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Kabinett will Großelternzeit etablieren

Familienministerin Kristina Schröder will Großeltern zur Betreuung ihrer Enkel eine Job-Auszeit verschaffen. Auch die Elternzeit soll flexibler werden. Die Opposition hat an Schröders Politik allerdings viel auszusetzen.

Die Bundesregierung will eine umfassende "Großelternzeit" für die Kinderbetreuung schaffen. Ältere Berufstätige sollen künftig besser ihre Arbeitszeit reduzieren können, um sich der Betreuung ihrer Enkel zu widmen, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung des 8. Familienberichts, den das Kabinett beschlossen hat. Auch die eigentliche Elternzeit soll flexibler werden.

Die Großelternzeit soll nach Schröders Worten ähnlich wie die dreijährige Elternzeit ausgestaltet werden. Die Großelternzeit gibt es bereits jetzt, allerdings ist sie auf bestimmte Härtefälle beschränkt, etwa wenn eine junge Mutter unter 21 Jahren sich noch in der Ausbildung befindet. Nach Darstellung der Ministerin helfen bereits jetzt in 51 Prozent der Familien die Großeltern bei der Kinderbetreuung. "Die Großeltern sind fest in das Betreuungsmanagement eingebunden", sagte Schröder. "Das ist schon jetzt Lebenswirklichkeit."

Darüber hinaus plant die Regierung eine Flexibilisierung bei der Elternzeit. Von der insgesamt dreijährigen Auszeit sollen künftig 24 Monate bis zur Vollendung des 14. Lebensjahrs des Kindes genommen werden können. Bislang konnten nur zwölf Monate bis zum vollendeten achten Lebensjahr genutzt werden. Zudem soll der Teilzeitanspruch während der Elternzeit besser geregelt werden. Insbesondere Familien mit kleineren und mittleren Einkommen sollen außerdem haushaltsnahe Dienstleitungen leichter in Anspruch nehmen können.

SPD und Grüne kritisieren Schröders Politik

Schröder kündigte zudem eine "Zeitpolitik" an, die den Familien mehr Freiräume bei der Ausgestaltung ihres Alltagslebens schaffen solle. Dazu gehört, die Öffnungszeiten von Schulen, Kitas und Behörden besser aufeinander abzustimmen. "Zeit für die Familie zu haben, gehört zu den zentralen Voraussetzungen, damit Familienleben gelingen kann", sagte Schröder. Bei den Eltern rangiere der Wunsch nach mehr Zeit noch vor dem Wunsch nach mehr Geld, sagte die Ministerin.

Die SPD stellte der Familienpolitik der Regierung hingegen ein schlechtes Zeugnis aus. Schröder stecke kein Geld in den Ausbau von Betreuungsangeboten, sondern wolle eher den Familien Geld geben, damit sie zu Hause bleiben und nicht arbeiten gehen können, sagte Parteivize Manuela Schwesig dem ARD-"Morgenmagazin". Nachdem Familien in den letzten Jahren immer "flexibler und arbeitsfreundlicher" geworden seien, müssten nun die Unternehmen familienfreundlicher werden. Benötigt werde ein Plan zur flächendeckenden Einführung von Ganztags-Kitas und Ganztagsschulen.

Die Grünen-Familienexpertin Katja Dörner warf der Regierung vor, in ihrer Stellungnahme zu dem im vergangenen Jahr von Experten vorgelegten Familienbericht keine Lösung für die Probleme der Familien vorzulegen. "Unternehmen werden nicht in die Pflicht genommen, Kosten dürfen keine verursacht werden." Dem Bericht fehle die systematische Gesamtkonzeption für eine Zeitpolitik, erklärte auch der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler. Die Antworten der Regierung seien hier nur "fragmentarisch".

mlr/AFP/Reuters/Reuters

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