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Milliardär will Mittelmeerinsel für Flüchtlinge kaufen

Fotos eines vor der türkischen Küste ertrunkenen Jungen lösen Bestürzung aus. Unterdessen heizen chaotische Zustände in Ungarn die Debatte über den Umgang mit der Flüchtlingskrise weiter an. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

Naguib Sawiris

Der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris sorgt mit einem ungewöhnlichen Vorschlag für Aufsehen: Er will eine Mittelmeerinsel kaufen, die Unabhängigkeit ausrufen und dort Flüchtlinge ansiedeln.

Um die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen, sollen Grenzkontrollen den immer schneller wachsenden Strom von Flüchtlingen nach Deutschland eindämmen. Italien erklärte sich auf Bitten Bayerns bereit, in Südtirol den Übergang nach Österreich verschärft zu überwachen. Vor dem Budapester Ostbahnhof forderten derweil tausende Flüchtlinge, in Züge nach Deutschland gelassen zu werden. Die Polizei hinderte sie aber weiter daran, den Bahnhof zu betreten.

Vor dem Treffen der EU-Außenminister haben Deutschland, Frankreich und Italien gemeinsam Reformen in der europäischen Asylpolitik angemahnt. In einem Papier für die Beratungen am Wochenende in Luxemburg dringen die drei Länder auf schnellere Asylverfahren, "größere Solidarität" unter den EU-Ländern und eine "gerechtere Verteilung" von Flüchtlingen.

Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

+++22 Uhr: Joanne K. Rowling schaltet sich ein +++

"Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling mischt sich über Twitter in die Flüchtlingsdebatte ein. Wer sich nicht in die Lage der Menschen an Bord der Flüchtlingsboote hineinversetzen könne, dem fehle irgendetwas, schrieb sie. "Sie sterben für ein lebenswertes Leben", meint sie und fügte das Twitter-Schlagwort #refugeeswelcome hinzu.

+++21.27 Uhr: Weißes Haus: Europa muss selber fertig werden +++

Europa muss nach Ansicht des Weißen Hauses mit dem Ansturm von Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten und Nordafrika selber fertig werden. Zwar stünden die USA mit Wissen und Rat zur Verfügung, sagt der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. Gefragt, ob die USA mehr Flüchtlinge aus den betreffenden Regionen aufnehmen würden, sagt er aber: "Europa hat die Kapazität, dieses Problem selber zu lösen." Andere Ankündigungen habe er nicht zu machen, sagte Earnest in Washington.

+++ 19.39 Uhr: Ägyptischer Milliardär will Mittelmeerinsel für Flüchtlinge kaufen +++

Mit einem ungewöhnlichen Beitrag will ein ägyptischer Milliardär bei der Eindämmung der Flüchtlingskrise helfen: Naguib Sawiris bot an, eine ganze Insel im Mittelmeer zu kaufen, um dort Flüchtlinge unterzubringen. "Griechenland oder Italien verkaufen mir eine Insel, ich rufe die Unabhängigkeit aus, bringe die Migranten unter und verschaffe ihnen Arbeitsplätze beim Aufbau ihres neuen Landes", schrieb der Telekommunikations-Unternehmer im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Später sagte Sawiris in einem Fernsehinterview, dass er mit seinem Plan an die Regierungen Griechenlands und Italiens herantreten wolle. Auf die Frage der Nachrichtenagentur AFP, ob sein Plan realistisch sei, sagte er: "Natürlich ist das machbar." Es gebe "dutzende verlassene Inseln, auf denen hunderttausende Flüchtlinge leben könnten". Nach Sawiris Schätzung dürfte eine Insel bis zu 90 Millionen Euro kosten. "Das Wichtigste sind aber Investitionen in die Infrastruktur", sagte er. Sawiris gab zu, dass es schwierig werden könnte, Griechenland oder Italien von seinem Plan zu überzeugen.

+++ 18.56 Uhr: Orban würde auch Zaun an der Grenze zu Kroatien bauen +++

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban kündigt den Bau eines weiteren Zauns an der Grenze zum EU-Mitglied  Kroatien an, wenn die Flüchtlinge versuchen sollten, über diesen Weg ins Land zu kommen. Er wolle keine große Zahl Muslime in Ungarn haben.

+++ 18.35 Uhr: Ertrunkener Flüchtlingsjunge soll in Heimatstadt Kobane beigesetzt werden +++

Der vor der türkischen Küste ertrunkene Flüchtlingsjunge Aylan soll nach dem Willen seines Vaters in seiner Heimat Syrien beigesetzt werden. Das Bild von Aylans durchnässter Leiche mit dem Kopf im Sand des türkischen Touristenorts Bodrum hatte am Mittwoch weltweit Entsetzen ausgelöst. Der Vater bereitet nun die Rückführung seiner toten Familienangehörigen in ihre Heimatstadt Kobane an der Grenze zur Türkei vor. Nachdem er seine Angehörigen in der Leichenhalle in Mugla na Bodrum identifiziert hatte, brach er weinend zusammen. Vor Journalisten sagte er, die ganze Welt solle sehen, was mit ihnen auf ihrer Flucht vor dem Krieg in Syrien passiert sei. Diese Aufmerksamkeit müsse dazu führen, dass andere vor demselben Schicksal bewahrt würden. "Lasst dies das letzte Mal sein."


+++ 17.51 Uhr: Russland sieht Auslöser für Flüchtlingskrise in westlicher Politik +++

Für die Flüchtlingskrise in Europa sieht Russland den Auslöser in der Nahostpolitik westlicher Staaten. "Diese beispiellose Krise ist eine direkte Folge der absolut unverantwortlichen und nicht durchdachten Politik der Regimewechsel", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, in Moskau mit Blick auf die Unruheregion. Russland sei besorgt angesichts der "offenen Hilflosigkeit" der EU.

+++ 17.36 Uhr: Österreich lädt ungarischen Botschafter ins Kanzleramt +++

Wegen der andauernden Flüchtlingsthematik hat Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) den ungarischen Botschafter geladen. "Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten, haben ein Recht auf Asyl und auf eine anständige Behandlung", sagte Faymann in Wien. Die Aussprache mit dem Botschafter sei für Freitag geplant. In der EU sollten zudem ein gemeinsamer Grenzschutz mit koordinierter Registrierung und eine "faire" Verteilung von Flüchtlingen auf alle Länder gelten, sagte Faymann weiter. Ungarn hatte zuletzt zahlreiche Flüchtlinge von Budapest aus in Zügen nach Wien ausreisen lassen. Kurz darauf hielt die ungarische Polizei eine Bahn auf dem Weg zur österreichischen Grenze an und hinderte Flüchtlinge an der Weiterfahrt.

+++ 17.15 Uhr: Mehr als 180 Flüchtlinge in Bayern aus Transportern gerettet +++

Die verstärkten Fahrzeugkontrollen der Polizei im Raum Passau zeigen Wirkung: Innerhalb von 24 Stunden befreiten Beamte mehr als 180 Flüchtlinge aus Schleuserfahrzeugen. Elf Männer wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Allein in einem Kleintransporter waren 39 Asylbewerber auf der Ladefläche zusammengepfercht, darunter 12 unbegleitete Jugendliche. Die Kontrollen finden an der Autobahn 3 - eine der Hauptschleuserstrecken - sowie auf sogenannten Ausweichrouten statt.

+++17.08 Uhr: Tschechien stoppt Hand-Markierung von Flüchtlingen +++

Nach Kritik von Menschenrechtlern markiert die tschechische Polizei Flüchtlinge ab sofort nicht mehr mit auf die Hände geschriebenen Nummern. Die Beamten sollten künftig spezielle Armbänder mit Daten zur Identifikation der Flüchtlinge verteilen, erklärte die Polizei auf ihrer Website. Am Dienstag hatten tschechische Polizisten 214 meist aus Syrien stammenden Flüchtlingen, die in Zügen aus Österreich und Ungarn die tschechische Grenze erreichten, Nummern auf die Hände geschrieben. Damit sollte nach Behördenangaben verhindert werden, dass einzelne Familienmitglieder auf der Flucht verloren gehen. Kritiker hatten sich dagegen an die Häftlingsnummern für KZ-Gefangene in der Nazi-Zeit erinnert gefühlt.

+++ 16.45 Uhr: Brandenburg will Hotel als Flüchtlings-Unterkunft anmieten +++

Brandenburg will ein Vier-Sterne-Hotel bei Frankfurt (Oder) komplett für Flüchtlinge anmieten. "Die Verhandlungen mit den Betreibern laufen", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, und bestätigte einen Bericht der "Märkischen Oderzeitung". Seit vergangenem Freitag leben dort bei laufendem Hotelbetrieb bereits 100 syrische Flüchtlinge, weil in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt Plätze fehlen. In dem Vier-Sterne-Haus gibt es etwa 350 Zimmer.

+++ 16.14 Uhr: Juncker plant Umverteilung weiterer 120.000 Flüchtlinge +++

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will den Mitgliedsstaaten vorschlagen, weitere 120.000 Flüchtlinge auf die EU-Länder zu verteilen. Damit solle auf die "sehr dringliche Situation in Italien, Ungarn und Griechenland" reagiert werden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus EU-Kreisen. Die 120.000 Menschen sollten über ein Quotensystem verteilt werden - zusätzlich zu der angestrebten Verteilung von 40.000 Flüchtlingen, die auf freiwilliger Basis bereits vorgesehen ist.

+++ 16.10 Uhr: Griechenland will 700 Mio Euro von der EU für Flüchtlinge +++ 

Zur Bewältigung des Zustroms an Flüchtlingen will die griechische Regierung die Europäische Union nach eigenen Angaben um rund 700 Millionen Euro bitten. Das Geld sei nötig, um den an den Küsten ankommenden Flüchtlingen Schutz zu bieten, sagte Wirtschaftsminister Nikos Christodoulakis.

+++ 16.06 Uhr: Deutschland und Frankreich fordern verbindliche Flüchtlingsquoten +++

Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs haben sich auf eine gemeinsame Initiative für verbindliche Quoten zur Verteilung von Flüchtlingen in der Europäischen Union geeinigt. Die gemeinsamen Positionen seien das Ergebnis eines Telefonats mit Frankreichs Präsident François Hollande und sollten nun den europäischen Institutionen übermittelt werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Besuch in der Schweiz. Merkel sprach von einem "Prinzip der Solidarität". Auch die Wirtschaftskraft und die Größe der einzelnen EU-Staaten sollten aber eine Rolle spielen.

+++ 16.01 Uhr: Ungarn: Polizei stoppt Flüchtlingszug Richtung Österreich +++

Die ungarische Polizei hat einen in Richtung österreichische Grenze fahrenden Zug mit Flüchtlingen angehalten und die Reisenden zum Aussteigen aufgefordert. Wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI weiter berichtete, hielt der aus Budapest kommende Zug in Bicske, rund 37 Kilometer westlich der ungarischen Hauptstadt. Polizisten, Dolmetscher und rund 20 Busse hätten auf die Flüchtlinge gewartet um sie in das Flüchtlingslager von Bicske zu bringen.

+++ 15.58 Uhr: Schweiz unterstützt einheitliche europäische Asylpolitik +++

Die Schweiz unterstützt nach den Worten ihrer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga eine gemeinsame europäische Asylpolitik. Dabei könnten Schweizer Erfahrungen möglicherweise auch der Europäischen Union als Vorbild dienen, sagte sie bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Bern. Sommaruga verwies insbesondere auf die Schweizer Praxis, Flüchtlinge nach einheitlichen Standards und einem Verteilschlüssel auf alle 26 Kantone zu verteilen. Ein fairer Verteilungsschlüssel wäre analog auch ein Modell für die EU-Mitgliedstaaten. Merkel sagte, die EU könne "durchaus von dem Schweizer Vorgehen lernen".

