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23. Januar 2009, 07:23 Uhr

Solms will Banken teilverstaatlichen

Die FDP kann kaum laufen vor Kraft: Nach dem Triumph in Hessen wächst auch ihr bundespolitischer Einfluss. FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms sagt im Interview mit stern.de, wann seine Partei eine Koalitionsaussage treffen wird - und was er mit den Banken vor hat.

FDP, Krise, Bundestagswahl, CDU, Koalition

Hermann Otto Solms will am aktuellen Konjunkturpaket nicht mitverantwortlich sein© Joerg Koch/ddp

Herr Solms, Guido Westerwelle und Angela Merkel haben sich nun zu Beratungen getroffen. Haben wir das erste Spitzentreffen einer möglichen schwarz-gelben Koalition auf Bundesebene erlebt?

Soweit ich informiert bin, wurde nur über grundsätzliche Perspektiven gesprochen, so wie die Bundeskanzlerin Gespräche mit allen Parteivorsitzenden in unregelmäßigen Abständen führt. Koalitionsaussagen stehen momentan nicht zur Debatte.

Nach der Hessenwahl hatte die FDP angekündigt, das Konjunkturpaket im Bundesrat stoppen und noch einmal neu aufschnüren zu wollen. Daraus wird jetzt nichts. Haben die Grünen sie vorgeführt?

Ich glaube, Frau Künast wollte Herrn Westerwelle vorführen. Es ist dabei leider nur ein Rohrkrepierer daraus geworden, denn es ist überhaupt nicht überzeugend, wenn die Grünen in Berlin strikt gegen dieses Konjunkturprogramm arbeiten, aber in Hamburg und Bremen helfen, das Paket durch den Bundesrat zu bringen. Das mindert natürlich die Verhandlungsbereitschaft der Großen Koalition. Für die Bürger ist das sehr schade - denn vielleicht wären ja doch noch Verbesserungen für die Bürger möglich gewesen. Wenigstens haftet die FDP für diesen Murks jetzt nicht mit. Wir werden unseren Kurs unverändert fortsetzen, indem wir sagen, was wir für richtig und für falsch halten.

Sie halten es für erfreulich, wenn Sie aus der Mitwirkung entlassen werden?

Das ganze Paket ist so nicht unterstützenswert. Es gibt vielen wenig, aber niemandem so viel, dass er deshalb sein Konsum- oder Investitionsverhalten verändert. Dafür wollen wir nicht mitverantwortlich gemacht werden.

Aber sie hatten doch die Chance, ihre kleine gelben Tupfer in das schwarz-rote Paket zu setzen - sogar noch vor der Bundestagswahl.

Wir versuchen das weiterhin, aber nach der Zustimmung der Grünen wohl ohne Erfolgschancen. Dann können wir unsere Alternative einer konsequenten Entlastungspolitik den Bürgern präsentieren.

Die FDP ist stark wie schon lange nicht mehr. Das dürfte vor allem die Union beunruhigen. Fürchten Sie nicht, dass die CDU im Wahlkampf alles daran setzen wird, ihre davon gelaufenen Wähler zurückzugewinnen?

Wenn die CDU sich wieder stärker profiliert, dann ist das ein Vorteil für alle. Eine Koalitionsmehrheit kann ja nur errungen werden, wenn beide Parteien zusätzliche Wähler gewinnen können. In Hessen haben wir viele Stimmen von der SPD und bisherigen Nichtwählern gewonnen. Auch deshalb, weil die FDP in den letzten Jahren verlässlich und vertrauensvoll aufgetreten ist, und sich daran gehalten hat, nach der Wahl nur das zu tun, was sie vor der Wahl versprochen hat.

Stichwort Verlässlichkeit: Der hessische Spitzenkandidat Jörg-Uwe Hahn hatte wohl auch deswegen einen so großen Wahlerfolg gehabt, weil er von Anfang an eine klare Koalitionsaussage zugunsten der CDU gemacht hat. Dürfen wir eine Neuauflage dieser Strategie auf Bundesebene erwarten?

Die Bürger wissen, dass wir eine bürgerliche Mehrheit anstreben. Wie dann die Koalitionsaussage aussehen wird, das wird auf einen Parteitag kurz vor der Wahl entschieden. Wünschenswert wäre eine Koalitionsaussage auf Gegenseitigkeit, also eine inhaltlich identische Koalitionsaussage der zukünftigen Koalitionspartner.

War Hessen eine Hessen-Wahl oder ein Modell, wie es zukünftig öfter klappen könnte?

Das gute FDP-Ergebnis fußt auf zwei Ursachen: Der Wortbruch von Ypsilanti und die Bereitschaft der SPD, mit den Linken zusammenzuarbeiten. Dafür ist die SPD jetzt abgestraft worden. Zum anderen die klare Profilierung der FDP als Partei der sozialen Marktwirtschaft und Bürgerrechtspartei. Das ist unabhängig von Hessen und hat den Wählern Orientierung gegeben.

Deutschland steht vor einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen der vergangenen 80 Jahre. Viele wünschen sich da Beständigkeit. Warum brauchen wir eigentlich einen Regierungswechsel?

Weil die jetzige Regierung ihre Arbeit nicht gut macht. Das hat damit begonnen, dass sie die Bürger mit der größten Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik belastet hat. Ergebnis war, dass der durchschnittliche Haushalt im Jahr 2008 etwa 1400 bis 1600 Euro weniger zur Verfügung hatte als im Jahr 2005. Und jetzt betreibt sie eine Wirtschaftspolitik, bei der man die grundsätzliche Linie nicht erkennen kann. Da werden Konjunkturpakete geschnürt, die vielen ein bisschen geben - aber niemanden etwas richtig. Die Bürger können nicht sehen, dass diese Koalition - die ja eigentlich aus zwei gegensätzlichen Parteien besteht - in der Krise erfolgreich arbeiten kann.

SPD, Grüne und Linke werfen Ihnen vor, in Sachen Wirtschaftspolitik versagt zu haben. Die FDP sei immer für Deregulierung gewesen, doch gerade der Wegfall von Regeln habe zur Wirtschaftskrise geführt. Hat die FDP jetzt nicht ein Glaubwürdigkeitsproblem?

Nein, das stimmt überhaupt nicht. Die Analyse ist auch völlig unzutreffend. Die FDP als Partei des Ordoliberalismus ist ja für eine starke Rolle des Staates in der Wirtschaft. Für einen Staat, der Regeln setzt und die Einhaltung dieser Regeln strikt überwacht. Und genau da hat der Staat versagt. Gerade in der Finanzkrise hat sich erwiesen, dass die Regeln nicht ausreichend waren und dass die staatliche Überwachung nicht funktioniert hat. Jetzt haben wir den Scherbenhaufen, und er ist überwiegend auf Staatsversagen zurückzuführen. Aber auch in der Bankenwelt haben viele Manager versagt.

Sie haben doch jahrelang das Motto "Hände weg vom Markt" gepredigt.

Das Motto kenne ich gar nicht. Aber man muss verstehen, was die Aufgabe des Marktes sind: Auf dem Markt hat ein jeder Bürger ein Mitbestimmungsrecht. Jeder kann durch sein Kaufverhalten bestimmen, was angeboten wird. Es gibt kein anderes System, in dem der Bürgerwille auch nur annährend demokratisch zur Wirkung kommt. Aber gleichzeitig kann der Markt nur funktionieren, wenn die Regeln stimmen und eingehalten werden.

In Zeiten, da selbst gestandene Großbanken nach dem Staat rufen: Was heißt es da noch, liberal zu sein?

Man darf die Marktmechanismen nicht außer Kraft setzen, muss aber trotzdem versuchen, eine systemische Krise zu beherrschen. Das ist die Aufgabe momentan. Aber die Verantwortung muss immer da sein, wo sie hin gehört. Dort, wo die Eigentümer einer Bank und das von ihnen eingesetzte Management versagt haben, müssen sie die finanziellen Folgen tragen - und nicht der Steuerzahler. Wenn aber das Bankensystem zusammenzubrechen droht, muss der Staat zur Hilfe kommen. Aber immer so, dass alle Banken gleich behandelt werden. Was die Bundesregierung gemacht hat, war falsch. Man darf nicht der Commerzbank großzügige Hilfen geben, und die anderen Banken außen vor lassen. Die Briten haben das anders gemacht: Sie haben allen betroffenen Banken eine Beteiligung aufgenötigt. Alle werden gleich behandelt. Der Staat kann auf die grundsätzliche Geschäftspolitik Einfluss nehmen, und die Aktionäre werden nicht aus der Verantwortung entlassen. Das ist akzeptabel, wenn es befristet geschieht.

Ihren wäre es lieber, wenn der Staat nicht nur eine, sondern alle Banken teilverstaatlicht?

Ja, wenn er Steuermittel einsetzen würde, um sich an den Banken zu beteiligen, aber von Anfang an eine klare Frist setzt, dann kann er auch Einfluss auf die grundsätzliche Geschäftspolitik nehmen und das Eingehen unverantwortlicher Risiken abwehren, was er in Deutschland bei den Landesbanken nicht gemacht hat. Er kann beispielsweise ausufernde Boni-Zahlungen an gescheiterte Manager stoppen.

