Was tun die Banken, um die Wirtschaftskrise und die Not der Unternehmen abzufedern? Viel zu wenig, findet Martin Kannegiesser, Chef des mächtigen Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Im stern.de-Interview fordert er einen Führungswechsel bei deutschen Banken, geißelt die französische Konjunkturpolitik als "Schaumschlägerei" - und lehnt Konsumgutscheine ab.

Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser dringt auf einen Personalwechsel in den Führungsetagen deutscher Banken© Rolf Vennenbernd/DPA
Noch nicht.
Ich denke, ich werde auf demselben Niveau bleiben.
Was würde ich kaufen... wahrscheinlich irgendetwas für meine Tochter, für die habe ich immer eine Idee.
Nichts. Wir brauchen jetzt Maßnahmen, von denen die Menschen überzeugt sind, dass sie langfristig wirken. Jedem ein paar Hundert Euro in die Tasche zu schieben reicht nicht. So etwas wirkt allenfalls wie ein Strohfeuer. Die Verbraucher ziehen bereits geplante Käufe einfach vor.
Viel wichtiger ist: Wir müssen alles dafür tun, das Entstehen neuer Arbeitslosigkeit zu verhindern. Den Menschen muss Vertrauen gegeben werden. Alle müssen sich möglichst normal verhalten. Sowohl die, die über Investitionen entscheiden, als auch die, die konsumieren. Konsumgutscheine produzieren nur neue Schulden, die uns die Zukunft noch schwieriger machen.
Die Regierung hat bislang abwartend reagiert, das erste Konjunkturprogramm jedenfalls erscheint mir noch zu klein, um wirklich einen spürbaren Effekt zu erzielen.
Das ist den Beteiligten wohl auch mittlerweile klar. Die Politik, aber auch alle anderen, sind von der Wucht, mit der uns der Abschwung erfasst hat, überrascht worden. Ein wirkungsvolles Konjunkturprogramm muss gut durchdacht sein. Der Schuss muss sitzen, mehr Munition haben wir nicht. Dafür kann man sich nicht Wochen und Monate Zeit nehmen, aber eine gewisse Zeit ist notwendig, um die richtige Mischung zu finden. Wartet die Politik zu lange, wird sehr viel zerredet. Die aktuelle Debatte zeigt dies ganz deutlich: Es gibt immer mehr Lösungsvorschläge, immer mehr vermeintliche Rezepte, wie das Konjunkturprogramm auszusehen hat.
Aus unserer Sicht müsste schwerpunktmäßig in Infrastruktur investiert werden. Diese Investitionen schaffen dauerhaft Nutzen und sofort zusätzliches Einkommen. Über solche Ausgabenprogramme müssen auch die Banken etwas tun und sicherstellen, dass die Finanzierung der Unternehmen erhalten bleibt.
Es wird eindeutig schwieriger, von einer Kreditklemme würde ich aber noch nicht sprechen. Das Misstrauen der Banken den eigenen Kunden gegenüber ist aber um einiges größer geworden.
Zur Person Martin Kannegiesser, Jahrgang 1941, ist Diplomkaufmann, Unternehmer und seit September 2000 Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall.