. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. Februar 2007, 18:17 Uhr

BND-Agenten berichten von Freilassungsangebot 2002

US-Stellen haben deutschen Agenten bei deren Besuch im US-Lager Guantanamo ein konkretes Angebot unterbreitet, den dort inhaftierten türkischen Staatsbürger Murat Kurnaz im November 2002 nach Deutschland ausreisen zu lassen. Das berichtet stern.de exklusiv.

Vier Jahre in Guantanamo interniert: Murat Kurnaz© Franka Bruns/AP

US-Stellen haben deutschen Geheimdienst-Agenten bei deren Besuch im Gefangenenlager Guantanamo im September 2002 ein konkretes Angebot unterbreitet, den dort inhaftierten türkischen Staatsbürger Murat Kurnaz im November 2002 nach Deutschland ausreisen zu lassen. Zu diesem Angebot sind die US-Stellen vom US-Verteidigungsministerium befugt gewesen. Das geht aus Aussagen hervor, die zwei Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), Klaus R. und Martin D., am 1. Februar dieses Jahres vor dem BND-Untersuchungssausschuss des Bundestags machten. Das berichtet "stern.de", die Online-Ausgabe des Hamburger Magazins "stern". Die Öffentlichkeit war von der Vernehmung ausgeschlossen worden.

Die beiden BND-Agenten waren im September 2002 in Begleitung eines Referatsleiters des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) nach Guantanamo gereist, um Kurnaz zu verhören. Dieser war dort seit Februar 2002 inhaftiert.

Steinmeier sprach von "Agentenspielen"

Neu an den Aussagen ist, dass das Freilassungsangebot von Seiten der USA offenbar vom Pentagon selbst gestützt wurde. Der damalige Kanzleramtschef und heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Ende Januar in einem Interview der "Bild"-Zeitung gesagt, ihm sei ein offizielles Angebot nicht bekannt. Auf "Agentenspiele" habe er sich nicht einlassen können. BND-Agent R. sagte vor dem Untersuchungsausschuss, dass seine US-Gesprächspartner auf Guantanamo verdeutlicht hätten, dass ihr Angebot mit dem Pentagon abgestimmt worden sei.

Das Angebot zur Freilassung Kurnaz' war nach Aussage des BND-Sachgebietsleiters R. dabei nicht an Bedingungen geknüpft. Auch Jan K., der Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, der mit nach Guantanamo gereist war, sagte dem Untersuchungsausschuss am 1. Februar 2007, dass seiner Auffassung nach keine Bedingungen an Kurnaz' Freilassung geknüpft waren. "Eine Bedingung ist nie formuliert worden", sagte K. laut Protokoll. "Wir haben nur in dem Kontext einer möglichen Operation darüber gesprochen, ob Kurnaz nach Deutschland kommt. Wir haben überlegt, wie man es, wenn er denn frei käme, es dann zu einer Operation käme, organisatorisch anstellen könnte, um möglichste einen geschickten Einstieg in die Operation zu finden. Aber es gibt da kein Junktim." Damit bestritt K., dass eine Spitzeltätigkeit Kurnaz' nach seiner Rückkehr nach Deutschland eine Bedingung der Amerikaner für dessen Freilassung gewesen war. Ernst Uhrlau, damals Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt und heute BND-Präsident, hatte in der Vergangenheit die Ablehnung des Angebots durch die Bundesregierung mit angeblichen Auflagen der Amerikaner begründet.

Offenbar nicht im Terror-Netzwerk

Der Verfassungsschützer K. sagte in der Sitzung zudem, dass sich bei der Vernehmung Kurnaz' keine Anhaltspunkte für Kontakte mit Terroristen vor dessen Reise von Bremen nach Pakistan Dezember 2001 ergeben hätten. "Die Frage, ob er in ein etabliertes, bestehendes Netzwerk eingebunden war und auf einem bereits etablierten gesicherten Weg nach Pakistan gereist ist und dort Ansprechpartner hatte, konnte ich nach dem Ergebnis der Befragung als relativ unwahrscheinlich ansehen." K. sagte auch, die drei Deutschen seien sich einig gewesen, dass Kurnaz keine Verbindung zu den afghanischen Taliban gehabt habe. "Wir waren uns einig - das ist, denke ich, auch unstreitig -, dass Kurnaz nicht in terroristische Strukturen verwickelt war, dass er kein Taliban war, dass er keinem aktiven Rekrutierungsnetzwerk angehörte."

Kurnaz wurde Ende Dezember 2001 in Pakistan festgenommen und US-Behörden übergeben. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einem US-Gefangenenlager in Afghanistan wurde er im Februar 2002 nach Guantanamo überstellt. Im August 2006 wurde er frei gelassen.

Am 8. März dieses Jahres wird Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor dem Untersuchungsausschuss aussagen.

stern.de
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Fall Kurnaz EU-Parlament zieht die Bremse

Das EU-Parlament hat im Fall des Ex-Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz die Behauptung des CIA-Sonderausschusses entschärft, die Bundesregierung habe ein US-Angebot zur Freilassung abgelehnt. mehr...

Murat Kurnaz "Einmal Zecke, immer Zecke"

Dokumente belegen, wie das Auswärtige Amt versuchte, Murat Kurnaz aus Guantánamo freizubekommen. Kanzleramt und Geheimdienste haben das hintertrieben. mehr...

Union und SPD Kurnaz soll erstmal kein Deutscher werden

Der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz wurde in Deutschland geboren, ist aber türkischer Staatsbürger. Daran soll sich nach Willen von Unions- und SPD-Politikern zunächst nichts ändern. Es gebe "zu viele offene Fragen", heißt es. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe