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25. September 2008, 20:06 Uhr

Islamist Breininger offenbar wieder zu Hause

Das Bundeskriminalamt fahndet nach dem Saarländer Islamisten Eric Breininger, der sich angeblich auf den Weg von Pakistan nach Europa gemacht hat. Wie stern.de aus Sicherheitskreisen erfuhr, soll Breininger bereits vor einigen Tagen über Sarajewo nach Deutschland eingereist sein. Konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag gibt es nicht. Von Gerd Elendt und Martin Knobbe

Das Bundeskriminalamt fahndet öffentlich nach Eric Breininger© BKA

Das Sturmgewehr nach oben gerichtet, ein Turban auf dem Kopf und deutlich schlanker als noch vor Monaten, so meldete sich Eric Breininger im Mai dieses Jahres aus Pakistan, wo er sich nach Kenntnis der Behörden in einem terroristischen Ausbildungslager befand. "Gelobt sei Allah, der mir diesen Weg zum Jihad geöffnet hat", sagte der 20-Jährige in einem schriftlichen Interview, das auf einer islamistischen Website veröffentlicht wurde. "Mit dem Leben in Deutschland hab ich schon längst abgeschlossen, mein Leben wird hier im Jihad installiert sein."

Rückreise über Sarajewo

Nun hatte sich der junge Muslim offenbar dazu entschlossen, doch nach Deutschland zurückzukehren. Heute Nachmittag schrieb das Bundeskriminalamt eine öffentliche Fahndung nach ihm und seinem 23-jährigen Glaubensbruder Houssain al Mallah aus. Man habe Informationen erhalten, dass sich die beiden jungen Männer auf dem Weg nach Europa befinden. Diese Informationen stammen von den Geheimdiensten, die über den Aufenthaltsort der beiden offenbar wesentlich genauer Bescheid wissen als die Polizei. Wie der Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes stern.de sagte, soll Breininger bereits vor einigen Tagen über Sarajewo nach Deutschland gekommen sein. Ein Sprecher des Bundeskriminalamtes sagte, davon wisse man in seiner Behörde nichts.

Die Generalbundesanwaltschaft hatte bereits im April Haftbefehle gegen Breininger und al Mallah erlassen. Sie werden beschuldigt, Mitglieder in einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu sein. Die Bundesanwälte zählen sie zur so genannten Islamic Jihad Union (IJU), eine Gruppe von Usbeken, die sich dem weltweiten Jihad verschrieben haben soll. Über die Historie dieser Gruppe gibt es nach wie vor Unklarheiten. Ein ehemaliger Mitarbeiter des usbekischen Nachrichtendienstes SNB sagte dem ARD-Magazin "Monitor", die IJU sei vom usbekischen Geheimdienst gegründet worden.

Kontakte zur "Sauerländer Gruppe"

Eric Breininger hatte auch enge Kontakte zur so genannten "Sauerländer Gruppe", die einen Terroranschlag in Deutschland geplant hatte. Auch hier sollen die Auftraggeber nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft aus der IJU stammen. Drei Mitglieder der "Sauerländer Gruppe" wurden im September vergangenen Jahres verhaftet. Zwei Tage zuvor hatte sich Breininger nach Ägypten aufgemacht, wo er zunächst eine Sprachschule für Arabisch besuchte und dann weiter nach Pakistan reiste. Von dort meldete er sich ab Frühjahr dieses Jahres per Video und Text auf einer Website, die mittlerweile das Logo der IJU trägt. Er rief dazu auf, für den Jihad zu kämpfen oder Geld zu spenden. Nach Meinung der Ermittler war Breininger am Ende zu einem Selbstmordanschlag bereit.

Der junge Saarländer ist nach Angaben von Freunden erst im Februar vergangenen Jahres zum Islam konvertiert. Ein Arbeitskollege bei einem Paketzusteller habe ihn an die Religion herangeführt. Er sei von ihm zum Essen eingeladen worden und man habe sich viel über den Koran unterhalten. Sie hätten sich Vorträge des deutschen Konvertiten Pierre Vogel auf der Website "Die wahre Religion" angehört und gemeinsam die Moschee in Neunkirchen besucht.

