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25. März 2008, 18:10 Uhr

Ein Sponti zum Knutschen

Das ZDF strahlt ein Portrait zum 60. Geburtstag von Joschka Fischer aus. Der Film ist von einem riesengroßen Anfängerfehler gezeichnet: Phasenweise erzählt der Autor derart kritiklos aus der Fischer-Heldensaga, dass einem beim Zusehen mulmig wird. Von Sebastian Christ

Das ZDF-Portrait über Fischer (hier mit Gerhard Schröder) ist weitgehend kritikfrei© AP Photo/Roberto Pfeil

Stellen Sie sich vor, das öffentlich-rechtliche Fernsehen würde zur besten Sendezeit ein Portrait von Helmut Kohl ausstrahlen, und zu Wort kämen im Interview nur seine Freunde und Weggefährten: Norbert Blüm, Bernhard Vogel und Elisabeth Noelle-Neumann. Die Glanzszenen seiner Amtszeit würden mit getragener Musik unterlegt, seine düsteren Politmomente wohlwollend eingeordnet werden. Es wäre nicht nur eine schlechte journalistische Leistung, sondern auch ein kleiner TV-Skandal. Mit Recht.

Und genau das ist auch der Film zum 60. Geburtstag von Joschka Fischer, den das ZDF am Dienstag um viertel nach acht ausstrahlte. Von seinen politischen Gegnern kommt lediglich Jutta Ditfurth zu Wort, und das auch nur in einem Bildschnipsel von vielleicht zehn Sekunden. Ansonsten zeigt Autor Hubert Seipelt phasenweise eine derart bedrückende Kritiklosigkeit an dem Wirken und Schaffen des grünen Machtmenschen, dass man den Filmemacher und sein Team am liebsten mit dem Nudelholz zurück in den Schnittraum jagen würde.

Seipelts Kernthese lautet: „Keiner verkörpert den Marsch durch die Institutionen so wie Joschka Fischer“. Seipelt lässt diesen Satz schon in den ersten Minuten von einem Sprecher aufsagen, und alle folgenden Bilder wirken wie Fetzen eines multimedialen Erinnerungsalbums, das genauso gut bei Fischers daheim im Schlafzimmerschrank liegen könnte. Die Revoluzzer-Zeit des Ex-Spontis wird mit Musik von den Beatles und den Doors untermalt. Haut Fischer einem Polizisten auf den Helm, erklingt aus dem Hintergrund der Ton, Steine, Scherben-Song „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. Fader Beigeschmack inklusive.

Der Fokus des Films liegt auf den Anfangsjahren Joschka Fischers. Wahrscheinlich, weil es zu diesen Bildern die beste Musik gab. Die politische Karriere des wohl beliebtesten Außenministers aller Zeiten wird dagegen im Stakkato-Stil nacherzählt. Dabei hätte man hier die interessantesten Stimmen sammeln können. Was denken eigentlich die sozialdemokratischen Koalitionspartner aus Hessen über Fischer, von dem sie sich 1987 im Streit getrennt hatten? Wie hat Wolfgang Schäuble den Aufstieg Fischers wahrgenommen, der ihm und seiner Partei 1998 die Macht gekostet hat? Und überhaupt: mehr Ditfurth!

Stattdessen darf Madeleine Albright in die Kamera texten, wie angenehm die Zusammenarbeit mit Fischer war. Und Daniel Cohn-Bendit spricht über seinen Parteifreund, als hätten sie schon im Sandkasten die Förmchen und Schäufelchen geteilt. Das Ganze hat so viel Tiefgang wie ein Schlauchboot und kratzt auch nicht nur ansatzweise an Fischers Denkmal.

Fairerweise muss man sagen: Auch Seipelts Film hat einige starke Momente. Zum Beispiel, als der ehemalige Frankfurter Polizeipräsident zugibt, dass oft zu hart mit den Spontis umgesprungen wurde. Oder wie Fischers feindliche Übernahme der Grünen im Sommer 1980 skizziert wird. Realistischerweise muss man jedoch auch feststellen: Die starken Momente tragen den Film nicht. Und die schwachen erst recht nicht.

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
ganzbaf (26.03.2008, 15:46 Uhr)
Na ja, sowas hat nicht viel zu bedeuten...

Der Helmut, der Kohlsche, ist auch Doktor, Ehrenbürger, Professor und was weiß ich noch alles...
Vor allem hätte er sogar fast noch den Friedensnobelpreis eingeheimst! (-;
Aber vielleicht schafft DAS ja noch der olle Fischkopp... ;-Pp
tufang (26.03.2008, 14:09 Uhr)
@Reality
Mit Ihre Kommentar disqualifizieren sie sich ohne zu merken !!
Der Fischer war einen SÜPER Politiker und Außenminister sonst würde er nicht Heute in einem Privat-Uni in USA als Gast Prof arbeiten sie EI !!
Er hat wenigstens ein Vergangenheit !!
moreno43 (26.03.2008, 08:28 Uhr)
Ein Mann will nach oben
...was Joschka Fischer betrifft, so gilt fuer ihn in nahezu demselben Ausmass dieselbe politische Disposition wie fuer seinen Koaliltionspartner Gerhard S. - und die lautet: ein Mann will nach oben.
U(m etwas anderes ist es diesen Herrschaften ohnehin nie gegangen.
Schade, dass so viele ihnen auf den Leim gegangen sind, inklusive meiner Person......
Watschdog39 (26.03.2008, 07:53 Uhr)
Fischer, Schröder und Compagnons
sind wie Sternschnuppen, die kurz am Polithimmel auftauchen. Wir erinnern uns an diese Personen weil sie durch die Medien zum Leuchten gebracht wurden. Aber wer erinnert sich an eine positive Handlung (Der Abgang nicht mitgerechnet)?
Fischer und sein Freund Cohn-Bendit lebten in Frankfurt in einer WG.
http://www.schweizerzeit.ch/0501/kinder.htm
Was solche "Vorbilder" als normal erachten gibt dieses Beispiel wieder.
Fischer bekam einen "Lehrstuhl" in Princetown, einer relativ kleinen Uni in den USA. Man musste den Studenten jedoch erst mal erklären, wer der Mensch eigentlich ist, der ihnen hier globale Zusammenhänge beibringen will.
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,444473,00.html
Leute, man kann wählen wen man will, für unser Vaterland arbeitet keiner von denen.
schlotti (25.03.2008, 23:04 Uhr)
@ganzbaf
Hallo ganzbaf,
ich vermisse den obligatorischen Hinweis auf Wowereit...
Da bin ich ja ganzbaf ;-)
MfG,
Schlotti
gmathol (25.03.2008, 22:30 Uhr)
Nix zu knutschen.
Fischer hat Kurnaz in Guantanamo Bay praktisch verrecken lassen. Fischer hat uns Kriegseinsaetze gebracht und u. a. auch die feigen Bombenabwuerfe der USA und NATO in Jugoslawien unterstuetzt.
Der junge Fischer hat auf einem am Boden liegenden Polizisten "aus Wut" eingeschlagen.
Diese Existenz kann einfach kein Vorbild sein!
ganzbaf (25.03.2008, 22:02 Uhr)
Ja, dann bet ´ halt schnell zwölf Rosenkränze...
bekreuzige dich und krieg dich wieder ein... ;-P
Nicht der "Chaot" Fischer war das Problem sondern der skupellose Machtmensch Fischer.
Reality (25.03.2008, 21:12 Uhr)
Was für ein Chaot....
Wußte gar nicht welch einen Chaoten wir da als Außenminister hatten.
Habe mir die Sendung heute angesehen.
Mein Gott können wir froh sein, daß in dieser Zeit des Herrn Fischer nichts schlimmeres auf uns zugekommen ist.
Welch ein Mensch, welch chaotische Lebensbiographie !
In welchen Händen lag unser Schicksal zu der zeit als er Außenminister war.
Mein Gott - was für ein Chaot.!
ganzbaf (25.03.2008, 20:14 Uhr)
Fischer wie Schröder...

zwei aufgeblasenen Egos, die ihre Parteien beinahe komplett runiniet haben.
jsbach (25.03.2008, 19:44 Uhr)
Seltsame Heldenverehrung
Offenbar ist der Film ein Beleg für die rot-grüne Unterwanderung der Institution ZDF. Politisch war Fischer schlecht für das Land; eine große Koalition unter Schröder wäre damals besser gewesen als die Rot-Grün-Ära. In substanzieller Hinsicht ist an ihm eigentlich nichts erinnerungswürdig. Nur in punkto (Eigen-)PR ist Fischer recht geschickt. Er wird vielleicht als Entertainer der Öko-Schickeria in die Geschichte eingehen.
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