+++ 15.56 Uhr: SPD macht bei Änderung von Asylparagraf nicht mit +++

Die SPD lehnt nach den Worten von Parteichef Sigmar Gabriel eine Änderung des Asylrechts im Grundgesetz strikt ab. Das machte Gabriel in einer Rede bei der Klausur der SPD-Bundestagsfraktion in Mainz nach Angaben von Teilnehmern deutlich. Die Paragrafen 16 und 16a dürften nicht angetastet werden: "Es gibt Dinge, die sind mit der SPD nicht zu machen", sagte Gabriel. Das Asylrecht sei ein Individualrecht, das nicht von Prozentzahlen abhängig gemacht werden dürfe, betonte der Vizekanzler mit Blick auf Überlegungen aus der Union, Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern wegen ihrer geringen Chancen auf Anerkennung generell abzulehnen.

+++ 15.50 Uhr: Merkel weist Vorwürfe Orbans streng zurück +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weist die Vorwürfe des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban wegen der deutschen Flüchtlingspolitik streng zurück. Bei einem Besuch in der Schweiz sagte Merkel: "Deutschland tut das, was moralisch und was rechtlich geboten ist. Und nicht mehr und nicht weniger." Orban hatte den Zustrom von Flüchtlingen als "deutsches Problem" bezeichnet. Die Migranten wollten nicht in Ländern wie Ungarn, Polen oder Estland bleiben. "Alle würden gerne nach Deutschland gehen." Merkel entgegnete, dies sei ein "Problem, was uns alle in Europa angeht".

+++ 15.47 Uhr: Ungarische Polizei vertreibt Journalisten mit Schlagstöcken +++

Die ungarische Polizei setzt nach Angaben eines Reuters-Reporters auch Schlagstöcke ein, um Journalisten aus dem Bahnhof in Bicske (rund 35 Kilometer vor Budapest) zu vertreiben. Eine Gruppe von Migranten protestiert an der Station dagegen, in ein nahe gelegenes Aufnahmelager gebracht zu werden.

+++ 15.45 Uhr: Erdogan: EU macht das Mittelmeer zum "Flüchtlings-Friedhof" +++

In der Flüchtlingskrise hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan heftige Vorwürfe gegen die Europäische Union erhoben. Die EU habe das Mittelmeer zu einem "Flüchtlings-Friedhof" gemacht, sagte Erdogan in Ankara. Die EU-Staaten trügen eine Mitverantwortung für den Tod unzähliger Menschen. "Es sind nicht nur die Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken. Es ist auch unsere Menschlichkeit. (...) Die europäischen Länder, die das Mittelmeer in einen Flüchtlingsfriedhof verwandelt haben, sind mit verantwortlich für jeden einzelnen gestorbenen Flüchtling", sagte Erdogan bei einer Rede vor Geschäftsleuten.

+++ 15.40 Uhr: "Breiter Konsens" für Ausweitung von Anti-Schlepper-Einsatz der EU +++

Unter den EU-Staaten gibt es in der Flüchtlingskrise nach Einschätzung der EU-Kommission breite Unterstützung für die Ausweitung des Militäreinsatzes gegen Schlepper im Mittelmeer. "Ich sehe einen breiten Konsens zur Notwendigkeit, Phase zwei zu starten", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini nach einem Treffen der europäischen Verteidigungsminister in Luxemburg. Ziel sei es, Schiffe von Menschenhändlern aufzubringen und zu zerstören sowie die Schleuser festzunehmen. Mogherini äußerte die Hoffnung, dass die zweite Phase des Einsatzes "in den kommenden Wochen" starten könne.

+++ 15.34 Uhr: Minister Müller fordert Umdenken in Entwicklungspolitik +++

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert wegen der globalen Krisen und der dadurch ausgelösten Flüchtlingsströme ein Umdenken in der Entwicklungspolitik: "Hier ist es nicht damit getan, die Entwicklungspolitik so am Rande ein bisschen mitlaufen zu lassen, wie es in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war. Wir müssen ganz massiv und strukturell in den Krisenländern investieren", so Müller am Rande seiner Zukunftstour für nachhaltiges Handeln in Magdeburg. Als Beispiele nannte er die Nachbarstaaten im Umfeld der Konflikte in Syrien und im Irak, darunter den Libanon, Jordanien oder die Türkei. Die Kosten für Hilfe vor Ort seien außerdem weitaus geringer als in Deutschland.

+++ 15.31 Uhr: Grüne legen Fünf-Punkte-Katalog zur Flüchtlingspolitik vor +++

Die Grünen haben einen eigenen Fünf-Punkte-Katalog zur Flüchtlingspolitik vorgelegt. Darin fordern sie unter anderem, dass der Bund einen festen Kostenbeitrag pro Flüchtling übernehmen solle, wie Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt  zum Auftakt einer Klausurtagung der Bundestagsabgeordneten in Berlin sagte. Damit sollten die Kommunen entlastet werden, begründete sie die Forderung, die mit den von den Grünen mitregierten Ländern abgestimmt sei. Weiter forderte Göring-Eckardt zusätzliche Erstaufnahmekapazitäten und schnellere Asylverfahren.  Auch Integrationskurse, vor allem Sprachkurse, sollten für alle Asylbewerber unabhängig von ihrem Status geöffnet werden.

+++ 15.23 Uhr: 500 Karten an Flüchtlinge für Bielefeld-Spiel schnell verteilt +++

Der Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld hat 500 Eintrittskarten für geflüchtete Menschen zur Verfügung gestellt. Der Andrang sei so groß gewesen, dass alle Tickets für das Heimspiel am 12. September gegen den 1. FC Heidenheim innerhalb von nur zwei Stunden ausgegeben worden seien, teilten die Ostwestfalen mit. "Wir freuen uns riesig über die überwältigende Nachfrage. Den geflüchteten Menschen und ihren Begleitern wünschen wir einen tollen Fußball-Nachmittag in der Schüco-Arena", sagte DSC-Geschäftsführer Gerrit Meinke laut Mitteilung.

