. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. Oktober 2009, 10:27 Uhr

"Auf nach Jamaika!"

"Jamaika ist die Zukunft", das "gelb-grüne Lebensgefühl" der Zeitgeist. Das meint zumindest FDP-Vorstand Jorgo Chatzimarkakis. In einem Positionspapier mit dem Titel "Auf nach Jamaika!" beschwört der saarländische FDP-Generalsekretär den Reformmotor "Grün-Gelb". Von Lutz Kinkel

Jorgo, Chatzimarkakis, FDP, Grüne, Saarland, Positionspapier, Vorstand, Jamaika, Jürgen, Trittin

"Sozialer geht's nicht!": FDP-Vorstand Jorgo Chatzimarkakis© Becker und Bredel/DPA

Nach den sehr zurückhaltenden und zum Teil kritischen Reaktionen der Grünen-Spitze auf die geplante Jamaika-Koalition im Saarland beschwört der dortige FDP-Generalsekretär Jorgo Chatzimarkakis die künftige Zusammenarbeit. In einem Positionspapier mit dem Titel "Auf nach Jamaika", das stern.de exklusiv vorliegt, schreibt er über die "Vision des Projekts": "Während die Christdemokraten als 'alte' Volkspartei eher daran interessiert sind, möglichst den Status Quo in Deutschland zu erhalten, ist es gerade die Aufgabe des 'gelb-grünen'-Kernes, die wesentlichen Impulse für wirkliche Reformen und die Sicherung unserer Zukunft zu geben." Es gäbe längst ein "gelb-grünes Lebensgefühl", das sich auf dem Interesse an modernem Liberalismus und nachhaltigem Wirtschaften gründe.

In der "Jamaika-Gesellschaft", die Chatzimarkakis beschwört, gäbe es eine ganze Reihe von Themen, mit denen sich die Koalitionspartner profilieren könnten: Bildung, Gesundheit, Umweltökonomie und Datenschutz. Vor allem in der Gesundheitspolitik sieht Chatzimarkakis eine Perspektive: "Wir könnten die sozialste aller Fragen nachhaltig und liberal gleichzeitig lösen: Gesundheit, sowohl körperliche als auch geistige in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu stellen und so nicht nur Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch die Menschen durch gesteigertes Wohlbefinden zufriedener zu machen. Sozialer geht's nicht!"

"Untergang" im knallroten Einerlei

Zu den bisherigen Animositäten zwischen Grünen und FDP schreibt Chatzimarkakis, dass die "politischen Grabenkämpfe von gestern" überwunden werden müssten, um das "alte und neue Bürgertum wieder zu vereinen". Deswegen sei die Koalitionsentscheidung im Saarland richtungsweisend. "Es mag sein, dass die Bundes-Grünen mit Jamaika hadern. Den Saar-Grünen kann man für ihren Mut nur gratulieren! Für sie ging es um die Frage, ob sie als grüner, farbenfroher Klecks in einem rot-knallrotem Einerlei untergehen wollen oder als aktiver Partner die visionäre Zukunftswerkstatt 'Jamaika' gestalten wollen." Hätten sich die Grünen anders, also für rot-rot-grün, entschieden, hätte dies zu einer "Verunsicherung des grünen Bürgertums und damit zum Ende des Grünen Projekts überhaupt" geführt.

Jorgo Chatzimarkakis, 43, sitzt für die FDP im Brüsseler Europaparlament. Er ist zugleich Generalsekretär der saarländischen Liberalen und Mitglied im Vorstand der Bundes-FDP. Bereits im September 2007 plädierte Chatzimarkakis im stern für eine Fusion von FDP und Grünen, die damals empört von beiden Parteien zurückgewiesen wurde. Chatzimarkakis lebte zeitweise, als der aktuelle Grünen-Chef Cem Özdemir noch Europaabgeordneter war, mit diesem in einer Wohngemeinschaft. Die Entscheidung der saarländischen Grünen für Jamaika ist in der Bundesspitze der Partei auf ein geteiltes Echo gestoßen. Zuletzt hatte sich Fraktionschef Jürgen Trittin im stern kritisch geäußert.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
ganzbaf (16.10.2009, 00:20 Uhr)
Das "alte und neue Bürgertum"... Ha ha (-;

Es gibt ein reaktionär-großbürgerliches Lager (CDU/CSU/FDP) und ein progressiv-staatsbürgerliches Lager. (Linkspartei/SPD/Grüne.)

