Philipp Rösler, der liberale Heartbreaker

14. Mai 2011, 15:07 Uhr

Mit einer fulminanten Rede hat der neue Parteichef Philipp Rösler die darbenden Liberalen wieder aufgerichtet. Manch einer verdrückte gar eine Träne der Dankbarkeit. Von Hans Peter Schütz, Rostock

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Die FDP liegt Philipp Rösler zu Füßen. Küssen darf ihn nur seine Frau Wiebke©

Nach seiner Rede atmete Philipp Rösler tief durch, ganz tief. Als müsse er den Druck von der Seele pusten, der auf ihm gelastet hat bei diesem FDP-Parteitag. Eine Stunde hat der neue Parteichef geredet, ohne Manuskript. Neun Minuten standing ovations hat er bekommen. Addiert man den Beifall während seiner Rede hinzu, haben die Delegierten mindestens 30 Minuten applaudiert. Dank für die Rede. Nein: für die geglückte Wiederbelebung der FDP.

Die Delegierten dürften mit dem Gefühl von Rostock nachhause fahren: Wir haben wieder einen, der es kann, der ankommt. Für den wir uns nicht schämen müssen, wie für die vielen Figuren, die in den letzten Jahren für die FDP antraten. Jetzt geht es wieder los, wieder nach oben. Mit diesem Philipp Rösler.

"Den Tiger reiten, ohne sich fressen zu lassen"

Er selbst hatte vorher gesagt, wie er den Posten den neuen FDP-Chefs sieht: "Man muss den Tiger reiten, ohne sich von ihm fressen zu lassen." Das ist ihm gelungen in Rostock. Hat den aggressiven Tiger FDP geritten und auf seinem Rücken perfekte rhetorische Pirouetten hingelegt, wie sie der Partei weder von früheren Parteichefs und schon gar nicht von Guido Westerwelle jemals geboten worden sind. Vielleicht zuletzt von einem Karl-Hermann Flach bei der Verkündung der Freiburger Thesen, mit der die FDP auf neue programmatische Wege gebracht worden ist.

Der altliberale Burkhard Hirsch war glücklich: "Das war die Rede, die dem Parteitag bisher noch gefehlt hat. Dadurch ist er mehr zum Parteichef geworden als durch seine eigentliche Wahl."

Talent zur Selbstironie

Philipp Rösler, der Mann, der die abgestürzte liberale Partei retten soll, passt in kein gängiges Schema der amtierenden Parteichefs. Stellt sich vor einen Parteitag und sagt über sein Redetalent selbstkritisch: "Ich nuschle ein bisschen und verschlucke Endsilben." Ein Mann mit dem Talent zur Selbstironie, der nicht bei jedem Satz die politischen Ellbogen ausfährt, wie dies bei einem Guido Westerwelle am Vortag noch einmal exemplarisch zu besichtigen war. Richard Drautz, altgedienter Liberaler aus Baden-Württemberg wertete die Rede mit dem Satz: "Sie ging zu unseren Herzen, weil sie von Herzen kam." Politische Herzenswärme, das wird in der FDP seit 20 Jahren vermisst.

Rösler redete nicht über die Köpfe der Delegierten hinweg. Er betrieb Seelenpflege, indem er versuchte, die thematisch bis zur Erstickung verengte Partei wieder zu öffnen. An den Westerwelles und Niebels orientierte sich Rösler nicht: "Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch, dass man alte, bekannte Forderungen ständig wiederholt, sondern durch Verlässlichkeit, Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache."

Er lehnt die Reduzierung der FDP auf das Funktionsargument ab, wie dies 1994 einmal der Fall war. "Wer Kohl will, muss FDP wählen", predigte die Partei damals den Wählern. Röslers FDP will dagegen eine klare liberale Handschrift liefern. Die Gesichter strahlten, als er die politischen Leitplanken seines Parteivorsitzes zog. Etwa "Wir wollen niemals eine grüne Partei sein." Oder: "Wir sind keine Ein-Thema-Partei." Und auch: "Wir haben unsere Glaubwürdigkeit verloren, weil wir 2002 nicht erkannt haben, dass es keine Spielräume mehr für Steuersenkungen gegeben hat." Und als er das Bonmot formulierte: "Man darf alles sagen, was man denkt, wenn man denkt", riss es die Zuhörer fast aus den Sitzen. Sie waren begeistert.

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