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3. Januar 2007, 10:04 Uhr

Mehrheit der Bayern lehnt Stoiber ab

Edmund Stoiber ist in der Wählergunst tief gefallen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern sind 60 Prozent der bayerischen Wähler dagegen, dass der CSU-Chef 2008 bei der Landtagswahl noch einmal antritt.

Trotz aller Kritik an seiner Person, verteidigt seine Partei in Umfragen die absolute Mehrheit: der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber© Johannes Simon/DDP

Lange galt er als Garant für satte Mehrheiten der CSU in Bayern, doch nach der Spitzelaffäre ist CSU-Chef Edmund Stoiber in der Gunst der Wähler tief gefallen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des stern sind 60 Prozent der Befragten bayerischen Wähler dagegen, dass die CSU 2008 mit Stoiber als Spitzenkandidaten in die Landtagswahl zieht. Nur 32 Prozent der Befragten sind dafür. Das Ergebnis der Umfrage belegt das tiefe Misstrauen, das in der Bevölkerung gegenüber Stoiber entstanden ist - durch seine überhastete Flucht aus Berlin nach der Bundestagswahl 2005, aber auch durch die vorweihnachtliche Spitzelaffäre. Dabei stehen die CSU-Anhänger noch mehrheitlich hinter Stoiber. 52 Prozent der von Forsa befragten Anhänger der Christsozialen wollen mit Stoiber ins Rennen gehen. Stützen kann sich Stoiber auf dieses Ergebnis jedoch nicht. Immerhin 45 Prozent der CSU-Anhänger sind gegen eine erneute Kandidatur des Ministerpräsidenten.

Absolute Mehrheit für CSU

Spitzelaffäre hin, Stoiber her: Trotz der internen Tumulte um die Kür ihres Spitzenkandidaten darf die CSU offenbar damit rechnen, auch künftig mit einer stabilen Parlamentsmehrheit in Bayern regieren zu können. Laut Forsa würden sich bei einer Wahl am nächsten Sonntag 54 Prozent der Wähler in Bayern für die Christsozialen entscheiden. Im Vergleich zur letzten Wahl im September 2003 würde dieses Ergebnis zwar einen Verlust von sieben Prozentpunkten bedeuten. Damals holte die CSU 60,7 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis zeigt aber, dass selbst ein in der Wählergunst gefallener Spitzenkandidat Stoiber die CSU wohl kaum die Macht im Freistaat kosten dürfte. Dennoch dürfte die Nähe zur 50-Prozent-Marke die Nervosität in der Partei erhöhen.

Klar offenbart die Umfrage zur Landtagswahl zudem die eklatante Schwäche der stärksten Oppositionspartei in Bayern: Die SPD kommt auf schlappe 18 Prozent - und unterbietet damit noch ihr schlechtes Ergebnis von 19,6 Prozent bei den vergangenen Landtagswahlen im Jahr 2003. Die Sozialdemokraten können in Bayern nicht einmal davon profitieren, dass sich die CSU öffentlich selbst zerlegt. Stimmgewinne verzeichnen können allerdings die Grünen. Sie legen von 7,7 Prozent im Jahr 2003 auf 9 Prozent zu. Die FDP überspringt mit 6 Prozent die 5-Prozent-Hürde, an der sie 2003 mit 2,6 Prozent noch scheiterte. Offenbar wandern CSU-Wähler zur FDP ab.

Mehrheit der Befragten für Urwahl

Seit seiner überhasteten Flucht aus Berlin nach der Bundestagswahl im September 2005 gilt Stoiber als angezählt. Auslöser des aktuellen Unmuts gegenüber dem CSU-Chef ist ein offener Streit innerhalb der CSU, der in der Woche vor Weihnachten ausbrach. Die Fürther Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli behauptete, sie sei von Stoibers engsten Mitarbeitern bespitzelt worden. Stoiber bestritt die Vorwürfe, aber Michael Höhenberger, sein Büroleiter in der bayerischen Staatskanzlei und enger Vertrauter, musste dennoch gehen.

Pauli versucht seither, die stoiberkritische Dynamik zu nutzen, um eine Urwahl des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 durchzusetzen. Die Mitglieder sollen entscheiden. Bei Wählern und Parteimitgliedern trifft Paulis Plan auf Zustimmung. In der Forsa-Umfrage des stern sprach sich eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten für eine Urabstimmung über den CSU-Spitzenkandidaten aus, nur 36 Prozent waren dagegen. Auch unter den CSU-Anhängern gab es eine Mehrheit von 51 Prozent für eine interne Wahl. 39 Prozent der CSU-Anhänger lehnten den Vorschlag ab.