+++ 14.50 Uhr: Ungarische Polizei riegelt Bahnhof in Bicske ab +++

Die ungarische Polizei hat den Bahnhof im Budapester Vorort Bicske zum Einsatzgebiet erklärt. Alle Medienvertreter wurden zum Verlassen aufgefordert.

+++ 14.48 Uhr: Mutmaßliche Schleuser nach Tod von Flüchtlingsjungen gefasst +++

Nach dem Tod eines syrischen Flüchtlingskinds, das an einem türkischen Strand gefunden wurde, werden einem Medienbericht zufolge vier mutmaßliche Schleuser festgenommen. Die türkische Polizei habe vier aus Syrien stammende Verdächtige in Bodrum gefasst, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan.

+++ 14.34 Uhr: Renzi kündigt "euroafrikanischen Gipfel" an +++

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi und sein maltesischer Amtskollege Joseph Muscat kündigen einen "euroafrikanischen Gipfel" auf Malta an. Dieser solle am 11. und 12. November stattfinden und sich mit Fragen der Migration sowie der wirtschaftlichen Ressourcen des Mittelmeerraums befassen, sagen die beiden Regierungschefs in Florenz.

Renzi fordert zugleich Änderungen in der europäischen Flüchtlingspolitik. "Europa darf nicht nur bewegt sein, es muss sich auch bewegen", sagt er laut Nachrichtenagentur Ansa. Muscat sagt, die Krise lasse sich nur lösen, wenn man einen glaubwürdigen Partner in Libyen finde. 

+++ 14.32 Uhr: FC Bayern spendet eine Million Euro für Flüchtlinge +++

Der FC Bayern München engagiert sich für Flüchtlinge und hat dabei auch eine Spende von einer Million Euro angekündigt. "Der FC Bayern sieht es als seine gesellschaftspolitische Verantwortung, den geflohenen, notleidenden Kindern, Frauen und Männern zu helfen, sie zu unterstützen und sie in Deutschland zu begleiten", sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Der deutsche Fußball-Meister plant durch seine Jugendabteilung in den kommenden Wochen ein "Trainingscamp" für Flüchtlinge einzurichten. Die Stadt soll dabei wesentliche organisatorische Aufgaben übernehmen. Die Kinder und Jugendlichen sollen beim FC Bayern trainieren, Deutsch lernen, mit Mahlzeiten und einer Fußballausrüstung versorgt werden. Zusätzlich will der Club eine Million Euro aus einem Freundschaftsspiel für Flüchtlingsprojekte zur Verfügung stellen.  

+++ 14.06 Uhr: Ein Toter bei Unfall mit Schlepper-Lkw +++

Beim Zusammenstoß eines Autos mit einem Schlepper-Lkw kommt im Norden der Slowakei ein Pkw-Insasse ums Leben. In dem Lastwagen hätten sich zum Unglückszeitpunkt 23 Flüchtlinge aufgehalten, sagt eine Polizeisprecherin der Agentur TASR. Sie seien unverletzt geblieben und in Gewahrsam genommen worden.

Der mutmaßliche Schlepper geriet demnach vor einer Tunneleinfahrt mit dem Kleinlaster auf die Gegenfahrbahn und stieß frontal mit dem Pkw zusammen. Der 57 Jahre alte Mann aus Polen sagt aus, die Flüchtlinge als Anhalter mitgenommen zu haben. Einer von ihnen habe ihm angeblich ins Lenkrad gegriffen.


+++ 13.54 Uhr: Ungarn will Sicherheitskräfte an serbischer Grenze verstärken +++

Ungarn will vom 15. September an die Grenze zum Nachbarland Serbien mit einem verstärkten Aufgebot von Polizei und Militär bewachen. Das habe Orban seinem serbischen Kollegen Aleksandar Vucic telefonisch mitgeteilt, erklärt Regierungssprecher Bertalan Havasi nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI.

Ungarns Parlament werde dazu in wenigen Tagen eine Gesetzesänderung beschließen. Man müsse darauf vorbereitet sein, dass die Flüchtlinge wegen der künftigen verstärkten Kontrollen am neuen Zaun an der Grenze zu Serbien Ausweichrouten für ihren Weg nach Westen nehmen, habe Orban seinem Kollegen in Belgrad gesagt.

+++ 13.45 Uhr: Polen: Ja zu Flüchtlingen, Nein zu Wirtschaftsmigranten +++

Die polnische Regierungschefin Ewa Kopacz versichert bei einem Treffen von Politikern der Europäischen Volkspartei (EPP), Polen wolle sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen nicht seiner Verantwortung entziehen. "Wir sind bereit, über das Ausmaß unseres Engagements auf freiwilliger Grundlage zu sprechen", sagt sie in Kattowitz (Katowice). Gleichzeitig betont sie: "Wir müssen klar sagen, dass wir es nicht schaffen, Wirtschaftsmigranten aufzunehmen." Es könne keine "unkontrollierte Zahl von Einwanderern" geben.

Polen lehnt verpflichtende Quoten für die Aufnahme von Flüchtlingen ab und hat sich bereiterklärt, in den kommenden zwei Jahren 2000 Flüchtlinge aufzunehmen. Hinzu kommen 200 syrische Christen, deren Aufnahme eine private Stiftung durchsetzte.

Es sei "völlig kontraproduktiv", Staaten zur Aufnahme von mehr Flüchtlingen zu drängen als diese bewältigen könnten, sagt Kopacz.

