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20. Oktober 2008, 15:49 Uhr

Merkel will Industrie gezielt stützen

Finanzielle Hilfen ja, Konjunkturprogramm nein - so lautet die Marschrichtung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, um die Wirtschaft zu stützen. Die Bürger dürfen sich bisher noch nicht freuen: Denn die steuerliche Absetzbarkeit von Beiträgen zur Krankenversicherung gehört nicht zu den geplanten Maßnahmen.

Im Kabinett hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Pläne für die finanzielle Unterstützung der Wirtschaft vorgestellt© Markus Schreiber/AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel will innerhalb von etwa vier Wochen Klarheit über Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur schaffen. Die Regierungschefin umriss am Montag vor dem Bundeskabinett erste inhaltliche und zeitliche Eckpunkte der möglichen Hilfen. Das Vorziehen der steuerlichen Absetzbarkeit von Beiträgen zur Krankenversicherung, über das im Vorfeld heftig spekuliert wurde, nannten sie und Finanzminister Peer Steinbrück dabei nicht, wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg erklärte.

Im Einzelnen habe die Kanzlerin sich noch einmal gegen ein undifferenziertes, schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm ausgesprochen. "Über einzelne Instrumente und über die technische und gesetzgeberische Umsetzung der Instrumente" sei nicht gesprochen worden, sagte Steg. Es sei "vorrangig um Vorschläge aus dem Finanz- oder Wirtschaftsministerium gebeten" worden, um sie anschließend im Kabinett zu verdichten. Sie müssten "finanzierbar, überzeugend und schnell wirksam" sein.

Als Anhaltspunkte wurden Investitionshilfen der KfW genannt, Maßnahmen im Handwerksbereich, bei der Gebäudesanierung und eine Umstellung der Kraftfahrzeugsteuer in der Weise, dass sie Elemente wie geringen Verbrauch und Ressourcenschonung fördere. Die Kanzlerin habe anerkannt, dass besonders die deutsche Autoindustrie durch die Subventionen amerikanischer Wettbewerber von der Stagnation betroffen sein könnte.

"Es gibt noch keine Liste", sagte Steg auf Nachfrage, warum das von Wirtschaftsminister Michael Glos befürwortete Vorziehen der Absetzbarkeit der Krankenkassenbeiträge nicht erwähnt worden sei. Er wollte das aber nicht so interpretiert wissen, dass diese Maßnahme damit keine Chance habe. Das Bundesverfassungsgericht habe dem Gesetzgeber bis 2010 Zeit gegeben, diese Möglichkeit zu schaffen.

Ob es technisch machbar sei, es aus konjunkturellen Gründen bereits früher umsetzen, könne er nicht einschätzen. Sollte es dazu kommen, wird das Gesamtentlastungsvolumen auf etwa neun Milliarden Euro geschätzt. In den nächsten Kabinettssitzungen soll das konkretisiert und "Anfang November mit den Koalitionsfraktionen besprochen" werden. Dabei solle auch die Steuerschätzung berücksichtigt werden. Sie ist für den 4. und 5. November angesetzt. Die Kanzlerin habe gebeten, bis zu den darauffolgenden Koalitionsgesprächen von einem Wettlauf um die Frage "Wer prescht am weitesten vor?" Abstand zu nehmen.

Merkel habe vor der Ministerrunde auch mit Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier gesprochen, der neben dem Rettungspaket für die Finanzmärkte auch einen "Schutzschirm für die Arbeitnehmer" gefordert hatte. Die Vorstellungen, die die Kanzlerin vorgetragen habe, entsprächen den Resultaten dieses Gesprächs, sagte Steg.

In der Politik wurde unterdessen über das von Merkel ausdrücklich nicht so genannte "Konjunkturprogramm" gestritten. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles forderte ein Konjunkturpaket. Dagegen regte sich jedoch Widerstand aus CDU-geführten Ländern. Auch aus der Union kommen Forderungen nach steuerlichen Entlastungen.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte, Steuersenkungen müssten sich mit dem Ziel vertragen, den Haushalt auszugleichen. "Ich meine aber, dass die Spielräume für steuerliche Entlastungen immer noch da sind." Anders sieht das dagegen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Er wandte sich abermals gegen ein traditionelles Konjunkturprogramm. Auch für Steuerentlastungen sehe er keine Spielräume, sagte der SPD-Politiker.

Müntefering will Jobs sichern

SPD-Chef Franz Müntefering sagte, nach der Sicherung der Spareinlagen der Bürger müssten nun bis Ende Oktober Beschlüsse zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen fallen. Es sei davon auszugehen, dass sich der Abbau der Arbeitslosigkeit wohl nicht im bisherigen Tempo fortsetzen werde. Müntefering plädierte für die energetische Sanierung aller öffentlichen Einrichtungen. Dies schaffe Arbeit und komme der Umwelt zugute.

Auch die Bundesbank mahnte zur Zurückhaltung. Die Begrenzung der Steuerbelastung und ein effizientes Abgabensystem seien zwar wichtige Bestandteile wachstumsfreundlicher, wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, hieß es in ihrem Monatsbericht. Sinnvoller erscheine jedoch ein vorsichtiger Ansatz, "der mit dem Ziel strukturell ausgeglichener Haushalte vereinbar ist".

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warb für Unterstützung aus der Politik und vertrauensstärkende Maßnahmen für die Verbraucher. Der BDI forderte, die Politik müsse Wachstumskräfte durch Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung mobilisieren.

AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
jetrabbit (21.10.2008, 08:41 Uhr)
merkel will industrie gezielt stürzen
wertloses papiergeld. die FED druckt immernoch 24/7. scheiss NWO.
ganzbaf (21.10.2008, 08:36 Uhr)
Die CDU kann eben nicht mit Geld umgehen

Steuergeschenke für Banken und Konzerne, der Bürger ist angeschissen.
Aber das war bei Konservennaiv ja schon immer so...)-:
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Kohl plus 1000 Milliarden Staatsverschuldung! Merkel versemmlt nochmal 500.
Was für eine "Kernkompetenz"...! ;0))
tripex (20.10.2008, 21:25 Uhr)
@Westerle.Merkwelle
Bei weiteren Recherchen, z.B. auch von Posten im Finanzwesen wirst Du insbesondere in den USA eine Verquickung von Finanzwelt und Regierung finden, die einfach haarsträubend ist. Und Europa ist dabei diese Verquickung zu kopieren. Das zieht sich bis in die Medienagenturen hinein. Daher wirst Du nie im Fernsehen oder hier beim Stern eine Reportage dazu hören oder lesen. Bei weiterem Fortschreiten kannst Du froh sein, wenn dein Kommentar oder meiner hier so stehen bleibt.
Westerle.Merkwelle (20.10.2008, 20:32 Uhr)
Welche Verbindungen hat Merkel zu Goldman&Sachs?
Hallo, Stern Redakteure,
wäre das nicht mal eine Story: unsere Volkskanzlerin ist mit GS ziemlich liiert. Siehe auch http://forum.tagesschau.de/showthread.php?p=828226#poststop
seelenflieger (20.10.2008, 20:20 Uhr)
War da nicht einmal...
...etwas von einem ausgeglichenen Haushalt 2011? Na ja, da das Ziel ja sowieso unerreichbar geworden ist (bzw. schon immer war), warum nicht gleich aus den vollen Schöpfen. Ich schätze, Deutschland hat seinen zweiten Kohl. Die Frage ist nur, wieviele Kohls Deutschland noch erträgt bevor ihm die Luft ausgeht.
lorac (20.10.2008, 20:17 Uhr)
Sehr vereehrte Frau Bundeskanzlerin...
blasen Sie mal bitte nicht der Industrie und den Bankern Staubzucker in den ALLERWERTESTEN, sondern tun Sie auch mal was für die Arbeitnehmer und den Mittelstand.
knilch_59 (20.10.2008, 20:05 Uhr)
@Aaron71 (20.10.2008, 17:49 Uhr) – selbst Denken, nicht Glauben!
Dieses Programm würde zwar an einigen wenigen Ecken zu Preiserhöhungen führen, aber keine Arbeitsplätze kosten. In den Industriezweigen, die sich im internationalen Wettbewerb bewähren müssen, werden diese Standards fast durchweg eingehalten. Im nationalen Wettbewerb wären die höheren Lohnkosten nicht verzerrend, weil alle gleichmäßig betroffen sind. Es käme lediglich in exportUNkritischen Branchen, wie Einzelhandel, Tankstellengewerbe, Bewachung, Innenreinigung und Gartenbau zu erheblichen Lohnerhöhungen. Weder das klassische Handwerk noch die Betriebe des Mittelstands wären wirklich betroffen.
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Wir brauchen mit Sicherheit kein Stützungsprogramm für die Industrie – die machen seit Jahren Rekordgewinne, die wir jetzt definitiv nicht mit Subventionen auf diesem Niveau zementieren müssen. Das lockt nur die internationalen Heuschrecken an. Wir brauchen auch keine Steuersenkungen für die breite Masse (siehe Sparquote). Wir brauchen mehr Kauf-WILLEN. Und das geht nur damit, dass die Menschen daran glauben, dass sie nicht nur heute, sondern auch morgen noch Geld im Portemonnaie haben. Die meisten haben zwar Geld genug, aber zuviel Angst vor morgen, um es ausgeben zu wollen. Und bei dieser Regierung haben sie sogar recht!
