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15. Februar 2008, 10:40 Uhr

Tausende Verdächtige bei Steueraffäre

Klaus Zumwinkel ist vom Vorstandsvorsitz der Post zurückgetreten. Gleichzeitig spricht das Finanzministerium von "sehr vielen" bekannten und weniger bekannten "Leistungsträgern", die ebenfalls Steuern hinterzogen haben sollen. Die Behörde rät zur Selbstanzeige.

Klaus Zumwinkel hat offenbar viele Nachahmer© Oliver Berg/DPA

Post-Chef Klaus Zumwinkel ist wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung von seinem Posten zurückgetreten. Die Bundesregierung als Großaktionär der Deutschen Post nahm den vom ihm angebotenen Rücktritt an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hätten die Entscheidung begrüßt, teilte ein Sprecher in Berlin mit. Die Deutsche Post hat den Rücktritt mittlerweile bestätigt. Formal soll der Aufsichtsrat des Konzerns den Rücktritt am Montag vollziehen. Außerdem ziehe sich Zumwinkel auch von dem Posten als Aufsichtsratschef der Deutschen Postbank zurück, teilte das Unternehmen mit.

Die Strafermittlungsbehörden ermitteln nach Angaben des Bundesfinanzministeriums gegen zahlreiche weitere Verdächtige wegen Steuerhinterziehung. Der Fall des bisherigen Post-Chefs Klaus Zumwinkel sei kein Einzelfall, sagte Torsten Albig, Sprecher des Ministeriums. Ermittelt werde gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" wegen Steuerflucht nach Liechtenstein. Er riet Betroffenen zur Selbstanzeige. Dieses Instrument sehe das deutsche Steuerstrafrecht vor.

Hohe Beweiskraft der Unterlagen

Die Bochumer Staatsanwaltschaft berichtete, die von der Finanzverwaltung zur Verfügung gestellten Erkenntnisse hätten eine sehr hohe Beweiskraft. «Diese Unterlagen betreffen Geldanlagen mehrerer hundert inländischer Personen, insbesondere über Stiftungen in Liechtenstein, die augenscheinlich allein zum Zweck der Steuerhinterziehung eingerichtet worden sind», hieß es.

Wie aus Regierungskreisen zu erfahren war, sind in der Affäre um mögliche Steuerhinterziehung möglicherweise tausende Verdächtige ins Visier der Fahnder geraten. Es handle sich um eine vierstellige Zahl, hieß es. Aus Justizkreisen war zuvor durchgedrungen, dass die Staatsanwaltschaft Bochum nicht nur gegen Post-Chef Zumwinkel ermittelt, sondern gegen 600 bis 700 weitere Verdächtige. Den Angaben zufolge soll es sich um Kunden der Liechtensteiner LGT-Bank handeln.

Die LGT-Bank selbst, die dem liechtensteinischen Fürstenhaus gehört, hielt sich mit Äußerungen zurück. Der Sprecher der Bank, Bernd Junkers, erklärte lediglich, die Berichte über Ermittlungen deutscher Steuerbehörden gegen Zumwinkel seien zur Kenntnis genommen worden.

Merkel kritisiert Zumwinkel

Bundeskanzlerin Merkel kritisierte unterdessen den Umgang Zumwinkels mit den Vorwürfen der Steuerhinterziehung gegen ihn. Die Kanzlerin habe sich gewünscht, dass Zumwinkel sich öffentlich zu den Vorwürfen äußere, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Es sei für die Post-Mitarbeiter, aber auch für viele Bürger von Interesse, wie er dazu Stellung nehme. Die Kanzlerin sei der Auffassung, dass Einzelfälle wie die Vorwürfe gegen Zumwinkel "Vertrauen kosten". Die ganz große Mehrheit der Verantwortungsträger in der Wirtschaft arbeiteten aber seriös und mit großem Einsatz, sagte Wilhelm.

Merkel bezeichnete den Rücktritt Zumwinkels als «unvermeidbar». «Ich glaube, es geht mir wie vielen Menschen in Deutschland: Das ist jenseits dessen, was ich mir habe vorstellen können, und was viele sich haben vorstellen können», sagte sie.

