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11. Dezember 2008, 13:00 Uhr

Kannegiesser attackiert Banken-Bosse

Was tun die Banken, um die Wirtschaftskrise und die Not der Unternehmen abzufedern? Viel zu wenig, findet Martin Kannegiesser, Chef des mächtigen Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Im stern.de-Interview fordert er einen Führungswechsel bei deutschen Banken, geißelt die französische Konjunkturpolitik als "Schaumschlägerei" - und lehnt Konsumgutscheine ab.

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Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser dringt auf einen Personalwechsel in den Führungsetagen deutscher Banken© Rolf Vennenbernd/DPA

Herr Kannegiesser, haben Sie schon Weihnachtsgeschenke gekauft?

Noch nicht.

Werden Sie weniger oder mehr als im vergangenen Jahr ausgeben?

Ich denke, ich werde auf demselben Niveau bleiben.

Was würden Sie mit einem 500-Euro-Konsumgutschein kaufen?

Was würde ich kaufen... wahrscheinlich irgendetwas für meine Tochter, für die habe ich immer eine Idee.

Was halten Sie von der Idee, mit solchen Gutscheinen die Binnennachfrage anzukurbeln?

Nichts. Wir brauchen jetzt Maßnahmen, von denen die Menschen überzeugt sind, dass sie langfristig wirken. Jedem ein paar Hundert Euro in die Tasche zu schieben reicht nicht. So etwas wirkt allenfalls wie ein Strohfeuer. Die Verbraucher ziehen bereits geplante Käufe einfach vor.

Viel wichtiger ist: Wir müssen alles dafür tun, das Entstehen neuer Arbeitslosigkeit zu verhindern. Den Menschen muss Vertrauen gegeben werden. Alle müssen sich möglichst normal verhalten. Sowohl die, die über Investitionen entscheiden, als auch die, die konsumieren. Konsumgutscheine produzieren nur neue Schulden, die uns die Zukunft noch schwieriger machen.

Hat die Bundesregierung genug getan, um die Krise zu bekämpfen?

Die Regierung hat bislang abwartend reagiert, das erste Konjunkturprogramm jedenfalls erscheint mir noch zu klein, um wirklich einen spürbaren Effekt zu erzielen.

Das ist den Beteiligten wohl auch mittlerweile klar. Die Politik, aber auch alle anderen, sind von der Wucht, mit der uns der Abschwung erfasst hat, überrascht worden. Ein wirkungsvolles Konjunkturprogramm muss gut durchdacht sein. Der Schuss muss sitzen, mehr Munition haben wir nicht. Dafür kann man sich nicht Wochen und Monate Zeit nehmen, aber eine gewisse Zeit ist notwendig, um die richtige Mischung zu finden. Wartet die Politik zu lange, wird sehr viel zerredet. Die aktuelle Debatte zeigt dies ganz deutlich: Es gibt immer mehr Lösungsvorschläge, immer mehr vermeintliche Rezepte, wie das Konjunkturprogramm auszusehen hat.

Aus unserer Sicht müsste schwerpunktmäßig in Infrastruktur investiert werden. Diese Investitionen schaffen dauerhaft Nutzen und sofort zusätzliches Einkommen. Über solche Ausgabenprogramme müssen auch die Banken etwas tun und sicherstellen, dass die Finanzierung der Unternehmen erhalten bleibt.

Sehen Sie schon erste Anzeichen, dass die Finanzierung nicht mehr funktioniert? Haben wir schon eine Kreditklemme in Deutschland?

Es wird eindeutig schwieriger, von einer Kreditklemme würde ich aber noch nicht sprechen. Das Misstrauen der Banken den eigenen Kunden gegenüber ist aber um einiges größer geworden.

Zur Person Martin Kannegiesser, Jahrgang 1941, ist Diplomkaufmann, Unternehmer und seit September 2000 Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall.

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KOMMENTARE (10 von 11)
 
Arioffz (11.12.2008, 19:52 Uhr)
Insolvenz?!
für mein Empfinden frage ich mich wieseo keine Bank Insolvenz anmeldet bzw die Manager wegen Insolvenzverschleppung, Bilanzbetrug etc. angezeigt sind? Naja die einen sind gleich die anderen gleicher! Dummheit und Ignorante Arroganz bis in die Haarspitzen diese Banker und jetzt spielen diese Versager Gutmenschen und dürfen wieder entscheiden welches Unternehmen Kredite bekommt.
wynmuck (11.12.2008, 18:52 Uhr)
Schaumschläger
"Bislang haben die anderen europäischen Länder viel angekündigt und nur wenig umgesetzt. Gerade in Frankreich ist das ja häufig der Fall."
Mit "häufig" bezieht er sich also nicht nur auf diesen Fall. Ein Kenner der französischen Seele, hätte ich gar nicht von ihm erwartet.
MMSterling (11.12.2008, 17:07 Uhr)
@frank77777
Vielleicht geht das dem einen oder anderen etwas verloren, aber...es gibt in diesem Land nicht nur Hartz IV Empfänger. Der überwiegende Teil der Bevölkerung kan sich (Gott sei Dank)noch selbst ernähren. Und diese Mehrheit läßt sich nicht vom Staat einen Kredit (=Gutschein aus Staatsverschuldung) für einen Fernseher aufdrängen, den sie dann 20 Jahre lang abzahlen muß.
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Das Banken kein Geld an ein Unternehmen verleiht, das in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist, sollte auch klar sein. Wenn die Bank sonst in 2 Jahren selbst Pleite geht, kommen die gleichen Leute hier an und heulen rum, daß ihre Einlagen futsch sind.
Datenaktuell (11.12.2008, 17:02 Uhr)
Banker und Realwirtschaft - zwei Welten, ein Globus
Die Banker der welt haben seit Jahren in einer anderen Welt gelebt.
Allerdings gibts auch seit Jahren 'Basel II' und nach den Regeln wäre eine Totalinsolvenz des gesamten Globis eigentlich durchzuführen.
Die Banker versuchen sich in einer Realwirtschaft, die nicht mehr den bisherigen Regeln entspricht. Da wäre beiderseitig und bei den Vorschriften einiges anzupassen.
nightmare_online (11.12.2008, 16:39 Uhr)
@brainuser
Der Ökonomie ist IMHO schlicht die Wissenschaftlichkeit abzusprechen. Man stelle sich mal vor, die Geologie würde heute noch mit dem "Modell einer scheibenförmigen Erde" arbeiten. Sie würde sich als Wissenschaft lächerlich machen. Genau das passiert aber in der Ökonomie. Vor rund 20 Jahren wird der Wirtschaftsnobelpreis für die Erkenntnis verliehen, das der "homo oeconomicus" nicht existiert - und niemand störts! Diese Modellierung ist aber eine der Säulen, auf denen Modelle des Marktes basieren. Nun könnte man eigentlich die ganzen Modelle auf den Müll werfen. Aber genau das passiert nicht. Da muss man sich nicht wundern.
frank77777 (11.12.2008, 15:16 Uhr)
Es wird immer toller
Er hält nichts von Konsumgutscheinen
da die Leute dann geplante Anschaffungen vorziehen ?
Ach ja, stimmt! dass nehmen die Hartz IV Empfänger und Arbeitslosen gerne als Zugabe mit, wo man ja eh den neuen Porsche bestellt hat.
brainuser (11.12.2008, 14:51 Uhr)
@gunnarhaeger
Das kommt dabei heraus, wenn Wirtschaftswissenschaften sich nur noch um "angewandte" Wissenschaft drehen.
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Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften fristet die Grundlagenfroschung zurzeit ein Schattendasein.
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Innovation und Weiterentwicklung? Viel zu selten anzutreffen und dann in der Regel ohne Nachhaltigkeitsansatz, sondern fokussiert auf Gewinnmaximierung und Renditesicherung.
