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9. Oktober 2008, 14:34 Uhr

"Merkel handelt ohne Konzept"

Ein Ende der Finanzkrise ist nicht absehbar, Deutschland droht in die Rezession abzurutschen. Im stern.de-Interview fordert Grünen-Spitzenpolitiker Jürgen Trittin, eine Börsenumsatzsteuer einzuführen - und kritisert das Krisenmangement der Großen Koalition scharf.

"Die Wirtschaft hat reagiert, die Regierung nicht": Grünen-Spitzenpolitiker Jürgen Trittin© Jörg Sarbach/AP

Herr Trittin, Sie waren in jungen Jahren Mitglied im Kommunistischen Bund. Jetzt ist häufiger zu hören, Marx hatte mit seiner Analyse über die entfesselten Marktkräfte Recht gehabt. Sehen Sie das auch so?

Wenn schon die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Staaten dazu auffordert, Horst Köhlers "Monster", also ihre Finanzkonzerne, wieder einzufangen, weiß man, dass das Zeitalter der neoliberalen Ideologie vorbei ist. Nun rufen auch jene nach der Regulierung der Märkte, die das jahrelang als linkes Teufelszeug abgetan haben. Nach meiner Überzeugung ist ein Markt ohne Regulierung der organisierte Anlagebetrug.

Die Grünen haben unter Kanzler Gerhard Schröder mit dafür gesorgt, dass Hedgefonds in Deutschland überhaupt agieren dürfen. War das nicht ein unverzeihlicher Fehler?

Es war kein Fehler, neue Finanzierungsmöglichkeiten zuzulassen. Aber es war ein Fehler, keine Regulierung für Hedgefonds zu installieren. Damals gab es dagegen erhebliche Widerstände in der SPD, die Sozialdemokraten lieferten sich einen regelrechten Wettlauf mit der FDP, wie die Märkte am besten zu deregulieren seien.

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, die Finanzkrise ist da. Was fordern die Grünen?

Man muss sich mal die amerikanischen Rating-Agenturen ansehen. Die haben Zertifikate auf Grundstücke und Immobilien, die heute nichts mehr wert sind, mit den besten Ratings bewertet. Da ist die Blase entstanden. Also brauchen wir endlich eine europäische Rating-Agentur. Zweitens brauchen wir Zulassungskriterien für Hedgefonds, und drittens brauchen wir Maßnahmen, um die Spekulation dämpfen. Deshalb setzen wir uns nachdrücklich für eine Börsenumsatzsteuer in Deutschland ein.

Die FDP fordert eine unabhängige Stiftung Finanztest, die die Rating-Agenturen ersetzen soll. Liegen Sie da nicht auf einer Linie mit ihrem politischen Erzfeind?

Wenn ein politischer Gegner sagt, eins und eins sei zwei, würde ich dem nicht widersprechen. Aber es gibt Unterschiede. Was die FDP fodert, ist eine mehr oder weniger unverbindliche Stiftung. Was wir wollen, ist eine europäische Rating-Agentur, die so unabhängig ist, dass sie dem Gezerre um die nationalen Wirtschaftspolitiken widerstehen kann. Sie soll verlässliche Bewertungen dafür liefern, zu welchen Konditionen sich Unternehmen und die öffentliche Hand am Kreditmarkt Geld leihen können.

Auf die Börsenumsatzsteuer hat die Linkspartei ein Abo. Wird sie nicht den politischen Profit aus dieser Krise mitnehmen?

Ich muss Sie korrigieren. Die Grünen hatten das schon 1998 in ihrem Programm stehen. Aber es war, wie gesagt, schwierig, solchen Vorschlägen bei der SPD überhaupt Gehör zu verschaffen. Der damalige Finanzminister hieß übrigens Oskar Lafontaine. Wenn er sich jetzt hinstellt und sagt, ich habe Recht gehabt, muss er sich fragen lassen, warum er damals, kaum war der Herd angestellt, aus der Küche geflohen ist. Das ist das historische Versagen des Oskar Lafontaine.

Wie bewerten Sie das derzeitige Krisenmanagement der Großen Koalition?

