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30. Januar 2007, 11:41 Uhr

SPD mault, Union will weiter bohren

In der SPD macht sich wegen der Unions-Kritik an Außenminister Frank-Walter Steinmeier Unmut über den Koalitionspartner breit. Doch die Union will weiterhin den Fall Kurnaz aufgeklärt wissen und hat sogar Lob für den SPD-Mann übrig.

Kurnaz vor dem Untersuchungsausschuss: CDU will weiter bohren© Axel Schmidt/DDP

Die bislang ungeklärte Rolle von Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Fall Kurnaz sorgt zunehmend für Spannungen in der großen Koalition. Vor allem die SPD ist verärgert über die Kritik der Union an ihrem Minister: "Es ist alles andere als hilfreich, wenn versucht wird, mit Vorverurteilungen den Außenminister zu diskreditieren", sagte jetzt SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen.

Mit dieser Äußerung in der "Netzeitung" reagierte auf Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU), der eine baldige Anhörung von Steinmeier im BND-Untersuchungsausschuss gefordert und gesagt hatte: "Wir wollen wissen, wie es damals war und warum die rot-grüne Bundesregierung wie gehandelt hat." Dazu Annen: "Wenn Herr Bosbach ignoriert, dass es seine Partei war, die eine Beteiligung Deutschlands an dem völkerrechtswidrigen Irak-Krieg befürwortet hat, dann ist das befremdlich und gefährdet das gute Klima in der Koalition."

Die Union weist die Kritik aus der SPD umgehend zurück. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen, sagte, die Union lege einerseits Wert auf einen fairen Umgang mit dem Koalitionspartner und andererseits auf sachliche Aufklärung im Untersuchungsausschuss. "Ich glaube auch, dass wir das bisher praktiziert haben", so der CDU-Politiker.

Daher werde seine Partei auch weiterhin versuchen den Fall Kurnaz im Untersuchungsausschuss weiter aufzuklären. Laut Röttgen sei es selbstverständlich, "dass ihm Fragen gestellt werden". Es sei festzustellen, dass Kurnaz unter der neuen Bundesregierung nach Deutschland habe einreisen können. Deshalb müsse auch gefragt werden, warum dies zur Zeit der alten rot-grünen Regierung nicht möglich gewesen sei.

Neben dem Unmut am Verhalten von Außenminister Steinmeier gibt es in der CDU/CSU aber auch Lob für seine Politik. "Gerade im Konflikt mit dem Iran, wo viele seiner Parteifreunde zu nachgiebig sind oder antiamerikanische Töne anschlagen, ist der Außenminister sehr konsequent", sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden, der "Welt". Zwar wolle die Union "die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit der rot-grünen Außenpolitik" deutlich herausstellen. Zugleich achte sie aber darauf, "wenn ein Mitglied der Koalition in Schwierigkeiten ist, dass er fair behandelt wird".

Steinmeier wird vorgeworfen, als Kanzleramtschef unter der rot-grünen Regierung die Freilassung von Kurnaz aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo und seine Rückkehr nach Deutschland hintertrieben zu haben. Kurnaz wurde von 2002 bis August 2006 in dem Lager auf Kuba festgehalten und dort nach eigenen Angaben gefoltert und misshandelt. Im Kern geht es um die Frage, ob die USA bereits im Herbst 2002 zu einer Entlassung des Türken bereit waren und die rot-grüne Regierung diese Chance nicht nutzte. Steinmeier hatte sein Vorgehen am Wochenende energisch unter Hinweis auf die damalige Sicherheitslage verteidigt und erklärt, er würde heute nicht anders entscheiden.

Murat Kurnaz wird seine Erinnerungen an die Zeit im US-Gefangenenlager in einem Buch herausbringen. Der autobiografische Text "Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantanamo" soll am 23. April erscheinen. Der aus Bremen stammende Türke beschreibt mit Hilfe eines Co-Autors auf 256 Seiten sein viereinhalb Jahre währendes Martyrium im dem Lager im US-Militärstützpunkt auf Kuba. Das Buch enthülle Einzelheiten, die so noch nicht bekannt seien, heißt es beim Verlag.

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Im Fall Kurnaz gibt es jeden Tag neue Erkenntnisse, nun beharkt sich auch die Politik. Soll Außenminister Steinmeier zurücktreten oder im Amt bleiben?