Parteispitze versucht Flucht nach vorne

Auch die Parteiführung sperrt sich gegen den Plan. Die CSU-Spitzen versuchen es stattdessen mit der Flucht nach vorne. Stoiber soll möglichst schnell zum Spitzenkandidat gekürt werden, um eine Personaldiskussion geschwind zu ersticken. Potenzielle Rivalen Stoibers stärken dem Chef entweder den Rücken, wie etwa Joachim Herrmann, Fraktionschef der CSU im bayerischen Landtag, oder sie halten sich bedeckt, wie etwa Landwirtschaftsminister Horst Seehofer. Am Dienstag wurde bekannt, dass Stoiber nun möglicherweise schon Mitte Januar von der Landtagsfraktion zum Spitzenmann ausgerufen werden soll. Am kommenden Montag soll das Partei-Präsidium bei seiner Sitzung in München ein Votum für Stoiber abgeben, eine Art Solidaritätsbekundung. Die Opposition spricht von einer Panikreaktion. Offen ist, ob die CSU-Basis dieses Vorpreschen zu Gunsten Stoibers goutiert oder sich gegen das Dekret von oben sperrt.

Für die Umfrage hat das Forsa-Institut zwischen dem 27. und 29. Dezember 1009 Wahlberechtigte in Bayern repräsentativ befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei drei Prozent nach beiden Seiten.

Ihre Meinung

Wie halten Sie es mit Edmund Stoiber? Finden Sie, er sollte 2008 noch einmal für die CSU ins Rennen gehen? Oder braucht die CSU neue Gesichter an ihrer Spitze?

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
wolf39 (04.01.2007, 11:49 Uhr)
Der Problemministerpräsident ...
Äh… Natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns,
und die Reaktion war völlig richtig, einen äh, sich normal verhaltenden
Ministerpräsidenten in Bayern zu haben. Äh, ja, das ist gar net zum Lachen.
Äh, und der… Ministerpräsident, im Normalfall, ich muss mich ja auch… äh…
auch Werner Schnappauf hat sich natürlich hier, äh, intensiv, äh, mit äh,
so genannten Experten austausch… austauschen… äh, müssen. Nun haben wir,
der normal verhaltende Ministerpräsident lebt in der Staatskanzlei, geht
niemals äh, raus und äh, vergeigt vielleicht äh, ein bis zwei Reden im Jahr.
Äh, wir haben dann einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden
Ministerpräsidenten, dem Schadministerpräsidenten und dem äh, Problemminister-
präsidenten. Und, äh, es ist ganz klar, dass äh, dieser Ministerpräsident äh,
ein Problemministerpräsident ist und äh, es ist im übrigen auch äh, im Grunde
genommen äh, durchaus äh, ein gewisses Glück gewesen. Der hat um 1 Uhr nachts äh,
praktisch äh, diese Reden gehalten.
Und äh, Gott sei dank war in dem Haus… äh, war… also jedenfalls ist das nicht
bemerkt worden aufgrund von… äh, es ist nicht bemerkt worden. Stellen Sie sich
mal vor, der war ja mittendrin, stellen Sie sich mal vor, die Leute wären raus
und wären praktisch jetzt dem Ministerpräsidenten äh, praktisch begegnet, äh,
was da hätte passieren können…
Facti (03.01.2007, 16:34 Uhr)
Demokratie?
Wie der €. Keiner wurde gefragt, 60 % lehnen ihn ab, aber er bleibt.
Laßt doch die Weißkopfstottermöwe antreten; für Absturz incl. CSU im Gefolge ist Äh-dmund, wie üblich, nicht verantwortlich und wir sind ihn los.
SolomonAehnlich (03.01.2007, 15:03 Uhr)
Nicht nur Stoiber sollte zurücktreten...
Deutschland spaltet sich mehr und mehr und ist sich so Uneins wie die Politik - und das alles nicht erst seit gestern. Jeder ist sich selbst der nächste; sei es auf der Straße oder in der Politik. Diese kurzsichtigen Handlungsgrundlagen werden in Zukunft wohl dem einen oder anderen Politiker das Genik brechen.
Vermutlich sollte man langsam mal dazu übergehen, dass bei einer Wahl erstmal jeder Einzelne für sein Handeln vor einem Gericht verantwortlich gemacht wird. Gepaart mit einem Gesetz gegen Inkompetenz wäre das doch wirklich mal innovativ; und würde uns wohl schneller vor Menschen wie Stammel-Ede bewahren.
guido-burkhard (03.01.2007, 12:48 Uhr)
Stoiber sollte zurücktreten
Sie tickt unaufhaltsam, die Uhr gegen Edmund Stoiber. Es ist nicht nur die Flucht vor der Verantwortung in Berlin, sondern die Flucht vor der Verantwortung in der Bespitzelungs-Affäre. Edmund Stoiber bestreitet nach wie vor, die Bespitzelung der Fürther Landrätin in Auftrag gegeben zu haben, obwohl alles gegen ihn spricht. König Edmund I. sollte die Macht abgeben, solange er es ohne Gesichtsverlust machen kann. Fast die Hälfte seiner Wähler wollen ihn nicht mehr an der Spitze der CSU sehen. Diese Realität will der Ministerpräsident nicht wahrhaben. Seine Zeit ist abgelaufen.
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