. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Januar 2007, 13:02 Uhr

Steinmeier bekommt Rücken gestärkt

In der Kurnaz-Affäre hat die SPD-Spitze ihrem Parteigenossen Steinmeier den Rücken gestärkt. Nach Ex-Innenminister Schily stellte sich auch Vize-Kanzler Müntefering hinter den Außenminister und warnte vor "unangemessenen Urteilen".

Steht im Fall Kurnaz unter Druck: Außenminister Steinmeier© DPA

In der Affäre um den ehemaligen Guantànamo-Häftling Murat Kurnaz hat Vizekanzler Franz Müntefering Außenminister Frank- Walter Steinmeier (beide SPD) den Rücken gestärkt. Er gehe davon aus, dass Steinmeier noch bis "mindestens" 2009 Außenminister bleiben werde, sagte Müntefering am Sonntag im Deutschlandfunk. Ein Rücktritt wäre auch "nicht angemessen". Der unter Druck geratene Steinmeier, seinerzeit Kanzleramtschef der rot-grünen Bundesregierung, verteidigte die Entscheidung, den aus Bremen stammenden Türken 2002 nicht nach Deutschland zurück zu lassen. "Ich würde mich heute nicht anders entscheiden", sagte er dem "Spiegel". Auch der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bestritt jegliche Fehler.

Scharfe Kritik der Opposition

Der frühere Koalitionspartner Grüne und die FDP kritisierten Steinmeier scharf und forderten eine Aussage des Ministers im BND- Untersuchungsausschuss möglichst noch im Februar. Dies ist bisher für März vorgesehen. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer warf Steinmeier in einem dpa-Gespräch vor: "Wenn er sagt, er habe keinerlei Fehler gemacht, dann ist das das Unglaubwürdigste, was man sagen kann." Der FDP-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss, Max Stadler, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS): "Ich verstehe nicht die Sturheit, mit der Steinmeier auf seiner Position beharrt - das ist inakzeptabel." FDP-Chef Guido Westerwelle warf ihm in der "Welt am Sonntag" eine "erschreckende Uneinsichtigkeit im Hinblick auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit" vor.

Müntefering sagte: "Ich glaube, dass da in den vergangenen Tagen und Wochen mit einem besonderen Eifer versucht worden ist, Urteile und Vorurteile zu sprechen, die völlig unangemessen sind." Steinmeier habe seine Position deutlich gemacht. "Und ich bin da voll bei ihm und wir alle, und ich denke, auch die ganze Bundesregierung."

Steinmeier verteidigt Entscheidung

Steinmeier begründete die Entscheidung erneut damit, dass Kurnaz kurz nach dem 11. September 2001 als Sicherheitsrisiko gegolten habe. "Man muss sich ja nur vorstellen, was geschehen würde, wenn es zu einem Anschlag gekommen wäre, und nachher stellte sich heraus: Wir hätten ihn verhindern können", sagte er dem "Spiegel".

Der in Bremen geborene Türke Kurnaz war im November 2001 in Pakistan festgenommen und US-Soldaten in Afghanistan übergeben worden. Im Februar 2002 wurde er nach Guantànamo gebracht, wo er bis August 2006 saß und nach eigenen Angaben auch gefoltert wurde. Die USA warfen ihm Mitarbeit im Terrornetzwerk El Kaida vor, was nie bewiesen und von Kurnaz immer bestritten wurde.

Schily nahm Steinmeier ausdrücklich in Schutz: "Er hat sich im Fall Kurnaz völlig korrekt verhalten." Auch er betonte in der "Bild am Sonntag", nach den Erkenntnissen aller mit dem Fall befassten Behörden habe es im Fall Kurnaz erhebliche Sicherheitsbedenken gegeben. Dem widersprach das Grünen-Mitglied im BND- Untersuchungsausschuss, Hans-Christian Ströbele. Aus den vorliegenden Akten ergäben sich keine Sicherheitsgründe, sagte er der "Welt am Sonntag".

DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Cerberus70 (28.01.2007, 20:08 Uhr)
Deutschland
Es erscheint mir mehr als Fragwürdig warum dieses leidige Thema derart Diskutiert wird von Politikern aller Parteien.
Es ist doch nicht mehr als richtig wenn sich kein Deutscher Politiker um die Freilassung eines mehr als Fragwürdigen Subjektes kümmert und ihm die Einreise in Deutschland verwehrt wird. Warum sollte auch nur ein Deutscher Politiker sich für einen Türkischen Staatsbürger stark machen, vielmehr müsste doch die Frage lauten warum hat sich keiner der Türkischen Politiker für Herr Kurnaz eingesetzt. Er wurde wohl in Deutschland geboren hat allerdings eine Deutsche Staatsbürgerschaft verweigert,die Türkische Staatsbürgerschaft jedoch angenommen, er hat eine Ehefrau in der Türkei und hat sich mehrfach nach den Anschlägen gegen das WTC Radikal Islamistisch geäussert. Meiner Meinung nach haben unsere Politiker in diesem Fall richtig gehandelt und eine Freilassung nach Deutschland NICHT zugestimmt.
Er war auf eigenes Risiko ( auf Kosten eines als radikal Islamitisch bekannten Freundes ) zum "Studium" des Islams in die Krisengebiete gereist. Sein Auftreten und sein Äußeres lassen Schlüsse auf seine Gesinnung zu so das er wohl eher selber Schuld daran trägt das es zu seiner Verhaftung kam.
Sollen sie ihn doch Ausweisen , so wie er es verdient hätte, und das Thema ist erledigt. Er hat es sich selber zuzuschreiben was er erlebt hat. Nach einer Ausweisung wäre er endlich wieder mit seiner Familie/Ehefrau vereint und dann kann man sich wieder wichtigeren Dingen zuwenden so das es eventuell mal wieder in Deutschland aufwärts geht.
1xtra (28.01.2007, 20:00 Uhr)
Die Verteidigungslinie
des Außenministers ist zynisch und eines Vertreters eines Rechtstaates unwürdig - unabhängig davon, ob Kurnaz eine Gefährdung darstellte oder nicht. In einem Rechtstaat steht jedem rechtliches Gehör zu - unabhängig von der Schwere seiner Tat. Die Würde des Menschen ist unantastbar - so heißt es im GG - nicht die Würde des ´deutschen´ Menschen steht dort. Hier werden alle Grundsätze des Rechts mit Füssen getreten - mit der Begründung, Kurnaz hätte ja auch ein Terrorist sein können. Man solle sich mal vorstellen, was dann gewesen wäre! Welch Aufschrei, wenn der Mann ein ordentliches Gerichtsverfahren bekommen hätte. Wehret den Anfängen. Die unseligen Zeiten, in denen Menschen in Deutschland von ´Staatssicherheitskräften´ ohne Verfahren arrestiert wurden, scheinen vergessen. Ein Rechtsstaat, der solche Vertreter hat, braucht Terroristen nicht zu fürchten.
Der Feind sitzt mittendrin.
Vikar (28.01.2007, 15:44 Uhr)
Total bekloppt!
Haben wir wirklich nichts anderes zu tun als so ein lächerliches Thema zu einem Staatsproblem aufzuackern? Mann, in Gefängnissen weltweit sitzen so viele Menschen zu Unrecht und keine Sau grunzt danach.Warum redet keiner über den Fischer, den man im Iran im Gefängnis hat, ja, da sollte mann mal was machen, und nicht wegen so einem, der noch nicht mal einen Peso Steuern in Deutschland bezahlt hat und sich zur Al Caida beruft, Schande über alle, die da noch sagen der Steinmeier müsste zurücktreten, ich glaube wir haben bei Gott wichtigere Probleme in Deutschland.
havit (28.01.2007, 14:41 Uhr)
Solidaritätsadressen
haben Stoiber nichts genutzt und werden Steinmeier auch nicht aus der Patsche helfen. Warum sind unsere Politiker eigentlich alle so verlogen? Kann man mit ehrlichen Worten in Deutschland keine Politik mehr gestalten? Wenn dem so ist, dann "Gute Nacht" Deutschland.
MEHR ZUM ARTIKEL
Politskandal Tatort Kanzleramt

Es ist ein trister Oktobertag, als die Herren im siebten Stock des Bundeskanzleramtes eine denkwürdige Entscheidung fällen. Sie sind bereit, sich über rechtsstaatliche Prinzipien und Völkerrecht hinwegzusetzen. Sie nehmen in Kauf, dass ein 20-Jähriger aus Bremen über Jahre interniert und gefoltert wird. Der junge Mann ist unschuldig. Die Herren wissen das. mehr...

Fall Kurnaz Schilys Schützenhilfe für Steinmeier

Der im Fall Kurnaz unter Druck geratene Außenminister Steinmeier bekommt Schützenhilfe: Ex-Innenminister Otto Schily hat jedes Fehlverhalten der Bundesregierung bestritten und Steinmeier gegenüber Kritikern in Schutz genommen. mehr...

Kommentar Steinmeier und die Leiden des jungen K.

Außenminister Steinmeier hat versucht, mit einem "Bild"-Interview den Fall Kurnaz abzuschütteln. Doch der Befreiungsschlag ist misslungen. Steinmeier steht weiter im Verdacht, dafür mitverantwortlich zu sein, dass ein Unschuldiger jahrelang in Guantanamo darben musste. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe