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24. Juni 2008, 14:29 Uhr
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Türkei-Forscher bedauert Nazi-Vergleich

Starker Tobak aus dem Zentrum für Türkeistudien in Essen: Direktor Faruk Sen hat die derzeitige Lage der türkischstämmigen Bevölkerung in Europa mit der Verfolgung der Juden in der Nazi-Zeit verglichen. Sein Pech: Der Beitrag in einer türkischen Zeitung wurde auch in Deutschland gelesen.

Bedauert seinen Vergleich: Faruk Sen, Direktor des Zentrums für Türkeistudien in Essen© Sven Simon/Picture-Alliance

Der Direktor des Zentrums für Türkeistudien (ZfT) in Essen, Faruk Sen, hat Parallelen zwischen der Situation der türkischstämmigen Bevölkerung im heutigen Europa und der Judenverfolgung in der Nazizeit gezogen. Sen schrieb in einem kommentierenden Beitrag für die türkische Zeitung "Referans" über die Lage der Auslandstürken: "Sie wurden die neuen Juden Europas."

Obwohl sie seit 47 Jahren in Mittel- und Westeuropa beheimatet seien, würden sie "wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und unterschiedlichen Erscheinungsformen - wie die Juden diskriminiert und ausgeschlossen".

Faruk Sen bedauerte am Dienstag die Formulierung. Der Vergleich sei "in der Undifferenziertheit, wie er in meinem Artikel erscheint, unzulässig", schrieb er in einer in Essen veröffentlichten Erklärung. "Obwohl nach meiner Überzeugung Türkeistämmige in Europa von beträchtlicher gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind, verbietet sich der Vergleich mit der Verfolgung der Juden."

Sen betonte gleichzeitig, er habe den Holocaust nicht verharmlosen wollen und bedauere, wenn sein Artikel diesen Eindruck erweckt habe. "Absicht des von mir verfassten Artikels war, ein Zeichen gegen Antisemitismus in der Türkei zu setzen", schrieb er. Anlass für den Kommentar Sens waren antisemitische Vorkommnisse in der Türkei, die sich gegen den bekannten jüdischen Unternehmer Ishak Alaton gerichtet hatten. An ihn gewandt, schrieb Sen der "FAZ" zufolge in seinem Artikel: "Seien Sie nicht traurig wegen der antisemitischen Tendenzen einiger Gruppen in der Türkei. Als türkisches Volk und als neue Juden Europas unterstützen wir Sie".

"Waghalsige historische Vergleiche"

Der Vorsitzende des ZfT-Vorstands, Fritz Schaumann, will die Entschuldigung Sens indes nicht gelten lassen: "Der Leiter dieses Zentrums versteht seine Aufgabe grundlegend falsch, wenn er waghalsige historische Vergleiche bemüht", erklärte er.

Schaumann kündigte an, dass sich der Vorstand des Zentrums am Donnerstag zu einer Sondersitzung treffen werde, um mit Sen persönlich die Situation zu erörtern und über weitere Schritte zu beraten. Diese und ähnliche Äußerungen von Sen seien geeignet, den guten Ruf des Zentrums nachhaltig zu schädigen, rügte der ZfT-Vorstandsvorsitzende. So etwas könne man auch nicht durch eine nachgelieferte Entschuldigung mindern.

AP
KOMMENTARE (10 von 80)
 
damani-dancer (26.06.2008, 13:07 Uhr)
erstaunlicherweise..
war ich gestern unter 6000 Türken in Hannover Steintor, und muss sagen, es war gut ;) Auch wenn sie verloren haben sie haben trodzdem gefeiert (: Es gab natürlich ein paar Ausnahman, aber im Großen und ganzen sind sie gute verlierer =)
MamfredBuchholz (26.06.2008, 10:41 Uhr)
Um die sehr einseitig
geführte deutsch/türkische Gewaltdebatte mal von einer anderen Seite zu beleuchten: Während die Türken gestern auch in ihren Hochburgen gute Verlierer waren und friedlich mit den Deutschen gefeiert haben, wurden in Chemnitz und Dresden mehrere türkische Restaurants von deutschen Jugendlichen angegriffen und deren Besitzer verletzt.
MamfredBuchholz (26.06.2008, 10:36 Uhr)
@Wotan
...die Reinigungskräfte arbeiten nicht in den Hotels, sondern in der Gebäudereinigung. Und dass in Deutschen Hotels "Wucherpreise" verlangt werden, ist lachhaft. Die Branche lebt aufgrund von Überkapazitäten am Rande der Existenz. Bevor Sie so einen Schwachsinn erzählen, informieren Sie sich erst mal oder halten das Maul.
nese (25.06.2008, 17:43 Uhr)
@manesse
Wollen wir uns nun darueber streiten, wer die sauberste Weste hat? Und wer entstammt einem Taetervolk? Ich ganz sicher nicht. Herr Sen hat sich ungluecklich ausgedrueckt. Das hat er auch selber erkannt, deshalb bedauert er seine Aussage. Reicht das nicht aus? Was muss er noch sagen/machen, damit das auch bei euch ankommt?
nese (25.06.2008, 17:36 Uhr)
@damani-dancer
Schoen, dass du deine Herkunft offenlegst. Und ich bin halb georgisch, halb tatarisch. Bin in der Tuerkei geboren aber hier aufgewachsen. Aendert das was an meinen oder Deinen Aussagen???
Es geht hier nicht darum, wie gut oder schlecht ich mich hier integriert habe, sondern darum, dass hier offensichtlich soziale Probleme nationalisiert und ethnisiert werden, und das kotzt mich an. All die Probleme, die hier geschildert werden, liegen den Tuerken nicht in den Genen. In meinem letzten Kommentar habe ich versucht, einen moegliche Ursache dafuer zu schildern. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind jedoch wenig Hilfreich, den bereits vorhandenen Graben zwischen den hier lebenden Tuerken und Deutschen zu schliessen. Der Kommentar mit dem „Hallo, aufwachen Leute“ fuehrt nur dazu, dass dieser Graben sich noch mehr vertieft. So sehe ich das.
manesse (25.06.2008, 15:00 Uhr)
@nese
Es ist schon richtig, dass im Zusammenhang mit Herrn Sen auf die Probleme hingewiesen wurde, die die Türkei im Umgang mit den eignen ethnischen Minderheiten hat. Schließlich versuchte der Herr Sen, die Türken in Europa zu einer verfolgten Minderheit zu erklären, deren Schicksal dem der europäischen Juden vergleichbar sei. Da ist es dann schon angebracht, darüber nachzudenken, ob diejenigen, die hier zu Opfern stilisiert wurden, nicht selber einem Tätervolk entstammen.
damani-dancer (25.06.2008, 14:53 Uhr)
@ nese
silver-quattro3.0 hat vollkommen Recht, vielleicht bist du nicht so einer und hast dich auch schon gut Intigriert usw, aber du solltest der Wahrheit ins Auge blicken! mind 50% der hier lebenden Türken sind mit seine Aussagen betroffen! Das was er sagt ist nichts feindliches, sondern pure Wahreit, die du nicht wahr haben willst! Und das sag ich dir als Halbsüdafrikaner, hier in Deutschland lebend!
nese (25.06.2008, 13:40 Uhr)
Wotan,
Du moechtest also wissen, wieso Deine auslaendischen Freunde (der Italiener und Kanadier) uns Tuerken auch nicht moegen. Du gehst einfach davon aus, dass die anderen ‚Auslaender’ uns auch so hassen wie Du. Wieso kenne ich dann so viele Menschen aus anderen Nationen, die wunderbar mit mir und meinesgleichen auskommen? Wieso habe ich so viele auslaendische Freunde? Anscheinend verkehst du mit solchen Leuten, die aehnlichen Vorurteilen haben wie Du - gleich und gleich gesellt sich halt gerne. Drogenprobleme sind keine Probleme, die bestimmte Leute einer bestimmten Herkunft betreffen. Habe selber nie welche besessen oder konsumiert, kenne aber einige Deutsche, die mir so was andrehen wollten. Dass Deine Nachbarin Probeme mit ihrer Familie hat ist natuerlich schlimm. Solche Probleme entstehen deshalb, weil Tuerken –besonders seit dem 11.September- ausgegrenzt werden. Die Tuerken werden immer noch als ‚Gastarbeiter’ angesehen, obwohl sie jetzt schon seit 40-50 Jahren hier unter euch leben. Sie waren in dieser Gesellschaft nie akzeptiert. Daher ist es verwunderlich, dass ihr euch wundert, weshalb die ‚widerspenstigen’ Tuerken sich zurueckziehen, der alten Traditionen besinnen und ihre religioesen Werte ueberbewerten. Das ist der Grund, weshalb sie sich immer noch nicht integriert haben in diese ach so tolle Gessellschaft.
Was mich immer wieder aufregt ist die Tatsache, dass selbst bei so einem Artikel gleich Themen aufgegriffen werden, die mit dem Inhalt des Artikels nichts gemeinsam haben. Der Kommentar von ecomoc4u z.B. ist gleich doppelt daneben: was hat Saladin inhaltlich hier zu suchen und wieso verdanken wir unsere Geschichte diesem Saladin? Wir verdanken unsere Geschichte eher den Osmanen. Und was hat das Kurdenproblem oder der angebliche Voelkermord (wo sich nicht einmal die Historiker einig sind) mit diesem Artikel zu tun? Mir kommt es so vor, als ob einige von Euch jeden Anlass ausnutzen, um ueber die Tuerken zu hetzen. Geniert euch nicht, hetzt weiter! Nur, dann braucht ihr euch nicht zu wundern, weshalb ihr Probleme ‚NUR’ mit uns Tuerken habt.
manesse (25.06.2008, 13:39 Uhr)
@nese
Was ist denn gegen eine polarisierte Gesellschaft einzuwenden? Ich zumindest will keine einheitliche Gesellschaft. Faktum ist, dass in einer Gesellschaft verschiedenste Gruppen verschiedene Pole einnehmen. Zum pluralistischen Diskurs gehört deshalb auch die Polarisierung. Nur durchs streitige Argumentieren kommt die Gesellschaft insgesamt weiter. Solange sich die Leute noch einigermaßen an die Regeln der Höflichkeit halten und sich nicht wechselseitig anfallen oder an die Gurgel gehen, ist gegen Streit nichts einzuwenden.
nese (25.06.2008, 13:26 Uhr)
Aufwachen solltest du, alte Schlafmuetze
denn WIR sind bereits HELLWACH. Deine klischeehafte, feindliche Kommentare kannst du dir sonst wohin stecken. Solche Kommentare taugen nichts, ausser dass sie die Gesellschaft polarisieren. Ist das dein Ziel? Probleme mit solchen Deutschen wie dich habe nicht nur ich, sondern –wie man an den Leserkommentaren erkennen kann- auch sehr viele deutschstaemmige Russen.
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