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5. November 2008, 10:40 Uhr

Kabinett verabschiedet Konjunkturpaket

In rekordverdächtigem Tempo hat die Große Koalition nach dem Bankenrettungspaket nun auch ein Hilfsprogramm für die deutsche Wirtschaft beschlossen. Es soll in den nächsten zwei Jahren zu Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro führen. Die Regierung will so eine Million Arbeitsplätze retten.

Konjunkturpaket, CDU, SPD, Merkel, Autobauer, Finanzkrise

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück haben das Hilfsprogramm für die Konjunktur durchs Kabinett gebracht© Andreas Rentz/Getty Images

Die Bundesregierung will sich mit ihrem Milliarden- Konjunkturpaket gegen den Wirtschaftsabschwung stemmen und vor allem Arbeitsplätze in der Autoindustrie schützen. Opposition und auch Koalitionspolitiker warfen der Regierung vor, dass der Staat mit 12 Milliarden Euro zu wenig Geld in die Hand nehme und nur ein Strohfeuer entfache. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte das Paket, das in den nächsten zwei Jahren Investitionen von 50 Milliarden Euro anstoßen soll: "Wir werden damit eine Brücke bauen hin zu der Möglichkeit, dass es 2010 wieder besser wird."

Allein die bis zu zweijährige Befreiung von der Kfz-Steuer lässt sich der Staat rund 1,4 Milliarden Euro kosten. Die Regelung gilt ab sofort bei jedem Neuwagen-Kauf. "Wir wollen die Autoindustrie unterstützen. Da sind wir patriotisch", sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Arbeitsplätze seien in der Krise wichtiger als ökologische Aspekte. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, jeder sechste Job hänge von den Autobauern ab. Umweltschützer reagierten empört. Die Regierung fördere auch den Verkauf teurer, spritfressender Geländewagen. Die Regierung verspiele so das deutsche Klimaschützer-Image, kritisierte Greenpeace.

Entlastung beläuft sich auf 32 Milliarden Euro

Bund, Länder und Gemeinden werden 2009 und 2010 zusätzlich mit 12 Milliarden Euro belastet. Eigentlich sollten es 15 Milliarden Euro sein. Da Steuererleichterungen für Firmen bei Neuanschaffungen geringer ausfallen als geplant, sinkt auch das Gesamtvolumen. Zusammen mit Beschlüssen vom Oktober beläuft sich die von Union und SPD auf den Weg gebrachte Entlastung von Arbeitnehmern und Wirtschaft auf nun 32 Milliarden Euro. In den Fraktionen von Union und SPD gibt es viel Unmut über das Paket. Vor allem die Pläne bei der Kfz-Steuer stören viele Abgeordnete. Glos rechnet dennoch mit breiter Zustimmung im Parlament. Für die Aussetzung der Kfz-Steuer muss der Bundesrat noch grünes Licht geben.

Das Paket sieht mehr Geld für Kommunen, die Gebäudesanierung und den Verkehr vor. Kurzarbeitergeld kann künftig nicht mehr nur für 12 Monate, sondern für 18 Monate gezahlt werden. Verbraucher können doppelt so viel Geld von der Handwerkerrechnung von der Steuer absetzen. Wegen der Bankenkrise will die Regierung die Kreditversorgung des Mittelstands verbessern. Die Staatsbank KfW wird bis Ende 2009 zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro an Krediten vergeben können.

Glos hofft auf Mini-Wachstum

Glos hofft, dass mit den Maßnahmen 2009 noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent erreicht werden kann. Die Pläne seien kein "kurzfristiges Strohfeuer und kein Konjunkturprogramm alten Stils". Steinbrück sagte, keiner versuche, den Menschen Sand in die Augen zu streuen. 2009 werde es konjunkturell bergab gehen. Wegen der Bankenkrise, der Wirtschaftsflaute und den neuen Ausgaben muss der Finanzminister sein Sparziel für 2011 aufgeben. Dann sollte der Bundeshaushalt ausgeglichen und ohne neue Schulden auskommen.