Aaron71 (20.10.2008, 17:49 Uhr)
@Knilch
außer Punkt 6 und Punkt 9 (denen ich voll zustimmen kann) stellen Ihre Vorschläge das gigantischste Arbeitsplatzvernichtungsprogramm aller Zeiten. Zum Glück wird es für solche wohlstandstötenden Ideen bei uns im Lande niemals eine Mehrheit geben.
Die Arbeitnehmer sollten in der Tat deutlich mehr in der Tasche haben. Und das geht nur über eine drastische Senkung der Lohnnebenkosten und Abgaben. Die Arbeitgeber, die mehrheitlich als Mittelständler heute schon kaum den nötigen Ertrag haben, um ihre Betriebe konkurrenzfähig zu halten, sollten von sinnlosen, ideologisch verquasten Ideen a la Mindestlohn verschont bleiben.
knilch_59 (20.10.2008, 17:15 Uhr)
Alles Quatsch!
Der nächste Schuldenberg in öffentlichen Haushalten – das nächste Konjunkturprogramm. Kein Bedarf: Die Wirkung ist erst langfristig – noch sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Scheiß auf Steuerentlastungen, wir wissen mittlerweile, dass die Arbeitnehmer doch letztlich ihre Steuerentlastung selbst bezahlen. Neues Denken braucht das Land:
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Unsere Sparquote beträgt 10 % - Anscheinend gibt es mehr als genügend Bürger in diesem Land, die – trotz allem – noch Geld übrig haben. Bei denen würde jede Steuerentlastung zum Angstsparen führen – Konjunkturwirkung = 0!
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Wie wäre es denn, wenn man den Arbeitnehmern statt mehr Geld mehr Sicherheit gibt? Alleine das schafft schon Raum für privaten Konsum und Investitionen. Und kostet den Staat keinen Cent!
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1. Mindestlohn – sofort und in allen Branchen einheitlich in den alten und neuen Ländern
2. Verbot neuer befristeter Arbeitsverträge mit über 6 Monaten Dauer ab dem 01.01.2009
3. Gesetzliche Gleichsetzung der Bezahlung von Leiharbeit mit der Stammbelegschaft: Beweislastumkehr für Lohngerechtigkeit liegt beim Arbeitgeber
4. Kontingentierung der 400-€-Jobs auf eine Lohnsumme von 48.000 € jährlich pro Betrieb.
5. Abschaffung der 1-€-Jobs für alle Beschäftigungsverhältnisse außerhalb der unmittelbaren öffentlichen Verwaltung.
6. Erlaubnis der Verkürzung der Kündigungsfristen des § 622 BGB bei gleichzeitiger entsprechender Erhöhung der Abfindungen
7. Abschaffung aller unbezahlten Praktika und Volontariate, über 2 Wochen Dauer, es sei denn als Pflichtpraktika im Rahmen einer schulischen oder anderen staatlich anerkannten Bildungsmaßnahme.
8. Gesetzliche Begrenzung von Mehrarbeit / Überstunden ohne Zeitausgleich: Für alles, was über 5% über der vertraglichen Arbeitszeit liegt, muss der Arbeitgeber alleine die Sozialversicherungsbeiträge bezahlen und die Lohnsteuer – pauschaliert - übernehmen.
9. Verschärfung der Bestrafung von Schwarzarbeit: Für den Auftraggeber das Dreifache der „ordentlichen“ Auftragssumme, für den Auftragnehmer das komplette dafür erhaltene Entgelt.
10.
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So könnte man Milliarden in die Kassen der einfachen Arbeitnehmer transferieren und gleichzeitig die staatlichen Einnahmen sichern. Der Konsum würde die Wirtschaft an vielen Stellen ankurbeln, so dass die staatliche Schuldenfinanzierung über ein konventionelles Konjunkturprogramm unnötig würde.
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Aber dazu wird es nicht kommen – kein Experte würde davon profitieren, kein Manager könnte sich ein Stück vom Kuchen abbeißen. In diesem unseren Land ultimative Gegenargumente!
-Dagegen- (20.10.2008, 17:11 Uhr)
Wie wäre es...
wenn die vom Bildungsfernsehen eingelullten Bürger einfach mal aufwachen würden? Da wird ein Milliardenpaket für Zocker im Turbomodus auf den Weg gebracht,- aber auf notwendige Investitionen in Bildung und Infrastruktur wartet man Jahrzehnte! Hallo,- wo bin ich hier eigentlich?
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