Grob besehen... ;-Y
Nursery (15.10.2009, 18:02 Uhr)
Grüne Grundüberzeugung verraten
Für mich haben die Grünen im Saarland leichtfertig Grüne Wähler getäuscht. Dazu ihre Grundüberzeugung den Konservativen aufs Silbertablett geliefert. Es wird sich zeigen ob die Grünen alleine durch Reallos 15% erreichen können.Ich glaube es nicht und werde sie auch nicht mehr wählen.
nightmare_online (15.10.2009, 16:04 Uhr)
@luke888
Optimismus / Pessimismus basiert auf Erfahrungen.
Wenn ich mir Hamburg ansehe, haben die Grünen - abgesehen vom Bildungrreförmchen - schlicht nichts bekommen. Da kann man das Programm der Grünen vor der Wahl in HH durchgehen, es ist fast nichts zu finden, was programmatisch durchgesetzt wurde.

Es ist IMHO - gelinde gesagt - naiv, anzunehmen, man könne die Politik der nächsten 4 Jahre in einem Koalitonsvertrag festlegen. So funktioniert Politik schlicht nicht. Die grundsätzliche Ausrichtung einer Politik ergibt sich - selbstredend - aus dem Weltbild der an der Regierung beteiligten Parteien. Und wenn das bei den Grünen dem von CDU und FDP inzwischen ähnelt, gut, ich nehme das zur Kenntnis.
Nur solten die Grünen das dann auch VOR der Wahl sagen, und nicht wie - sowohl in HH als auch an der Saar - darüber schwurbeln, die entsprechenden CDU-MP's abzuwählen, und sie anschliessend an der Macht halten.
luke888 (15.10.2009, 15:49 Uhr)
----
@nightmare_online: Sie haben Recht, die Grünen werden sicherlich Wähler am linken Rand verlieren, aber es werden mittig vielleicht auch neue hinzukommen. Ich stimme Ihnen auch zu, dass letztendlich das zählt, was an Politik hinten rauskommt. Da sind Sie pessimistischer, ich zuversichtlicher. Schaun wir mal.

@Johann58: Ja, Atomenergie. Betrachten wirs pragmatisch. Da im Saarland kein Atomkraftwerk steht, spielt allein das Abstimmungsverhalten des Saarlandes im Bundesrat beim Thema Ausstieg aus dem Austieg eine Rolle. Und hier, ich kann ja auch nix dafür, haben Peter Müller und die FDP den Grünen ein Festhalten am Ausstieg schriftlich zugesichert. Das ist Fakt. Demnach wird es aus dem Saarland künftig keine Stimme mehr für die Atomenergie geben.