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nik mit DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
werner11 (31.01.2007, 18:17 Uhr)
Hetzjagd
Ihre Berichterstattung zu dem Fall Kurnaz finde ich einseitig und sehr enttäuschend. Hätte damals, kurz nach den Anschlägen vom 11. September Herr Steinmeier die Einreise von Herr Kurnaz genehmigt, ohne ausreichende Beweise für seine Unschuld, wäre das Geschrei noch viel grösser gewesen. Er hatte sich um die Sicherheit von über 80 Mio. Deutschen zu kümmern, ich denke diese Tatsache sollte man hier nicht vergessen. Und nicht Herr Steinmeier ist hier wie von Ihnen so gerne dargestellt der Täter, sondern die Amerikaner, die Menschen grundlos foltern. Auch das kommt in ihrer Berichterstattung viel zu kurz. Herr Steinmeier hat meine vollste Unterstützung, durch seine Arbeit können wir Deutschen ruhig schlafen. Was Herr Kurnaz durchgemacht hat, tut mir leid; aber die Schuldigen sind eindeutig woanders zu suchen. Und ich möchte nochmals wiederholen, dass ihre Berichterstattung für solch eine rennomierte Zeitschrift absolut unzureichend ist und ich hoffe nicht, dass einer unserer besten Politiker geopfert wird, weil er seine Pflicht getan hat aber die Presse momentan offenbar keine anderen Aufhänger hat.
Marty_D (30.01.2007, 16:16 Uhr)
Der Fall Kurnaz
Armer Kerl, der Herr Kurnaz. Solange eingesperrt, Tja, so ist das mit dem Krieg. Was denken die Leute denn was Krieg bedeutet, Deutschland frag deine Rentner! Vielleicht hätte er sich rasieren sollen, dann hätte Beck im einen Job in Guantanamo verschafft und er hätte auf der anderen Seite des Zaun gestanden! Und den Geheimdienste sind die Menschenrechte nicht erst seit dem Fall Kurnaz völlig egal. Übrigens: Die Geheimdienste werden von den vom Volk gewählten Vertretten eingestetzt - so siehts aus. Aber psst! - niemanden weitersagen!
Spocks_Kommentar (30.01.2007, 16:07 Uhr)
Babylonischer Verwirrung der Werte
Es ist schon kurios: Amerikanische Soldaten foltern auf Geheiß des amerikanischen Präsidenten einen Türken in einem Krieg, den die CDU gutheißt und an der amerikanischen Seite führen will. Und wer ist schuld? Nicht der amerikanische Präsident, nicht die Soldaten, nicht die CDU, nein, die SPD und die Grünen.
Es ist wie immer: Die SPD ist einfach zu anständig für diese Welt. Wenn jemand am Schicksal von K schuld ist, dann ist es in erster Linie Amerika. In zweiter Linie die Türkei, denn deren Staatsbürger ist der Geschädigte. In dritter Linie die Koalition der Willigen von England bis Polen, die den Schurkenstaat USA unterstützt haben. In vierter Linie die CDU, die Gott sei Dank durch Schröder und Fischer gehindert wurde, im Irak zu Kriegsverbrechern zu werden, wie Bush das ist und wollte. Am wenigsten hat damit die SPD und deren Personal zu tun.
Aber vielleicht hat diese Sache ja auch ihr Gutes. Es könnte ja sein, daß die SPD merkt, was los ist und die nötige Konsequenz zieht: Sie könnte endlich diese Sche....koalition verlassen, die sie mit etwas Verantwortungsbewußtsein nie und nimmer hätte eingehen dürfen.
Die CDU zurück auf die Oppositionsbank und Frau Merkel zur 3. Bürgermeisterin von Ober-Kösterbeck bei Rostock befördern. Das wäre die richtige Quittung für das verlogene Vorgehen der Union, das Beste für Deuschland und eine Chance darauf, daß den Amerikanern wieder einmal jemand sagt, daß auch irgendwo Schluß sein muß und damit ein großer Beitrag zum Weltfrieden. Aber die SPD wird diese Kraft nicht haben. Leider.....
hulbrich (30.01.2007, 15:22 Uhr)
Murat Kurnaz
Es ist eine Schande was Geheimdienste so alles mit unschuldigen Bürgern tuen.
Das Leiden des Herrn K. bedaure ich außerordentlich.
Was ich dennoch nicht verstehe ist wieso der deutsche Staat verantwortlich ist. Hat Herr K. nicht einen türkishcen Pass? Ist er denn deutscher Staatsbürger oder türkischer? Wieso kümmert sich denn die türkische Regierung nicht um Ihn?
Dennoch, hatte die deutsche Regierung die möglichkeit Herrn K. aus dem Gefängnis zu bekommen, so hatte sie auch die Pflicht dies zu tuen, denken Sie bitte an die vielen Deutschen die von Regierungen anderer Länder geschützt wurden als unsere Großväter noch das dritte reich stützten. Herr K. bitte verzeihen Sie meiner Regierung.
Lelou (30.01.2007, 12:45 Uhr)
Es ist eine Schande ...
... was diesem jungen Menschen angetan wurde. Anfangs war ich mißtrauisch, konnte seinen Schilderungen kaum glauben schenken. Doch nach und nach haben sich seine Ausagen, entgegen aller Dementis, als wahr herausgestellt. Herr Kurnaz hat mein vollstes Mitgefühl. Ich finde es absolut schrecklich, was mit ihm geschehen ist. Wenn er nach seinen Erfahrungen nicht zu den radikalen Islamisten überläuft, kann man ihn eigentlich nur bewundern für seine Stärke und seinen Großmut. Doch ihm scheint es tatsächlich nicht um Rache zu gehen, sondern "nur" um Gerechtigkeit. Und die sollte ihm nun endlich mal zu Teil werden!
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