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2. April 2008, 07:20 Uhr

Beck und Merkel, das ungleiche Duell

Egal, wer für die SPD als Kanzlerkandidat ins Rennen geht: Die Chance, gegen Angela Merkel zu gewinnen, bleibt gering. Nach der neuesten Forsa-Umfrage im Auftrag des stern legt die SPD zwar um einen Prozentpunkt auf 23 Prozent zu. In einer Direktwahl zwischen Parteichef Kurt Beck und der Kanzlerin würde sich jedoch nur noch jeder zehnte Deutsche für ihn entscheiden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck© Juergen Schwarz/DDP

Die gute Nachricht für die SPD in dieser Woche ist: Nachdem der Krach um Kurs und Kanzlerkandidat nicht weiter eskaliert ist, gewinnt sie wieder ein paar Anhänger zurück - in der wöchentlichen Umfrage des Berliner Instituts Forsa für den stern legte die SPD um einen Prozentpunkt zu; wäre jetzt Bundestagswahlen, käme sie auf 23 Prozent.

Die schlechte Nachricht ist: Es ist egal, mit wem die Sozialdemokraten 2009 gegen Angela Merkel antreten - die Aussicht auf Erfolg ist gering. Zwar neigen in der SPD-Führung immer mehr der Idee zu, mit einem gemischten Doppel in die nächste Wahl zu gehen: mit Parteichef Kurt Beck, der das linke Herz der Genossen hochschlagen lassen soll, und einem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, der Wähler aus der Mitte für die SPD erreichen könnte. Doch aus Sicht der Wähler wäre das eine Kombination aus Einäugigem und Blindem.

© stern-Infografik

Auch Steinmeier gilt nicht als geeigneter Regierungschef

Denn der Außenminister ist bei den Deutschen zwar populär, sie beurteilen ihn im Vergleich zur Negativfigur Beck auch als sympathischer, dynamischer, kompetenter und leidlich glaubwürdiger - für einen geeigneten Regierungschef halten sie ihn deshalb noch lange nicht. Nur 16 Prozent aller Bürger - und auch nur ein knappes Viertel der SPD-Anhänger - attestieren ihm laut stern-Umfrage das Zeug zum Kanzler, und lediglich fünf Prozent halten ihn für fähig, die Probleme des Landes lösen zu können.

Das Hauptproblem des SPD-Vize: Ihm fehlt ein klares Profil als Politiker - und der Biss. Als machtbewusst stufen ihn ganze 18 Prozent ein, als stark 15 Prozent. Deshalb gilt Steinmeier auch nur mit einer relativen Mehrheit von 28 Prozent als bester SPD-Kanzlerkandidat, auf dem zweiten Platz folgt Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (16 Prozent). Erst an dritter Stelle rangiert Beck - übrigens auch bei den SPD-Wählern.

© stern-Infografik

Forsa-Chef Güllner: "Steinmeier klar vor Beck"

Zur K-Frage bei den Sozialdemokraten sagte Forsa-Chef Manfred Güllner zu stern.de: "Es ist so, dass bei der Wählerschaft insgesamt, aber gerade auch bei den SPD Wähler, Steinmeier klar vor Beck liegt." Auch im Osten sei Steinmeier populärer als Kurt Beck. Allerdings zeige die Bemessung seiner Kompetenzen, dass ihm die Menschen nicht zutrauen, auf Seiten der kleinen Leute zu stehen. Güllner: "Das ist eine gewisse Schwäche." Einen historischen Tiefwert hat der SPD-Chef im Vergleich mit Angela Merkel mittlerweile erreicht. In einer Direktwahl zwischen Beck und der Kanzlerin würde sich nur noch jeder zehnte Deutsche für ihn entscheiden. Beck gibt sich unbeeindruckt. Für ihn sind die miesen Werte nur eine "Delle". Er werde wie geplant frühestens im Herbst vorschlagen, wer für die SPD 2009 antreten soll. "So war es, so ist es, so bleibt es." Allerdings ist längst nicht mehr sicher, dass die SPD-Spitze diesen Vorschlag auch akzeptiert - jedenfalls dann nicht, wenn er Kurt Beck heißen sollte. So vermieden es sowohl Steinmeier wie auch SPD-Fraktionschef Peter Struck in ihren jüngsten Interviews, sich - wie bislang üblich - auf Beck festzulegen. Beck werde seine Entscheidung "davon abhängig machen", so Struck vielsagend, "mit wem die SPD zu diesem Zeitpunkt die größten Chancen hat". Nach dem jetzigen Stand müsste das Steinmeier sein.

