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Wer um welchen Posten streitet

Am Wochenende dreht sich bei der FDP das Kandidaten-Karussell. Es wird ein heftiges Gerangel um die wenigen Plätze im Präsidium erwartet. Die wichtigsten Figuren dieser illustren Runde.

  Starke Reden sind am Wochenende ausdrücklich erwünscht: Unmittelbar vor Beginn ihres Parteitags verharrt die FDP weiter im Umfragetief von vier Prozent.

Starke Reden sind am Wochenende ausdrücklich erwünscht: Unmittelbar vor Beginn ihres Parteitags verharrt die FDP weiter im Umfragetief von vier Prozent.

Die FDP wählt auf ihrem Parteitag in Berlin ihre Führungsmannschaft. Für einzelne Alphatiere steht die politische Karriere auf dem Spiel - Kampfabstimmungen zeichnen sich ab. Wer nach der Bundestagswahl am 22. September etwas zu sagen haben will, sollte im für zwei Jahre gewählten Präsidium vertreten sein.

  Philipp Rösler

Philipp Rösler

Philipp Rösler, 40

Vor nicht einmal zwei Monaten sah es so aus, als ob der Wirtschaftsminister und Vizekanzler Geschichte ist. Es folgten ein Landtagswahlergebnnis von 9,9 Prozent für die FDP in seiner Heimat Niedersachsen und ein kluger Schachzug, um seinen ärgsten Rivalen Rainer Brüderle abzuschütteln: Rösler bot dem überrumpelten Fraktionschef den Vorsitz an. Brüderle traute sich nicht.

2011 bekam Rösler in Rostock bei seiner Premiere 95,1 Prozent. Am Samstag könnte es weniger sein. Einige halten ihn weiter für eine Fehlbesetzung. Sechs Monate vor der Wahl sollte aber auch die FDP begriffen haben, dass der eigene Chef ein starkes Votum braucht.

  Rainer Brüderle

Rainer Brüderle

Rainer Brüderle, 67

Der Fraktionschef hat harte Wochen hinter sich. Erst die Schlappe gegen Rösler, dann die Sexismus-Affäre. Der stern-stern-Text löste die nationale Aufschrei-Debatte auf Twitter aus. Brüderle traf der Vorwurf ins Mark, er schweigt bis heute dazu. Auf dem Parteitag will die Basis ihm neue Kraft geben. Per Abstimmung durch Zuruf soll Brüderle als Spitzenkandidat für den Wahlkampf gekürt werden. Im Präsidium sitzt er als Fraktionschef.

  Christian Lindner

Christian Lindner

Christian Lindner, 34

Lange ließ er Rösler zappeln. Jetzt wird der NRW-Landeschef erster Stellvertreter jenes Mannes, der ihn im Dezember 2011 zum Rücktritt als Generalsekretär bewegte. Lindner wäre bereit gewesen, mit Brüderle zu marschieren. Nun gilt das Verhältnis zu Rösler als stabil. Auf längere Sicht ist Lindner der nächste Parteichef. Spannende Frage am Wochenende: Wer holt das bessere Ergebnis - Rösler oder Lindner?

  Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, 61

Als Vorkämpferin für die Bürgerrechte genießt die Bundesjustizministerin großes Ansehen an der Basis. Rösler muss deshalb darüber hinwegsehen, dass die Bayern-Chefin nach der Niedersachsen-Wahl Brüderle unterstützt hätte. Leutheusser-Schnarrenberger wird stellvertretende Vorsitzende bleiben.

  Guido Westerwelle

Guido Westerwelle

Guido Westerwelle, 51

Der Ex-Parteichef macht bei den Präsidiumswahlen nicht mit. Er wird wieder geschätzt und im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen. Schafft es Schwarz-Gelb, will er Außenminister bleiben.

  Dirk Niebel

Dirk Niebel

Dirk Niebel, 49

Er hat gezockt und droht seinen Platz als Beisitzer im Präsidium zu verlieren. An Dreikönig blies er, kurz vor der Niedersachsen-Wahl, offen zum Putsch. Das kann Rösler dem Entwicklungsminister nicht verzeihen. Niebels Abstrafung wäre nicht ohne - schließlich ist er Spitzenkandidat in Baden-Württemberg und soll im FDP-Stammland viele Stimmen bei der Bundestagswahl holen.

  Birgit Homburger

Birgit Homburger

Birgit Homburger, 47

Sie ist erste Stellvertreterin von Rösler. Ihr droht eine Kampfabstimmung gegen den Sachsen Holger Zastrow. Homburger werden die besseren Chancen eingeräumt, weil sie mit Nordrhein-Westfalen, Bayern und ihrem eigenen Verband Baden-Württemberg die Schwergewichte hinter sich hat.

  Holger Zastrow

Holger Zastrow

Holger Zastrow, 44

Der Werbe-Profi aus Dresden wurde von Rösler 2011 als Gesicht des Ostens ins Präsidium geholt. Der Parteivize stützte Rösler auch in schwierigen Zeiten. Er will aber oft mit dem Kopf durch die Wand, etwa in der Energie- oder Steuerpolitik. Die ostdeutschen Landesverbände stehen hinter dem Sachsen.

  Daniel Bahr

Daniel Bahr

Daniel Bahr, 36

Der Bundesgesundheitsminister hielt sich in der Führungskrise im Hintergrund. Er will jetzt ins Präsidium, um nach dem Verlust des NRW-Landesvorsitzes an Lindner wieder mehr Gewicht in der Partei zu bekommen. Möglicherweise tritt er gegen Niebel an.

  Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki, 61

Der Kieler Fraktionschef war stets einer der schärfsten Kritiker Röslers, den er für zu weich hält. Er fühlt sich an der Förde unterfordert und kandidiert für den Bundestag. Kubicki will ins Präsidium, beruft sich auf seinen Landtagswahlsieg. Die Parteispitze aber sähe es nicht ungern, wenn der Querulant draußenbleibt.

  Patrick Döring

Patrick Döring

Patrick Döring, 39

Seinen Freund machte Rösler nach Lindners Abgang zum Generalsekretär. Der Sieg in Niedersachsen war auch sein Verdienst. Er könnte bei der Wiederwahl aber Schrammen bekommen, wenn ihn Rösler-Gegner stellvertretend für den Chef abstrafen.

  Otto Fricke

Otto Fricke

Otto Fricke, 47

Der Haushaltsexperte und Holland-Fan soll und wird Schatzmeister bleiben. Die Zahlen stimmen, 2012 machte die Bundespartei einen Rekordüberschuss von mehr als 3,5 Millionen Euro.

  Jörg-Uwe Hahn

Jörg-Uwe Hahn

Jörg-Uwe Hahn, 56

Der Hesse dürfte seinen Präsidiumsplatz behaupten. Er sorgte bundesweit mit einem #link;hthttp://www.stern.de/politik/deutschland/rassismus-debatte-um-philipp-roesler-hahn-kampf-in-der-fdp-1968415.html;schrägen Satz# über Röslers vietnamesische Herkunft für Befremden. Rösler steht zu ihm.

anb/DPA/DPA

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