Opposition und Gewerkschaften halten das Paket für zu klein. DGB-Chef Michael Sommer sagte, die Regierung verlasse sich auf das Prinzip Hoffnung: "Das ist zu wenig, um eine 2,3 Billionen schwere Volkswirtschaft anzuschieben." Linke-Chef Oskar Lafontaine schloss sich der Kritik an. "Das Paket verdient die Bezeichnung Konjunkturprogramm nicht." Der Industrieverband BDI lobte die Maßnahmen, forderte aber noch mehr Geld für die Infrastruktur.

DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
leboz (07.11.2008, 07:56 Uhr)
Hilfe
ich bin mit 52000 Euro an eine Hedgefond beteiligt, weil ich für mein Alter sorgen muß. Jetzt gehen diese Fonds pleite. Hier mmuß die Regierung unbedingt Unterstützung bieten.
knilch_59 (05.11.2008, 12:29 Uhr)
Falsch ist falsch und bleibt falsch!
Irgendwann steckt man derart im Sumpf, dass man ohne Blessuren nicht mehr rauskommt. Dieser Zeitpunkt ist jetzt endgültig gekommen. Dieses Konjunkturprogramm ist nicht weniger als die politische Bankrotterklärung der großen Koalition.
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Alle Ziele, für die man 2005 angetreten ist, wurden nicht eingehalten. Die Steuern und Abgaben auf Rekordhöhe – Tendenz steigend, der Schuldenstand auf Rekordhöhe, Tendenz steigend, die Arbeitslosigkeit nur mit Taschenspielertricks abgebaut, Tendenz trotzdem wieder steigend. Das Einzige, was bei uns weniger wird, sind die Arbeitnehmer zwischen 20 und 60 Jahren, aber das sind genau die Leute, die mit ihren Steuern irgendwann mal die Schulden zurückzahlen müssen und gleichzeitig Altersvorsorge betreiben sollen, Kinder erziehen undundund.
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Es ist an der Zeit, die Wirksamkeit vergangener staatlicher Maßnahmen zu beurteilen: Keins (!) der vergangenen Konjunkturprogramme hat jemals sein Ziel erreicht, so dass der Staat am Ende die Mia-s, die er ausgegeben hatte, wieder reingeholt hätte. Am Ende stand immer ein neuer Rekord-Schuldenstand. Mittlerweile beläuft sich die Pro-Kopf-Verschuldung auf 19.000 €. Das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushaltes wurde von 2011 auf St. Nimmerlein verschoben. Wenn die Berechnungen zur Bevölkerungsentwicklung stimmen, wird allein durch den demographischen Wandel in den nächsten Jahren die Schuldenlast auf 25.000 € ansteigen, einfach durch den Rückgang der Bevölkerung von gut 80 auf rund 60 Mio. Und die neuen Schulden sind da noch nicht drin!!! (Länder wie USA mit einem stabileren Bevölkerungsausblick haben da ganz andere Rahmendaten, außerdem verfügen die über Rohstoffe und somit andere Werte).
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Steuerentlastung der Bevölkerung? Wen entlasten und wozu? Die Sparquote beträgt bei uns im langjährigen Schnitt gut 10%, im letzten Halbjahr ist sie auf 11,3 % angestiegen. Unterstellt man, dass die 10% der Bevölkerung im Regelkreis von Hartz-IV nicht sparen können (und dürfen!) und die 30% Rentner an sich nicht dauerhaft sparen sollten (wozu denn noch?), dann kommt man dahin, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jeden Monat fast 20% mehr Einkommen haben, als sie aktuell benötigen. Aber sie WOLLEN das Geld nicht ausgeben, weil sie Angst davor haben, dass die Zeiten noch schlechter werden. Und das jetzt beschlossene Maßnahmenbündel wird an dieser Grundhaltung nichts ändern. Allenfalls einige Mitnahmeeffekte, indem ohnehin anstehende Ausgaben etwas vorgezogen werden oder „steueroptimiert“ umgeleitet werden, sonst tut sich nichts. Die Binnenkonjunktur ist am Boden und wird am Boden bleiben, keine Änderung in Sicht. Vor diesem Hintergrund wird der schwachsinnige Kompromiss zur Erbschaftsteuer geradezu perfide. Von jedem Einkommen holt sich der Staat seinen Anteil, aber ausgerechnet der Vermögenszufluss beim Erben soll fast völlig steuerfrei bleiben, nur weil die CSU die Paläste am Starnberger See im Auge behalten muss.
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Dieses Programm macht wütend! Und es bleibt nur zu hoffen, dass der Zorn sich nicht derart entlädt, dass dieses System mit physischer Gewalt zerstört wird. Hoffentlich werden die Gralshüter der Inkompetenz rund um Frau Merkel und Herrn Steinmeier bei den nächsten Wahlen zum Teufel gejagt.
sebale1 (05.11.2008, 12:26 Uhr)
Dumm & Diletantisch ! - oder kriminell ?
Jetzt haben die Trottel das doch gemnacht !
Wer hat denn was von dem Geschenk "KfZ - Steuer" ?
Nutzniesser sind ...
- Firmen, Multis, die grösste autokunden sind, und ihre Flotte sowiesio erneuern - kein zusätzl. Auto wird hierdurch gekauft !
- die Gut - Situierten unserer Gesellschaft, die sowieso genug geld haben, sich ihre neuen Autos zu kaufen - auch ohne Steuererleichterung; sie kaufen sich noch die mit grossem Hubraum und viel PS, die Drechschleudern - die absolut mehr verbrauchen und verschmutzen, als die Kleinwagen
- die Masse, die wenig hat oder nichts, profitiert überhaupt nicht davon, man kann sich eh kein neues Auto mehr leisten ;
Gebt es deb "Habenden" - wie immer !
Sternchen2020 (05.11.2008, 12:13 Uhr)
@Malt : Dennoch schön!
Dennoch ein schönes Gedicht. Tucholksy hat auch mal etwas Nettes über Wirtschaft geschrieben, allerdings in seiner typisch sperrig zu lesenden Art. 1930 gab es wohl auch noch nicht den Begriff "Derivate" oder täusche ich mich?
Malt (05.11.2008, 12:06 Uhr)
Korrektur:
Danke Sternchen, hab' ich bereits festgestellt... das Gedicht ist von Richard Kerschhofer 2008
-Dagegen- (05.11.2008, 11:42 Uhr)
2009 wird das "Danke" -Jahr
Ich bin wirklich stolz auf unsere Volksverdummer,- statt für echte Steuerentlastungen zu sorgen wird wieder einmal Geld für sinnlose "Rettungspakete" zum Fenster rausgeworfen.
Merke: Wahltag ist Zahltag!
Sternchen2020 (05.11.2008, 11:32 Uhr)
@Malt: kein Tucholsky
Malt, nettes Gedicht udn passt wie dei Faust aufs Auge, aber es ist natürlich kein Gedicht von Tucholsky.
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Bezüglich milliardenschweres Konjunkturprogramm: Die Bürger hätten Entlastungen benötigt, aber da ist nichts gschehen. Im Gegenteil, extrem gebeutelt müssne wir auch das noch schultern. Die Bundesregierung sollte beginnen, ernsthaft nachzudenken,was sie tut. Sonst sieht es 2009 zur Wahl düster aus. Diesmal dann für eifrige Volksvereter, die wieder ins Amt wollen.
Malt (05.11.2008, 11:25 Uhr)
Interessant!
Hab' ich letztens gefunden:
Kurt Tocholsky
1930 in der "die Weltbühne"
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
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