romeodelta (11.12.2008, 14:24 Uhr)
Was soll das denn?
Bei uns hier in der Gegend (OWL) kenne ich persönlich zwei Unternehmer, die jetzt einen Liquiditätsengpass erleben und keine Überbrückungskredite von der Bank bekommen, obwohl sie gerade seit fast 20 Jahren mit der Bank (Deutsche Bank) ohne Probleme zusammengearbeitet haben! Plötzlich scheint das Risiko jetzt zu hoch zu sein. Ob ihre Produkte innovativ sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen, aber ihre Auftragsbücher sind (noch) nicht leer. Das Hauptproblem ist, dass der Cash Flow durch Insolvenzmeldungen anderer Firmen „gelitten“ hat. Das Resultat: er muss Mitarbeiter wie es so schön heißt, „freistellen“. Als Folge kann er seine Aufträge unter Umständen nicht erfüllen, was wahrscheinlich seine eigene Insolvenz beschleunigt. Was haben die Banken oder der Staat letztendlich davon? Wo sind die Milliarden, die wir Steuerzahler in den Allerwertesten der Banken schieben? Wenn diese Milliarden für unsere eigenen mittelständischen Firmen nicht bestimmt sind, dann für wen sind sie denn? Schließlich haben die Banken dieses Problem verursacht und jetzt verschlimmern sie alles durch dieses Verhalten! Was macht der Staat? – wartet, bis alles kaputt ist vielleicht? Eins ist gewiss, die Jobs, die verloren gehen, werden nie wieder existieren.
gunnarhaeger (11.12.2008, 14:21 Uhr)
Überschätzte Elite
Irgendetwas läuft bei den Uni´s dieses Landes furchtbar schief. Selbstverliebte Experten in Nadelstreifen zeigen nun, dass sie keine Ahnung haben. Hauptsache was Dummes geredet und sich möglichst für was Besseres halten. Jetzt könnten sie sich beweisen, aber sie sind genauso ratlos wie Otto Normalverbraucher.
knilch_59 (11.12.2008, 14:21 Uhr)
Scheinheilige Argumentation!
Da behauptet Herr Kannegießer, dass die Beschäftigten der Unternehmen seiner Branche bin Mitte 2009 sichere Arbeitsplätze hätten – Aber er verschweigt, dass – im Gegensatz zu früheren Zeiten gedämpfter Konjunktur – keine Entlassungen mehr erforderlich sind. Die Zeitarbeitsverträge laufen einfach aus, Leiharbeiter werden an die Zeitarbeitsfirma zurückgegeben – nein, in der Metallindustrie muss man nicht mehr entlassen, um binnen eines Jahres 25 % Personal abzubauen – die tauchen aber in anderen Statistiken auf.
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Banken vergeben Kredite nur an Unternehmen, die „kreditwürdig“ sind, also entweder Sicherheiten zu bieten haben, oder einen Geschäftsplan, der mit hinlänglicher Sicherheit gewährleistet, dass der Kredit zurückgezahlt werden kann. Diese Grundlage des Kreditwesens verbietet es Banken, in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs die Kreditlinien mal eben so auszuweiten, weil die Einnahmen nicht sprießen wie erhofft. Da ist auch die Kreditwürdigkeit schlechter als vorher. Das sollte auch Herr Kannegießer wissen.
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Uns fehlt in Deutschland Risikokapital und ein Markt, der diesbezüglich Angebot und Nachfrage austariert. Banken dürfen das bei uns nicht, die müssen die Einlagen ihrer Kunden garantieren. Nicht jedes Unternehmen, das auf Fremdkapital angewiesen ist, möchte gleich als AG an die Börse gehen, oder hat die Größe, eigene Anleihen zu emittieren. Da fehlt ein Refinanzierungsinstrument – insbesondere für den Mittelstand. Das Meckern gegenüber den Banken geht an die falsche Adresse, das Eigenlob für die angebliche Sicherheit der Arbeitsplätze ist erstunken und erlogen. Kannegießer – echt schwache Leistung!
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