Grüne verlieren leicht, übrige Parteien stabil

Die Werte für die übrigen Parteien verändern sich in der aktuellen Umfrage im Vergleich zur Vorwoche nicht. Lediglich die Grünen verlieren einen Punkt und erreichen 10 Prozent. Die CDU kommt auf 38 Prozent, die Linkspartei auf 14 Prozent und die FDP erreicht 11 Prozent. Das linke Wählerlager liegt mit zusammen 47 Prozent weiterhin knapp hinter dem bürgerlichen Lager aus CDU/CSU und FDP, das zusammen 49 Prozent erreicht.

Die SPD-Führung greift die Umfragen von Forsa häufig an. Sie seien nicht zuverlässig. "Die SPD hat schon immer Schwierigkeiten gehabt, die Realität zur Kenntnis zu nehmen", antwortet Güllner im stern.de-Gespräch. Er könne nur referieren, was die Menschen ihm sagten.

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KOMMENTARE (10 von 11)
 
cologne237 (02.04.2008, 14:44 Uhr)
TV
Mein absoluter Horror war immer, abends die Nachrichten anzuschalten, zuerst George W. Bush und dann Angela Merkel zu sehen...
wie schlimm nur wäre das Programm, diesen merkwürdigen Hafensänger politischer Parolen, Kurt Beck zu sehen...
Asteriskina (02.04.2008, 10:53 Uhr)
einfach mal rechnen
Wenn eine Partei 38-40 Prozent von einer Wählerschaft erhält, die etwas über 60 Prozent beträgt, kann sich jeder leicht ausrechnen, wiviel Zustimmung eine solche "Volkspartei" tatsächlich hat. Insofern können wir bei der CDU nicht mehr von einer überwiegenden Zustimmung oder Volkspartei sprechen. Gleiches gilt natürlich für die SPD, nur noch drastischer. Das Wichtigste wäre es, Wähler wieder an die Urnen zu bekommen. Die Nichtwähler verweigern sich weniger, als dass sie keinerlei Zustimmungswerte erkennen können. Das sollte doch langsam Beachtung finden.
stesocom (02.04.2008, 10:52 Uhr)
Eilmeldung: "Dicker Brummer der SPD stürzt ab !"
Beck, der dicke Brummer der SPD, stürzt völlig ab. Wenn am nächsten Sonntag eine Bundestagswahl gäbe, würde nur noch jeder zehnte Deutsche ihn – nach einer Forsa Umfrage - bei einer Direktwahl gegen Kanzlerin Merkel wählen. Das ist mehr als nur erschreckend. Man kann heute schon sagen, dass die Sozialdemokraten mit solch einen Kanzlerkandidaten nicht den Hauch einer Chance zum Wahlsieg haben; zumal die dt. Wirtschaft boomt ,wie seit vielen Jahren nicht mehr. Das alles spielt der CDU/CSU entgegen. Aber auch Steinmeier hätte nicht das Profil , einen ansprechenden Kanzlerkandidaten abzugeben. Die Illusion der SPD , 2009 einen überraschenden Sieg hinzulegen, sollten selbst die größten SPD-Optimisten ad acta legen. Es wird nun Zeit, dass sich bei den Sozialdemokraten nicht nur etwas Grundsätzliches bezüglich ihrer Positionierung gerade im Bereich der sozialen Themata tut, sondern auch im Personal. Es gibt viele junge, talentierte Jusos, denen man nun eine Chance zum Aufrücken geben sollte. Diese sind noch nicht so arrogant und machtgeil , wie es Beck nun mal ist. Das macht den dicken Brummer schließlich so unsympathisch und lässt ihn bei Umfragen praktisch abstürzen.
vegefranz (02.04.2008, 10:25 Uhr)
Respekt für Merkel
ich habe sie nicht gewählt. inzwischen hat sie sich aber meinen Respekt verdient
Nursery (02.04.2008, 10:11 Uhr)
Keine Unterstützung

