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31. Juli 2008, 12:05 Uhr

Ausschluss spaltet die SPD

Die Entscheidung der nordrhein-westfälischen SPD, Wolfgang Clement aus der Partei zu werfen, stößt bei den Sozialdemokraten auf ein geteiltes Echo. Prominente Genossen wie Franz Müntefering halten dem Ex-Ministerpräsidenten die Stange. Andere verteidigen den Beschluss der Schiedskommission.

Verteidigt seinen Parteifreund Wolfgang Clement: Ex-SPD-Chef Franz Müntefering© Franka Bruns/AP

Der Parteiausschluss von Wolfgang Clement hat in der SPD zwiespältige Reaktionen ausgelöst. In NRW selbst ist die Entscheidung erwartungsgemäß positiv aufgenommen worden. Doch es formiert sich auch Widerstand. So warnte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vor dem Ausschluss von Clement. "Natürlich war der verkappte Wahlaufruf von Wolfgang Clement gegen die hessische SPD vor der hessischen Landtagswahl eine Riesendummheit und auch parteischädigend", sagte Gabriel, der auch Mitglied des SPD-Bundesvorstandes ist, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Aber wenn wir jeden, der bei uns mal Blödsinn erzählt oder uns Probleme macht, ausschließen, dann wird’s auf die Dauer einsam."

Zugleich warnte Gabriel vor den politischen Folgen. "Wenn wir anfangen, so den innerparteilichen Meinungsstreit zu beenden - uns gegenseitig auszuschließen -, gibt es nur einen Gewinner: die politische Konkurrenz von CDU und Linkspartei." Der SPD-Politiker äußerte die Hoffnung, dass Clement Beschwerde bei der nächsten Instanz, dem Bundesschiedsgericht, einlegen werde. So könne das Verfahren noch einmal "unaufgeregt" beurteilt werden und ein anderes Urteil gefällt werden.

Eichel zeigt Verständnis

"Angesichts der Lebensleistung von Wolfgang Clement halte ich einen Parteiausschluss für unangemessen", sagte Eichel der "Frankfurter Rundschau". Zugleich äußerte er Verständnis für die Kritik in seiner Partei an dem früheren Bundesminister: "Was Wolfgang Clement vor der Hessenwahl gemacht hat, halte ich nicht für akzeptabel." Eine große Volkspartei wie die SPD müsse aber solche Spannungen aushalten und Konflikte mit Argumenten austragen.

Auch der frühere SPD-Parteichef Franz Müntefering wandte sich gegen einen Parteiausschluss seines Parteifreundes. "Die in demokratischer Streitkultur geübte Sozialdemokratie muss solche Auseinandersetzungen anders als mit Ausschluss beantworten", sagte der einstige Vizekanzler. "Wolfgang Clement gehört zur SPD dazu. Besonnenheit ist angesagt."

Die Entscheidung der Schiedskommission der SPD in Nordrhein-Westfallen sei ein Instanzenurteil, müsse aber nicht das letzte Wort sein, sagte Müntefering weiter: "Ich hoffe, Wolfgang Clement ruft die entscheidende Kommission, die Bundesschiedskommission, an und bleibt in der SPD."

Der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend stärkte Clement ebenfalls den Rücken: "Natürlich hat er es der SPD nicht immer leicht gemacht. Aber als Ministerpräsident hat Wolfgang Clement viel geleistet und als Wirtschaftsminister durch seine Arbeitsmarktreform wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute 1,8 Millionen Arbeitslose weniger haben." Er sei "sicher, dass die Entscheidung von abgedrehten Sektierern vor dem Bundesschiedsgericht keinen Bestand haben wird".

Ausschluss ein "schwieriges Signal"

Auch die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Ute Vogt kritisierte den geplanten Parteiausschluss. "Es hätte gereicht, wenn man es bei einer Rüge belassen hätte", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Allerdings hätte Clement diese Rüge auch akzeptieren müssen. Der Ausschluss sei politisch ein "schwieriges Signal". "Bei einem ehemaligen Ministerpräsidenten und Minister sollte man nicht so schnell das Tischtuch zerschneiden", sagte Präsidiumsmitglied Vogt. Sie äußerte sich überrascht, dass die SPD-Landesschiedskommission in Nordrhein-Westfalen die Verdienste Clements nicht stärker gewichtet habe.

Ganz anders dagegen die Stimmung in NRW: Die Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD, Hannelore Kraft, erklärte, sie bedauere persönlich ausdrücklich, dass es so weit gekommen sei. "Bewusst parteischädigendes Verhalten ist in der Geschichte der SPD immer so gehandhabt worden", erklärte zudem SPD-Vordenker Erhard Eppler. Clement habe sich mit seinen parteikritischen Äußerungen im Vorfeld der hessischen Landtagswahl selbst ins Abseits gestellt. "Ein Mann, der in fast allen wichtigen Punkten anderer Meinung ist als seine Partei, braucht nicht mehr Parteimitglied zu sein", so Eppler.

SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer sieht im Parteiausschluss kein Signal für eine Beschneidung der innerparteilichen Meinungsfreiheit. "Es geht nicht darum, dass Wolfgang Clement sich für eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ausgesprochen hat oder dass er den Agenda-Prozess verteidigt", sagte er. Es gehe allein darum, dass Clement in der heißen Phase des hessischen Wahlkampfes öffentlich und absichtlich dazu aufgerufen hat, die SPD nicht zu wählen.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bochum-Hamme, Rudolf Malzahn, verwies darauf, dass sich Clement uneinsichtig gezeigt habe: "Er hat gesagt, er würde es jederzeit wieder tun." Das Ausschlussverfahren sei zudem unabhängig von der Stellung einer Person: "Es ist egal, welchen Titel und welchen Rang eine Person hat - vor dem Gesetz sind alle gleich." Der Bochumer Ortsverein hatte das Parteiausschlussverfahren gegen Clement entschieden vorangetrieben.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
utospatz (02.08.2008, 15:30 Uhr)
Wer kann eigentlich einen Schrotthaufen
noch spalten?
marihuhna (01.08.2008, 16:25 Uhr)
Tschüss SPD
Es ist schon heiter wie sich die SPD nach ihrer ganzen Geschichte selbst zerlegt. Ich denke wir kommen in Deutschland auch ohne SPD zurecht. Wird nur Zeit, dass es der CDU auch an den Kragen geht und wir wieder eine richtige konservative Partei bekommen.
feldsalat (01.08.2008, 09:39 Uhr)
Richtig!
Der Lobbyist Clement hat in der SPD nichts verloren. Und es ist umgekehrt: Nicht ER hat sich für die Partei eingesetzt (schon mal gar nicht selbstlos!), die Partei hat IHN in seinem Karrierestreben unterstützt und ihm in die jeweils richtigen Sessel geholfen, von wo er erst so richtig schön Lobbyarbeit betreiben und sich ein feines Nach-Regierungs-Pöstken schaffen und sichern konnte.
Ja, Clement muss raus aus der SPD, und er sollte seine Seeheimer-Maulwürfe gleich mitnehmen und gemeinsam mit ihnen zu den Parteien ihres Herzens (FDP + CDU) rüberfliegen.
Ach, und von wegen "kleiner Dank an n-tv": Alles, was die momentan an Kommentatoren aufbieten, ist an Neoliberalität kaum zu überbieten ...
ecomoc4u (31.07.2008, 23:26 Uhr)
ich meinte müntefering
x
ecomoc4u (31.07.2008, 23:26 Uhr)
darf man eigentlich vom clement behaupten,
dass er gefärbte haare hat ...ohne gleich post vom anwalt zu bekommen.?
Tante-Ingeborg (31.07.2008, 18:33 Uhr)
Ob Clement...
...ausgeschlossen wird oder in Hamburg eine Bratwurst platzt hat für das Volk die gleiche Wirkung. Für Clement aber nicht, denn als Lobbyist ohne Parteieinfluß ist er sein Schmiergeld nicht mehr wert.
oscarherz (31.07.2008, 17:39 Uhr)
logische Konsequenz
Warum sollte ich noch SPD wählen, wenn ehemalige Mandatsträger dazu aufrufen es nicht zu tun. Diese Schizophrenie muß erst noch erklärt werden, falls Clement in der SPD bleibt. Sein Verhalten war grob parteischädigend und spalterisch.
manesse (31.07.2008, 17:15 Uhr)
Am tollsten
ist ja das Geschwätz dieses sich als SPD-Papst gerierenden Eppler. Jemand, der seit Jahrzehnten der Partei falsche Empfehlungen gibt (u. a. in der Entwicklungspolitik), jemand der bereits in den 80-ern sich der SED angebiedert hat, jemand der in Ba-Wü eine Landtagswahl nach der andern vergeigt hat, sollte besser mal nicht nachtreten.
wilko0070 (31.07.2008, 17:06 Uhr)
Ein kleines Lob für "n-tv"
Dass der Rauswurf des funktionslosen Clements nicht nur einfach eine Randnotiz, sondern auch ein Signal für den SPD-Richtungskampf zwischen dem sozialdemokratischen und neoliberalen Agenda-2010-Flügel darstellt, ist wohl jedem politischen Beobachter bewusst.
Entsprechend schäumt die bürgerliche Journaille über diese "Dummheit". "Man macht das einfach nicht." und bei den Antragstellern des SPD-Ortsverbands Bochum-Hamme handelt es sich schlicht um "Ortsvereinsstalinisten" (stern), "Nennt die SPD um. In SED." (Wirtschaftswoche), "Die SPD sollte langsam überlegen, ob sie nicht gleich ein Ausschlussverfahren gegen sich selbst in Gang setzt." (Süddeutsche), "Mit großem Kleingeist geht die einstmals so stolze Partei gegen einen ihrer Stolzen vor." (Tagesspiegel), "Hilfloser Exorzismus" (Der Spiegel), "Dennoch ist sein Rauswurf politisch dumm, ja verheerend." (Die Zeit), "Die Ausschluss-Entscheidung der Schiedskommission gegen Clement ist ein Sieg der seelenlosen Funktionärs- über die Volkspartei." (RP Online), "Clements Parteiausschluss ist politisch naiv" (Die Welt), etc.
Aber es gibt (glücklicherweise) auch einen Lichtblick in der gleichgeschalteten Presse: Manfred Bleskin von "n-tv" hat in seinem "Zwischenruf" erkannt, dass der "Spruch eine Richtungsentscheidung [ist]. Es geht um nicht mehr oder weniger als pro oder kontra die reine Hartz-VI-Lehre."
nightmare_online (31.07.2008, 16:53 Uhr)
@chaos1234
Ja nee, da ist ja der gegenwärtige Status der deutschen Parteienlandschaft viel besser, es ist viel besser das wir 5 Parteien haben die sich gegenseitig darin überbieten 1/3 der Büger dieses Landes links liegen zu lassen, und der LINKEN das Monopol für dieses Drittel zu überlassen. Nee, DAS seh ich völlig ein.
Aber bitte nicht wieder lamentieren wenn die LINKE auch weiterhin wächst und wächst und wächst ...
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