Als die Immobilienkrise vor eineinhalb Jahren begann, sagte Wirtschaftsminister Michael Glos, Deutschland sei nicht betroffen. Weil die deutsche Wirtschaft größtenteils aus Mittelständlern bestehe, die nicht an der Börse notiert seien. Das war die Reichweite des ökonomischen Sachverstandes dieser Bundesregierung. Im Grunde genommen hat die Bundesregierung bis zur Regierungserklärung vergangene Woche geleugnet, dass die Immobilienkrise in den USA Auswirkungen auf Deutschland haben würde. Dabei war zu beobachten, dass die Wirtschaft längst umsteuert. Die Deutsche Bank, die jahrelang händeringend versucht hat, ihr Privatkundengeschäft loszuwerden, kauft plötzlich die Postbank, um vom Investmentbanking wegzukommen. Die Wirtschaft agierte schon, als sich die Bundesregierung noch tot stellte. Nun verfallen Kanzlerin Angela Merkel und Peer Steinbrück - angeblich haben wir ja auch noch einen Wirtschaftsminister - in hektische Aktivitäten, ohne ein schlüssiges Konzept zu haben.

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KOMMENTARE (10 von 36)
 
DasBertl (11.10.2008, 02:48 Uhr)
Nun mal wieder runter mit den Emotionen
Es hilft ja nichts sich daheim vor dem PC künstlich aufzuregen. Wenn man was sinnvolles mit dieser überschüssigen Energie anfangen will, rottet euch zusammen, geht auch die Strasse, demonstriert mal wieder ordentlich. Nehmt euch ein Beispiel an der Jugendversion unseres ehemaligen Außenministers.
Aber ganz klar: Was an vernünftigen Regularien unter den letzten 4 Regierungen abgeschafft wurde geht auf keine Kuhhaut mehr. Und warum? Weil alle immer das Märchen von RENDITE=Arbeitsplätze erzählt haben. Was haben zuerst erlebt? Die Börsenkurse stiegen, die zahl der Arbeitsplätze ging in den Keller. Die Börsenkurse stiegen weiter, die Zahl der regulären Arbeitsplätze sank weiter zugleich stiegen MASSIV die Arbeitsplätze in Leih- und Zeitarbeit und bei 1-Euro-Placebos. Das heißt es wurde noch mehr Rendite erzeugt mit noch weniger Arbeitskosten und mehr und mehr und mehr. Und der einfache Mann(die einfach Frau) durfte zusehn wie er/sie das tägliche Brot zusammenkratzen konnte. Und JETZT darf er/sie auch noch neben seinem/ihrem Brot die Rettung derer finanzieren die ihn/sie haben ausbluten lassen.
GEHT AUF DIE STRASSE BRINGT SIE ZU FALL, RÄUMT IHN AUF DEN GELDGIER-SAUSTALL! Am besten wäre es eigentlich wenn ALLE ihre Arbeit aufkündigen würden (naja ein zünftiger Generalstreik wär ja auch mal was, aber das ist ja nach Deutschem Recht und Gesetz verboten, da sollte man mal leise drüber nachdenken, warum). Denn ohne Arbeiter gibt es auch nichts mehr zum Rendite erzeugen. Tut euch zusammen macht es selbst, zeigt denen da Oben MIT UNS NICHT MEHR!
Aber dazu sind wir Deutschen zu feige oder zu "verantwortungsbewusst" und zu blauäugig. Es wird wieder so weiter gehen wie bisher. Weil jeder zu faul und zu bequem geworden ist, sich für die Gemeinschaft und sich selbst einzusetzen...
mutti1 (11.10.2008, 02:25 Uhr)
na so was
was labern sie eigentl. immer hier rum, aben sie as zu bestimmen, was ich meine u. sage?
@blackblondi???!!!
oder sind sie der verfasser dieses artikels ?
wo man hingebogen werden soll u. hirnwäsche betrieben wird ?