Haben Sie eigentlich keine Angst, dass die FDP schon am Sonntagabend den schönsten Tag in diesem Wahljahr erlebt hat?

Wir wissen ganz genau, dass das Wahlergebnis in Hessen zu einem guten Teil zurückzuführen ist auf die hessischen Verhältnisse. Aber man muss auch sehen, dass dahinter eine bundesweite Tendenz steht, sonst hätten wir ja nicht das sehr gute Ergebnis in Bayern erzielt. Wir heben nicht ab, und versuchen unsere Arbeit bis zur Bundestagswahl verantwortungsvoll fortzusetzen, um dann einen Politikwechsel einzuleiten.

Zur Person Hermann Otto Solms, geboren 1940, war von 1991 bis 1998 FDP-Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Seitdem amtiert er als Vizepräsident des Bundestages. Er ist finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Stichwort: Ordoliberalismus Der Ordoliberalismus geht davon aus, dass der Staat für Regeln sorgen muss, damit der Markt funktioniert. Dabei will der Ordoliberale aber nicht die Wirtschaft an sich lenken, im Gegenteil, der Staat sollte sich so weit wie möglich aus den ökonomischen Prozessen heraushalten. Bildlich gesprochen: Das Spielfeld gehört der Wirtschaft, der Staat steckt die Eckfahnen ab und zieht die Linien.

Interview: Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
ganzbaf (24.01.2009, 10:23 Uhr)
Wir brauchen nur einen Bruchteil der Banken

..und den sollte/muß man jetzt zu 100% verstaatlichen und streng kontrollieren.
Der Rest soll pleite gehen, wie es sich in der "freien Wirtschft" gehört... ;-P
sedanon (23.01.2009, 20:19 Uhr)
@knilch_59
Man lernt nie aus !
Gestern habe ich einen schönen Spruch auf Phoenix vo dem Schriftsteller Lobo gehört (sinngemäß) : "Die Politik hat alles gegen die Wand fahren lassen und versucht nun, ob man nicht noch einmal alles gegen die Wand fahren kann."
Bleibt nur zu sagen : Egal wie man es dreht oder wendet, der Bürger wurde von der Wirtschaft und der Politik massivst betrogen und belogen.
Hier sind ganz eindeutig mafiöse Machenschaften zwischen Politik und Wirtschaft am Werk.
knilch_59 (23.01.2009, 17:15 Uhr)
@sedanon – stimmt nicht!
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Die Sparkassen und die Landesbanken haben eine Aufgabenteilung. Bestimmte Geschäfte machen sie einfach nicht, sondern wickeln sie über die LBen ab. Nur deshalb stehen sie jetzt im Licht der Öffentlichkeit besser da, auf keinen Fall wegen ihrer klugen Leitung!
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In den Aufsichtgremien der LBen sitzen eben auch die Sparkassenpräsidenten.
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LANDESBANKEN ABSCHAFFEN, Sparkassen privatisieren: vorzugsweise in Genossenschaften umwandeln.
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@nightmare_online:
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Hat zwar wirklich nichts mit dem Thema zu tun, aber ohne die Zustimmung des Bundesrates wäre das nicht gegangen. Fazit: Die Länder wollten diese Verantwortung gar nicht (und von wem die Gesetzesinitiative ausging, möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht wissen)
knilch_59 (23.01.2009, 17:04 Uhr)
@Schrdro – im Gegenteil!
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Den Hauptteil der Verluste haben ausgerechnet die Politbanken der öffentlichen Hand gebaut. Gegen das, was bei IKB und den Landesbanken aufgelaufen ist, sind die Privatbanken das kleinere Übel. Politiker und Staat eignen sich also allenfalls zur Kontrolle, keinesfalls aber zur Durchführung des Bankwesens!
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Wir brauchen das genaue Gegenteil – die wirkliche Privatisierung des Finanzwesens. Dem entgegen steht ein Mentalitätsproblem: wir hätten gerne garantierte Zinsen auf unser Erspartes und geben deshalb den Banken das Geld und überlassen denen, was sie damit machen. Besser wäre es den anderen Weg zu gehen: Die Menschen zwingen (!) sich zu entscheiden. Mündige Bürger – das sind solche Spezies, die den Unterschied zwischen Full-HD und HRready bei Flat-TV-s auswendig beherrscht und die Tarifunterschiede zwischen Base und Symio auswendig kann, aber gleichzeitig keine Ahnung vom Unterschied zwischen Zertifikaten, Festgeld und Staatsanleihen hat, obwohl sie davon Güter im Gegenwert von mehreren Tausend Euro besitzen. Und dann nach dem Staat rufen, sollte man sich einfach nicht bieten lassen! Beratungs- und Protokollpflicht für Anlageempfehlungen, Kundenunterschrift, Umkehrung der Beweislast – fertig! Falschberatung kostet Schadenersatz + Bußgeld, sowohl für die Bank, als auch für den Berater.
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Und abgestützt wird das durch die Halbierung des Sparerfreibetrages bei gleichzeitiger Einführung eines weiteren, neuen Freibetrags für Investivkapital – Kapitalerträge aus Aktien, Unternehmensanleihen usw. bleiben bis 2.000 € / Person steuerfrei. Damit kann der Normalbürger ca. 10.000 € steuerfrei sparen und weitere ca. 50.000 € steuerfrei in die Wirtschaft investieren – aber direkt, im vollen Bewusstsein des Risikos. Das entzieht den Banken einen Großteil der Macht, die wir Bürger ihnen geschenkt haben!
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Ist klar, dass das die FDP nicht will! Wo kämen wir denn hin, wenn sich die Wirtschaft aus ihren elitären Zirkeln hin zum Volk bewegen müsste!
sedanon (23.01.2009, 16:53 Uhr)
Verstaatlichung ist kein Problem, im Gegenteil.
Dass Banken, die sich nicht in privatwirtschaftlicher Hand befinden, effektiv arbeiten können, zeigen die Sparkassen. Dass sich Landesbanken verzockt haben liegt nicht daran, dass hier Land und Bund Einfluß haben, sondern dass eben die Landesbankchefs unkontrolliert (!!) mit den Großen mitspielen wollten. Egal, ob die Banken verstaatlicht werden oder nicht - wenn der Staat sich nicht um die Einhaltung der Spielregeln kümmert (also auch die Aufsichtsratposten ausfüllt), ist jede Option gleich mies.
Und wie sich jetzt herauskristallisiert, sagt der Staat durch seine Konjunkturpakete recht deutlich "Jungs, wurschtelt weiter wie bisher"
nightmare_online (23.01.2009, 16:46 Uhr)
@knilch_59
Na, Rot/Grün hat da durchaus einiges an "Eigeninitiative" entwickelt. So haben Gas-Gerd und unser aller Joschka kurz vor Ende der letzten Legislatuperiode die Eingriffsmöglichkeiten des Staates in die Preisgestaltung der Energieversorger (da gabs ja bekanntlich eine Einspruchsmöglichkeit der Landesregierungen) gekippt. Weshalb nach dem 1.7.2006 bekanntlich die Energieversorger sehr "Frei" (im sinne von liberal :-)) in ihrer Preisgestaltung waren
Schrdro (23.01.2009, 15:13 Uhr)
Bankenwesen verstaatlichen