Nachfolgeregelung noch unklar

Die Nachfolgeregelung bei dem Konzern ist unterdessen noch unklar. Als aussichtsreicher Kandidat wurde Logistikvorstand Frank Appel (46) gehandelt. Aber auch Finanzvorstand John Allan (59) könnte als möglicher Interimskandidat im Spiel sein, um vorläufig die Aufgaben des Vorstandschefs bei der Deutschen Post zu übernehmen. Appel gehört seit einigen Jahren dem Post-Vorstand an und galt bereits seit geraumer Zeit als potenzieller Nachfolger von Zumwinkel.

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 64-jährigen Zumwinkel vor, als Privatmann eine Million Euro Steuern über eine Stiftung in Liechtenstein hinterzogen zu haben. Nach einer Razzia, bei der Fahnder die Privatvilla und Büros des Postchefs durchsucht hatten, war Zumwinkel verhört worden und blieb nur gegen eine hohe Kaution auf freiem Fuß.

zen/DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
FredericF. (17.02.2008, 16:09 Uhr)
Auch sein designierter Nachfolger
ist von derselben Mentalität: er Vorstandsmanager der Deutschen Post und mögliche Nachfolger von Vorstandschef Klaus Zumwinkel, Frank Appel, soll im Zuge der Mindestlohn-Entscheidung ebenfalls ein 2Mio-Aktienpaket verkauft haben. Da fehlt bei allen der Instinkt für das was geht, und was nicht geht.
Mich würde ja mal interessieren, ob Zumwinkel und Appel auch mal was Nennenswertes gespendet haben? Aber wahrscheinlich ist das Wort Verantwortung für ihresgleichen ein Femdwort!? Jedenfall ist mit denen kein Staat zu machen!
ecomoc4u (17.02.2008, 15:31 Uhr)
Pension des Postchefs
Sollte dieser Verbrecher (und seine Freunde) gar eine Pension bekommen die höher als Harz4 ist, dann Gute Nacht Deutschland. Die Kapitalfaschisten sollten ihre Staatsbürgerschaft abgeben müssen. Diesen Dreck brauchen wir hier nicht.
PeterMo (16.02.2008, 16:25 Uhr)
Noch was anderes ist bedenklich ...
Also, ich hab ja nicht so viel Geld, dass ich es nach Liechtenstein zum Steuern sparen transferieren müsste. Aber eines gibt mir doch zu denken: Ich meine, auch wenn Steuerhinterziehung bei uns in Deutschland verboten ist, Daten aus einer Bank in Liechtenstein zu stehlen und dafür auch noch vom deutschen Staat bezahlt zu werden (?). Wenn das mal keine Schule macht ... Bleibt weiter zu befürchten, dass sich ein grosser Teil der öffentlich "gebrandmarkten" Grossverdiener/Millionäre alsbald in grösserer Zahl ganz von Deutschland verabschieden. Lassen wir es auf uns zukommen. Der Skandal kommt aber irgendwie grade richtig: Während mehrere Landesbanken aufgrund eklatanter Versäumnisse und Schlamperei der Politik in Scharen am krepieren vorbeischrammen und nur mit Milliarden Steuergeldern über Wasser gehalten werden können (wie lange noch ?), tut ein wenig Abwechslung im Programm doch ganz gut. Vor allem, wenn sie so spektakulär - und medienwirksam ! - ist.
FredericF. (16.02.2008, 13:05 Uhr)
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
Zumwinkel sollte UNICEF-Vorsitzender werden!
Nein, es hat meist nicht mit Neid zu tun, wenn man erbost ist über die Selbstsegnungs-Mentalität (oder vielleicht doch besser Raff-Mentalität). Es ist doch klar, dass man damit jedes, wirklich jedes Gesellschaftssystem kaputt kriegt!
FerkelOhneM (15.02.2008, 20:30 Uhr)
Undankbarer Pöbel!