In wenigen Tagen habe Eric sein Leben völlig geändert, erzählt eine Freundin. Er nannte sich Abdul Ghaffar und ging regelmäßig beten. Er hörte auf zu rauchen und gelte seine Haare nicht mehr. Sein neues Handy verkaufte er auf Ebay und ging nicht mehr auf die Sonnenbank wie früher. Nichts war mehr übrig von dem Menschen, der immer die neuesten Hip-Hop-Klamotten trug, sich gerne prügelte und mit Drogen dealte, mit Hasch und dem Amphetamin Pep.

Nach seiner Konvertierung machte Eric Breiniger seiner damaligen Freundin einen Heiratsantrag und schleppte sie zur Hochzeit in eine Hinterhofmoschee. Die Zeremonie dauerte nur wenige Minuten. Danach bat Eric Breininger seine Frau, künftig ein Kopftuch zu tragen. Als er ihr verbieten wollte, ihre Freunde zu treffen, war das junge Glück auch schon wieder zu Ende. Die Frau zog aus der gemeinsamen Wohnung aus. Der verlassene Ehemann zog schließlich los, um für Allah zu kämpfen.

Von Gerd Elendt und Martin Knobbe
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Tucek (28.09.2008, 14:18 Uhr)
Cui bono
Im Juli fiel mir bei Einarbeitung als Nachtportier auf, dass ein Gast unter seinem Vornamen eingetragen war und mehrere Identitäten besass. Außerdem logierten in dem von ihm gemieteten Hotelzimmer über Wochen unangemeldete Besucher. Dringliche Meldungen von mir an BKA oä zeigten keinen ersichtlichen Erfolg. Ich verlor meine Arbeitsstelle und in meine Mailbox pflanzte BLKA einen Bayerntroyaner. Jetzt erscheint der Hotelgast mit den zwei Identitäten unter einem neuen Foto im Internet, auf dem er Al-Malla immerhin etwas ähnlich sieht. Wenn unsere Polizei nicht lernt zwischen Schlechten und Guten zu unterscheiden, verlieren wir den Anti-Terrorkampf.
Schnaafpaaf (26.09.2008, 14:04 Uhr)
Wenn die ganze Republik wegen eines
solchen pseudo-islamischen Würstchens und seines Begleiters - mit zugegebenermaßen - finsteren "islamistisch-bedrohlichen" Gesichtszügen (Ironie) in kollektive Hysterie verfällt, dann sind wir am Ar... und diese Typen haben allein durch ihre öffentliche Erwähnung einen Sieg errungen, ohne auch nur Sylvesterkracher gezündet zu haben!
Ich schlage vor, die Alarmstufe ROT herunterzufahren, die beiden Typen bei passender Gelegenheit abzugreifen, "für-und vorsoglich" zu maßregeln und sie einer geeigneten Weiterbehandlung zuzuführen.
b0hne (26.09.2008, 11:49 Uhr)
@sportartmakler
Das ist schon richtig. Nur besteht die Gefahr einer Verallgemeinerung. Die Wurzeln dieser schwachen Psyche liegen aber wo ganz anders. Man kann die Ursache für so ein fanatisches Verhalten nun mal nicht im Koran oder in Computerspielen oder in der Musik suchen.
Man erinnere sich z.B. wieso Mark Chapman John Lenneon umgebracht hat. Ein fanatischer Christ. Wem will man hier die Schuld geben? Der Bibel? Jesus? Oder den falschen Umgang mit der Bibel und Jesus?
Es ist immer der falsche Umgang mit der Bibel, dem Koran, der Musik, der Gesellschaft, etc.
Mit Pseudogründen meinte ich halt, dass man sich nicht zu sehr auf darauf konzentrieren sollte, dass der Koran schlecht ist.. und das dies und das drin steht.. oder in der Bibel oder was weiss ich so.
