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15. Februar 2008, 09:27 Uhr

Berliner stimmen über Tempelhof ab

Neue Etappe im Kampf um die Erhaltung des Berliner Flughafens Tempelhof: 200.000 Menschen haben ein Volksbegehren unterschrieben - damit kommt es bald zu einem Volksentscheid. Die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof spricht von einem "großartigen" Erfolg.

Mit einem Volksbegehren wollen Berliner die Schließung des Flughafens Tempelhof verhindern© Stephanie Pilick/ DPA

Mehr als 200.000 Berliner haben ein Volksbegehren gegen die Schließung des Flughafens Tempelhof unterschrieben. Damit kommt es in der Hauptstadt bis Ende Juni zu einem Volksentscheid. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kündigte an, die Berliner baldmöglichst zu den Wahlurnen rufen. "Der Volksentscheid sollte so früh wie möglich sein", sagte Wowereit. Auf einen genauen Zeitpunkt legte sich der Regierungschef noch nicht fest. Der erstmögliche Termin ist Ende April.

Die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (Icat) sprach von einem "großartigen" Erfolg. Beim Volksentscheid sind dann rund 606 000 Ja-Stimmen (25 Prozent der Wahlberechtigten) nötig. Das Ergebnis ist für die rot-rote Landesregierung allerdings nicht bindend. So macht diese seit langem deutlich, dass sie unabhängig vom Ausgang des Votums an ihrer Rechtsposition festhält und Tempelhof schließen will.

Bereits zwei Wochen vor Fristablauf war die für einen anschließenden Volksentscheid erforderliche Zahl von rund 170.000 Stimmen erreicht worden. Das endgültige Ergebnis stellt der Landeswahlleiter am 23. Februar fest.

Landesregierung verteidigt Schließung

Die Berliner Landesregierung bleibt in dem Streit indes hart. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) verteidigte die für Herbst geplante Schließung. Im rbb-Inforadio äußerte sie zwar Verständnis für Bürger, die etwa aus historischen Gründen den Flugbetrieb erhalten wollten. Dies würde aber den Großflughafen BBI in Schönefeld und damit das größte Infrastrukturprojekt der Region gefährden und wäre daher "unverantwortlich", mahnte sie.

Der ehemalige DDR-Flughafen Schönefeld soll zum Airport Berlin Brandenburg International (BBI) ausgebaut werden. Der Senat will den ältesten Berliner Flughafen Tempelhof deshalb in diesem Herbst schließen. Nach Eröffnung des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld in einigen Jahren soll dann auch der andere Berliner Flughafen Tegel dicht machen.

Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer bezeichnete die vorgesehene Schließung Tempelhofs auch als "wunderbare Chance": Das 360 Hektar große Areal mitten in der Stadt biete Möglichkeiten zur Entwicklung, betonte sie. So könnten auf dem Gelände neben einem Landschaftspark auch neue, ökologisch ausgerichtete Wohngebiete und entstehen und Gebäude von der Kreativwirtschaft genutzt werden.

Tempelhof hat weniger Fluggäste

Der Verkehr in Tempelhof nimmt derweil weiter ab: Im Januar wurden 21.235 Fluggäste gezählt, 9,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zugleich wurden in Schönefeld im Januar knapp 400.000 Passagiere abgefertigt, in Tegel fast eine Million.

Ein neues Volksabstimmungsgesetz, das am Abend im Abgeordnetenhaus beschlossen werden sollte, will die Bürgerbeteiligung künftig noch erleichtern. So können Unterschriften für ein Volksbegehren dann nicht nur auf den Bürgerämtern abgegeben, sondern auch auf der Straße gesammelt werden.

Lio/ AP/ DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Franzoesin (15.02.2008, 15:56 Uhr)
Landschaftspark statt Tempelhof
Es zeigt sich, dass in der Tat, die von den Besatzern eingesetzten "Politiker" !?! die unfähigsten Personen sind, die man in Deutschland gefunden hat, und natürlicherweise noch nie FÜR die Interessen des DEUTSCHEN Volkes aktiv waren, sind und sein werden.
Soll der Flughafen jetzt übrigens abgerissen werden, um eine Wiese zu haben ? Ein etypisch deutsche Lachnummer das Ganze - aber jedes Volk hat die Politiker , die es verdient.
indepen (15.02.2008, 15:02 Uhr)
Gewissenskonflikt
Ich hab' unterschrieben! Nicht deswegen, weil der Flughafen Tempelhof die "Mutter aller Flughäfen" ist. Auch nicht, weil ich denke, dass er als Flughafen aus nostalgischen Gründen (Luftbrücke) erhalten werden muss. Ich finde, dass jedes Stadt stolz darauf sein kann, einen City-Airport zu haben. London hat Milliarden dafür ausgegeben und ist überaus glücklich damit, andere Städte planen ähnliche Flughäfen. Auf solche Airports gehören die Commuter-Fluzeuge, so wie Brussels Airlines das vormacht. Leise, moderne Maschinen, abgasarm und ideal für kurze Strecken.
In fünf Minuten vom Flughafen Tempelhof zum Stadtzentrum. Das soll den Berlinern erst mal jemand nachmachen!
Wo mein Konflikt liegt? Nachdem ich unterschrieben hatte, wurde mir klar, dass die Berliner CDU ganz tief in der Tempelhof-Interessengemenschaft drinsteckt. Und die CDU ist für mich, zumindest in Berlin, unwählbar und nicht unterstützenswert. Was bleibt, ist die Krux mit Wowereit. Setzt er sich wirklich über "Volkes Wille" hinweg und lässt Tempelhof sterben, kann er seinen Posten vermutlich abgeben. Und jetzt? Ist der bevorstehende Volksentscheid schon eine vorweggenommene Wahl zum Abgeornetenhaus? Ich weiss es nicht! Soll ich nun mein Kreuzchen, so wie es eigentlich richtig wäre, für Tempelhof machen und damit womöglich die CDU stärken? Eine Horrorvorstellung. Oder soll ich gar nicht wählen und der Senat macht den Flughafen kaltblütig und über alle Wählerköpfe hinweg zu?
Wo liegt die Lösung?
dist-bln (15.02.2008, 14:38 Uhr)
Landschaftpark... und König Klaus ideenloser- unfähiger Senat.
"So könnten auf dem Gelände ein... Landschaftspark entstehen..." Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer. Neben der Hasenheide also noch ein Park für die Drogendealer... Wie unfähig und uninteressiert muss man eigentlich sein, um im Senat von König Klaus einen Ressort zu leiten?
influ (15.02.2008, 14:22 Uhr)
Der Flughafen sollte sich aber einigermassen selbst tragen
Erhöhst du die Steuern ein wenig um das auszugleichen sind ganz schnell alle dagegen würd ich sagen.
Es sei denn das Ding arbeitet wirtschaftlich, dann will ich nix gesagt haben!
Acco21 (15.02.2008, 10:13 Uhr)
Politiker fernab von der Welt
Hier kann man mal wieder Sehen, das es unseren Politikern egal ist, was das Volk will.
Die Bürger stimmen für einen Erhalt des Flughafens, aber das ist den Regierenden vollkommen egal.
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