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Ein ungewöhnlicher Deal

Carsten Maschmeyer finanziert die Werbung für ein Buch mit Christian Wulff. Ein außergewöhnlicher Vorgang. Externe Geldgeber sind auch bei Hoffmann & Campe "leider nicht" gang und gebe.

Von Mareike Rehberg

  Die Anzeigenfinanzierung des Wulff-Buchs "Besser die Wahrheit" befeuert die Debatte um den Bundespräsidenten

Die Anzeigenfinanzierung des Wulff-Buchs "Besser die Wahrheit" befeuert die Debatte um den Bundespräsidenten

Seine freundschaftlichen Beziehungen zu wohlhabenden Unternehmern setzen dem Bundespräsidenten immer mehr zu. Bringt die Tatsache, dass AWD-Gründer Carsten Maschmeyer Zeitungsanzeigen für das Wulff-Buch "Besser die Wahrheit" bezahlt hat, das Fass nun zum Überlaufen? Oder zeigt die Debatte, dass sich Kritiker jetzt auf jedes noch so kleine Detail stürzen, um Christian Wulff zu Fall zu bringen? Und noch viel wichtiger: Wusste der damalige niedersächsische Ministerpräsident tatsächlich nichts von der milden Gabe seines Freundes? Die Finanzierung von Werbekampagnen durch externe Geldgeber ist in der Verlagsbranche zumindest nicht alltäglich.

Für Günter Berg, den Geschäftsführer des Verlags Hoffmann und Campe, in dem das Buch von Hugo Müller-Vogg 2007 erschien, ist die Sache klar: "Alles was den Büchern gut tut, machen wir auch", gibt der Verleger freimütig zu. Finanzielle Hilfe von außen sei zwar "leider nicht" gang und gebe, komme aber vor. Auch bei Gerhard Schröders Buch "Entscheidungen: Mein Leben in der Politik" habe es im Rahmen der Veröffentlichung Spender gegeben - Maschmeyer sei allerdings nicht darunter gewesen.

Ohnehin, betont Berg im Gespräch mit stern.de, sei die Initiative für das Wulff-Buch vom Verlag ausgegangen. Der Autor Müller-Vogg habe bei Hoffmann und Campe zuvor bereits erfolgreiche Bücher über Angela Merkel und Horst Köhler veröffentlicht, diesen Erfolg habe man fortführen wollen. Der Kontakt zu Carsten Maschmeyer sei ausschließlich über den damaligen Verlagsgeschäftsführer Manfred Bissinger erfolgt, beide hätten sich bereits über lange Jahre gekannt. Bissinger selbst hat sich gegenüber "Spiegel Online" bereits zu Wort gemeldet und die Vorgänge als "absolut normal" bezeichnet.

Wulff muss nichts gewusst haben

In anderen Verlagen, die vergleichbare Bücher veröffentlicht haben, ist die Annahme fremder finanzieller Hilfe dagegen nicht üblich. Der Verlag St. Benno, in dem das Philipp-Rösler-Porträt "Glaube, Heimat, FDP" erschien, bezahlt Anzeigenkampagnen grundsätzlich selbst. Auch bei der Droemer Knaur Verlagsgruppe, die für Publikationen über Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble verantwortlich zeichnet, ist Fremdfinanzierung keine gängige Praxis. Dass Christian Wulff nichts vom Freundschaftsdienst Carsten Maschmeyers gewusst haben will, halten die Sprecher beider Verlage aber für möglich. Wulff sei nicht Autor gewesen, und selbst Autoren würden nicht in alle Einzelheiten des Marketings einbezogen.

Der Politologe Gerd Langguth mag dagegen nicht so recht daran glauben, dass Maschmeyer sich damals auf die Position des stillen Wohltäters zurückgezogen hat. Der Unternehmer, der sich gerne mit mächtigen Politikern umgibt, sei nicht dafür bekannt, seine Hilfe zu verschweigen. "Natürlich läuten beim Namen Maschmeyer die Alarmglocken", sagt Langguth gegenüber stern.de. Schließlich habe er 1998 auch schon Anzeigen für den damaligen Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder geschaltet. "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein" lautete der lokalpatriotische Slogan damals.

Rein rechtlich dürften dem Bundespräsidenten aber keine Probleme aus der Anzeigenfinanzierung entstehen, schließlich habe er keinen direkten persönlichen, sondern höchstens einen politischen Vorteil daraus gehabt, so Langguth.

Aber selbst wenn juristisch alles einwandfrei ist, rückt Wulffs Rücktritt nicht doch näher? Langguth, selbst CDU-Mitglied, hat darauf nur eine Antwort: "Die Dinge werden verrauchen." Wulff werde die Weihnachtsansprache halten und auch noch im nächsten Jahr sein Amt ausüben. Da könnte er Recht behalten, wie die Vergangenheit lehrt: Johannes Rau hatte die Affäre um von der WestLB bezahlte Flüge auch nicht nachhaltig beschädigt. Im Gegenteil: Er schied als beliebter Bundespräsident aus dem Amt.

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