Ich denke inzwischen, man sollte das Bankenwesen (konkret: die Intermediärfunktion zwischen Anlegern und Kreditnehmern) komplett verstaatlichen. Erstens haben die Privaten eindrucksvoll gezeigt und zeigen fortgesetzt, dass sie es nicht können. Zweitens: Die Hoffnung, mit zukünftigen Gewinnen die Sünden der Vergangenheit tilgen zu wollen, wird sich kaum erfüllen. Denn es besteht ja dann kein Anreiz mehr, überhaupt Gewinne zu machen.
knilch_59 (23.01.2009, 14:05 Uhr)
@Kaisergarten
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Der Legende, dass Rot/Grün die Privatisierungen gemacht hat, muss widersprochen werden. Die haben die Privatisierungsversprechen im Kohl`schen Erbe vorgefunden und mussten das abarbeiten: Die umfassenden Privatisierungen öffentlicher Unternehmen ist eine Säule des EU-Rechts, um nationalem Protektionismus vorzubauen. (Das ist wie beim Dosenpfand: Da musste Trittin auch den Sch… abarbeiten, den ihm Töpfer hinterlassen hatte)
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Die Finanzkrise ist keine Finanzkrise, sondern eine seit 2002 Jahren von den USA verdeckte Wirtschaftskrise: Um die Kriegskosten nicht offen der Bevölkerung aufzulasten, hat das Regime von G.W. Bush nicht nur diese Kosten schuldenfinanziert, sondern ganz gezielt die Bevölkerung auch individuell in die Schuldenfalle laufen lassen. Ohne diesen gigantischen Betrug hätten wir den weltweiten Aufschwung nach 9-11 und dem Kurzcrash Anfang 2002 nicht erlebt. In der restlichen Bewertung haben Sie wieder recht. Andererseits: Wenn wir nicht – mehr oder weniger sehenden Auges – mitgespielt hätten, wären wir politisch und wirtschaftlich in die Isolation geraten. So haben wir wenigstens zwischendurch gut gelebt – genauso wie die anderen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, konnte es keine effizientere Aufsicht geben!
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Es ist bitter, aber egal wie man es dreht und wendet: am Ende werden die Verluste genauso auf die Bevölkerung verteilt werden, wie die zwischenzeitlichen Gewinne – einfach, weil es die nie wirklich gab. Natürlich lässt sich die Kette nicht wirklich 1:1 zurückdröseln, so dass es auch dabei Gewinner und Verlierer geben wird. Wer will heute noch wissen, wie viele Stellen die Banken denn anders schon 2002-2008 abgebaut hätten. Da wurden Löhne, Sozialversicherungsbeiträge, Mieten usw. von bezahlt, und so wurden aus Scheingeschäften in USA allmählich ganz reale Werte, überall auf der Welt.
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Allerdings ist es so, dass allzu hektische Schwankungen der Märkte tendenziell diejenigen treffen, die am Wenigsten flexibel sind – also die kleinen Leute. Von daher nützen – auf lange Sicht – staatliche Maßnahmen, die die Konjunkturwogen etwas glätten, auch denen mehr als den Spekulanten. Von daher ist die „Teilverstaatlichung“ der Banken sicherlich erwägenswert. Ich wehre mich noch gegen diese Bezeichnung, es ist ein reines Finanzinvestment, über das jetzt nachgedacht wird. Es geht nicht um eine staatliche Lenkung des Bankensektors. Dieses Finanzinvestment stellt sich gegen die Spekulation für die Eine oder gegen die andere Bank. Es gibt durchaus eine reale Chance, dass sich das – auch für den Staat – in ein paar Jahren in realer Münze auszahlt. Den Banken wird ja nichts geschenkt, und wenn die Kurse wieder steigen, aus den Abschreibungen vielleicht doch wieder außerordentliche Erträge werden, Dividenden gezahlt werden, … Dann stellen wir möglicherweise in 10 Jahren fest, dass aus den 100 eingesetzten Mias doch wieder 200 zurückgekommen sind. Fest steht, dass den größten Schaden die Landesbanken verursacht haben, den bezahlen wir sowieso. Damit stellt sich wieder mal und verstärkt die Frage nach einer großen Verfassungsreform, die diese Sch… Bundesländer abschafft, deren eitle Fatzkes von Provinzfürsten es zugelassen haben, dass sich Institute, die der regionalen Wirtschaftsförderung verschrieben sind, mit Multi-Mia-Beträgen in USA engagiert haben.
nightmare_online (23.01.2009, 13:06 Uhr)
@kaisergarten
Ehm ... das die sogenannten Reformen (die, wie uns die OECD bescheinigt hat, uns in diesem Jahrtausend zum Weltmeister im Schleifen des Sozialstaates gemacht haben) der letzten Jahre den Inhalten des Lambsdorff-Papier entsprechen, also quasi FDP-Identität sind, ist Ihnen noch nicht aufgefallen?
keinheiliger (23.01.2009, 12:55 Uhr)
Ich verstehe,
das in diesem globalen Chaos eigentlich niemand das Loesungsrezept in der Tasche haben wird und ich vermute daher, auch nicht die FDP.
Das dennoch ein Wirtschaftsfachmann dieser Partei ausgerechnet Banken teilverstaatlichen moechte, finde ich bemerkenswert, dann darf man mit Bestimmtheit annehmen, das die Scheisse, die die Banker angerichtet haben noch ziemlich lange stinken wird. Ich vermute mal Insiderwissen koennte ihn zu diesem Ausspruch verleitet haben.
Gleichzeitig kritisiert er K-Pakete mit der Begruendung , es wuerden viele nur ein wenig bekommen und niemand etwas richtig. Hmm. Wie ist das gemeint?
Auf der anderen Seite bemaengelt er die vereinzelte Stuetzung deutscher Banken und hebt das britische Modell als vorbildhaft hervor, da es alle Banken gleich behandelt hat. Bis jetzt uebrigens nicht sehr erfolgreich in der Wirkung, soweit ich das mitbekommen habe.
Aber da die Aeppelwoigeniesser diesen Verein nun hochgepuscht haben, muss man ihnen ungluecklicherweise wieder oefter zuhoeren, aber man kann’s ja auch lassen.
MfG
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