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28. Juli 2010, 09:03 Uhr

Debakel für Kanzlerin Merkel und ihre Union

Die Union unter 30 Prozent, dazu ein rapider Vertrauensverlust für sie persönlich: Neue Umfragen des stern tragen nicht dazu bei, Angela Merkel den Urlaub zu versüßen.

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Schlimme Werte: Bundeskanzlerin Angela Merkel büßte im stern-Ranking das meiste Vertrauen ein, ihre Partei sank im stern-RTL-Wahltrend unter 30 Prozent© Axel Schmidt/DDP

Neue Ohrfeigen des Wahlvolkes für Angela Merkel und die Union. Im stern-Politikerranking verliert das Spitzenpersonal von CDU und CSU drastisch an Vertrauen - und im stern-RTL-Wahltrend fällt die Union sogar unter 30 Prozent.

Die Top-Politiker werden von der Bevölkerung zwar ohnehin durchgehend schlechter benotet als noch vor acht Wochen - aber die Unions-Leute verlieren am stärksten an Boden. Die Bürger können in dem Ranking ausgewählten Politikern Vertrauenspunkte auf einer Skala von 0 (kein Vertrauen) bis 100 (sehr großes Vertrauen) vergeben konnten. Mit im Schnitt 61 Punkten liegt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) weiter an der Spitze, er bekam jedoch zwei Punkte weniger als im stern-Ranking Anfang Juni. Die stärksten Einbußen musste Merkel hinnehmen. Die Bürger gaben ihr nur noch 56 Vertrauenspunkte - ein Minus von 6 Punkten. Die CDU-Chefin rangiert nunmehr 5 Punkte hinter Guttenberg auf dem zweiten Platz. Die Enttäuschung über die schlechte Leistung der Regierung trifft aber auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, CDU (ebenfalls 56 Punkte, minus 5) und Finanzminister Wolfgang Schäuble CDU (53 Punkte, minus 5). Im Mittelfeld liegen CSU-Chef Horst Seehofer (45 Punkte, minus 3) und Familienministerin Kristina Schröder, CDU (41 Punkte, minus 2).

Auch Oppositionspolitiker verlieren

Leicht an Vertrauen verlor auch das Personal der Opposition. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kam mit 54 Punkten (minus 1) auf Rang vier. SPD-Chef Sigmar Gabriel konnte 48 Punkte sammeln (minus 2). Ebenfalls im Mittelfeld: Grünen-Fraktionschefin Renate Künast (46 Punkte, minus 2). Linken-Fraktionschef Gregor Gysi belegt mit 34 Punkten (minus 3) einen Platz im unteren Drittel.

Schlecht schnitten die Politiker der FDP ab: Gesundheitsminister Philip Rösler liegt mit 37 Punkten (minus 3) nur knapp vor Gysi. Schlusslicht ist erneut Außenminister Guido Westerwelle. Er kommt nur auf magere 31 Punkte (minus 2). Für den Vizekanzler ist es ein neues Rekordtief. Im Laufe des Superwahljahres 2009 hatte der damalige Oppositionsführer in den stern-Rankings bis zu 48 Punkte erhalten. Anfang Januar 2010, nach zwei Monaten im Amt, stand er noch bei 42 Punkten. Im April, nach der Debatte um die Auswahl seiner Begleiter bei Dienstreisen, war er auf 34 Punkte abgestürzt. Für die Umfrage wurden 1002 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger befragt.

Union liegt nur noch einen Punkt vor SPD

Beim stern-RTL-Wahltrend rutschte die Union erstmals seit knapp vier Jahren unter die 30-Prozent-Marke. Sie verlor im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt und kommt nur noch auf 29 Prozent. Seit der Bundestagswahl vor zehn Monaten hat die Union damit fast 5 Prozentpunkte eingebüßt. Unter 30 Prozent lag sie im stern-RTL-Wahltrend zuletzt im Herbst 2006. Die FDP gewinnt einen Punkt, bleibt mit 5 Prozent aber weiter schwach. Die SPD hält ihr Jahreshoch von 28 Prozent, zum ersten Mal seit Jahren liegt sie nur noch einen Prozentpunkt hinter der Union. Auch die Werte der zwei anderen Oppositionsparteien änderten sich nicht: Die Grünen verteidigen ihr Rekordhoch von 19 Prozent, die Linke verharrt bei 11 Prozent. Für "sonstige Parteien" würden sich 8 Prozent der Wähler entscheiden.

Rot-Grün hält absolute Mehrheit

Wäre jetzt Bundestagswahl, könnten SPD und Grüne (zusammen 47 Prozent) erneut mit einer absoluten Mehrheit der Mandate rechnen. Union und FDP kämen gemeinsam auf 34 Prozent. Insgesamt hat das "linke" Lager aus SPD, Grünen und Linkspartei mit zusammen 58 Prozent weiter einen Vorsprung von 24 Prozentpunkten vor Union und FDP.

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte dem stern, der Union gelinge es nicht, ihre früheren, zur FDP abgewanderten Wähler zurückzuholen. Güllner: "Das sind überwiegend Selbstständige und Mittelständler, die ihre Interessen in der Großen Koalition nicht von der Union vertreten sahen. Jetzt sind sie von der FDP enttäuscht, kehren aber der Union weiter den Rücken." Ein großer Teil von ihnen würde ins Lager der Nichtwähler gehen. Die These, dass hier eine Bewegung rechts von der Union entstehen könne, nannte Güllner "Unfug". Die Enttäuschten seien keine Reaktionäre. "Schon Jürgen Möllemann ist mit seinem Ausflug ins rechtspopulistische Milieu kläglich gescheitert," so der Forsa-Chef zum stern. Am Wahltrend nahmen 2502 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger teil.

 
 
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