+++ 13.34 Uhr: Kauder kritisiert Ungarns Regierung für Vorwurf gegen Deutschland +++

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) ermahnt Ungarn, sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen an europäische Vereinbarungen zu halten. "Dublin gilt", sagt Kauder und fordert von Ungarn, sich an das Dublin-Verfahren zu halten. Danach müssen Flüchtlinge erst einmal in dem Land der EU aufgenommen werden, in dem sie zuerst ankommen. Zu den Äußerungen des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban in Brüssel, wonach der Zustrom von Flüchtlingen ein "deutsches Problem" sei, sagt Kauder: "Deshalb ist die Aussage aus Ungarn falsch." Die Versorgung Hunderttausender Flüchtlinge sei eine Herausforderung für die ganze Europäische Union und nicht nur für Deutschland. "Wenn Ungarn Dublin infrage stellt, muss man ernsthaft mit Ungarn reden."

Flüchtlinge in Ungarn: Bilder aus Budapest - Chaos, Wut und Hoffnung am Keleti-Bahnhof
  Der Keleti-Bahnhof in Budapest am frühen Morgen: Rund 2000 Flüchtlinge saßen hier seit Dienstag fest.

Der Keleti-Bahnhof in Budapest am frühen Morgen: Rund 2000 Flüchtlinge saßen hier seit Dienstag fest.


+++ 13.31 Uhr: Amnesty warnt vor Änderung des Grundgesetzes +++

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnt vor einer Änderung des Grundgesetzes im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. "Amnesty International ist alarmiert, wenn von einer möglichen Änderung des Art. 16a Grundgesetz, dem Grundrecht auf Asyl, gesprochen wird", sagt Andrea Berg von Amnesty Deutschland. Bereits 1993 sei das Asylrecht faktisch ausgehebelt worden. "Auf erhöhte Flüchtlingszahlen darf nie mit einer Einschränkung des Asylrechts reagiert werden", betont sie. 

Im Grundgesetz-Artikel 16a heißt es unter anderem: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht." Die Amnesty-Sprecherin sagt, eine mögliche verfassungsrechtliche Verankerung "sicherer Herkunftsstaaten" sei unvereinbar mit dem Menschenrecht auf die faire individuelle Prüfung eines jeden Asylantrags.

+++ 13.14 Uhr: Erstmals mehr als 100.000 Flüchtlinge in einem Monat +++ 

Im August sind mehr als 100.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und damit mehr als je zuvor in einem einzelnen Monat. Die Zahl nannte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach Angaben der Bundestagspressestelle am Mittwoch im Innenausschuss des Bundestags.

Insgesamt sei die Zahl der Flüchtlinge seit Jahresanfang damit auf 413.000 gestiegen. Mehr als jeder Vierte (112.000) davon sei aus Syrien gekommen. Bis Ende des Jahres rechnet die Bundesregierung mit 800.000 Asylsuchenden - vier Mal so viele wie im vergangenen Jahr. 

De Maizière sagte den Angaben zufolge auch, dass bis Ende August 340 Anschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland gezählt worden seien.

+++ 13.09 Uhr: SPD lehnt Mindestlohn-Ausnahmen ab +++

Die SPD lehnt eine Beschäftigung von Flüchtlingen für weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ab. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Katja Mast, weist die Forderung des Deutschen Landkreistages zurück, Asylbewerber für drei Monate vom Mindestlohn auszunehmen. "Wir wollen keine Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse", erklärt sie. "Wir wollen Lohndumping verhindern." Der Landkreistag hatte argumentiert, dass viele Flüchtlinge wegen mangelnder Sprachkenntnisse und geringer Berufserfahrung durch befristete Ausnahmen vom Mindestlohn schneller am Arbeitsmarkt Fuß fassen könnten.

+++ 13.06 Uhr: Brandstiftung in künftiger Flüchtlingsunterkunft in Witten +++

In der Ruhrgebietsstadt Witten ist von Unbekannten ein Brand in einem leerstehenden Gebäude gelegt worden, das demnächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll. Der gegen 8.15 Uhr entdeckte Schwelbrand konnte schnell gelöscht werden und richtete keinen größeren Schaden an, wie die Polizei in Bochum mitteilt.

Die Ermittler fanden heraus, dass die Täter eine Fensterscheibe an dem städtischen Gebäude eingeschlagen hatten. Zudem entdeckten die Beamten Reste von Brandbeschleunigern. Die Ermittlungen in dem Fall übernahm der Staatsschutz des Bochumer Polizeipräsidiums.

+++ 12.59 Uhr: Flüchtlinge protestieren gegen Zugräumung - Festnahmen  +++

Die Lage am Zug in Ungarn scheint zu eskalieren: Flüchtlinge, die zum Ausstieg aus dem gestoppten Zug gezwungen werden, drängen zurück in die Wagen. Die Polizei nimmt einem Reuters-Reporter zufolge Flüchtlinge fest, die sich auf die Gleise gelegt haben, um gegen ihren Transport in ein ungarisches Auffanglager zu protestieren. Dutzende Menschen fliehen.

+++ 12.53 Uhr: Polizei räumt ersten Waggon des Flüchtlingszugs +++

Die in Bicske aus dem Zug gebrachten Flüchtlinge schlagen gegen die Fenster und rufen "Kein Lager, kein Lager", wie ein Reuters-Reporter beobachtet. Rund 50 Polizisten stehen entlang des Zuges. Ein erster Waggon wird von der Polizei geräumt, die fünf weiteren sind voller Menschen.

+++ 12.38 Uhr: Linken-Chef Riexinger wirft de Maizière Rechtspopulismus vor +++

Linken-Parteichef Bernd Riexinger wirft der Bundesregierung "unsägliches Versagen" in der Flüchtlingspolitik vor. Besonders verärgert zeigt sich Riexinger über die Pläne von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), Asylbewerbern weniger Bargeld- und mehr Sachleistungen zukommen zu lassen. Mit solchen Äußerungen bediene de Maizière "rechtspopulistische Sozialschmarotzer-Rhetorik", erklärt Riexinger.

Der Linken-Chef wirft dem Innenminister zudem vor, Flüchtlinge gegen Rentner, Erwerbslose und Familien am Rande der Armutsgrenze ausspielen zu wollen. An der sozialen Ungleichheit in Deutschland seien aber nicht die Flüchtlinge schuld, sondern eine "Politik, die nicht umverteilt und den Staat als Dienstleister der Superreichen und der Konzerne degradiert".

+++ 12.16 Uhr: Polizei schickt Flüchtlinge aus Zug +++

Ungarische Polizisten weisen Flüchtlinge im Budapester Vorort Bicske an, einen Zug Richtung Sopron an der österreichischen Grenze zu verlassen.

+++ 11.53 Uhr: Ungarn verspricht Kontrolle von Flüchtlingen an Grenze +++

Die ungarischen Behörden werden nach Angaben der Regierung Flüchtlinge auf dem Weg nach Westen kontrollieren und sich damit an die Schengen-Regeln halten. Zugleich gibt der Stabschef von Ministerpräsident Viktor Orban Deutschland die Schuld an den chaotischen Zuständen im Budapester Ostbahnhof. Die Bundesrepublik habe Syrer "an den gedeckten Tisch eingeladen".


+++ 11.50 Uhr: Österreichs Bahn erwartet mehrere Züge mit Flüchtlingen +++

Die Österreichischen Bundesbahnen erwarten an der ungarischen Grenze in Sopron die Ankunft mehrerer Nahverkehrszüge mit Flüchtlingen aus Budapest. In Sopron könnten die Menschen dann in reguläre Züge umsteigen und nach Wien weiterreisen, sagte eine ÖBB-Sprecherin. Eigene Sonderzüge gebe es nicht. Der Fernverkehr aus Budapest sei weiterhin eingestellt.

+++ 11.45 Uhr: Modemesse Bread & Butter entfällt +++

Die Modemesse Bread & Butter im früheren Berliner Flughafen Tempelhof fällt im nächsten Januar aus. Grund seien die Überlegungen des Senats, in zwei der sieben Hangars Flüchtlinge unterzubringen. "Wir können keine Party neben traumatisierten Flüchtlingen machen", sagt ein Sprecher des Modehändlers Zalando, der die insolvente Messe im Juni gekauft hatte. Er bestätigt damit Medienberichte. Eigentlich wollte Zalando in Kürze das neue Konzept für die Streetwear-Schau vorlegen. Nun werde für Anfang 2016 ein Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten von Flüchtlingen vorbereitet, sagt der Sprecher. Das Unternehmen wolle zudem dem Land helfen, die
Hangars für die Unterbringung auszurüsten.

+++ 11.44 Uhr: Tschechien räumt Fehler nach Nummerierung von Flüchtlingen ein +++

Nach einer Welle der Entrüstung auf sozialen Netzwerken will Tschechien fortan auf die Nummerierung von Flüchtlingen mit Filzstiften verzichten. Fotos hatten gezeigt, wie eine Polizistin Zahlen auf die Hände von Flüchtlingskindern schrieb. Das hatte Kritiker an die Kennzeichnung von Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern im Zweiten Weltkrieg erinnert.

"Die Einsatzregeln sind präzisiert worden, so dass es nicht mehr zu ähnlichen Situationen kommen kann", teilt das Innenministerium in Prag mit. Tschechien sei sich der menschlichen Dimension der Flüchtlingswelle bewusst, betont ein Sprecher.


+++ 11.25 Uhr: Zug verlässt Budapest in Richtung österreichische Grenze +++

Ein Zug mit Flüchtlingen hat den Ostbahnhof von Budapest verlassen und ist auf dem Weg nach Sopron in der Nähe der österreichischen Grenze. Das berichtet ein Reuters-Reporter.

+++ 11.22 Uhr: Tusk will 100.000 Flüchtlinge in EU verteilen +++

Über die EU-Staaten sollten nach Ansicht von Ratspräsident Donald Tusk mindestens 100.000 Flüchtlinge verteilt werden. Wenn nicht gehandelt werde, verkomme das Wort Solidarität zu einer leeren Phrase, sagt er nach einem Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Dieser verteidigt die Errichtung eines Grenzzauns zu Serbien. Damit werde die gesamte EU verteidigt.

+++ 11.18 Uhr: Deutsche fürchten Behörden-Überforderung +++

Einer Umfrage zufolge befürchtet die Hälfte der Deutschen, dass die Behörden mit der Flüchtlingskrise überfordert sind. Bei der Erhebung für die Versicherung R+V wurden zwischen dem 05. Juni und dem 17. Juli 2373 Bürger befragt.

+++ 11.01 Uhr: Familie von ertrunkenem Jungen wollte nach Kanada +++

Die Familie eines syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im türkischen Badeort Bodrum angespült wurde, wollte einem Zeitungsbericht zufolge nach Kanada. Der Antrag sei von den kanadischen Behörden im Juni abgelehnt worden, berichtete die "National Post" unter Berufung auf eine Verwandte. Das Bild des toten Jungen sorgt weltweit für Entsetzen.

+++ 10.57 Uhr: Züge zur österreichischen Grenze in Budapest bereit +++

Flüchtlinge werden vom Budapester Ostbahnhof womöglich mit Zügen an die österreichische Grenze fahren können. Auf dem Bahnhof werden zwei Züge zu der ungarischen Grenzstadt Sopron angekündigt. Ein Zug steht bereit, Flüchtlinge drängen sich in die Abteile. Der zweite Zug ist zunächst noch nicht am Gleis.

+++ 10.51 Uhr: SPD-Vize Stegner: Finger weg vom Grundgesetz +++

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner lehnt die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgeschlagenen Grundgesetzänderungen in der Flüchtlingspolitik ab. Die Union sei gegen eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge, wolle das Taschengeld kürzen, warne vor "massenhaftem Asylmissbrauch", sei zugleich aber für Verfassungsänderungen: "So wird das mit der SPD nichts! Finger weg vom Grundgesetz", schreibt Stegner auf Twitter.


+++ 10.47 Uhr: Ungarn will ankommende Züge stoppen +++

Ungarn will offenbar auch ankommende Züge aus dem Ausland stoppen. Internationale Verbindungen würden in der Grenzstadt Szob enden, teilen die Bahngesellschaften Tschechiens und der Slowakei mit. Dies habe die ungarische Eisenbahn mitgeteilt.

+++ 10.42 Uhr: Orban sieht Flüchtlingskrise als "deutsches Problem" +++

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban sieht die Ursachen der jüngsten Zuspitzung der Flüchtlingskrise in Deutschland. "Das Problem ist nicht ein europäisches Problem, das Problem ist ein deutsches Problem", sagt Orban bei einem Besuch in Brüssel. Keiner der Flüchtlinge wolle "in Ungarn bleiben", "alle wollen nach Deutschland gehen".

+++ 10.31 Uhr: Polen fordert Kampf gegen illegale Einwanderung +++

Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna fordert, an den Außengrenzen Europa alles gegen die illegale Einwanderung zu unternehmen. Die Lage sei dramatisch, sagt er dem Sender TVP1. Sein Land sei aber bereit, Menschen in echter Notlage aufzunehmen.

+++ 10.28 Uhr: Orban kündigt neue Maßnahmen an +++

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban kündigt nach einem Treffen mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz neue Maßnahmen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise an. Diese sollen ab Mitte September greifen. Die ungarische Bevölkerung sei voller Furcht, weil die EU-Staats- und Regierungschefs keine Lösung fänden.

+++ 10.18 Uhr: Österreichische Bahn: Noch keine Infos über Flüchtlingszüge +++

Die Österreichischen Bundesbahnen haben nach eigenen Angaben noch keine näheren Informationen über Züge mit Flüchtlingen aus Ungarn. Man sei auf jeden Fall in Alarmbereitschaft, sagt ein Sprecher.

+++ 10.14 Uhr: Sicherheitsfirma entlässt Wachmann in Heidenau +++

Ein Wachmann, der das Flüchtlingsheim in Heidenau bewachen sollte, ist aufgrund rechter Sympathien entlassen worden. "Gegenüber rechten oder gar fremdenfeindlichen Tendenzen haben wir eine Null-Toleranz-Politik", sagt der Sprecher der Sicherheitsfirma "Securitas", Bernd Weiler. Der Mann sei in einem Subunternehmen angestellt gewesen. Er habe in Heidenau das Flüchtlingsheim kurze Zeit bewacht.

Nach einem Hinweis vom Montag, dass der Wachmann in sozialen Medien mit rechtem Gedankengut sympathisiere, wurde er vom Wachdienst abgezogen. Zuvor berichtete die "Süddeutsche Zeitung" über den Fall. "Securitas" hatte laut Weiler vor dem Dienstantritt des Mannes in Heidenau die Personalunterlagen sowie polizeiliche Führungszeugnisse geprüft. Es habe keine Auffälligkeiten gegeben.
 

+++ 9.55 Uhr: Heidenaus Bürgermeister redet mit Einwohnern +++

Nach den rechtsradikalen Protesten in Heidenau führt der Bürgermeister der Stadt, Jürgen Opitz, Einzelgespräche mit Einwohnern. "Der Dialog in der kleinen Form ist ein Mechanismus, der unser Land vor über 25 Jahren vor schweren Auseinandersetzungen bewahrt hat. Er sollte wieder funktionieren", sagt Opitz in einem Interview mit der "Sächsischen Zeitung". Mehrfach bot Opitz Gespräche an. Am Montag nahm ein junger Mann das Angebot an. Einen Tag später führte der Bürgermeister mit rund 20 Handwerkern und Unternehmern rund zwei Stunden weitere Gespräche über die Asylpolitik. Missverständnisse seien dabei aufgeklärt worden, so Opitz.

Viele Menschen in Heidenau hießen die derzeitige Asylpolitik nicht
gut. Hetze, Gewalt und Hass seien jedoch zu verurteilen. "Wir müssen
aus dem Generalverdacht, Nazi oder Pack zu sein, raus", sagt Opitz.

+++ 9.45 Uhr: Wiener Polizeichef will Flüchtlinge durchreisen lassen +++

Der Wiener Polizeichef hat nach eigenen Angaben keine Absicht, ankommende Flüchtlinge zu kontrollieren. Er wolle sie ihre Reise fortsetzen lassen.

+++ 9.43 Uhr: Flüchtlinge stürmen falschen Zug +++

Nach Informationen des ungarischen Nachrichtenportals "index.hu" steigen die Flüchtlinge am Ostbahnhof in Budapest auf der Suche nach Zügen in Richtung Westen in einen Zug, der Richtung Serbien fahren soll. Als sie ihren Irrtum bemerken, steigen sie wieder aus. Die ungarische Eisenbahngesellschaft MAV erklärt, es gebe keine direkten Züge von Budapest nach Westeuropa. Auf dem Bahnhof gab es entsprechende Durchsagen.

+++ 9.02 Uhr: 125 Ausländer in Bulgarien festgenommen +++

Die bulgarischen Behörden nehmen in der Hauptstadt Sofia 125 Ausländer fest. Zur Begründung heißt es, sie seien eingereist, ohne einen Asylantrag zu stellen.

+++ 8.53 Uhr: Keine Züge von Budapest nach Wien +++

Momentan fahren nach Angaben der österreichischen Polizei keine Züge vom Ostbahnhof in Budapest nach Wien. Die weitere Vorgehensweise würde derzeit besprochen.

+++ 8.46 Uhr: Platz vor Bahnhof fast leer +++

Der Platz vor dem Gebäude des Bahnhofs in Budapest hat sich weitgehend geleert, nachdem mehr als 1000 in den Bahnhof geströmt sind.

+++ 8.32 Uhr: Chaos an Budapester Bahnhof - Flüchtlinge stürmen Zug +++

Am Ostbahnhof in Budapest spielen sich chaotische Szenen ab: Flüchtlinge versuchen einem Reuters-Fotografen zufolge einen Zug zu stürmen. Der ungarische Bahnbetreiber erklärt, es gebe derzeit keine direkten Zugverbindungen von Budapest nach Westeuropa.

+++ 8.24 Uhr: Flüchtlinge drängen in Budapester Ostbahnhof +++

Die ungarische Polizei zieht sich am Budapester Keleti-Bahnhof von den Absperrungen zurück. Flüchtlinge drängen daraufhin in die Station. 

+++ 5.11 Uhr: Politologe: Flüchtlinge brauchen deutsches Arbeitsethos +++

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler hält es für unumgänglich, aus den vielen Flüchtlingen "Deutsche zu machen". Der Sachbuchautor ("Der große Krieg") sagt in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur: "Wir müssen die Menschen in unsere Arbeitswelt eingliedern mit dem entsprechenden Arbeitsethos. Und wir müssen sie zweitens in unsere politische Kultur eingliedern mit dem entsprechenden Toleranzethos." Multikulti helfe dabei nicht so viel: "Multikulti ist ganz nett, aber entscheidend ist, dass diese Menschen in unsere Gesellschaft hineinpassen."

+++ 0.51 Uhr: UN-Sicherheitsrat prüft Resolution zu Anti-Schlepper-Einsatz +++

Der UN-Sicherheitsrat prüft derzeit einen Resolutionsentwurf, der einen EU-Einsatz gegen Schleuser auf dem Mittelmeer erlauben würde - allerdings nur in internationalen Gewässern. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin erklärt in New York, die Resolution könne womöglich noch in diesem Monat vom Sicherheitsrat beschlossen werden. Dabei gehe es um Maßnahmen auf hoher See außerhalb von libyschen Hoheitsgewässern.

Tschurkin machte keine näheren Angaben zu dem Resolutionsentwurf. Diplomaten zufolge soll der von Großbritannien vorgelegte Entwurf die Beschlagnahme von Schleuser-Schiffen in internationalen Gewässern erlauben. Ein früherer Entwurf hätte derartige Einsätze auch in libyschen Gewässern erlaubt.

+++ 0.29 Uhr: Östliche EU-Länder verteidigen Nein zu Flüchtlingsquoten +++

Die Außenminister von Lettland, Litauen und der Slowakei haben ihre Ablehnung verpflichtender EU-Quoten für die Aufnahme von Flüchtlingen verteidigt. So sagt der slowakische Außenminister Miroslav Lajcak der "Bild"-Zeitung: "Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass diese Menschen nicht in die Slowakei kommen und bleiben wollen." Die Flüchtlinge wollten vielmehr weiter nach Deutschland, Großbritannien und Schweden. "Quoten halten keine Migranten auf, sie verhindern nicht, dass sie in Lkw oder auf Schiffen umkommen", gibt Lajcak zu bedenken.
Der litauische Außenminister Linas Linkevicius äußert sich ähnlich: "Pflicht-Quoten lösen nicht das Problem. Wir wollen denen helfen, die um ihr Leben fürchten und vor Krieg fliehen, aber nicht denen, die nur besser leben wollen", sagt er. Der lettische Außenminister Edgars Rinkevics fordert, bei der Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Staaten stärker zu berücksichtigen, "was jedes Land leisten kann". Er sei für "freiwillige Lösungen". Außerdem müsse sich die EU überlegen, "wie wir die behandeln, die kein Recht auf Flüchtlings-Status haben".

+++ 0.12 Uhr: Orban übt scharfe Kritik an EU-Flüchtlingspolitik +++

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban kritisiert die EU-Flüchtlingspolitik scharf und verteidigt zugleich die Maßnahmen seiner Regierung wie etwa den Bau eines Grenzzauns. In einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" beklagt sich Orban über eine "verfehlte Einwanderungspolitik" der EU. "Jeder europäische Politiker ist verantwortungslos, der Einwanderern Hoffnungen auf ein besseres Leben macht und dazu ermuntert, alles zurückzulassen, um unter Einsatz ihres Lebens in Richtung Europa aufzubrechen", schreibt Orban.

"Deshalb ist der Zaun, den wir Ungarn bauen, wichtig. Wir machen das nicht aus Spaß, sondern weil er notwendig ist", fügt der rechtsgerichtete Ministerpräsident hinzu. Es sei "ziemlich deprimierend, dass außer uns Ungarn - oder den Spaniern - niemand die Grenzen Europas beschützen will." Über jede andere Frage zur Flüchtlingskrise "lohnt es sich nur dann zu sprechen, wenn die Flut aufgehalten worden ist", heißt es in dem Gastbeitrag weiter.
"Wer überrannt wird, kann niemanden aufnehmen", mahnt Orban in der "FAZ". Der ungarische Regierungschef stellte in seinem Beitrag außerdem die Frage, ob es nicht grundsätzlich besorgniserregend sei, "dass die christliche Kultur Europas bereits kaum noch in der Lage ist, Europa in der eigenen christlichen Wertordnung zu halten?"

+++ 0.10 Uhr: Luxemburgs Außenminister fordert europäische Flüchtlingsbehörde +++

Für eine vollständige Europäisierung der Asylverfahren hat sich der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn ausgesprochen, dessen Land derzeit die EU-Präsidentschaft innehat. "Wir brauchen europäische Prozeduren", sagt er der "Süddeutschen Zeitung". Das zwar "europäisch ausgerichtete, aber national verwaltete" Asylsystem führe zu "unglaublichen Diskrepanzen bei den Verfahrenslängen und Anerkennungsquoten". Deshalb müsse das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) in Malta zu einer europäischen Flüchtlingsbehörde ausgebaut werden. Diese solle EU-weit dafür sorgen, dass die gleichen Standards angewandt werden. Notwendig sei dann auch eine europäische Gerichtsinstanz. Im Krisenfall müssten überdies europäische Grenzbeamte an den Außengrenzen eingesetzt werden können.  


amt/mka/DPA/AFP/Reuters
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