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26. Mai 2009, 15:45 Uhr

Birthler wehrt sich gegen Vorwürfe

Dass der Todesschütze des Studenten Benno Ohnesorg ein Stasi-Spitzel war, hat die deutsche Öffentlichkeit überrascht. Vorwürfe, dies hätte die Stasi-Aktenbehörde früher publik machen müssen, wies Behördenchefin Marianne Birthler nun zurück. Gleichzeitig stellte sie fest, es gebe keine Stasi-Akten über den Dutschke-Attentäter Josef Bachmann.

Birthler, Stasi-Unterlagenbehörde, Kurass, Ohnesorg, Studentenbewegung

Keine Versäumnisse im Fall Kurras: Marianne Birthler verteidigt die Arbeit in ihrer Behörde© Michael Sohn/AP

Die Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, hat den Vorwurf zurückgewiesen, ihre Behörde vernachlässige die Aufarbeitung der früheren Stasi-Aktivitäten im Westen. "Die Tatsachen ergeben wirklich ein ganz anderes Bild", sagte Birthler bei der Vorstellung ihres neuen Tätigkeitsberichts am Dienstag in Berlin. Die Westarbeit sei der wahrscheinlich am intensivsten bearbeitete Bereich. So habe ihre Behörde acht Publikationen zu dem Themenbereich veröffentlicht, hinzu komme eine Reihe von Aufsätzen.

Birthler wehrte sich zudem gegen den von Wissenschaftlern geäußerten Vorwurf, die Stasi-Akten zum Fall des West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg getötet hatte, seien erst sehr spät an die Öffentlichkeit gekomen. Es sei in der Vergangenheit niemand auf die Idee gekommen, Akten zu Kurras bei ihrer Behörde anzufordern. Wenn Forscher dies getan hätten, wären die Unterlagen auch zur Verfügung gestellt worden. Die Behörde war so nur zufällig auf die Kurass-Akten gestoßen. Die Enthüllung hat zu einer Grundsatzdiskussion über die Arbeit der Birthler-Behörde geführt.

Keine Unterlagen über Dutschke-Attentäter

Über den Dutschke-Attentäter Josef Bachmann liegen der Stasi-Akten-Behörde keine Unterlagen vor. "Es gibt zu Bachmann keine IM-Akte", stellte Birthler am Dienstag fest. Es sei bereits gezielt nach Akten über Bachmann gesucht worden, weil entsprechende Forschungsaufträge vorlagen. Hinweise über eine inoffizielle Mitarbeit Bachmanns für die Stasi seien dabei nicht gefunden worden.

Der Sohn des 1968 angeschossenen und 1979 an den Spätfolgen des Attentats gestorbenen Studentenführers Rudi Dutschke, Marek Dutschke, hatte die Birthler-Behörde zuvor aufgerufen, Klarheit über Bachmann zu schaffen. Sein Vater habe vermutet, dass das DDR-Ministerium für Staatssicherheit hinter dem Anschlag auf ihn gesteckt habe, sagte Marek Dutschke laut "Bild"-Zeitung. Dies gehe aus einem Brief hervor, den Rudi Dutschke seiner Frau hinterlassen habe. "Die DDR, so mein Vater, habe damals gefürchtet, dass der antiautoritäre Sozialismus, für den Rudi stand, auf den anderen Teil Deutschlands überschwappen könnte", sagte Marek Dutschke. "Ist es möglich, dass auch der Attentäter Josef Bachmann ein Stasi-Mann war?"

