Äußerungen Klars dem Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele eine Verhöhnung der Opfer des RAF-Terrors vor.

Klar sieht in den Angriffen auf ihn ein "Kalkül" und eine "verantwortungslose Vergiftung der Öffentlichkeit". "Niemand von diesen Meinungsblockwarten fand es interessant, bis eben genau einen Tag vor der Vollzugsplankonferenz in der JVA Bruchsal", heißt es laut "Junge Welt" in einem Schreiben Klars. Blockwarte waren Zuträger und Spitzel der Nationalsozialisten. Laut Klar sei es verteidigenswert, "dass auch ein Gefangener an einer öffentlichen politischen Diskussion von Menschen in Freiheit teilnehmen kann". Er habe nicht mit "so einer erstaunlichen Welle" gerechnet, schreibt Klar, der seit 24 Jahren wegen mehrfachen Mordes im Gefängnis sitzt. Die zeitliche Abfolge sei interessant, da seine Erklärung schon am 14. Januar verbreitet worden sei, auch im Internet.

Beckstein: Ströbele verharmlost RAF

In seiner Grußbotschaft hatte Klar die Hoffnung geäußert, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen". Wegen der strittigen Äußerungen lehnte Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) Haftlockerungen für Klar ab. Goll machte Zweifel an der Ungefährlichkeit des Häftlings deutlich, über dessen Gnadengesuch Bundespräsident Horst Köhler befinden muss.

Beckstein griff in der Auseinandersetzung den Grünen Ströbele scharf an. Es sei beschämend, "wenn gerade der als RAF-Unterstützer rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilte Ströbele auch heute noch RAF-Ideologie bagatellisiert", sagte Beckstein zu „Spiegel Online“. Ströbele hatte im RTL-Fernsehen erklärt, er sehe in den Äußerungen Klars "keine Aufforderung oder Äußerung zu Gewalt oder zu Terrorismus". Der RAF-Verteidiger Ströbele war in den 70er Jahren wegen angeblicher Beteiligung am illegalen Informationssystem der RAF zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Ströbele wirft CSU-Riege Populismus vor

Ströbele wehrte sich bei "Netzeitung.de" gegen den Vorwurf, er verhöhne die RAF-Opfer. "Das ist Unsinn, weil ich mich nicht zu den Angehörigen der RAF-Opfer und ihren Leiden geäußert habe", sagte er. "Ich habe nur Tatsachen festgestellt." "Die Äußerungen Klars sind kein Aufruf zur Gewalt, sondern eine drastische Kapitalismuskritik, die in Deutschland im Rahmen der Meinungsfreiheit erlaubt ist." Ströbele warf Beckstein, CSU-Generalsekretär Markus Söder und CSU-Chef Edmund Stoiber "üblen Populismus" vor, wenn sie forderten, Klar dürfe nie aus der Haft entlassen werden.

Der Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Ulrich Maurer, kritisierte die Verweigerung von Hafterleichterungen als "Gesinnungsjustiz". Der Kapitalismus stehe nicht unter dem Schutz der Verfassung, sagte Maurer in der N24-Sendung "Studio Friedman".

Der Filmemacher Volker Schlöndorff sagte zu den Angriffen auf Klar: "Ich weiß nicht, ob jemand zu Kreuze kriechen muss, um ihn begnadigen zu können." Die Frage der Reue müsse jeder mit sich selbst ausmachen. "Sonst ist das eine Einladung, nach außen Reue zu zeigen, um nach innen weiterzumachen", sagte Schlöndorff der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Wenn jemand nicht mehr gefährlich sei, könne er begnadigt werden. Ob das bei Klar der Fall sei, müsse noch beantwortet werden. Er selber traue sich das im Moment nicht zu, sagte Schlöndorff, der sich in zwei Filmen mit der RAF auseinander gesetzt hat.

Auch Viett verteidigt-RAF-Kampf

Auch das frühere RAF-Mitglied Inge Viett hat nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" den bewaffneten Kampf der RAF gerechtfertigt. Viett habe in einem Beitrag für die linke Tageszeitung "Junge Welt" geschrieben, der "politisch/militärische Angriff" sei damals "für uns (...) der angemessene Ausdruck für unseren Widerstand gegen den Kapitalismus" gewesen. Zweifel an der Berechtigung des bewaffneten Kampfes lasse sie nicht gelten.

Die heute 63-jährige Viett gehörte zunächst der West-Berliner Terrorgruppe "Bewegung 2. Juni" an und organisierte unter anderem 1975 die Entführung des damaligen Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz, mit der Gesinnungsgenossen aus der Haft freigepresst wurden. Nach dem "Deutschen Herbst" 1977 schloss sie sich der RAF an. 1983 floh Viett in die DDR, wo sie 1990 festgenommen wurde. Sie wurde wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt, kam jedoch 1997 wieder frei. Sie arbeitet heute als Journalistin. Ebenso wie Klar hat sie in den vergangenen Jahren keine Reue über ihre Taten geäußert.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
Rosenengel (04.03.2007, 22:49 Uhr)
@nurmi51
Ich glaube, es ist besser jetzt nicht weiterzumachen. Sie werden jetzt unqualifiziert.
Ich glaube Sie wissen ganz genau, wie ich das mit dem Hinweis auf dessen Behauptung, in deutschen Fabriken werden Arbeiter zu Tode geschunden, gemeint habe.
nurmi51 (04.03.2007, 22:09 Uhr)
Die bösen Kapitalisten und die bösen IM sind das ganze Übel
Hallo RosenengeL : Wenn Sie sich mit dem Chaoten, der das mit den zu Tode geschundenen Arbeitern schreibt,vergleichen wollen , OK. Dann weiß ich Ihre Aussagen einzuordnen.

Rosenengel (04.03.2007, 14:01 Uhr)
Nachtrag für nurmi51
Wenn Sie so genau seien wollen:
Am 2.3. stellt ein Kommentar - Schreiber zu dem Artikel "Keine Haftlockerung für Klar" die Behauptung auf, in deutschen Fabriken werden Arbeiter zu Tode geschunden.
Das ist ja wohl etwas, was man nun wirklich als Humbug abtun kann.
Warum stellen Sie hier nicht Ihre Forderung nach Exaktheit und Beweisbahrkeit in den Beiträgen?
Hat es etwas damit zu tun, das es hier gegen den "Kapitalismus" geht?
Rosenengel (04.03.2007, 13:45 Uhr)
@nurmi51
Irgendwie reden wir aneinander vorbei:
Es gab in der DDR rund 150.000 inoffizielle Mitarbeiter (IMs) der Stasi. Sie waren die Zuträger, haben belastendes Material gesammelt und an ihren Auftraggeber weitergeleitet. Viel davon wurde verwendet, um politisch Unbequeme zu verurteilen. Der Helfershelfer ist genauso schlimm wie der Vollstrecker. Und das Leute nur von den Russen nach Sibirien geschickt wurden, ist schlichtweg unwahr.
Es gibt noch sehr viele lebende Zeitzeugen. Einige haben Bücher geschrieben. Und es gibt die Gauck - Behörde in Berlin, wo man die Stasi - Unterlagen einsehen kann. Manch Einer war entsetzt, als er feststellen musste, wer ihn als IM bespitzelt hat. Es gab Leute, auf denen waren gleich mehrere Angesetzt.
Und eines: Nicht nur Herrn Klar steht seine Meinung zu, sondern auch mir. Und ich bin der Meinung, das IMs, die Zuträgerdienste geleistet haben, sich mitschuldig gemacht haben.
nurmi51 (04.03.2007, 13:21 Uhr)
Hallo Rosenstengel
Das alles ist sehr allgemein und zeigt, daß Sie nicht wissen, wenn Sie über IM schreiben, wen Sie meinen. Nach Sibirien haben IM niemanden gebracht.
Die sind von den Sowjets ohne IM dahin gebracht worden und manch im Inneren einflußreicher KPD
und später SED - Funktionär tat nichts dagegen. IM waren die aber nicht. Auch die Todesstrafe hat mit den IM nichts zu tun. Mir geht es einfach nur um Genauigkeit und Wahrhaftigkeit in solchen Diskussionen. Wenn Sie meinen, daß IM Tote zu verantworten haben, dann
sollte das auch belegt werden.
Mit solchen allgemeinen Floskeln ist noch nicht mal Powell in der UNO durchgekommen um den zweiten Irak-Krieg zu begründen.
Nur nebenbei, ich war kein StasiMann und kein IM und habe keinerlei Grund das zu Recht untergegangene DDR System zu verteidigen.
Für mich ist Klar ein verurteilter Mörder. Er muß seine Strafe absitzen und sollte - er kannte auch keine Gnade - nicht begnadigt werden. Wenn er der Gewalt abschwört, dann ist es OK. Warum soll er nach 24 oder 26 Jahren Haft diesen Staat lieben ? Soll er doch dagegen sein, daß ist keinem, auch ihm nicht, verboten. Wie viele wandern aus, weil ihnen es hier nicht gefällt ! Er soll und muß "NUR" der Gewalt abschwören. Nicht mehr und nicht weniger.
Und warum 5 oder 10 x lebenslänglich eben 20 oder 25 Jahre sind kann man ihn nicht verantwortlich machen.
Gruß nurmi51
Rosenengel (03.03.2007, 18:15 Uhr)
@nurmi51
Bis Anfang der 70iger Jahre gab es in der DDR die Todestrafe. Die wurde unter anderem auch wegen Landes- und Hochverrates verhängt. In den ersten 2 Jahrzehnten der DDR wurden viele, die gegen das Regime in der DDR aufmuckten, nach diesen Gesetzen verurteilt. Viele von denen wurden denunziert. Es wurden Personen richtig im Auftrag der Stasi von IMs bespitzelt um Material gegen sie zu sammeln. Ich bin kein Wissentschaftler, aber es gibt sicher Fachbücher darüber, die die genaue Zahl derjenigen festhalten, die wegen ihrer politischen Äusserungen denunziert und verhaftet wurden. Gerade in den ersten Jahrzehneten wurden viele davon auch nach Sibirien verbannt. Viele davon kehrten nie wieder oder schwer geschädigt zurück. Wieviele Hingerichtet wurden, lässt sich in entsprechender Literatur auch nachvollziehen. Ich habe darüber in verschiedensten Veröffentlichungen gelesen und weiss noch, was mir ältere Bekannte erzählten.
Im Zusammenhang damit sei nur an die Opfer des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 erinnert. Von denen eben viele getötet, verhaftet und/oder nach Sibirien verbannt wurden.
nurmi51 (03.03.2007, 14:20 Uhr)
Hallo Rosenengel
... nenne mir mal 3 Fälle aus 40 Jahren DDR, wo Leute als Folge
von IM Informationen getötet worden sind.
Gruß nurmi 51
Das Thema ist zu ernst, um solche
Sachen einfach rauszuhauen.
Rosenengel (03.03.2007, 12:49 Uhr)
@hardrain
Vielen Dank für Dein Lob. Ich freue mich, das es noch Menschen wie Dich, und auch viele andere Kommentar - Geber hier, gibt, die sich ihren Blick auf die Realität nicht von abgedroschenen Phrasen vernebeln lassen. Die offizielle Politik und die von ihr öffentlich als richtig zu geltende verbreitete Meinung treiben Deutschland immer mehr in Richtung Diktatur. Eine Diktatur, der Leute wie Klar fehlen. Warum sonnst sitzt wohl die ehemalige regierende Partei der "DDR" (ein neuer Name macht noch kein neues Ding) als willkommener Koalitionspartner mit an den Regierungstischen?
Es war diese Partei, die den RAF - Terroristen Geld, Ausbildung und Unterschlupf in der ehemaligen "DDR" gewährt hatte. Es wird nicht lange dauern und sie werden alle gemeinsam mit hocherhobenen geballten Fäusten und einem "Kampflied" auf den Lippen bei "Gedenkmärschen" Luxemburg und Liebknecht gedenken.
Wir leben, Gott sei es gedankt, nicht mehr in Deutschland. Eine Diktatut hat uns gereicht.
hardrain (03.03.2007, 11:42 Uhr)
Rosenengel hat's wieder!
Der ganze erste Teil stimmt total. Wenn ich heute höre, dass Frau Viett nichts von ihrer Westentaschen-Desperado-Vergangenheit zurücknehmen will, kann man nur feststellen: Dieses niveaulose Geschwurbel und selbstgefällige Schulterklopfen endete letztlich in den Armen der STASI - dies hatte Ulrike M. vorausgesehen und daraus
mutig die Konsequenzen gezogen!
Die heutigen Kommentare der Killertruppe verstopfen jeden Gully
und die Köpfe der Kinder-Kommunisten
der Neuen Zeit! Erbärmlich!
Rosenengel (02.03.2007, 23:48 Uhr)
@für Diaula
Freigang?
Wir reden hier über jemanden, der mit seinen Opfern keinerlei Mitleid hatte. Es gab und gibt in der Geschichte viele Menschen mit gleichem Charakter, die immer Unterstützer ihrer Ideen fanden, bis dann irgendwann zum Schluss alle sagten "wie konnten wir nur...". Jeder Mensch, der ermordet wird hatte ein Recht auf sein Leben, seine Angehörigen die ihn lieben ein Recht auf seine Unversehrtheit, seine Nähe. Niemand hat das Recht, egal aus welchen Gründen, jemand anderen sein Leben gewaltsam zu nehmen. Wer dies doch tut, muss mit aller Härte bestraft werden. Das die deutsche Gesetzgebung hier schwerwiegende Mängel aufweist weiss ich. Sexualverbrecher, Kindermörder, Bankräuber, Drogenhändler, Zuhälter und alles dieses Gesockse scheinen Narrenfreiheit zu haben, währendt jemand wegen seiner politischen Meinung, deren Freiheit eigentlich vom Grundgesetz garantiert wird, mit 5 Jahren Gefängnis rechnen muß.
Dieses (Un)Rechtsgebaren in Deutschland ist schlecht. Aber noch lange keinen Grund Mörder frei zu lassen, die keine Reue zeigen.
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