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Im Entführungsfall Khafagy häufen sich die Widersprüche. Womöglich wussten die deutschen Geheimdienste und das Kanzleramt mehr, als sie heute zugeben. Frank-Walter Steinmeier muss am Donnerstag im Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen.
Er will erst Ende 2004 Hinweise auf die US-Entführungspraxis bekommen haben. Doch jetzt häufen sich die Indizien, dass der Außenminister und Ex-Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier (SPD) frühzeitig über die Verschleppung des in München lebenden Ägypters Abdel Halim Khafagy informiert war.
Sage keiner, die Grosse Koalition sei nicht kreativ. Sie ist es, zumindest beim Abwimmeln unbequemer Fragen zu amerikanischen Kidnappern und ihren deutschen Mitwissern. Ende Oktober hatte ich im stern über den Fall eines in der Nähe von München lebenden Ägypters berichtet. Abdel-Halim Khafagy war Ende September 2001 in Sarajevo in Bosnien mitten in der Nacht von US-Spezialkräften aus seinem Hotelzimmer geholt und so blutig geschlagen worden, dass die Kopfwunden mit 20 Stichen genäht werden mussten. Die deutschen Behörden wussten seit Oktober 2001 von diesem frühen Fall eines illegalen US-Kidnappings, denn drei Mitarbeiter von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesnachrichtendienst (BND) waren Anfang Oktober 2001 in dem US-Geheimgefängnis im bosnischen Tuzla, in dem Khafagy ohne Haftbefehl festghalten wurde. Sie waren so schockiert, dass sie sofort abreisten. Das damals von Otto Schily geführte Innenministerium wurde vom BKA informiert. All das konnte ich nur berichten, weil wir vertrauliche Dokumente bekommen hatten. Antworten auf Fragen zu dem Thema lehnte die Bundesregierung strikt ab. Begründung eines Sprechers des Bundespresseamtes am 24.Oktober 2006: Offene Fragen werde die Regierung nur im Untersuchungsausschuss des Bundestages und anderen "zuständigen" Gremien beantworten. Also fragte ich die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss. Die konnten mir nicht weiterhelfen. Warum? Die Abgeordneten der Grossen Koalition im Untersuchungsausschuss hatten alle Beweisanträge zum Fall Khafagy abgelehnt, weil der nicht vom Untersuchungsauftrag gedeckt sei. In diesem Auftrag heisst es, es müsse aufgeklärt werden, "welche Erkenntnisse die Bundesregierung über CIA-Geheimgefängnisse in Europa" hat. Im Fall Khafagy gehe es aber - so auch ein Koalitionsabgeordneter zu mir - um ein Gefängnis der Nato-Mission SFOR. Nun könnte man sagen, dass die SFOR-Verwicklung die Sache eher schlimmer macht. Immerhin war die deutsche Regierung bei SFOR voll beteiligt. Trotzdem hatte sie sich im Rahmen der Nato offenkundig nie über das Verhalten der Amerikaner beschwert - jedenfalls war der Nato in Brüssel der Fall nicht bekannt, als ich dort nachfragte. Doch ich war auf der Suche nach dem Positiven und dachte mir: Nun, wenn der Untersuchungsauschuss nicht zuständig ist, kann ja jetzt die Bundesregierung meine Fragen beantworten. Also schickte ich neue Mails an Bundespresseamt und Verteidigungsministerium und bat um Antworten. Doch der Chef vom Dienst des Bundespresseamts lehnte gestern per Mail erneut ab. Begründung: Das Thema "US-Geheimgefängnisse" sei sehr wohl "Gegenstand des Ersten Untersuchungsausschusses". Die Behandlung des Themas dort sei "noch nicht abgeschlossen". Tatsächlich hat es noch nicht mal begonnen - weil die Grosse Koalition es nicht will. Also mal sehen, wer sich durchsetzt: Die Regierung? Oder die Regierungskoalition?
Am 25. September 2001 wurde der in München lebende Ägypter Abdel Halim Khafagy von Amerikanern verschleppt. Bis heute weiß er nicht, warum. Nun diskutiert der BND-Untersuchungsausschuss den Fall. stern.de hat mit Khafagy und seiner Tochter Ahlam gesprochen.
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