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
utospatz (27.05.2009, 15:06 Uhr)
Eigentlich muss ich Fr. Birthler recht geben.
Nach Ende des 2ten Weltkrieges haben sich Ex-Nazis und Weltkriegsgewinnler über 4 Jahrzehnte in der sogenannten Demokratie bis in höchste politische Ämter hochmanövriert, satte Pensionen kassiert, wobei die Nachfolgegenerationen der Gewinnler und deren Urenkel von den Profiten der damaligen Zeit immer noch in sauss und brauss das Leben genießen, während ihre damaligen Zwangsarbeiter immer noch nicht entschädigt sind!
Was würde passieren, wenn Fr. Birthler gegen den Strom schwimmen wollte?
quakenderfrosch (27.05.2009, 09:11 Uhr)
Komplettversager !
10.000 Euro oder mehr im Monat kassieren um zufällig vorbeieilende Forscher zu bedienen. Das alles konnte die 'DDR' so bequem natürlich nicht bieten, da waren 6,32 Ostmark echter Spitzenstundenlohn um auf Material zu warten.
Damit aber die mitgebrachte Mentalität nicht verlorengeht zahlt's der westdeutsche Steuerzahler gerne. Selbstverständlich auch für über 60 ehemalige Stasimitarbeiter deren Auskommen in der Birthlerbehörde immer noch sichergestellt sein soll.
Angel_of_Mercy (26.05.2009, 23:35 Uhr)
Josef Bachmann war gewiss kein "Stasi Mann".
Er war eine gescheiterte Existenz. Eine willfährige Person ohne politschen Kompass, welche sich hat misbrauchen lassen. in einem anderen Artikel habe ich gelesen, dass derjenige, der Bachmann die Pistolen beschafft hat, sowohl beim BRD Verfassungsschutz als auch bei der DDR-Stasi in Lohn stand. Bedeutet, wenn es bei der Stasi keine Unterlagen gab, dann einfach mal beim Verfassungsschutz nachfragen.
jetrabbit (26.05.2009, 22:53 Uhr)
ak(ten)krobatik
aber das beste am artikel... die DDR hatte angst das die gute rote welle rüberschwappt. habe schon viel gelacht, danke birthler, dutschke jun. und andere knallerbsen.
balldurian (26.05.2009, 22:48 Uhr)
Schlampige arbeit ...
... mehr als suspekte begründung. Getreu dem motto 'holz arbeitet'. Ist die beamtenkarriere erst einmal gesichert bloss nicht bewegen ...
gj58 (26.05.2009, 20:17 Uhr)
"Ist es möglich, dass auch der Attentäter Josef Bachmann ein Stasi-Mann war?"
Diese Frage wird dann wohl Radio Eriwan traditionell am besten beantworten könnwn, da ja ein "Aufruf" Herrn Dutschkes an die Birthler-Behörde von der nicht unbedingt und zwangsläufig auch als "Frage" gesehen werden muss. Es könnte ja auch etwas Umstürzlerisches geargwohnt werden, bei dem Vater ...:
Im Prinzip ja, iiist megglich ... -
Aber, wenn niemand Fragge stellt, niemand bekommt Antwort ...
Die Frage ist also gestellt. Bitte antworten - Oder, wie andere zu sagen pflegen: "Auspacken! ..." aber pronto!
ganzbaf (26.05.2009, 17:55 Uhr)
Na ja,

die Linken haben halt meistens recht ;-ß
vegefranz (26.05.2009, 17:23 Uhr)
Birthler macht einen guten Job
man muss bedenken, dass sie stets unter Dauerkritik der Linken steht
Angel_of_Mercy (26.05.2009, 17:03 Uhr)
Frau Birthler sollte von ihrem Amt zurück treten
Nicht weil sie schlechte Arbeit gemacht hat. Ich denke sie hat sogar sehr gute Arbeit gemacht, aber ihre Objektivität und Unvoreingenommenheit möchte ich anzweifeln. Mit ihrer Vorgehensweise schadet sie sich selbst. Sie wirkt wie eine Eiferin. Sie mag es aus guten Absichten sein. Doch wie so oft bei Eiferern verkehren sich die guten Absichten schnell ins Gegenteil.
Ich prophezeie, kurz vor der Bundestagswahl wird es wieder etwas überraschendes geben, was schon lange bekannt ist oder ein erneuter Zufallsfund der innerhalb der Behörde längst erfasst und geordnet ist.
"Es sei in der Vergangenheit niemand auf die Idee gekommen, Akten zu Kurras bei ihrer Behörde anzufordern. Wenn Forscher dies getan hätten, wären die Unterlagen auch zur Verfügung gestellt worden."
Ich vermisse in dem Zusammenhang eindeutig die Aussage, "wäre nach eventuellen Akten verstärkt gesucht worden."
Nach der bloßen Aussage von Frau Birthler war es nämlich kein Zufallsfund.
NeuerMensch (26.05.2009, 16:48 Uhr)
Das tolle an der Birthler-Behörde ist doch
das sie Akten völlig beliebig freigeben, verschließen oder vernichten kann. Was politisch opportun ist, wird publik gemacht. Kritische Informationen können geheimgehalten werden (z.B. Akten über Kohl). Möglicherweise war Kurras ja wie viele andere zu der Zeit ein Doppelagent? Das wird man natürlich nicht erfahren, so lange Geschichtsaufarbeitung von einer staatlichen Behörde betreiben und gesteuert wird. Das ist einer Demokratie absolut unwürdig.
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