Beck hat ja noch nicht einmal Unterstützung im eigenen Lager.Und andere Kanidaten sind kaum auszumachen.Das Verwerfliche ist, die CDU klammert den sogenannten "Wirtschaftlichen Erfolg für sich und die SPD zerlegt sich selbst.Sie ist kaum sichtbar. Sinnvoll wäre sich deutlicher von der CDU (gerade was den Mindestlohn angeht) zu distanzieren und Frau Merkel zu entlarven ( Schönwetterkanzlerin) kommt nichts von der Partei rüber.Dabei sind die Probleme im Land greifbar. Daß die SPD zum großen Teil an diesen Verschlechterungen der Arbeitnehmer und Konsumenten beteiligt waren (Mehrwertsteuererhöhung) wenn nicht sogar forciert hat ist ein Vermächtniss daß ihr noch lange Probleme bereiten wird.Sie ist keine Volkspartei mehr.Die CDU sollte sich nicht zu früh freuen, sie bekommen noch rechtzeitig ihr Rechnung für Unfähigkeit und der baldigen Sogenannten Vollbeschäftigung.Hier leiden einige an Demenz
knilch_59 (02.04.2008, 09:29 Uhr)
Logische Entwicklung!
Für die Mehrheit in unserem Land gilt als Lebensmotto
„Lerne zu klagen, ohne zu leiden“
Und wir klagen auf höchstem Niveau
25 Jahre nach der Kohlschen geistig-moralischen Wende sind wir misstrauisch und überängstlich gegenüber jeder Veränderung und klammern uns schon fast zwanghaft an das, was wir haben.
Jeder Änderungswille wird sofort zerredet, der Veränderer öffentlich geprügelt. Aber weiß überhaupt jemand, wofür Frau Merkel politisch steht? Wie will sie – persönlich, als Regierungschefin und Vorsitzende der CDU – die Zukunftsprobleme gestalten? Wofür steht diese Frau? was will sie nicht, und noch interessanter: was will sie und wie will sie es gestalten? Sie entpuppt sich als Kanzlerin der Meinungsfreiheit – sie hat nämlich keine, oder sie verrät sie nicht!
Im politischen Mikado hat Beck den Kardinalfehler begangen: Er hat sich bewegt – also verloren! Dabei wird die Zeit zeigen, dass er Recht hatte: Die Linkspartei im Westen zu etablieren war systemisch eine Erfindung von Schröder, Clement und Müntefering. Die sind weg, Beck muss es ausbaden, die Realität anerkennen und damit politisches Harakiri zelebrieren. Ergebnis:
ganzbaf (02.04.2008, 09:13 Uhr)
Achaz....
sehr wahr.
.
Oder viele verwechseln "beliebt" mit "bekannt"?? (-;
@hannes, für CDU-Verhältnisse könntest du sogar recht haben...! ;-p
hannes_schinder (02.04.2008, 08:49 Uhr)
Das Kanzleramt
war lange Zeit nicht so intelligent besetzt wie mit Angela Merkel.
AchazIII. (02.04.2008, 08:37 Uhr)
Auch der GRÖFAZ war der beliebteste - bis zum Schluss
Der Deutsche ist obrigkeitshörig, er hat Respekt vor "Amtsinhabern". Das weiß man seit Jahrhunderten.
Es ist immer der Amtsinhaber der "angesehendste" beim Volk. Vor ein paar Jahren hat man über die Oppositionelle Fr. Merkel, damals noch mit anderer Frisur, landesweit gespöttelt. Kaum hat jemand ein Staatsamt inne, schon wird er vom Volk "hoch angesehen". Das ist die Schwäche der Deutschen, sich von Staatsämtern beeindrucken - oder präziser manipulieren - zu lassen.
Auch der "GRÖFAZ" wäre bis 1945, hätte es damals eine Umfrage unter den Deutschen gegeben, bis Kriegsende der "angesehendste" und "beliebteste" gewesen. Der obrigkeitshörige Deutsche "liebt" immer seinen Regenten - dies nur zur Beurteilung solcher seltsamer Umfragen. Man fragt sich allmählich: Hört denn diese Landplage mit FORSA und Co. nie auf? Jede Woche Umfragen, lächerlich.
Nur zur Anmerkung: Ich halte Merkel und Beck beide gleich schlecht.....
gmathol (02.04.2008, 07:37 Uhr)
CDU = (SPD+FDP+Gruene+CSU).
In einem Einparteiensystem braucht es doch bald auch keine Wahlen mehr! Reine Zeitverschwendung!
Die Richtung ist eh klar: Abbau des Sozialstaats und der Buergerrechte, Erhoehung der Steuern und der Gehaelter der Polit-Bonzen.
Willkommen in der Neune DDR - ehemals SBZ nun USBZ.
Gemerkt hat es offenbar noch Keiner oder man will es gar nicht merken dann muesste man naemlich etwas dagegen tun, z. B. die Linke waehlen.
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