natürlich hat die CDU kein Konzept, genau wie SPDCSUFDP UND GRÜNE, das konzept des raubtierkapitalismus funtioniert nicht mehr, besonders wenn man durch offene grenzen u. geldmärkte mit dem teuro und der EU zum freiwild wird. besonders der Osten u. die ARBEITER etc. Angestellten.WAS WURDE EIGENTL. besser seit 1990?das einzige ist, das es jetzt hartz4 nach arbeitslosenhilfe gibt, sogenannter inoffizieller offener knast, und die nutzniesser des systems, die arbeitgeber verbrennen vorenthaltene löhne und gewinne bei dem monopoli des VOLKES. warten wir es ab, jetzt sollen wieder die Ostrentner verarscht werden, wie nach 1990 , als sie kohl wählten.die CDUCSU SPDFDP sind so korrupt u. eigennützig, so borniert, wie die SED MAchthaber, basta. das denkt der großteil der verlierer des zusammen schlusses.
gewinner der offenen grenzen sind halbseidene u. kriminelle, oder leute, die zu viel kohle haben.freiheit u. reisen ist was andres. ohne Moos nichts los.
Aaron71 (10.10.2008, 19:25 Uhr)
@nightmare
..sehr sachlich Ihr Kommentar. Hätte Angela Merkel die Amis und die Briten vielleicht mit Waffengewalt von ihren Forderungen überzeugen sollen?
blackblondi (10.10.2008, 18:14 Uhr)
@ nightmare-online
das heißt im Umkehrschluß, wenn man Mist macht und davon ganz viel, ist das gut?
nightmare_online (10.10.2008, 16:50 Uhr)
@blackblondi
Hmm? Was hat der schon bewegt? Der Mann hat ein dutzend Reformen gemacht. Gut, die waren allesamt zum Nachteil der überwiegenden Mehrheit der Bürger, aber Untätigkeit kann man dem Mann - im Gegensatz zu Merkel - wirklich nicht vorwerfen.
blackblondi (10.10.2008, 15:03 Uhr)
Schröders
Politik der ruhigen Hand, daß ich nicht lache!! Was hat der denn schon bewerkstelligt?
nightmare_online (10.10.2008, 14:43 Uhr)
@Aaron71
Die "Heldin des Wortes", Merkel hat zu allem schon alles gesagt. Nur wenns ums Handeln geht, ist bei ihr Fehlanzeige.
Aus Schröders "Politik der ruhigen Hand" ist unter Merkel die "Politik der untätigen Hand" geworden.
Aaron71 (10.10.2008, 13:51 Uhr)
auch wenn es die lieben Linken...
...hier in ihrer unendlichen Realitätsnähe nicht wahrhaben wollen. Angela Merkel hat bereits vor 2 Jahren und dann wieder auf dem G8 Gipfel eine strengere Reglementierung der Finanzmärkte und strikte Vorgaben für die von Rot/Grün ins Land geholten Hedgefonds verlangt, ist aber am Widerstand der USA und GB gescheitert. Und sich heute den Sozialismus zurückzuwünschen ist ja wohl ein Witz, angesichts der Tatsache, dass wir für die Beseitigung der Folgen des letzten Sozialismus auf Deutschem Boden inzwischen über 1,2 Billionen Euro ausgegeben haben.
blackblondi (10.10.2008, 13:04 Uhr)
@ mutti 1
ich hatte Sie an anderer Stelle schon einmal gebeten, Ihre Sätze kürzer und knapper zu halten. Wenn man Sie verstehen soll, hat daß keinen Sinn, wenn Sie ohne Punkt und Komma darauf losschreiben.
mutti1 (10.10.2008, 11:11 Uhr)
auwaaaa
das GRoßE GELD WIRD VON DEN VIELEN BÜRGERN,DIE GLEICHER SIND , ABGEZOCKT, siehe FIXKOSTEN UND MIETEN, KREDITZINSEN!
etc. pp.
Beispiel,
thüringen, müllgebühren überhöht, da die da machen, was ihnen passt.
neuester preis f. 80-liter-tonne alle 4 wochen, 1 person, 66 euro jährlich ....
bewohner einer ex-ddr immobilie, marke mini-schliessfach-1 person, zahlt da das landratsamt verlangen würde, das 2 x wöchentl. abgeholt wird, wegen seuchengefahr!!!!
155 ! EURO , also mind. 89 euro strafgebühr an miethaie und außerdem luft, wiederum macht das staatl. müllunternehmen u. die müllverbrennunganlage PLUS, da ja keine kosten..
aber dem bürger fehlt das geld und die abkassierer spekulieren damit. versteht ihr dieses desaster, das ganz unten ausbeutet u. die oben es kassieren u. aktien oder depots kaufen
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