Die Gründe sind nunmal nicht dort zu suchen.
MK80 (26.09.2008, 11:37 Uhr)
@müllhouse
...ist halt ne elitensprache. spricht nicht jeder und versteht nicht jeder ;-)
sportartmakler (26.09.2008, 11:27 Uhr)
@b0hne
und wer eine "schwache psyche" besitzt ist aber auch sehr schnell empfänglich. und sei es nur das dazugehörigkeitsgefühl in einer gruppe. für fanatiker gleich welcher art sind diese pseudogründe, wie sie sie nennen, jedoch die einzigen, die wahren gründe. die glauben daran, deswegen nennen wir sie ja auch fanatisch
Gisella (26.09.2008, 11:10 Uhr)
Noch wird er gesucht
-dafür sind 2 andere aus dem Flugzeug geholt wurden.----was mich wundert ist, dass diese kleinen Pi....so jung sind-was machen denn die ab 35 -65??? A R B E I T E N -und dadurch haben die gar keine Zeit, auf "krumme" Gedanken zu kommen.Also, wo liegt das wirkliche Problem-? Nix zu tun-nicht in den Knast mit Ihnen -Autobahnrastplätze unter Bewachung reinigen u.a.
b0hne (26.09.2008, 10:36 Uhr)
Interessant...
Nicht die Religion ist schuld, sondern die Psyche. Der Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt.
Wieso wird ein Mensch zum Amokläufer, Terrorist, Vergewaltiger, etc.
Andere Menschen leben im selben Umfeld und werden nicht zu Killern.
Natürlich kann man überall nach Pseudogründen suchen.
(Religion, Musik, Computerspiele, Filme.. blabla)
Ich kenne genügend Moslems, Christen, Rock/Metal/HipHophörer, Ballerspielsüchtige, etc. die nicht zu Killern werden, ja nicht mal einen Gedanken daran verschwenden.
Welche Eigenschaft macht einen Menschen zu einem Killer?
Die schwache Psyche.
Kein Buch, Kein Spiel, Kein Lied.
endbenutzer (26.09.2008, 09:53 Uhr)
@Heinrich_Koch:
"...Für die Gesellschaft relevant ist die Frage, warum bei Konvertiten zum Buddhismus nicht zu erwarten ist, dass sie sich dereinst mit Gewalt gegen Andersgläubige wenden.
Das muss doch mit der Religion zusammenhängen....
.
Au weia! Gaaanz dünnes Eis. Ich höre schon die Löschtruppe anrücken..
Heinrich_Koch (26.09.2008, 09:50 Uhr)
Von aussen
betrachtet, kommt einem die Verwandlung von Eric Breisinger total lächerlich vor.
Für die Gesellschaft relevant ist die Frage, warum bei Konvertiten zum Buddhismus nicht zu erwarten ist, dass sie sich dereinst mit Gewalt gegen Andersgläubige wenden.
Das muss doch mit der Religion zusammenhängen.
columella (26.09.2008, 09:18 Uhr)
Ernst nehmen, wundern oder beides?
Es gab schon mal einen Eric(h), der aus dem Saarland kam. Und es gab mal einen anderen jungen Mann, der erst verkrachter Kunststudent, frustrierter Frontkämpfer war und dann was anderes wurde. Was den ersten betrifft, nun ja: nomen est omen?, was den zweiten betrifft: die Geschichte ist sattsam bekannt, der Ausgang auch. Und nun ein dritter, der mit Feuer und Schwert das wahre Heil bringen will. Es fällt in der Tat schwer, alles als zwar höchst unerfreulich aber dennoch Ausruck höchst unreifer Geisteshaltung zu sehen - oder die Drohungen, wenn sie denn echt sind, ernst zu nehmen und dem individuellen Anfang zu wehren.........
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