Sind die Fernsehbilder der Luxus-Spendengalas schon vergessen, bei denen in angenehmer Weise Millionen für die Armen gespendet wurden - in einem regelrechten Überbietungswettbewerb unter bundesweiter namentlicher Beweihräucherung der grossherzigen Spender. Und sollte sich herausstellen, das die Spenden nur einen kleinen Teil von hinterzogenen Steuern ausmachen, so muss das wohlmeinende Ansinnen der edlen Leistungsträger gewürdigt werden: Die wollten einfach nicht, dass ihre Steuern in Afghanistan verpulvert werden und dafür lieber einen Teilbetrag direkt den Bedürftigen zugute kommen lassen, also überwiegend den Funktionären der Wohltätigkeitsorganisationen. Das darf man nicht so eng sehen ...
heiner5362 (15.02.2008, 19:26 Uhr)
das ende vom lied
ein "victory-zeichen" 2 jahre auf bewährung und nippes an den staat.
es sind in meinem poltisch bewussten leben dermassen viele affären unter den teppich gekehrt worden, dass sich niemand mehr wundern muss.
mann was hab ich über den idioten und amateur barschel gelacht-diese pfeife.
u-boote für südafrika gabs trotzdem...
heutzutage san mer subtiler.
wasser predigen, den maroden zocker-banken mein sauer verdientes in den rachen schieben per fin-präs-dekret ???
ey mann, ich bin auch pleite und hab schulden.
wusste ja vorher nicht dass meine tochter studieren will !!!
soll ich diese jetzt als sub-prime bei der steuer anmelden ?
ich will auch entschädigt werden für mein ausuferndes finanzgebaren.
die gerichtsvollzieher geben sich die klinke bei mir !!!
dabei hab ich doch nur den konsum-zock gemacht !
naja verloren dabei, zugegeben, aber meister steinbrück hat ja schnelle millis parat !!!
her mit dem schotter ich hab dich nicht gewählt.
es ist abzusehen auf was die allgemeinheit demnächst verzichten muss aufgrund krimineller machenschaften der "ELITE DEUTSCHLANS".
ganzbaf (15.02.2008, 19:24 Uhr)
Das ist doch kein Neid...
höchstens ein bisschen berechtigter Hass... ;-P
Reality (15.02.2008, 19:07 Uhr)
Solange man "Jene" ins Steuerparadies Monaco...
Solange man "Jene" in´s Steuerparadies ziehen lässt und sie noch unseren Jugendlichen und Anderen als Vorbilder die besonders Erfolgreich sind präsentiert. Alle Ihnen huldigen und nacheifern wollen, braucht man sich nicht wundern, wenn Zustände in dieser Republik entstehen, die einer Bananenrepublik sehr ähnlich kommen.
Gele (15.02.2008, 19:06 Uhr)
Immer wieder Neid!
Wieder einmal werden in Deutschland die Wohlhabenden durch Neidkampagnen verfolgt! Wo wird das noch enden? Wann gibt es die ersten eingeschlagenen Scheiben und Brandbomben?
Wer unschuldig ist, werfe den ersten Stein! Wieviel Verschwendung gibt es in Berlin? Was ist mit der Moral von Sozialisten oder Sozialdemokraten wie Altbundeskanzler Schröder?
Wie weitsichtig ist doch NOKIA!
RosaRoth (15.02.2008, 17:19 Uhr)
Wenn Demokratie korrumpiert!
Unsere "Elite" kann das alles doch nur machen, weil die Macht des Geldes schon lange und mit sehr guten Beziehungen in den höchsten Regierungspositionen sitzt.
Das hat was mit der Ämtervererberei in unserem Parteiwesen zu tun. Jedes noch so demokratische System korrumpiert im Lauf der Zeit, weil sich die Führungsspitze dadurch schützt und bereichert, indem sie nur noch diejenigen hochkommen läßt, die bereit sind das falsche Spiel weiter zu spielen.
Also wählt doch einfach die, die noch nicht in diesem korrupten System angekommen sind.
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