Viel wichtiger im Saarland, wenn nicht das entscheidende Thema: die Kohle!
Und hier sitzen die Urväter der Kohlesubventionen bei SPD und den Linken. Vor allem die Wähler von Lafontaine stammen aus dem Bergbau. Und der personelle Rückzug Lafontaines spricht da eine eigene Sprache.
kralli19 (15.10.2009, 15:28 Uhr)
Zersetzung...
Wirkt für mich ein bischen wie: Nachdem wir erfolgreich die sPD unterwandert haben und es als Seeheimer geschafft haben, die sPS von Innen heraus zu zerstören, nehmen wir uns nun die Grünen vor von Innen heraus.
Das Schiff sPD sinkt, die gRÜNEN sind die nächsten...
auwei (15.10.2009, 15:14 Uhr)
Knackpunkt
Zitat: "Es speisen sich zwar beide aus dem selben Millieu, aber wo ein FDPler allen voran seine eigene Position verbessern möchte, kommt es den Grünen nach wievor darauf an, dass alle von Politik profitieren. Und der absolute Marktglaube der FDP steht dem ebenfalls im Weg." DAS, Herr Chatzimarkakis, ist der Knackpunkt. Schaun 'mer mal, ob hier was zusammengeht.
Johann58 (15.10.2009, 15:13 Uhr)
@luke888
Ich weiss nicht was CDU und FDP ueber Bord geworfen haben. Ich kann mich aber noch gut an die Hetztiraden gegen die Gruenen erinnern. Fakt ist aber, dass die Gruenen nahezu alles ueber Bord geworfen haben was sie einmal an Ideologie und politischen Zielen hatten. Eines der zentralen Ziele der Gruenen war einmal der Ausstieg aus der unsaeglichen Atomwirtschaft. Heuet geht man mit denen zusammen, die in den naechsten 4 Jahre alles daran setzen werden, dass der Ausstieg aus dem Ausstieg kommt und selbst vor de Bau neuer AKW's nicht zurueckgeschreckt wird. Das Geld was auch dank der Gruenen einmal in die Entwicklung alternativer Energien gesteckt wurde wird nun in den Weiterbetrieb von AKW's gesteckt. Meiner Meinung nach kann man ueberhaupt nichts Positives an Jamaika erkennen. Ich bin auch durchaus der Ansicht dass es dazu Alternativen gibt und esden Gruenen schaden wird.
nightmare_online (15.10.2009, 14:04 Uhr)
@luke888
Nuja, bis letztes Wochenende war Grün-Gelbe Zusammenarbeit oder die Schwampel ja eher theoretische Denkmodelle. Auch HH wurde im Kern mit "ging nicht anders" begründet. Die Karten liegen eigentlich erst seit dem Wochenende real auf dem Tisch. Und nun schaun wir mal in aller Ruhe, wie sich die Zustimmung real entwickelt. Und ob es den Wählern der Grünen wirklich so egal ist, ob sie mit Schwarz und Gelb koalieren, oder nicht.
Im Kern ist jedenfalls IMHO zu erwarten das die Grünen Wähler an die Linke verlieren. Ob dies Netto Effekte haben wird, ist derzeit unklar.
luke888 (15.10.2009, 13:47 Uhr)
@salzsteuer
Woher nehmen sie Ihre Behauptungen über grüne Wähler und grüne Basis?

Im übrigen, gibt es sowas, wie Parteitage. Da werden solche Entscheidungen wíe Koalitionen, Inhalte, Personal etc. von der Basis bestimmt.

Ich kann verstehen, dass der ein oder andere sich im Saarland etwas anderes gewünscht hat. Aber diese Hasstiraden und Untergangsprophezeiungen in Richtung grün, sind angesichts der Tatsache, dass nicht Grüne, sondern CDU und FDP im Saarland ihre Inhalte über Bord werfen, unangebracht.
DasBertl (15.10.2009, 13:42 Uhr)
@Salzsteuer
stellen Sie sich vor:
Als bisheriger Grünenwäher hab ich das gemerkt. Und bei der Bundestagswahl 2009 hab ich zum letzten Mal den Fehler gemacht, dort mein Kreuzchen zu machen. Nach dem Saarland ist Grün für mich nicht mehr wählbar...
MEHR ZUM ARTIKEL
Jamaika im Saarland Trittin teilt aus

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kann sich mit Jamaika im Saarland nicht anfreunden. Im stern-Interview geißelt er die Linken - und CDU-Ministerpräsident Peter Müller. mehr...

Jamaika im Saarland Grüne in Erklärungsnot

"Nach zehn Jahren konservativer Regierung braucht das Saarland dringend den Wechsel." So steht es im Wahlprogramm der saarländischen Grünen. Nun bleibt Peter Müller, CDU, Ministerpräsident - weil die Grünen mit ihm koalieren. Ihre Geschäftsstelle wird mit Beschwerden bombardiert. mehr...

Lafontaine im Saarland Oskar geht niemals so ganz

Ist es eine Flucht? Oder ein Manöver in einem gewieften Spiel? Oskar Lafontaines Rückkehr an die Saar sorgt noch immer für Wirbel. Denn klar ist: Er bleibt ein Strippenzieher - auch im Bund. mehr...

FDP-Vorstand Chatzimarkakis Grüne und FDP, vereinigt Euch!

Trittin und Westerwelle Seite an Seite? Das Projekt, das FDP-Vorstand Jorgo Chatzimarkakis im stern vorschlägt, klingt irre: FDP und Grüne sollen zu einer Partei fusionieren. Aber Chatzimarkakis' Argumente sind so leicht nicht zu widerlegen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe